Der Tod ist ein mühseliges Geschäft

von Khaled Khalifa 
4,6 Sterne bei5 Bewertungen
Der Tod ist ein mühseliges Geschäft
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Das Irren durch kriegsgeschädigtes Land dreier Geschwister, die ihren Vater würdig begraben wollen. Eintauchen in eine für uns fremde Welt

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Leben in Syrien!

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Inhaltsangabe zu "Der Tod ist ein mühseliges Geschäft"

Khaled Khalifa ist ein syrischer Autor, der in Damaskus lebt. Hier spricht eine authentische Stimme aus Syrien. Er zählt zu den bedeutendsten arabischen Autoren und schreibt aus seiner Heimat, nicht aus dem Exil, wie viele seiner Kollegen.
Die Bücher von Khaled Khalifa sind in Frankreich, Italien, Amerika und vielen anderen Ländern übersetzt. Dies ist sein erstes Buch auf Deutsch.
Eine Reise durch Syrien der besonderen Art: Die drei Geschwister Fâtima, Hussain und Bulbul transportieren in Hussains Minibus ihren in einem Damaszener Krankenhaus verstorbenen Vater. Sein letzter Wunsch war es, in seinem Heimatdorf bestattet zu werden.
Was in früheren Zeiten problemlos zu bewältigen gewesen wäre, wird im Krieg zur fast unlösbaren Aufgabe. Das Land ist durchsetzt von Straßensperren konkurrierender Kampftruppen. Eine Reihe skurriler Hindernisse stehen den Reisenden im Weg: An einem von Islamisten eingerichteten Checkpoint muss eine Religionsprüfung abgelegt werden. Und an einer anderen, von der staatlichen Armee aufgebauten Straßensperre, wird sogar der Leichnam für eine Weile inhaftiert, weil sich der Name des Vaters auf einer Liste gesuchter Personen befindet.
Während der umständlichen, langen Autofahrt von Damaskus im Süden bis in das väterliche Heimatdorf nördlich von Aleppo hängen die drei Geschwister ihren Gedanken und Erinnerungen an das Familienleben nach.
Mit melancholischer Komik beschreibt Khaled Khalifa den Alltag in Syrien und gibt Einblick in die Struktur einer syrischen Familie. Ein wirklich außergewöhnlicher Road-Trip durch ein zerstörtes Land, ein Buch über Kinder und Väter, über aktuelle Verwüstungen und zeitlose Hoffnungen.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783498047023
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:224 Seiten
Verlag:Rowohlt
Erscheinungsdatum:24.04.2018

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    Buecherspiegels avatar
    Buecherspiegelvor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Das Irren durch kriegsgeschädigtes Land dreier Geschwister, die ihren Vater würdig begraben wollen. Eintauchen in eine für uns fremde Welt
    Von den Schwierigkeiten, den letzten Wunsch eines Vaters umzusetzen

    Die Geschichte der drei Geschwister, die den Leichnam ihres Vaters quer durch das Kriegsgebiet Syriens fahren, um ihn an seinem Geburtsort zu beerdigen, ist ein Eintauchen in eine für uns unbekannte Welt. Bulbul, ein Mann mittleren Alters, der um keinen Preis auffallen will, sich auf gar keinen Fall irgendeiner Partei zugehörig wissend, sieht sich gezwungen, den letzten Willen seines Vaters zu erfüllen. Dieser hat ihn angewiesen, ihn im Grab seiner Schwester zu beerdigen. An sich nichts ungewöhnliches, müsste er dafür nicht mitten durch das Kriegsgebiet fahren, das Syrien inzwischen ist. Trotzdem macht er sich auf den Weg mit seinem Bruder Hussain, einst hoch gelobt, geliebt, intelligent und letztendlich als junger Mann der Familie entflohen, und seiner Schwester Fatima, geschieden und ihren Brüdern ergeben. Er versucht mit allen Mitteln, den kümmerlichen Rest der Familie zusammenzuhalten. Der Autor lässt Bulbul den Leichnam seines Vaters abholen, in den Minivan seines Bruders legen, um nun den beschwerlichen Weg nach Hause zu nehmen. Der Beginn eines Roadtrips der anderen Art. Dabei müssen sie für die normalerweise in ein paar Stunden zu überwindende Strecke übermäßig viel Zeit einplanen. Alle paar Kilometer werden sie an einem der vielen Checkpoints aufgehalten, bei der sie nie wissen, wer nun gerade welche Macht inne hat. Sind es Regierungstrupps? Aufständische?, Revolutionäre?, streng Gläubige?
    Meist vergehen Stunden, bis sie wieder weiterfahren können. Diese Zeit nutzt der Autor, um in Rückblenden voller Melancholie die Geschichte der Familie zu erzählen. Meist fangen diese mit Bulbul an, der von seinem Vater in dessen letzten Lebensmonaten, die er bei seinem Sohn verbringt, so einiges erfährt. Wie es so war, in den 40 Ehejahren mit einer Frau, die er eigentlich nie geliebt hat. Mit seiner eigentlichen Liebe, die er am Ende doch noch hat heiraten können. Dieser Teil der Geschichte erinnert einen an das Buch von Gabriel García Márquez "Die Liebe in den Zeiten der Cholera". Vom Vater erfährt er die wahren Hintergründe über den Tod seiner Tante Laila, in dessen Grab der Vater unbedingt will. Diese Tante, die sich verbrannt hat und deren Geschichte in ihrem Heimatort ewiglich weitererzählt wird. Hussain, der so Intelligente, der als junger Mann in falsche Kreise gerät und mit der Moral und den Werten des Vaters bricht. Der seinen eigenen Weg gehen will, erst im Gefängnis landet, bloß, um danach an gleicher Stelle doch wieder weiterzumachen, keinen Schritt weiterkommt. Und immer wieder Bulbul, der sich nichts traut, und wie der Vater auch er einer Liebe hinterherrennt, er den Zeitpunkt verpasst, sich zu erklären. Khalifa beschreibt das ungefähr so: der Brautstrauß schwimmt an einem vorbei, doch der Zeitpunkt, ihn zu ergreifen, den muss man finden.
    Die Mühsal, mit einem Leichnam Tagelang unterwegs sein zu müssen, ohne die entsprechende Kühlung, das ist wahrlich ein mühseliges Unterfangen. Vor allem, wenn man dem Zerfall dabei regelrecht zusehen muss. Irgendwie kommt einem da beim Lesen gewisse Düfte in die Nase, die man wahrlich nicht riechen will. Die Erlebnisse bei den einzelnen Checkpoints, hier verhaftet, dort Papiere nachreichen, stramm stehen, den Buckel machen, viel Geld zwischen die Ausweise legen, damit man wieder ein paar Meter weiterkommt, das alles stellt die Geschwister auf eine harte Probe. Fatima gehen dabei nicht nur die Tränen aus. Dabei fehlt es nicht an Beschreibungen der zerbombten Dörfer, herumstreunender Hunde, die nach dem Körper des Vaters gieren, die Geräusche des Krieges. Die Unfähigkeit Bulbuls sich stärker zu engagieren und sich zu wehren. Die Leiche des Vaters nicht einfach am Straßenrand zu verscharren.Aber der Roman lebt auch von immer wiederkehrenden Sätzen, um damit die wichtigen Passagen zu verstärken, wie es eigentlich zum Krieg gekommen ist. Durch diese Wiederholungen, der den nicht enden wollende Krieg begreifbar machen soll, wird mancher Leser womöglich verschreckt. Was nicht fehlen darf ist ein Hinweis auf die unsterbliche ägyptische Sängerin Umm Kulthum und anderer wichtiger kultureller Personen. Die Umschlaggestaltung samt Schriftbild soll die heiße, flirrende Luft der trockenen Wüste symbolisieren, der gelbe Staub, der einem die Kehle zuschnürt und die Augen tränen lässt.
    Der Autor Khaled Khalifa wurde 1964 in Aleppo, Syrien geboren, studierte Jura, war Mitherausgeber einer Literaturzeitschrift, Autor zahlreicher Drehbücher und vieles mehr.
    Die Übersetzung aus dem Arabischen wurde mit Mitteln des Auswärtigen Amts unterstützt durch Liprom e. V. - Literaturen der Welt.
    Der Übersetzer des Buches, Hartmut Fähndrich, wurde 1944 in Tübingen geboren. Er lehrte Arabisch und Islamische Kulturgeschichte an der ETH Zürich und hat mehrere Preise für seine Arbeiten erhalten.

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    Cornelia_Ruoffs avatar
    Cornelia_Ruoffvor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Leben in Syrien!
    Leben in Syrien

    „DER TOD IST EIN MÜHSELIGES GESCHÄFT“ VON KHALED KHALIFA

     

    2. ZUM INHALT

    Es ist ein Buch über den Tod. Es ist ein Buch über Traditionen, die Seelen brechen. Es zeigt die Liebe, die in der Poesie überlebt als Sehnsucht einer erbarmungslosen Tradition.

    Ich habe mir das Buch bewusst ausgesucht, um mehr über Syrien und den Krieg zu erfahren. Khaled Khalifa zeigt dem Leser ein Land, dessen Einwohner alltäglich mit der Vergänglichkeit und dem Tod konfrontiert sind und auch mit dem eigenen Tod rechnen. Es ist nicht die Frage, ob der Tod zuschlägt, sondern wann er dich mit der Gewalt des Krieges ereilt!

    „Der Tod ruft wirklich keine Emotionen mehr wach, er ist eher eine Erlösung, die den Neid der Lebenden weckt.“

    Oder

    „Im Krieg ist ein Leichentransport ein normales Ereignis, das nur den Neid der Menschen weckt, deren Leben nicht anderes ist als quälende Todeserwartung.

     

    Khalid Khalifa aerzählt in Bildern, wie sieben Jahre Krieg das Land verändert haben. Damals wurde ein Leichnam in allen Würden und im angemessenen Zeitrahmen, an einem speziell dafür ausgesuchten Platz bestattet. Heute gehört zum Alltag, dass jeden Tag Soldaten oder oppositionelle Kämpfer ihr Leben lassen und manche in einem Massengrab die letzte Ruhe finden.

    „Die Söhne der Revolution sind überall zu Hause.“

    Und genau hier beginnt die Geschichte: Einer der alten Kämpfer der Opposition starb eines natürlichen Todes und hat den Wunsch neben seiner Schwester bestattet zu werden. Seine zwei Söhne und seine Tochter machen sich auf den Weg.

    An diesem Haupthandlungsstrang entlang spricht Khaled Khalifa über alte Traditionen, wie arrangierte Ehen, das Werben um den Liebsten, den „Strauß rechtzeitig aus dem Fluß zu holen“ und Märtyrer.

    „Lieber verbrenn ich mich“, hatte sie erklärt, „als einen Mann zu heiraten, der nach verrotteten Zwiebeln stinkt.“

    entschied die Schwester des Toten, bei der er bestattet werden möchte.

    Dem Leser wird ein Frauenbild gezeigt, was für mich schwer zu greifen war.

    Auf der einen Seite diese blumige Poesie und Lyrik und auf der anderen Seite eine Tradition, die keinen Raum für einen freien Willen lässt.

    Durch das Eingepfercht-Sein in der Situation und dem Minibus, ertragen die Geschwister kaum die Leere zwischeneinander. Der Vater hat keinem von ihnen wirklich Anerkennung gezollt. Er hielt sie für schwach.

    Die Brüder und ihre Schwester hingegen verbringen desillusioniert den Alltag, täglich mit dem Ziel zu überleben.

    Und obwohl der Krieg dem Leser gegenwärtig ist, zaubert uns der Autor immer mal wieder ein ironisches Lächeln auf die Lippen. Sei es weil, der Leichnam als Terrorist verhaftet wird oder über die unbeholfenen männliche Annäherungsversuche.

    5/5 Punkten

    3. SPRACHLICHE GESTALTUNG

    Khaled Khalifa nimmt den Leser mit auf ein poetisches Roadmovie, dessen deutsche Übersetzung von Hartmut Fähndrich, die Poesie beibehält. Hier wird das Leben in einer Hölle mit himmlischen Worten beschrieben.

    Das Buch ist in drei Teile gegliedert.
    1. Ach wärst du doch ein Kümmelsack
    2. Ein Blumenstrauß, der auf dem Fluß dahintreibt.
    3. Bulbul fliegt in einem engen Raum.

    5/5 Punkten

    4. COVER UND ÄUSSERE ERSCHEINUN

    „Der Tod ist ein mühseliges Geschäft“ von Khaled Khalifa, aus dem Arabischen von Hartmut Fähndrich, hat 224 Seiten, einen fester Einband: und ist am 24.04.2018 unter der ISBN 9783498047023 bei Rowohlt im Genre: Romane erschienen.

    5/5 Punkten

    5. FAZIT

    Khaled Khalifa lässt mich betroffen zurück. Ein syrischer Autor, dessen Bücher im eigenen Land verboten sind. Ein Autor, der das Schicksal seiner Protagonisten teilt. Er harrt in Syrien aus. Ausnahme ist mal eine Lesereise. Ein Autor, der die Realität und die Verwesungsgerüche teilt.

    Ich habe diesmal den Inhalt mit den Protagonisten zusammen genommen. Es erschien mir passender. Die eigentliche Hauptfigur ist der verstorbene Vater und die Odyssee durch das von ihm über alles geliebte Land. Ich habe gelesen, es sei ein Requiem für Syrien. Das finde ich überhaupt nicht.

    Ich finde, das Buch ist ein Liebeslied an ein Land, das der Krieg mit allen seinen Erscheinungen vergraben hat und ein Aufruf es wieder aufleben zu lassen.

    Leseempfehlung!

    Ich erinnere nochmals daran, dass es ein Buch über Krieg und seine Erscheinungsformen ist. Manche Szenen sind abscheulich. Es ist kaum zu glauben, was der Krieg aus einzelnen Menschen macht!

    @Rowohlt
    Vielen Dank für das schöne Rezensionsexemplar!

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    L
    Lesehilfevor 4 Monaten
    Kurzmeinung: Warmherzig und skurril. Khaled Khalifa schreibt mit einer unglaublichen Herzenswärme und mit einer hochgradig authentischen Intensität.
    Papa muss beerdigt werden - und das in Syrien

    Holprig wie ein kleiner Bus durch die Wüste fährt, beginnt die Geschichte der drei Geschwister Fâtima, Hussain und Bulbul, die ihren toten Vater durch das kriegsgeplagte Syrien fahren, um ihn in seinem Wunschort zu begraben. Diese Tour kann nicht einfach werden. Und als Leser ist man schon nach wenigen Seiten erstaunt, dass sich die Drei das überhaupt antun. Wir, die Couchpotatos, können nur mit dem Kopf schütteln – oder hätten nach dem ersten Tag längst einen Herzinfarkt bekommen. Khaled Khalifa beschreibt aber diese Fahrt mit einer unglaublichen Herzenswärme und mit einer authentischen Intensität, dass uns die Spucke wegbleibt. Bereits nach zwei Tagen haben die Drei, aufgrund der gezahlten Schmiergelder, kaum noch Geld und wollen den Plan trotzdem durchführen. Sie werden verhaftet – mitsamt der Leiche des Vaters – werden angepöbelt, geraten zwischen die Fronten und häufig genug sich in die Haare. Aber Papas Wunsch soll Folge geleistet werden. - Ein grandioses, oft skurriles Buch über ein Land, über das wir allzu oft vorschnelle Urteile fällen. Hochgradig lesenswert!


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    Elektromachers avatar
    Elektromachervor 4 Monaten
    Kurzmeinung: Komisch,traurig,nachdenklich... Ein kleiner jedoch amüsanter Einblick in das Syrien von heute.
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    Volponas avatar
    Volponavor einem Monat

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