Kim Leine Ewigkeitsfjord

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Inhaltsangabe zu „Ewigkeitsfjord“ von Kim Leine

Ein Missionar in Grönland. Ein historischer Roman aus dem ewigen Eis. Ende des 18. Jahrhunderts geht Morten Falck als Missionar nach Grönland. Mit Rousseaus Satz "Der Mensch ist frei geboren, und überall liegt er in Ketten" auf den Lippen und mit einer Kuh im Schlepptau trifft er nach wochenlanger Seefahrt in der dänischen Kolonie ein. Hier prallen die Lebensweise der Eingeborenen und der Kolonisatoren in Eis und Finsternis gewaltsam aufeinander. Die zehn Gebote, die er predigt, wird Morten bald in vielfacher Hinsicht übertreten. Aber er gewinnt auch die Liebe einer Eskimofrau und findet völlig unerwartet eine abtrünnige Siedlergemeinschaft, die tatsächlich nach aufklärerischen Idealen lebt. Kim Leines meisterhafter Roman macht das Leben in Grönland zur damaligen Zeit mit allen Sinnen erfahrbar und erzählt zugleich eine ganz moderne Geschichte

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    • 1702
  • Menschliche Abgründe - Kolonialisierung Grönlands

    Ewigkeitsfjord
    Gwhynwhyfar

    Gwhynwhyfar

    Rousseaus: „Der Mensch ist frei geboren, und überall liegt er in Ketten“, der Leitspruch von Morton Falck, oft wiederholt im Text. Ein Roman, der an vielen historisch belegbaren Orten handelt und echte Personen mit einbezieht. Wir befinden uns am Ende des 18. Jahrhunderts. Morton Falck möchte Arzt werden, sein herrischer Vater zwingt ihn zum Studium der Theologie. Heimlich schreibt er sich in Medizin ein, muss aber abbrechen, um dem Wunsch des Vaters nachzukommen, der den Unterhalt zahlt. Das Leben von Kopenhagen, wird ausgiebig geschildert, Menschen kopulieren an allen Ecken, die hygienischen Zustände lassen einen erschaudern. Man riecht die laute, dreckige Stadt, die aus jeder Pore stinkt, nicht nur dem Geruch nach. Morton ernährt sich von wässrigen Grützen, stopft lustlos Essen in sich hinein, nimmt, was er bekommen kann. Er vergeht sich an der Vermietertochter, ist gezwungen sie zu heiraten. Die unliebsame Verlobung löst er, da er eine seine Stelle als Missionar im hohen Norden nur ungebunden antreten darf. Morton flieht vor allem, was ihn belastet, Ketten, die angelegt werden, hofft in der Fremde die Freiheit zu finden. So wird er auch den harten Vater los. Er reist mit seiner Kuh Roselil an Bord nach Grönland, denn er weiß, wie wichtig Milch in der kargen Ernährung in Eis und Schnee ist. Die Schiffsreise wird ein Desaster. Die Mannschaft missbraucht der Reihe nach den minderjährigen Schiffsjungen und jagt ihn schließlich in den Tod. Morton ist angewidert. Auf Grönland angekommen, wird es nicht besser. Das Klima ist hart, es herrschen oft Hunger und Kälte. Die Menschen sind verlaust, die Läuse kriechen auf dem Tisch herum, Branntwein ist ein Hauptnahrungsmittel, Brutalität und schlechte Hygiene machen das Leben aus. Noch steht Morton über den Dingen, ein solches Subjekt wird niemals aus ihm werden. Die Kolonie ist ein einziger Sündenpfuhl: Vergewaltigung, Alkohol, Dreck. Doch auch Mortons Gesundheitszustand verschlechtert sich und er ähnelt tagtäglich mehr den anderen Bewohnern, greift zum Alkohol, hat sich nicht mehr unter Kontrolle. Dunkelheit und Einsamkeit machen die Menschen depressiv, aggressiv. Pfarrer Oxbøl, aus dem nahe gelegenen Holsteinsborg missioniert die Ureinwohnerinnen, indem er ihnen den Katechismus auf seine Art beibringt: Sie werden reihenweise schwanger. Am Ende wird die Kolonie durch Waffengewalt zerstört, da sie von der dänischen Regierung als Sündenort angesehen wird, Korruption herrscht. Morten Falck kehrt gescheitert, gebrochen und verarmt nach Kopenhagen zurück. Freiheit wird er in seinem Leben nicht mehr erlangen. Wer sich ekeln möchte, für den ist dies das richtige Buch. Die brutale Wirklichkeit wird in allen Einzelheiten geschildert, die Arroganz der Herrschenden, die Missionierung in Gottes Namen. Die eisige Kälte der Fjords zieht durch das Buch, gruseln inklusive. Allerdings hat mich die literarische Kraft dieses Buchs mich nicht bezaubern können. Klischeehafte, extrem kitschige Landschaftsbeschreibungen, unglückliche Formulierungen und merkwürdige Metaphern, die stocken lassen. "Ewigkeitsfjord" wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter dem Preis des dänischen Buchhandels. Wofür ist mir nicht ganz klar. Auf jeden Fall nicht für die Sprachgewandtheit. Insgesamt ist es ein spannendes Buch, das sich mit der Kolonialisierung Grönlands befasst, schonungslos und offen.

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    • 2
  • Was man schon immer mal über Grönland (nicht) wissen wollte

    Ewigkeitsfjord
    Schreibschnegel

    Schreibschnegel

    04. October 2014 um 11:39

    Grönland, Ende des 18. Jahrhunderts: eine unwirtliche Insel voller Eis und Stein und Dunkelheit und Barbarei. So zumindest in den Augen der Dänen, die dort einige Stützpunkte errichtet haben, um die natürlichen Ressourcen des Landes zu nutzen – und die Heiden zum wahren Glauben zu bekehren. Mit diesem Auftrag bricht auch der junge Priester Morten Falck aus Kopenhagen auf. Seine Studienzeit verbrachte er mit medizinischen Vorlesungen, Prostituiertenbesuchen und der halbherzigen Umwerbung einer jungen Dame, die er dann doch fallen ließ, als es ernst wurde. Von der Mission auf Grönland verspricht er sich, endlich den Sinn seines Lebens zu finden. Doch das Land stellt ihn vor unerwartete Herausforderungen: Unter den Kolonisten herrschen Gier und Unzucht, die Inuit bleiben ihm fremd und unergründlich. Klima und Lebensart stellen Falcks Gesundheit und Willenskraft auf eine harte Probe. Ausgerechnet bei den selbsternannten Propheten im Ewigkeitsfjord, die König und Kirche ein Dorn im Auge sind, findet er jedoch Hoffnung auf Erlösung. Kim Leines Roman, im dänischen Original 2012 erschienen, ist keine leichte Kost. Der Autor schreibt über die menschlichen Triebe in all ihren Erscheinungsformen, über Krankheit, Naturgewalten und alles, was sonst noch den Alltag ausmacht – mit allen unappetitlichen Details. Es fällt nicht leicht, die Charaktere in diesem Roman ins Herz zu schließen oder gar sympathisch zu finden. Gerade Falck tut viele fragwürdige Dinge, die ihn als Protagonisten schwer erträglich machen. Auch der rote Faden ist nicht immer sofort auszumachen. Die Geschichte springt recht eigensinnig zwischen verschiedenen Zeiten, Orten und Perspektiven hin und her, sodass der Leser ohne die Datumsangaben am Anfang eines jeden Kapitels schnell die Orientierung verlieren würde. Dafür gelingt es Leine, ein breites und lebendiges Panorama des Lebens in dieser Zeit zu entwerfen. Es ist eine Zeit der Umbrüche in vielen Bereichen des Alltags, aber auch in der Politik und der Gesellschaft. Der Roman deckt viele historische Gegebenheiten ab, die sich jedoch nahtlos in die Fiktion fügen. Auch in die Darstellung der Lebensumstände in Grönland ist viel Recherche geflossen, die das Setting sehr glaubwürdig macht. Leider trägt das detailreiche Beschreiben noch zum Umfang des Buchs bei, das mit seinen 600+-Seiten schon manchen Leser abschrecken dürfte. Die Geschichte selbst hat auch Längen und Szenen, deren Sinn sich nicht ganz erschließt. Als Chronik der Zeit und Reisebericht bietet „Ewigkeitsfjord“ einen interessanten Einblick – als Roman jedoch fordert er von seinen Lesern viel Geduld und Durchhaltevermögen ab.

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  • Das entbehrungsreiche und harte Leben in Grönland

    Ewigkeitsfjord
    Buecherwurm1973

    Buecherwurm1973

    Morton Falck studiert auf Wunsch seines Vaters Theologie in Kopenhagen. Nach dem Studium beschliesst er als Missionar nach Grönland zu gehen. Auf der Schiffsfahrt zu seiner zukünftigen Wirkungsstätte, bekommt er einen Vorgeschmack auf das Leben im ewigen Eis. In der dänischen Kolonie nimmt er seine Arbeit auf. Doch bald zeigt ihm sein Körper, dass er für dieses Klima nicht geschaffen ist. Eigentlich habe ich diesen Roman sehr gerne gelesen. Was heisst „eigentlich“? Im ersten Teil nimmt der Autor den Leser mit in die Gedankenwelt von Morton Falck. Auch seinen erotischen Phantasien kann man teilhaben. Anfangs fand ich es noch interessant, aber irgendwann wurde es ermüdend. In Grönland sind die Handlungsstränge sehr ausufernd beschrieben. An den Sprachstil von Kim Leine musste ich mich etwas gewöhnen. Man vergleicht ihn gerne mit Per Olov Engquist. Den Sprachstil hat der Autor der Zeitepoche angepasst. . Ein Glossar habe ich leider vermisst. Es hatte einige Begriffe, die ich nachschauen musste. Vielleicht sollte der Leser, der mit dem Gedanken spielt, das Buch zu kaufen, erst eine Leseprobe lesen. Denn sind immerhin 637 Seiten. Doch das Buch hat auch eine andere Seite, die mich trotz allem fasziniert hat. Kim Leine gelingt es den Leser in die Kolonie zu entführen. Man lebt das entbehrungsreiche und harte Leben im ewigen Eis mit. Dieses Leben verlangt viel von den Menschen. Die Dänen flüchten sich in den Alkohol. Es ist ein düsteres Leben. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass der Autor mal in Grönland gelebt hat. Man spürt, dass er weiss, wovon er schreibt.

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    • 2
  • Monumental

    Ewigkeitsfjord
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    17. February 2014 um 15:26

    Monumental Morten Falck geht sehr weit. Dafür, dass er die Theologie nur betrieben hat, weil sein Vater dies erwartete. Weil Pfründe winkten. Seine Neigungen gingen und gehen in andere Richtungen, aber 1789 ist das Wort des Vaters Gesetz, da hat der Sohn zu folgen. Dafür nun aber ist das Ziel, in Grönland als Missionar tätig zu sein, statt eine der bequemen Vorzeigepfarrerstellen in der Stadt anzunehmen, doch eine sehr existentielle Veränderung zu seinem Leben bisher, in dem er durchaus die „schönen Seiten“ zu genießen versteht. Was da alleine (man beachte die Zeit, in welcher die Geschichte spielt), alles an experimenteller und neugieriger Erotik mit seiner Verlobten möglich ist, wie weit diese junge Frau aus gutem Hause mit Morten geht (und das nicht nur in den eigenen vier Wänden), das bringt den Leser umgehend in eine Nähe zu den Ereignissen. Denn sehr „modern“ muten die Haltungen der Protagonisten an. Und das nicht nur in den erotischen Experimenten, sondern in der hier schon durchscheinenden inneren Befindlichkeit, dem Ausgeliefert sein dem eigenen Selbst, den eigenen Trieben gegenüber. Ein Thema, dass sich durch diesen Roman bedeutsam hindurch zieht. Betrachtet man die gründliche Recherche und die Genauigkeit der historischen Darstellung im gesamten Buch, darf man durchaus davon ausgehen, dass Leine hier nicht „der Gaul durchgeht“, sondern er sehr genau jene „zwei Seiten“ des Lebens damals in der „zivilisierten“ Welt darstellt, wie er genauso treffend und genau im späteren Verlauf die Atmosphäre und Lebensweise der „unzivilisierten“ Welt prägnant vor Augen führt. Die strikte Gesellschaftsordnung, das gesetzte Auftreten und dahinter das treibhaft pulsierende Leben, dass sich kaum in diesen äußeren Grenzen halten lässt. Und diese teils auch hart überschreitet, nicht nur im erotischen Sinne. „Sie rutscht über die Kante und stürzt flatternd und trudelnd und gequält in die Tiefe und zieht einen senkrechten Schrei hinter sich her wie en zittrigen Strich eines Kohlestiftes“. Und diese Frau fällt nicht freiwillig. Mord und Leidenschaften und tiefe Weisheit, vieles vermischt sich, bedingt einander in diesem sprachlich hervorragenden Buch. „Der Mensch ist frei geboren und überall liegt er in Ketten“, dieser Satz bildet das in vielfachen Variationen aufgenommene Grundthema des Romans. Denn auch im späteren die Eingeborenen, die „Grönländer“, auch diese wirken in mancherlei Hinsicht nur frei (von der Zivilisation). Ketten aber, die innerlich schwer wiegen, die finden Morten Falck überall, nicht zuletzt in sich selbst. „Welche Freiheit?“, denkt er sich, die als Wert der Eingeborenen behauptet wird? „Die Freiheit wild zu kopulieren und keine Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod zu haben“? Nein, er will mit seinem Verstand, seinem „Geist“, anderes geben, Christus verkündigen, innerlich frei machen. In einem westlichen Umfeld im kolonialen, „unverfälschten Grönland“, in dem Laudanum oft als das Mittel der Wahl gilt und in dem sein tieferes Verstehen und Zugehen auf das neue, ungebändigte Umfeld ihm selbst innerlich neue Welten eröffnen wird. Auch wenn Grausames geschehen wird. So kämpft Morten Falck mit der Reibung zwischen Moderne und „Ur-Leben“, mit dem Scheitern seiner Ideale (die schon in der Heimat wie ausgehöhlt waren) und dem Erleben, dass auch ihm eine Beherrschung seiner Triebe und Begierden nicht wirklich möglich ist. „Der Geist ist willig, das Fleisch ist schwach“, schreibt Paulus und diese (alte) Erkenntnis gestaltet Leine ebenso unmittelbar erlebbar, wie er die „höheren Interessen“ ins Spiel führt, die mit Macht und Autorität immer wieder in den genehmen Rahmen zwängen. Ein Abbild auch sehr moderner, gegenwärtiger, ethischer und wirtschaftlicher Fragen, die Leine in der Tiefe Seite für Seite auslotet. Frei? Das mag hier und da durchscheinen als Möglichkeit, als Momentum im Buch, aber die Ketten des Menschen, die sind allgegenwärtig und ergeben eine dichte, schwere, intensive Atmosphäre, die das Lesen zu einem beeindruckenden Erlebnis macht. Und die Lust auf innere Freiheit, auf das Recht auf einen eigenen Weg, erwachen lassen. Trotz aller oder gegen alle Ketten, die den Menschen auch im heutigen Leben stillschweigend umfassen. Und das alles bestens umrahmt von der schweren, massiven, bildkräftigen Sprache Leines, mittels derer Leben, Land und Leute, Interessen und innere Sehnsucht unmittelbar erlebbar gestaltet werden. 

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