Liv

von Kevin Kuhn 
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Liv
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Positiv (6):
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Spannend und erschütternd zugleich

Kritisch (1):
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Die Idee ist passend zur jetzigen Zeit, allerdings schwer zu lesen, zu langatmig und einfach nicht meins

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Inhaltsangabe zu "Liv"

Der junge Franz streift mit seiner Clique durch das überbordende Berlin der 1920er Jahre und ist hin- und hergerissen zwischen den ungeahnten Möglichkeiten und den Gefahren einer Stadt im Rausch. Liv reist wie viele junge Israeli durch die Welt. Sie hat ihren Militärdienst allerdings nicht bereits absolviert, sondern flieht vor ihm – und einem unerträglichen Gefühl der Enge – ins Ausland. Während ihrer Reise erobert sie einen neuen Kontinent: Sie wird zu einer Social-Media-Ikone, deren Posts viele Tausende lesen. Zwischen Liv und Franz liegen beinahe 100 Jahre, aber sie gehen wie Geschwister durch dieselbe Welt. Beide suchen nach einer Perspektive abseits der Euphorie ihrer Epochen, nach Autarkie in der Masse. Kevin Kuhn stellt sich den drängenden Fragen unserer Zeit und zeigt uns überraschende Wege durch die Fremde, die längst zu unserer Wirklichkeit geworden ist.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783827012722
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:496 Seiten
Verlag:Berlin Verlag
Erscheinungsdatum:01.09.2017

Rezensionen und Bewertungen

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    DaniB83s avatar
    DaniB83vor 5 Monaten
    Kurzmeinung: Die ersten Seiten waren der Wahnsinn, auch das Ende war gut, zwischendurch aber leider etwas ermüdend.
    Zwei Geschichten, zwei Leben

    Liv und Franz, um die beiden Personen geht es überwiegend im Roman "Liv" von Kevin Kuhn. Die Leseprobe sowie die Charaktere hatten mich überzeugt: Ich wollte dieses Buch unbedingt lesen. Als ich anfing, war alles noch im grünen Bereich. Wir lernen Liv und Franz kennen, wobei Livs Passagen textlich länger und gehaltvoller sind. Allerdings kam mir während der Lektüre, die durchaus flüssig war, immer wieder ein Social Media-Begriff unter, der mir absolut nicht gefiel und ich den auch nicht so gerne im Roman lese. Es war die Rede von 24K (eine x-beliebige Zahl), die einem folgen, und diese Aussage war für mich mit dem Rest des Schreibstils absolut nicht konform. Das stach heraus und ich musste mich immer ärgern, wenn ich diese Art von Angabe las.


    Mit der Zeit wurde auch das Geschehen immer undurchsichtiger beziehungsweise auch etwas langatmiger, sodass ich mich dazu entschloss, doch eine größere Seitenanzahl ungelesen hinter mir zu lassen und mich gleich dem Ende zu widmen. Viel zu oft musste ich während des Lesens wieder zurückblättern oder auch pausieren und was anderes zur Hand nehmen, da ich einfach nicht weiterkam. Ich habe zwischen 2 und 3 Sternen bei der Bewertung geschwankt, bin dann aber auf 3 Sterne gegangen, da die Thematik absolut zeitgemäß und wichtig ist, außerdem das Ende dann doch wieder überzeugt hat. 


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    M
    maren_schuetzvor 7 Monaten
    Die Helden bleiben fremd

    Die junge Israeli Liv flieht vor ihrem Militärdienst auf eine klassische Backpackerreise, zunächst nach Mexiko. Mit dabei: ihr Smartphone. Sie teilt und textet alles. Zunächst lieben sie ihre Follower, mit dem zunehmenden Entgleiten ihrer Reise stellt sich auch noch der Shitstorm ein. 


    Im parallelen Erzählstrang reist der junge Franz mit seiner Leica- wohl die Parallele zum Instagramaccount- durch das pulsierende Berlin der 20er Jahre. Beide lassen sich treiben und die Ereignisse passieren mit ihnen. Soweit die Story und die Parallelen der Geschichte, ohne zu viel vorweg zu nehmen.


    Ich fand das Buch schon auf den ersten Seiten anstrengend. Es gibt sehr viel Detail, ohne das ich irgendwann wirklich in die Story hineingefunden hätte. Auch die Charactere blieben mir fremd. Vielleicht ist das der gewünschte Effekt. Bei Liv habe ich das fast nicht anders erwartet, da mich Social Media schon live nervt, und es mich fast überrascht hätte, wenn mir eine Geschichte darüber gefallen hätte. Bei Franz hat es mich aber wirklich enttäuscht, da ich bis jetzt das Pulsieren der 20er immer sehr mochte...  ein empfehlenswertes Beispiel ist hier Cafe Berlin von Harold Nebenzal.


    Zusammenfassend habe ich mich - nicht zuletzt aufgrund des, wie ich immer noch finde, sehr gelungenen Covers- sehr auf das Buch gefreut und wurde dann etwas enttäuscht. Vielleicht bin ich aber einfach nicht die richtige Zielgruppe...

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    W
    Waschbaerinvor 7 Monaten
    Kurzmeinung: Ein Mann und eine Frau lassen sich durchs Leben treiben. Ähneln dabei einander, obwohl sie 100 Jahre trennen.
    Gestern und heute

    Das vorliegende Buch "Liv" von Kevin Kuhn wurde in 2 Erzählsträngen verfasst.

    Das  Leben von Franz spielt sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts ab, als er mit seiner Leica bewaffnet durch Berlin schwirrt und alles fotografiert, was sich nicht dagegen wehrt. Dabei wirkt Franz auf mich fahrig, ganz so, als habe er keinen blassen Schimmer wohin das Leben ihn führt. Die Zielgeber sind andere Menschen. Aber was will Franz? Was mir in diesen Teilen allerdings gut gefällt ist, dass der Autor den damaligen Zeitgeist dem Leser bildlich nahe bringt. Es ist, als wäre man selbst in diesen pulsierenden Jahren zwischen dem ersten und zweiten Weltkrieg zu Hause. An manchen Stellen war ich an das Musical und den Film "Cabaret" mit Liza Minelli in der Hauptrolle erinnert. Auch dort stand das pulsierende und grenzenlos erscheinende (Nacht)Leben in Berlin im Blickpunkt.

    In der Neuzeit, dem 21. Jahrhundert steht Liv im Mittelpunkt dieses Romans. Eine Israelin, die durch Flucht ihrem Militärdienst in ihrer Heimat entgehen will. Moderne Medien machen es ihr möglich immer neue follower im Netz zu finden, die sie auf ihrer manchmal viel zu waghalsigen Reise begleiten. Es ist eine moderne Art unterwegs, dabei aber nie ganz abwesend zu sein. Liv lässt sich treiben, hat kein erkennbares, gestecktes Ziel das sie erreichen möchte. Es kommt wie es kommt, scheint ihr Motto zu sein. Und so reist sie durch die Welt und durch das Netz, immer ihre follower - darunter auch persönliche Freunde von früher - im Blick.

    Ist Liv eine typische Vertreterin der neuen und jungen Generation? Hoffentlich nicht. Sie macht auf mich den Eindruck als wüsste sie lediglich, dass sie dem Militärdient in ihrem Heimatland Israel entgehen will - der Rest wird sich irgendwie finden. Sie befindet sich in Mexiko ohne genau zu wissen wo und wie das Leben dort funktioniert. Hat sich nicht einmal vorher Gedanken über die Gefahren gemacht, die außerhalb der geschützen Räume auf Reisende wie sie warten. Blauäugiger geht es nicht mehr. Auch als sie es endlich bis in die USA geschafft hat, scheint sie kein Gespür für Risiko entwickelt und nichts dazu gelernt zu haben, was Gefahren anbelangt. Ohne sich vorher über die genauen Örtlichkeiten zu informieren lässt sie sich auf einen Fußmarsch durch die Wüste ein. Da fragte ich mich wirklich, was geht in diesem wirren Gehirn vor sich? Legt es LIv vielleicht darauf an, bei einer ihrer Aktionen das Leben zu verlieren?

    Ich muss gestehen, ich ging mit großen Erwartungen an diesen Roman heran. Die Beschreibung gefiel  mir und ich erwartete etwas, das mich fesselt. Leider geschah das nur an ganz bestimmten Passagen. Viel zu oft verlor sich die Geschichte in banalen Beschreibungen, die mir zu langatmig waren. Auch bekam die Person "Liv" kein genaues Gesicht, egal wie viel ich von ihr las.

    Vielleicht bin ich von der Möglichkeit, dank neuer und digitaler Medien immer präsent sein zu können nicht genügend begeistert, weshalb das Buch auf mich eher befremdlich wirkte. In einigen Wochen werde ich es erneut zur Hand nehmen und nochmals lesen. Vielleicht sehe ich dann eher den Sinn dieses Romans.

    Auf der anderen Seite könnte ich mir vorstellen, dass die Zielgruppe des Autors ein eher junges Publikum ist, das sich von Livs Lebenseinstellung "durch Tag und Zeit treiben", eher ansprechen lassen wird. Allerdings denke ich, wird da Franz und sein Zeitgeist wiederum auf mäßige Gegenliebe stoßen.

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    CanYouSeeMevor 8 Monaten
    Liv - Kevin Kuhn

    Der junge Franz streift mit seiner Clique durch das überbordende Berlin der 1920er Jahre und ist hin- und hergerissen zwischen den ungeahnten Möglichkeiten und den Gefahren einer Stadt im Rausch. Liv reist wie viele junge Israeli durch die Welt. Sie hat ihren Militärdienst allerdings nicht bereits absolviert, sondern flieht vor ihm – und einem unerträglichen Gefühl der Enge – ins Ausland. Während ihrer Reise erobert sie einen neuen Kontinent: Sie wird zu einer Social-Media-Ikone, deren Posts viele Tausende lesen. Zwischen Liv und Franz liegen beinahe 100 Jahre, aber sie gehen wie Geschwister durch dieselbe Welt. Beide suchen nach einer Perspektive abseits der Euphorie ihrer Epochen, nach Autarkie in der Masse.

    Wie bereits der Klappentext andeutet, ist das Buch in zwei Erzählstränge geteilt. Der Schreibstil unterscheidet sich in diesen Strängen nur wenig voneinander, er ist insgesamt recht flüssig zu lesen.Die zwei Hauptcharaktere konnte ich nicht ganz fassen – Franz dabei schon noch eher als Liv. Beide blieben mir die gesamte Länge des Buches über fremd und nicht greifbar. Die Handlung strotzt nur so vor detaillierter Beschreibungen der Erlebnisse und bleibt dennoch seltsam unnahbar. Eine komische Mischung, die für mich sehr unangenehm zu lesen war.Livs Leben ist in meinen Augen von einer unendlich großen Naivität geprägt und einer Resistenz gegenüber dem Lernen aus Fehlern. Ich hatte den Eindruck, dass sie sich als Charakter nur wenig entwickelt, sich eher treiben lässt und dabei kein bisschen über die Konsequenzen ihrer Handlungen nachdenkt. Sie wirkte auf mich sehr unreif und ich konnte mich (bis auf die Affinität zum Smartphone) nicht mit ihr identifizieren.Franz‘ Leben ist ähnlich kurios, auch er lässt sich treiben. Seinen Erzählstrang konnte ich jedoch mehr greifen. Doch auch hier blieb die Greifbarkeit für mich im Hintergrund, die Geschehnisse wirkten durchaus abstrakt. Es gibt durchaus parallelen im Leben der zwei, die Quintessenz ist ähnlich. Dennoch wurde mir dies erst nach dem Lesen klar – während des Lesens war ich vorrangig verwirrt. Für dieses Buch braucht es definitiv Zeit und Ruhe, um die Botschaft zu verstehen. Insgesamt schwirren mir immer noch viele Fragen im Kopf herum…

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    Lavendel3007s avatar
    Lavendel3007vor 8 Monaten
    Kurzmeinung: Die Idee ist passend zur jetzigen Zeit, allerdings schwer zu lesen, zu langatmig und einfach nicht meins
    Analog & Sozial-Media

    "Sie wollte festen, steinigen Boden, sie wollte einen Anstieg, den sie hinaufstapfen musste, sie wollte Schweiß schmecken, wollte den weiten Nachthimmel und die Sterne und die erste kühle Brise des Tages spüren. Ja, sie wollte wieder etwas fühlen." (S. 185)

    Beinahe 100 Jahre liegen zwischen Liv und Franz.
    1928 streift Franz mit seiner Gruppe durch das blühende Berlin.
    Liv reist in unserer gegenwärtigen Zeit durch die Welt. Die junge Israeli flüchtet vom Militärdienst um sich selbst zu finden. Ständig begleiten sie die Sozial-Media Accounte.
    Beide erliegen dem Sog ihrer Zeit und sind doch irgendwie miteinander verbunden.

    Mir fiehl es zunehmend schwer dieses Buch zu lesen. Für mich war es leider kein Lesevergnügen. Ich denke allerdings, das dieses Buch von den "Richtigen" gefunden und gelesen werden muss.

    Der Roman ist in zwei Erzählungen unterteilt. Zum einen die Geschichte rund um Franz der 1928 in Berlin lebt und die zweite Geschichte handelt von Liv in unserer jetztigen Zeit, diese flüchtet vom Militärdienst aus Israel. Franz wird begleitet von seiner Clique und Liv trifft auf ihrer Weltreise, sie hat weder einen Plan noch ein direktes Ziel, immer wieder auf neue Leute die im laufe des Buches immer stranger werden. Zunehmend kommen Szenen auf in denen man Liv einfach nur noch schütteln oder ihr eine reinhauen möchte, denn sie handelt so völlig unüberlegt. Es nervt irgendwann nur noch. Ihr ständiger Begleiter ist ihr Smartphone und sie teilt alles mit
    hren Followern obwohl sie es zwischenzeitlich selbst nervt, dennoch macht sie weiter. Sie denkt nicht nach und teilt natürlich auch einen ihrer tiefsten Tiefpunkte, und dann geht der Shitstorm los.
    Franz hingegen hat eine Leica (analoge Kamera) und ist auch ständig am fotographieren. Auch er wird ab einem bestimmten Punkt auf bestimmte Art und Weise verfolgt (ich möchte nicht zu viel vorweg nehmen).
    Irgendwann sollte man eine Verbindung zwischen diesen beiden Geschichten finden. Ich selbst fand eher Kleinigkeiten die beide verbindet. Aber jetzt nicht das, was ich erwartet hatte. Ich musste zudem oft zurück blättern, um sicher zugehen das ich nichts überlesen haben. Es war von Abschnitt zu Abschnitt schwieriger. Immer wieder diese Puzzelteile die irgendwie zwar passen, aber schlussendlich mir oft keinen Sinn ergaben sondern nur noch mehr Fragen aufwarfen.

    "Ihre Flaschen waren mit frischem Rasttättenwasser aufgefüllt, mit ihrem letzten Geld hatte sie die  Datenflatrate um einen Monat verlängert. Wofür es nicht mehr gereicht hatte, waren Wanderschuhe, ein Busticket oder die Übernachtung. Oder Essen." (S. 188)

    Das Ende passt zum Buch und man denkt danach auch noch etwas über das gelesene nach, im Sinne von >>> muss denn tatsächlich immer alles geteilt werden anstatt sich mal wieder vernüftig zusammenzusetzten und sich von Mensch zu Mensch zu unterhalten?

    Fazit: Für mich war dieses Buch leider nicht das richtige. Trotz des flüssigen Schreibstils war es langatmig, anstrengend und ich hatte nicht gerade viel Spass am lesen, aber das ist meine Meinung.

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 8 Monaten
    Kurzmeinung: schwierig und für mich wenig greifbar, der Autor hat mich nach anfänglicher positiver Sicht leider schnell verloren.
    der Weg von Hype zu Hate nicht nur im Social Media Zeitalter

    In dem neuen Roman von Kevin Kuhn geht es um Liv. Die junge Frau aus Tel Aviv bricht alle Brücken ab um dem Militärdienst zu entfliehen. Mit dem Militär-Rucksack ihres Freundes Elam (man beachte die Ironie) begibt sie sich auf eine klassische Backpacker Reise nach Mexiko. Ihr sozialer Kontakt beschränkt sich auf eine Handvoll naher Kontakte (Ihren Eltern, Freunden), sowie wechselnden Zufallsreisebekanntschaften und ihren Social Media Followern und findet fast ausschließlich über ihr Smartphone per Messenger statt. Ihr Account wird immer bekannter, ein Post folgt auf den nächsten und schnell wird sie zu einer Social Media Ikone und zieht Firmen an, die ihre Produkte von Liv positionieren lassen möchten und Luxushotels nehmen sie kostenfrei auf. Ihr Weg führt sie über Mexiko in die USA, von dort auf einer Yacht nach Neuseeland und Letzen Endes nach Berlin. Was Liv alles auf dieser Reise erlebt werde ich an der Stelle nicht verraten, nur so viel sie macht auf mich den Eindruck sehr schnell satt und müde zu sein und ihre Reise wirkt ziel- und motivationslos.

    Ein weiterer Erzählstrang führt uns zu dem jungen Franz der mit seinen Freunden in den 20er Jahren Berlin unsicher macht. Mit seiner Kamera, die er bei einer Verlosung gewinnt, schießt er DAS Foto und wird über Nacht berühmt. Aber damals wie heute kann man schnell fallen und aus Hype kann schnell Hate werden.

    Der Handlungsstrang rund um LIV beginnt aus meiner Sicht sehr stark und konnte mich anfangs überzeugen. Ich kam dann allerdings sehr schnell an den Punkt, dass ich mich gelangweilt habe und die Hauptfigur überhaupt nicht mehr greifen konnte und streckenweise die Logik völlig außen vor gelassen wurde (letzteres war mir allerdings nicht ganz so wichtig). Einzig der Part auf der Yacht war für mich noch stark, da ich diesen psychologisch wirklich interessant fand, wochenlang (man verliert in dem Buch jegliches Zeitgefühl) zu dritt auf dem offenen Meer zu verbringen. Das Social Media Thema ist wichtig und ich finde es gut, wenn Autoren, Journalisten hier  aufklären, aufrütteln, allerdings fühle ich mich da mit Ü40 nicht mehr so richtig als Zielgruppe. Sprachlich fand ich den Roman angenehm zu lesen. Ein weiterer Kritikpunkt ist für mich, dass der Autor den Roman völlig überfüllt hat und man als Leser schnell satt ist, ich zumindest war es. Man hätte hier durch einen anderen Aufbau (ja ich rede mich da leicht aus meiner Position ;)) und Kürzungen meiner Meinung nach mehr herausholen können. Da komme ich auch direkt zu meinem Frustpunkt. Was habe ich mich auf die 20er Jahre gefreut, aber der gesamte Handlungsstrang konnte mich weder inhaltlich noch sprachlich überzeugen. Für mich hatte er leider, und das klingt jetzt hart und tut mir leid, keinen Mehrwert. Es gab zwei Szenen die mich etwas in die Zeit versetzt haben von der Stimmung her … ansonsten hat der Autor hauptsächlich auf die Nennung technischer Errungenschaften gebaut um die Zeit aufleben zu lassen. Obwohl er Franz als Ich-Erzähler anlegt, kommen durch den protokollartigen Stil keine Emotionen rüber. Schwierig.

    Alles in allem hat mich der Roman zwar unterhalten, das lag aber zum Großteil daran, dass ich das Ende kannte und sehr neugierig war wie es zu dem Ausgang kommt. Wenn ich mir die Frage stelle, würde mir etwas fehlen wenn ich es nicht gelesen hätte, muss ich leider sagen: nein. Ich habe dem Roman trotz aller Kritik  3 Sterne gegeben, weil das Ende stimmig ist und das Thema Umgang mit Social Media wichtig ist, insbesondere für die Generation in ihren 20ern.



    * Rezensionsexemplar über Lovelybooks / Verlag


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    Schmiesens avatar
    Schmiesenvor 8 Monaten
    Kurzmeinung: Die Botschaft verliert sich zwischenzeitlich, nicht alles ist nachvollziehbar oder verständlich, aber ein überraschendes Ende versöhnt mich.
    Wenn die Einsamkeit zum Verhängnis wird

    "Heute müsste es endlich passieren, das große Erlebnis, das sie nie vergessen sollte. Etwas, das den letzten Wochen im Nachhinein einen echten Sinn abrang."

    Liv hat sich entschieden: gegen den israelischen Militärdienst, für die Fahnenflucht ins Ausland. Erster Halt - Mexiko. Doch ihre Reise treibt sie um die Welt, immer begleitet von Smartphone, Smartwatch und tausenden Followern. Fast ein Jahrhundert früher, im Jahre 1928, erobert Franz mit seiner Kamera das pulsierende Berlin. Beide strudeln sie in die Berühmtheit, beide sind sie gefangen in unendlicher Einsamkeit. Untrennbar sind ihre Schicksale miteinander verbunden.

    Liv Liv Liv Liv Liv - so begrüßt uns das außergewöhnliche Cover dieses Romans. Ganz klar also, der Fokus liegt auf Protagonistin Liv, es ist eigentlich ihre Geschichte, die hier erzählt wird. Was ihr auf ihrer Reise begegnet und zustößt, hat mich gerade zu Anfang gefesselt. Eindringlich wird geschildert wie verloren und einsam man sich an einem unbekannten Ort mit unbekannter Sprache fühlt. Wie sehr die stereotypen Backpacker, die Alternativtraveller, die Weltveränderer nerven. Wie wenig sie doch die Lieben zuhause, die Zurückgebliebenen ersetzen können. Einsam inmitten einer feiernden, lärmenden, begeisterten Masse, wo alles nur Trug und Schein ist.

    Livs Kontakt in die Heimat, die ihr nach ihrer Flucht versperrt bleibt, ist ihr Smartphone. Social Media machen Simultankontakt möglich, lassen weit entfernte Freunde durch Bilder und Videos am Leben teilhaben, ermöglichen ständigen Informationsaustausch. Die Sehnsucht nach diesen Menschen scheint groß in Liv, jedenfalls habe ich das so interpretiert, denn einen wirklichen Zugang zu ihren Gefühlen verwehrt uns der Autor. Oftmals erfährt man von schlimmen Dingen oder interessanten Begebenheiten, die ihr auf ihrer Reise widerfahren, erst weit im Nachhinein, völlig aus dem Kontext gerissen, in einem knappen, mystisch verschleiernden Nebensatz. Oft schleichen sich Widersprüche ein (auf einer Yacht, auf der Liv mitfährt, bekommt jeder ein Armband, das alle Daten nur für den Nutzer zugänglich macht, gleichzeitig können aber alle Passagiere sehen, was die anderen gerade tun - selbst, dass sie Sex haben). Das ist ärgerlich und führt zu Verständnislücken, die sich nie richtig schließen. 

    Liv dümpelt eben so vor sich hin, der Sinn ihrer Reise ist einzig und allein die Flucht. Die Menschen, die sie trifft, sind austauschbar, die Situationen berechenbar, das Erlebte nach einiger Zeit einfach einschläfernd. Alles, was Liv tut, teilt sie mit ihrer digitalen Fangemeinde, von der sie am einen Tag geliebt, am anderen verachtet, am nächsten bedroht wird, usw. Ihr Ruhm verselbstständigt sich, sie kann gar nicht begreifen, worauf das zurückzuführen ist. Und es ist ihr scheinbar auch egal, denn was sich dadurch nie verändert, ist ihre erdrückende Einsamkeit. Einziger Anker: ihr Freund (?) Elam in Israel, der selbst an Depressionen leidet und den sie zu unterstützen versucht. Von allen anderen Freunden und auch von ihrer Familie schottet sie sich nach und nach willentlich ab.

    Und dann ist da ja noch Franz. Seine Kapitel waren ermüdend, langweilig, extrem unnachvollziehbar und eintönig. Er stromert durch Berlin, wie bei Liv ist es ein einziges Getriebensein ohne eigene Handlungsimpulse. Ihm geschehen Dinge, die manchmal nicht ganz logisch sind (mit dem Finger rührt er glühend heißen Espresso um, er schmiert sich Entwicklerflüssigkeit ins Gesicht) und bisweilen ins Surreale abdriften. Seine Existenzberechtigung in diesem Buch liegt einzig und allein bei Liv. Die tatsächliche Brücke zu ihr wird allerdings erst ganz am Ende des Romans geschlagen, alles Vorhergegangene mutet wie sinnloses Geplänkel an. Ständig sucht man die Parallelen zwischen den beiden Protagonisten: Sie sehen die Welt durch eine Linse, werden berühmt, ohne es zu ahnen oder zu wollen, streifen einsam durch die Welt. Doch Livs Geschichte hätte man auch ohne Franz verstanden. Nur das überraschende, fast schon lyrisch anmutende Ende versöhnt mich noch, da hier die wirkliche Relevanz dieser Doppelperspektive zutage tritt. 

    Liv ist ein Roman, der von der Einsamkeit erzählt. Er erzählt von der digitalen und von der analogen Einsamkeit, der Einsamkeit unter Fremden, wenn wir uns doch nur nach unseren Freunden sehnen, der Einsamkeit fern der Heimat. Das sind für mich essentielle Themen, die mich auch immer wieder beschäftigen, doch verschwimmen sie im Verlauf des Buchs genauso wie Handlung, Gedanken, Logik und Chronologie. Das sind einfach zu viele Störfaktoren, um das Buch mit mehr als 3 Sternen zu bewerten.

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    Estrelass avatar
    Estrelasvor 9 Monaten
    Berühmt und allein

    Liv ist eine junge Israeli, die um die Welt reist und dies über die sozialen Medien mit ihren Anhängern teilt. Franz erkundet im Jahr 1928 Berlin mit seiner Leica. In beiden Erzählsträngen folgen wir Charakteren, die ihre Fotos mit der Welt teilen und durch die Medien der jeweiligen Zeit eine gewisse Berühmtheit erlangen. Besonders ausführlich wird dabei die Geschichte von Liv erzählt, die ihre Reise angetreten hat, um dem Einzug zum Militär zu entgehen. Obwohl der Roman sich über 500 Seiten zieht und jede Menge Details aus dem "Alltag" der Figuren offenbart, bleiben diese doch eher farblos. Sie scheinen gelangweilt, sonnen sich in ihrem Ruhm, haben kaum Antrieb, etwas für sich zu tun (im Gegensatz zu Aktivitäten für ihr Publikum). Die Zeiten ähneln einander also. Doch bleibe ich bei der Ansammlung der Belanglosigkeiten ratlos zurück.

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    RealMajos avatar
    RealMajovor 9 Monaten
    Zwei Leben hinter der Linse

    Das Buch besteht aus zwei Erzählsträngen. Zum einen Franz der im Jahr 1928 in Berlin lebt. Er fotografiert alles was vor seiner Leica kommt und wird durch das perfekte Foto berühmt. Doch jede Medaille hat zwei Seiten und irgendwann schlägt die positive Resonanz auf Franz ins negative um.
    Der zweite Erzählstrang spielt in der heutigen Zeit. Liv ist eine junge Israelin und flieht vor dem Militärdienst. Sie geht als Backpacker nach Mexiko, in die USA, auf eine Luxusyacht, nach Neuseeland und nach Deutschland. Alles was sie sieht und erlebt teilt sie mit tausenden von Followern. Sie wird geliebt und erkannt. Doch irgendwann schlägt die Liebe in Hass um und damit kommt Liv nicht klar.

    Franz und sein Leben wirft bei mir so viele Fragen auf, dass ich nichts dazu schreiben kann. Wie Liv ihr Leben auf so groteske Art öffentlich macht ist ein gutes Beispiel für unsere heutige Zeit. Die Naivität mit der Liv alleine nur mit ihrem Smartphone und ein paar Klamotten die in einem Rucksack passen um die Welt zieht und alle daran teilhaben lässt, lässt einen nur den Kopf schütteln, wobei es genug Leute gibt die genau das tun.
    Die Geschichte regt zum Nachdenken an, dass man sich wieder mehr mit seinen Freunden auf altmodische Art treffen sollte und sein digitales Mitteilungsbedürfnis reduzieren sollte. Leider ist vieles total verwirrend, dass der Lesespaß sich in Grenzen hält. Ich fand es sogar zum Teil sehr anstrengend weiterzuleiten. Die Geschichte bekommt von mir nur drei Sterne, weil das Ende mich absolut geflasht hat und ich noch nichteinmal sagen kann ob positiv oder negativ.

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    ManjaElss avatar
    ManjaElsvor 9 Monaten
    Kurzmeinung: Spannend und erschütternd zugleich
    Spannend und erschütternd zugleich

    Um der Einberufung ins Militär zu umgehen und zu sich selbst zu finden, verlässt die junge Israelin Liv ihre Heimat und macht sich auf eine Weltreise. Doch dabei ist sie nicht allein, denn sie teilt ihre Eindrücke auf ihrem Social Media-Account dem Tausende gebannt verfolgen. Das dies nicht nur positive Seiten haben kann, zeigt der Autor Kevin Kuhn in diesem grandiosen Roman.
    Bereits der erste (äußere) Eindruck von LIV hat mir sehr gut gefallen. Ich mag das ungewöhnliche Cover und auch Format und Schriftart/-größe sind perfekt. Da gibt es nichts auszusetzen.

    Stück für Stück lernt man Liv in den einzelnen Kapiteln kennen, erfährt was sie umtreibt, nimmt an ihrer Reise teil. Das ist interessant, doch zum Teil bleibt man ob ihrer Naivität auch schon mal kopfschüttelnd zurück.
    Parallel zu der Geshcichte Livs lernt man Franz kennen, einen jungen Mann der im Berlin der 1920er ebenso wie Liv zu (zweifelhaftem) Ruhm gelangt ist. Auch er erscheint mutig bis waghalsig naiv und man ist als Leser hin und hergerissen, ob man die Protagonisten mögen soll oder sie nervig findet. Vor allem Liv überschätzt sich immer wieder oder scheint zu Tode gelangweilt. Und Franz driftet immer weiter in eine Verrücktheit ab, die ihm nicht gut tut.

    Scheinen beide zunächst nicht viel gemein zu haben, summieren sich im Laufe des Buches die Parallelen. Das fand ich sehr spannend. Auch sind einige Abschnitte ein wenig verwirrend und man muss als Leser wirklich bei der Sache bleiben um alle Hinweise (auch zwischen den Zeilen) zu erfassen. Das hat Spaß gemacht, wird man hier als Leser schließlich gefordert. Man muss sich selbst ein bisschen anstrengen
    Immer weiter spitzen sich die Ereignisse sowohl in Livs, als auch in Franz Welt zu. Am Ende folgt dann der große Knall, man bleibt geschockt zurück.
    Ein wirklich spannendes Buch, welches mir einige schöne Lesestunden bereitet hat.

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    Berlin_Verlags avatar
    Liebe Lovelybooker!

    Wir freuen uns, Euch zur Leserunde zu Kevin Kuhns »Liv« einzuladen.

    Kevin Kuhns zweiter Roman ist ein Reiseführer für unsere hypermoderne Welt – so wie Homers Odyssee ein Reiseführer für die Antike war. Eine junge Frau aus Tel Aviv bereist unsere gegenwärtige Welt, um sich selbst zu finden. Ein junger Mann aus Berlin betrachtet die Welt im Jahr 1928, wie sie niemand vor ihm gesehen hat. Doch obwohl bald 100 Jahre zwischen ihnen liegen, gehen sie gemeinsam durch dieselbe Wirklichkeit.

    Der junge Franz streift mit seiner Clique durch das überbordende Berlin der 1920er Jahre und ist hin- und hergerissen zwischen den ungeahnten Möglichkeiten und den Gefahren einer Stadt im Rausch. Liv reist wie viele junge Israeli durch die Welt. Sie hat ihren Militärdienst allerdings nicht bereits absolviert, sondern flieht vor ihm – und einem unerträglichen Gefühl der Enge – ins Ausland. Während ihrer Reise erobert sie einen neuen Kontinent: Sie wird zu einer Social-Media-Ikone, deren Posts viele Tausende lesen. Zwischen Liv und Franz liegen beinahe 100 Jahre, aber sie gehen wie Geschwister durch dieselbe Welt. Beide suchen nach einer Perspektive abseits der Euphorie ihrer Epochen, nach Autarkie in der Masse. Kevin Kuhn stellt sich den drängenden Fragen unserer Zeit und zeigt uns überraschende Wege durch die Fremde, die längst zu unserer Wirklichkeit geworden ist.

    Kevin Kuhn, geboren 1981 in Göttingen, hat Philosophie, Kunstgeschichte und Religionswissenschaft in Tübingen studiert und ist heute Dozent am Literaturinstitut der Universität Hildesheim. Immer wieder hat er im Ausland gelebt, darunter längere Zeit in Alaska und drei Jahre in Mexico City. Mit seinem Romandebüt »Hikikomori« (2012) wurde er von der FAS zu den 20 besten deutschsprachigen Autoren unter 40 gezählt. 2015 erhielt er das Literaturstipendium des Landes Niedersachsen. Er lebt in Berlin.

    Wenn Ihr Lust habt auf unsere Leserunde, dann schreibt uns bitte in wenigen Sätzen, was Euch neugierig macht auf »Liv«.

    Wir sind gespannt und wünschen Euch viel Spaß mit Liv und Franz.

    Euer

    Berlin Verlag

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