Kholoud Bariedah

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Kholoud BariedahKeine Tränen für Allah
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Keine Tränen für Allah
Keine Tränen für Allah
 (4)
Erschienen am 01.02.2018

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Rezension zu "Keine Tränen für Allah" von Kholoud Bariedah

Unfassbar in der heutigen Zeit !!
Die-Rezensentinvor 8 Monaten

Kholoud Bariedah wächst in einer saudi- arabischen Familie auf, die eher westlich orientiert ist. Die Mutter trägt kein Kopftuch und Kholoud trifft sich manchmal mit Freunden, um Musik zu hören.

Bei einem dieser Treffen werden sie von den `Tugendwächtern` überrascht und Kholoud wird wegen `Geschlechtervermischung`, also einer Zusammenkunft mit nicht verwandten Männern, zu vier Jahren Gefängnis und 2000 Stockhieben verurteilt.

Die Familie lässt alle Beziehungen spielen, aber das Urteil bleibt bestehen, Kholoud muss ins Gefängnis.

Das Buch ist eine Art Tatsachenbericht und in der Ich- Form erzählt Kholoud über die Zeit im Gefängnis und die unfassbaren Dinge, die dort passieren. Man fühlt sich beim Lesen mehrere Hundert Jahre zurückversetzt.

Viele ihrer Mitinsassinnen haben schreckliche Angst, aus dem Gefängnis entlassen zu werden, denn dann müssten sie zu ihren Familien zurück.

 Wenn der Staat Rache genommen hat, für diese, in unseren Augen lächerlichen Vergehen, sind der Vater und der Bruder dran, um die Mädchen zu bestrafen. Denn die  Mannesehre kann nur durch Blut wiederhergestellt werden, durch das Blut des Mädchens, dass z.B. selbst entschieden hat, wer sie berühren darf.

Andere Mädchen blieben jahrelang im Gefängnis, weil ihre Familien sie gar nicht zurückhaben wollten.

Kholouds Familie steht allerdings hinter ihr und das gibt ihr Kraft, die Zeit durchzustehen. Eine einzige Sache gibt es, mit der man die Strafe verkürzen kann und zwar das Auswendiglernen des Korans. Das ist Kholouds großes Ziel. Sie lernt und hält Zwiesprache mit Gott, verspricht ihm vieles, wenn er sie nur verschont. Und sie schafft es wirklich als erste Frau, doch ihr Glaube bleibt trotzdem auf der Strecke. Sie kann diesem Gott, der das alles mit ansieht, nicht mehr trauen.



Das Buch hat mich erschüttert, denn das Erlebte in der Ich- Form zu hören, ist schon harter Tobak. Der Schreibstil ist etwas kindlich naiv, passt aber sicher genau, denn selten werden die Mädchen dort zu selbstbewussten Frauen erzogen. Eine Frau darf noch nicht mal in Gegenwart eines Mannes sprechen, es sei denn, sie wird dazu aufgefordert. Ansonsten ist sie den Vätern und Brüdern und anschließend dem Ehemann komplett ausgeliefert. Ich bin immer wieder dankbar, dass ich in einem freien Land leben darf und finde es unendlich traurig, wenn ich lese, dass sich Saudi Arabien anscheinend noch im Mittelalter befindet.

Trotz des aufwühlenden Themas enthält das Buch einige Längen, die mir das Lesen an manchen Stellen etwas mühselig gemacht haben.

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R_Mantheys avatar

Rezension zu "Keine Tränen für Allah" von Kholoud Bariedah

"Wir sind vom Amt zur Förderung der Tugend und zur Verhütung des Lasters"
R_Mantheyvor 8 Monaten

So stellten sich die bärtigen Herren vor, die in eine kleine private Party einfielen und die wenigen beteiligten Personen in Gewahrsam nehmen wollten, denn hier lag ein Verbrechen gegen die islamische Tugendlehre vor. Kholoud Bariedah hatte sich des "illegitimen Zusammenseins mit nicht verwandten Männern auf einer Party und lasterhaftem Verhalten" schuldig gemacht. Danach war sie auch noch abgehauen und hatte einem der Häscher ins Gemächt getreten. Dafür gibt es in Saudi-Arabien vier Jahre Knast und 2000 Hiebe mit einem Bambusstock, die von einem gnadenlosen Soldaten unter Beobachtung ausgeführt werden.

Der kommt also dabei heraus, wenn man sich als junge Frau seine Freunde selbst aussucht, mit ihnen völlig harmlos feiert und dummerweise in Saudi-Arabien lebt, wo der Islam vorschreibt, wie man sich zu verhalten hat. Diese Art von Strafen, die ihr auferlegt wurden, kennt man aus autokratischen Diktaturen oder dem europäischen Mittelalter. In Saudi-Arabien gilt jedoch die Scharia als untrennbarer Bestandteil des Islam, der wiederum nach Meinung gewisser Politiker auch zu Deutschland gehört. Wie sich das mit den europäischen Werten vereinbaren lässt, bleibt ein Geheimnis, das sich nur schwer erklären lässt, es sei denn, man tritt die bitter und blutig erkämpften bürgerlichen Freiheiten Europas mit Füßen.

Das Buch beginnt mit einer Einleitung, in der die inzwischen im fremden Deutschland lebende Autorin die psychischen Folgen ihrer Haft schildert. Die Zeit im Gefängnis bestimmt auch den Inhalt der nachfolgenden Schilderungen. Nach einer kurzen Beschreibung ihrer "schlimmen Tat" erfährt der Leser, was die Autorin im Frauenknast von Mekka erlitten und erfahren hat. Neben dem Haftalltag kommen auch die "Vergehen" der anderen einsitzenden Frauen zur Sprache. Leider ist es in einer streng islamischen Gesellschaft nicht mit dem Abbüßen der verhängten Strafe getan. Denn "wenn der Islam und die Regierung ihre Rache genommen hatten, waren der Vater und der Bruder dran, um uns Mädchen im Namen der Männlichkeit zu bestrafen".

Für Menschen in Deutschland, die in einer seltsam schizophrenen Weise auf der einen Seite die Jahrhunderte währende Vorherrschaft des Mannes bekämpfen und sie gleichzeitig unter dem Deckmantel der Religionsfreiheit wieder und noch viel schlimmer einführen wollen, ist dieses Buch vielleicht ein Denkanstoß. Was der Autorin vorgeworfen wurde, gehört zum Alltag junger Mädchen in aller Welt, nur eben nicht dort wo der Islam in seiner buchstäblichen Auslegung Staatsreligion ist. Und wer glaubt, das wäre alles weit weg, den sollte man vielleicht daran erinnern, dass ähnliche Tatbestände in unserem Land schon zu innerfamiliären Todesstrafen geführt haben, die von den Männern in islamisch geprägten Gemeinschaften auch vollstreckt wurden.

Neben den ungewöhnlichen, weil seltenen Berichten über die Zustände in Saudi-Arabien besitzt der Text auch kleine Schwächen. Abgesehen von gewissen Längen ist es vor allem die wechselnde Haltung der Autorin zu Allah, die sich dem Leser nicht gleich erschließt. Man kann sie nur verstehen, wenn man sich in ihre Psyche während der Haft hineindenken kann. Denn im Gefängnis betet Kholoud heftig und spricht mit ihrem Gott, von dem sie sich Erlösung erhofft.

Den Koran lernt sie als erste Insassin überhaupt komplett auswendig. Das ist nicht nur wegen der Länge dieses Buches eine beachtliche Leistung, sondern auch deshalb, weil die einzelnen Suren selbst Arabern nicht immer verständlich zu sein scheinen. Noch ziemlich am Ende des Buches heißt es: "Die Worte des Koran waren nicht mehr nur dafür da, um mich zu befreien, sondern sie machten mich glücklich und euphorische, wenn ich sie stundenlang rezitierte." Dennoch blieben ihr stets Zweifel am Gott des Korans. Denn auch sie fand heraus, dass man aus dem heiligen Buch alles herauslesen kann, was man will, denn er ist voller Widersprüche, die sich nur auflösen, wenn man die Geschichte des Propheten kennt.

Später wird sich Kholoud Bariedah, die ihre Strafe wesentlich durch das Auswendiglernen des Korans verkürzen konnte, als erste Frau aus Saudi-Arabien vom Islam öffentlich loslösen. Darauf steht in der Religion des Friedens der Tod. Und deshalb wird die Autorin nie in ihre Heimat, die sie so liebt, zurückkehren können. In unserem Land eine neue Heimat zu sehen, fällt ihr verständlicherweise sehr schwer – auch das kann man verstehen, wenn man dieses Buch liest.

Dieses Buch ist gleichzeitig Bericht und Warnung.

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