Bardo. So nennt man im Buddhismus und auch im Hinduismus einen Zustand nach dem Tod und vor der Reinkarnation. In dieser Zeit, die bis zu 49 Tage dauern kann, streift die Seele umher. 49 Gedichte + einen Zyklus enthält dieses Buch; außerdem ein Gespräch mit der Autorin über die Entstehung, Hintergründe und Motive des Projektes. Letzterem will ich nicht vorgreifen, aber kann sagen, dass es dabei hilft, die Gedichte noch aus einer anderen, auf andere Art und Weise existenziellen Perspektive zu lesen.
Die Stimme in Hyesoons Gedichten wandelt auf Pfaden, die von vielerlei gesäumt werden: Zorngesträuch und Trauerfarnen, Angstkraut und Schweigegirsch, Hecken, die historische Gräuel verbergen und Bäumen, in deren hohen schönen Kronen Erinnerungen aufblitzen und verwehen. Blumen gibt es auch, aber sie sind wohlgesetzt; nicht grell, aber eindrücklich in ihrer schlichten Entgültigkeit, in der Art wie sie die Blüte tragen, aber auch schon wieder neigen.
Wie in der Natur liegt in den stillen Bildern viel Gewalt. Etwas fast schon Grausames zieht immer wieder auf, schlägt sich nieder. So hell sind viele dieser Gedichte, aber sie wissen Dunkles (damit) zu sagen.
Übersetzt wurden die Gedichte von Uljana Wolf und Sool Park.
Lyristix



