Kim Leine

 4 Sterne bei 21 Bewertungen
Autor von Die Untreue der Grönländer, Ewigkeitsfjord und weiteren Büchern.
Kim Leine

Lebenslauf von Kim Leine

Kim Leine wurde 1961 geboren und gilt als einer der wichtigen Realisten der dänischen Literatur. Seine Romane wurden von den Kirtikern gefeiert und schließlich auch in verschiedene Sprachen übersetzt. 2010 erhielt Kim Leine das Dreijahresstipendium des Danish Art Council. Der Autor lebt heute in Kopenhagen.

Alle Bücher von Kim Leine

Die Untreue der Grönländer

Die Untreue der Grönländer

 (12)
Erschienen am 13.08.2012
Ewigkeitsfjord

Ewigkeitsfjord

 (7)
Erschienen am 08.09.2015
Ewigkeitsfjord

Ewigkeitsfjord

 (2)
Erschienen am 10.02.2014
Ewigkeitsfjord

Ewigkeitsfjord

 (0)
Erschienen am 10.02.2014

Neue Rezensionen zu Kim Leine

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black_horses avatar

Rezension zu "Ewigkeitsfjord" von Kim Leine

Eisige Zeiten
black_horsevor 4 Jahren

Morten Pedersen/Falck hat es schon in seiner Jugend nicht so leicht. Er studiert widerwillig Theologie und dann geht er auch noch als Missionar nach Grönland.
Die Autorin erzählt sehr ausführlich über das harte Leben in Grönland, die Menschen - sowohl die Europäer, als auch die "Wilden", zeigt menschliche Abgründe auf, schlimme Verhältnisse.
Das Hörbuch mit mehr als 11 Stunden Laufzeit hat sich ganz schön hingezogen. Ja, es gab Szenen, die sehr interessant waren, aber auch viele ausführlich geschilderte Belanglosigkeiten.
Auch, dass sowohl die Anfangszeit in Dänemark und dann auch wieder die Rückkehr nach Dänemark sehr breit beschrieben wurden, war meiner Meinung nach zu viel des Guten.
Da das Buch aber mehrfach ausgezeichnet wurde, ist es wohl Geschmackssache, ob das Buch gefällt. Vielleicht lag es ja auch an der Hörfassung, dass ich nicht richtig dranbleiben konnte.

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Mrs_Nanny_Oggs avatar

Rezension zu "Ewigkeitsfjord" von Kim Leine

"Der Mensch ist frei geboren, und überall liegt er in Ketten" (J. Rousseau)
Mrs_Nanny_Oggvor 4 Jahren

Morten Falck studiert auf Wunsch des Vaters Theologie in Kopenhagen, obwohl er für sich eigentlich andere Pläne hat. Verführt von den weiblichen Reizen der Töchter seines Vermieters wird der junge Mann in starke Bedrängnis geführt. Fast flüchtend bewirbt er sich als Missionar in Grönland. Schonungslos wird der junge Mann in das raue Leben der kleinen Missionarsgemeinde geworfen, in der krampfhaft an den dänischen Sitten und Gebräuchen festgehalten wird. Doch die Umgebung, die einheimische Kultur passen so gar nicht in das Kultur- und Sozialverständnis Europas am Ende des 18. Jh. Wohl ist vom "edlen Wilden" bei Rousseau die Rede, doch hier am Ende der Welt zeigt sich bald, wer denn der Wilde tatsächlich ist: die hurenden und saufenden Pfarrer oder die Inuit, von denen sich einige als Propheten sehen und starken Widerstand gegen die Dänen aufbauen. Die Schilderung des grönländischen Missionarsleben ist heftig und brutal. Ich selbst habe einen großen Abscheu empfunden. Der Protagonist Morten Falck war mir so zuwider, dass es der wirklich sehr gut recherchierten Geschichte (der Roman ist mit dem Literaturpreis des Nordischen Rats 2013) ausgezeichnet worden) einen Stern gekostet hat.
Rainer Streckers Stimme passt perfekt zu dieser besonderen Geschichte.

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Gwhynwhyfars avatar

Rezension zu "Ewigkeitsfjord" von Kim Leine

Menschliche Abgründe - Kolonialisierung Grönlands
Gwhynwhyfarvor 4 Jahren

Rousseaus: „Der Mensch ist frei geboren, und überall liegt er in Ketten“, der Leitspruch von Morton Falck, oft wiederholt im Text. Ein Roman, der an vielen historisch belegbaren Orten handelt und echte Personen mit einbezieht.

Wir befinden uns am Ende des 18. Jahrhunderts. Morton Falck möchte Arzt werden, sein herrischer Vater zwingt ihn zum Studium der Theologie. Heimlich schreibt er sich in Medizin ein, muss aber abbrechen, um dem Wunsch des Vaters nachzukommen, der den Unterhalt zahlt. Das Leben von Kopenhagen, wird ausgiebig geschildert, Menschen kopulieren an allen Ecken, die hygienischen Zustände lassen einen erschaudern. Man riecht die laute, dreckige Stadt, die aus jeder Pore stinkt, nicht nur dem Geruch nach. Morton ernährt sich von wässrigen Grützen, stopft lustlos Essen in sich hinein, nimmt, was er bekommen kann.

Er vergeht sich an der Vermietertochter, ist gezwungen sie zu heiraten. Die unliebsame Verlobung löst er, da er eine seine Stelle als Missionar im hohen Norden nur ungebunden antreten darf. Morton flieht vor allem, was ihn belastet, Ketten, die angelegt werden, hofft in der Fremde die Freiheit zu finden. So wird er auch den harten Vater los. Er reist mit seiner Kuh Roselil an Bord nach Grönland, denn er weiß, wie wichtig Milch in der kargen Ernährung in Eis und Schnee ist. Die Schiffsreise wird ein Desaster. Die Mannschaft missbraucht der Reihe nach den minderjährigen Schiffsjungen und jagt ihn schließlich in den Tod. Morton ist angewidert.

Auf Grönland angekommen, wird es nicht besser. Das Klima ist hart, es herrschen oft Hunger und Kälte. Die Menschen sind verlaust, die Läuse kriechen auf dem Tisch herum, Branntwein ist ein Hauptnahrungsmittel, Brutalität und schlechte Hygiene machen das Leben aus. Noch steht Morton über den Dingen, ein solches Subjekt wird niemals aus ihm werden.

Die Kolonie ist ein einziger Sündenpfuhl: Vergewaltigung, Alkohol, Dreck. Doch auch Mortons Gesundheitszustand verschlechtert sich und er ähnelt tagtäglich mehr den anderen Bewohnern, greift zum Alkohol, hat sich nicht mehr unter Kontrolle. Dunkelheit und Einsamkeit machen die Menschen depressiv, aggressiv. Pfarrer Oxbøl, aus dem nahe gelegenen Holsteinsborg missioniert die Ureinwohnerinnen, indem er ihnen den Katechismus auf seine Art beibringt: Sie werden reihenweise schwanger.

Am Ende wird die Kolonie durch Waffengewalt zerstört, da sie von der dänischen Regierung als Sündenort angesehen wird, Korruption herrscht. Morten Falck kehrt gescheitert, gebrochen und verarmt nach Kopenhagen zurück. Freiheit wird er in seinem Leben nicht mehr erlangen.
Wer sich ekeln möchte, für den ist dies das richtige Buch. Die brutale Wirklichkeit wird in allen Einzelheiten geschildert, die Arroganz der Herrschenden, die Missionierung in Gottes Namen. Die eisige Kälte der Fjords zieht durch das Buch, gruseln inklusive.

Allerdings hat mich die literarische Kraft dieses Buchs mich nicht bezaubern können. Klischeehafte, extrem kitschige Landschaftsbeschreibungen, unglückliche Formulierungen und merkwürdige Metaphern, die stocken lassen. "Ewigkeitsfjord" wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter dem Preis des dänischen Buchhandels. Wofür ist mir nicht ganz klar. Auf jeden Fall nicht für die Sprachgewandtheit. Insgesamt ist es ein spannendes Buch, das sich mit der Kolonialisierung Grönlands befasst, schonungslos und offen.

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