Kim Hyun Hee Die Tränen meiner Seele

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Inhaltsangabe zu „Die Tränen meiner Seele“ von Kim Hyun Hee

Weil sie schön und intelligent ist, wird Kim Hyun Hee im Alter von 19 Jahren vom nordkoreanischen Geheimdienst angeworben, in einem Arbeitslager indoktriniert und gefügig gemacht. Um 1988 die Olympiade in Seoul zu verhindern, soll die inzwischen 26-Jährige Hee eine Bombe in ein südkoreanisches Flugzeug bringen. Sie führt den Auftrag in blindem Gehorsam aus. 115 Menschen kommen dabei ums Leben. Im Gefängnis schenkt ihr später ein gläubiger Bewacher eine Bibel.

Spannender als jeder Krimi, da es sich um die wahre Geschichte zu einem bewusst herbeigeführten Flugzeugabsturz handelt.

— gst
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  • Das Leid der Menschen in einem geteilten Land

    Die Tränen meiner Seele

    gst

    Kim Hyum Hee wurde am 27. Januar 1962 in Pjöngjang als ältestes Kind eines hohen Beamten im nordkoreanischen Außenministerium geboren. Zwischen 1963 und 1968 lebte die Familie auf Kuba, wo sie einen gewissen Wohlstand kennenlernte. Nach der Rückkehr in die Heimat besuchte das Mädchen, das inzwischen noch drei Geschwister bekommen hatte, die Schule in Pjöngjang. Dort verbrachte sie den größten Teil des Tages damit, „etwas über das Leben 'Unseres Großen Führers' Kim Il Sung zu lernen.“  Die ideologische Erziehung mündete in einer militärische Ausbildung. Danach durfte sie als Kind eines hochrangigen Regierungsbeamten auf der Biologischen Fakultät studieren. Weil sie dabei viel Zeit auf Bauernhöfen arbeiten musste, wechselte sie mit Hilfe ihres Vaters zum Japanischstudium. Damit stellte Hyum Hee unbewusst die Weichen für ihre äußerst harte Ausbildung zur Agentin. Bevor sie das erste Mal eingesetzt wurde, durfte sie mit einem langgedienten Spion ins westliche Europa reisen. „Zweiundzwanzig Jahre lang war ich in dem Glauben aufgewachsen, dass alles, was den Westen betraf, böse sei, folglich sah ich auch diese neue Welt durch eine ideologische Brille“, berichtet sie in ihrer spannend geschriebenen Autobiografie. Ihr erster, vom damaligen Staatsführer Kim Jong Il erteilter Auftrag: ein südkoreanisches Flugzeug zu zerstören, womit die olympischen Spiele im südkoreanischen Seoul 1988 verhindert werden sollten. Ihr Auftraggeber macht ihr weis, dass damit die Wiedervereinigung gefördert würde. „Wie hätte ich in Anbetracht der Ausbildung, die ich im Laufe meines Lebens erhalten hatte, anders denken können?“, fragt die Autorin, die zu der Zeit den Agentennamen Kim Ok Hwa trug. Zusammen mit ihrem Agentenvater gelang es ihr, eine Bombe an Bord eines südkoreanischen Flugzeuges zu bringen, bei dessen Absturz 115 Passagiere ums Leben kamen. Dass die Autorin die Leser an ihren Gefühlen teilhaben lässt, macht das Buch aufwühlend: „Ich dachte kurz an den Flugzeugabsturz und muss gestehen, dass ich in diesem Moment keine Reue verspürte und erleichtert war, die Bestätigung erhalten zu haben, dass unsere Mission geglückt war und dass wir Kim Il Sung und Kim Jong Il in Treue ergeben waren. Jetzt war ich sicher, dass die Olympischen Spiele 1988 nicht in Seoul stattfinden würden, und dass ich an einem wichtigen Schriett zur Wiedervereinigung Koreas mitgewirkt hatte.“ Die anschließend geplante Flucht misslang jedoch ebenso, wie die Selbsttötung durch eine Zyankalikapsel. Und plötzlich änderte sich alles: ihrem Agentenvater war der Suizid gelungen und sie erkannte während der Befragungen durch südkoreanische Ermittler nach und nach ihre Schuld. Sie fürchtete um das Leben ihrer Familie in Nordkorea und musste feststellen, dass die Südkoreaner ganz anders lebten, als ihr immer vorgegaukelt wurde. Mich erinnerte das Buch an „Das geraubte Leben des Waisen Jun Do“ (von Adam Johnson), das 2013 den Pulitzer Preis erhielt. Vor allem Hyum Hees Schulderkenntnis deutet auf die Gehirnwäsche hin, die sie in ihrem Vaterland erhalten hatte. „Ein Anflug von Hass auf Kim Il Sung überkam mich, als ich in einem kurzen Moment erkannte, dass all meine Arbeit, alle Pläne, die ganze Ausbildung, ja mein ganzes Leben auf Lügen begründet waren“ (Seite 218). Zwei Fünftel des Buches sind der Zeit nach dem Flugzeugabsturz gewidmet, in der sich all ihr Denken veränderte: „Es war einfach schrecklich, dass auf beiden Seiten soviel Unwissen und Ignoranz herrschten, und es war eine nationale Tragödie, dass Menschen gleicher Herkunft und mit der gleichen Geschichte als geteiltes Volk leben mussten. Wir hatten die gleiche Sprache, die gleichen Sitten und Gebräuche, und doch sprangen wir uns gegenseitig an die Kehle.“ Auch wenn das Buch kein literarisches Highlight ist, vergebe ich gerne fünf Sterne für diesen emotionalen Einblick in ein schwieriges Leben. Die Autorin erzählt zwar manchmal etwas detailverliebt, dafür aber mitreißend von ihrer Ausbildung zur Spionin und von der Zeit nach ihrer Begnadigung (nach dem Todesurteil) in Südkorea. Anmerkung der Rezensentin: Leider ist auch heute, 67 Jahre nach der Trennung des Landes die Wiedervereinigung in weite Ferne gerückt. Während Südkorea laut Wikipedia ein entwickeltes Industrieland ist, steht die nordkoreanische Staatsführung auch heute noch wegen schwerer Verletzungen der Menschenrechte international in der Kritik …

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