⭐ Mein Gesamteindruck
Eigentlich bin ich ein großer Fan von Urban Fantasy. Gerade deshalb hat mich Dunkle Jagd leider ziemlich enttäuscht. 😕 Die Geschichte startet zwar temporeich und liefert ohne Ende Action, doch genau das wurde für mich zum Problem. Zwischen Kämpfen und gefährlichen Situationen bleibt kaum Raum für Figurenentwicklung oder emotionale Bindung. Statt einer Heldin bekam ich eine Protagonistin, deren Mischung aus Selbstüberschätzung, Aggressivität und fragwürdigen Entscheidungen mich eher frustriert als begeistert hat. Viele Konflikte entstehen überhaupt erst durch ihr eigenes Verhalten – und gelöst werden sie meist dadurch, dass andere sie retten. Auch die aufgesetzte Romantik wollte bei mir nie zünden, weil ständig betont wird, wie attraktiv Jax doch sei, obwohl Rowyn kurz zuvor noch erklärt, auf attraktive Männer gar nicht zu stehen. Dazu kamen holprige Formulierungen, fragwürdige Übersetzungen und sogar falsches Latein. Schade – hier wäre deutlich mehr drin gewesen. 🙈
✅ Stärken
- Hohes Erzähltempo
- Kreaturen und Urban-Fantasy-Setting grundsätzlich interessant
- Leicht und schnell zu lesen
- Viele Action- und Kampfszenen
- Gute Grundidee mit Potenzial
- Der Dämonenkater 🐈⬛
❌ Schwächen
- Unsympathische, überhebliche Protagonistin
- Stärke wird häufig mit Aggressivität verwechselt
- Künstlich wirkende Romanze
- Kaum Charakterentwicklung
- Nebenfiguren bleiben oberflächlich
- Kämpfe erzeugen wenig Kopfkino
- Fast ausschließlich Action ohne ruhige Momente
- Teilweise holpriger Textfluss
- Fehlerhaftes Latein
- Widersprüchliches Verhalten der Hauptfigur
- Einige Ideen wirken stark von anderen Urban-Fantasy-Reihen inspiriert
💭 Meine Eindrücke beim Lesen
Schon der Einstieg hat mich etwas aus der Geschichte gerissen. Das fehlerhafte Latein (”Quis vos servis?”) ließ mich direkt stutzen – solche Kleinigkeiten fallen mir leider auf und reißen mich unnötig aus der Atmosphäre. 🙈
Die zahlreichen Kämpfe lesen sich zwar flott, bleiben aber oft erstaunlich blass. Statt wirkliches Kopfkino entstehen häufig eher nüchterne Beschreibungen wie “Ich konnte nicht aufhören, sonst wäre ich tot.” oder “…oder ich rollte mich auf dem Boden herum.” Das vermittelt zwar Hektik, aber kaum Bilder.
Besonders schwer hatte ich es mit Rowyn. Sie behauptet gleich zu Beginn, attraktive Männer würden sie überhaupt nicht interessieren. Kaum taucht Jax auf, wird jedoch gefühlt alle paar Seiten erwähnt, wie unfassbar attraktiv er doch ist. Dadurch wirkte die entstehende Anziehung eher konstruiert als glaubwürdig. Auch ihre Gedanken und Gefühle ihm gegenüber empfand ich oft eher merkwürdig als romantisch.
Noch problematischer war für mich allerdings ihr Verhalten insgesamt. Immer wieder handelt sie unüberlegt, arrogant oder provoziert Konflikte sogar selbst. Anschließend gerät sie regelmäßig in Situationen, aus denen sie ohne Hilfe anderer kaum lebend herauskäme. Für mich entsteht dadurch keine starke Heldin, sondern eher eine Figur, die ständig an den Folgen ihrer eigenen Fehlentscheidungen scheitert. Sowasxertragexich höchstens in Dark Romance, da man das manchmal für den Handlungsverlauf braucht, aber hier doch nicht!
Hinzu kommt, dass sie Stärke mit Aggressivität verwechselt Rowyn ist oft unnötig schroff, entscheidet über die Köpfe anderer hinweg und verhält sich verbal ziemlich übergriffig. Das machte sie für mich leider nicht selbstbewusst, sondern einfach unsympathisch.
Auch die Nebenfiguren und Hintergründe bleiben trotz vieler Informationen erstaunlich oberflächlich. Es wird zwar einiges erzählt, aber wenig davon fühlt sich wirklich ausgearbeitet an. Emotional konnte ich deshalb kaum eine Verbindung zur Geschichte aufbauen. Am meistens mochte ich noch den Dämonenkater.
Ein weiterer Punkt war das permanente Erzähltempo. Es reiht sich nahezu ein Kampf an den nächsten. Die Geschichte nimmt sich kaum Zeit für ruhigere Momente, in denen Figuren wachsen oder Beziehungen entstehen könnten. Dadurch fühlte sich vieles eher wie eine Aneinanderreihung von Kämpfen und Fehlentscheidungen an als wie eine stimmige Geschichte.
Und alsywäre das noch nicht genug, betreibt die Autorin noch Bodyshaming. So schreibt sie Pam’s Einsatz zur Rettung von Jax nach dem Besuch der Vampire: “Für eine dicke Frau war sie erstaunlich leichtfüßig.” Solche Stellen hinterließen bei mir eher Stirnrunzeln als Begeisterung.
Da ich Urban Fantasy wirklich gerne lese, fiel mir das Urteil nicht leicht. Aber wenn mir dieses Genre empfohlen werden soll, greife ich deutlich lieber zur Bobby-Dollar-Reihe von Tad Williams, zur Elena-Deveraux-Reihe von Nalini Singh oder zu Chroniken der Unterwelt von Cassandra Clare.
Für mich wird es deshalb auch bei diesem ersten Band bleiben.
📚 Fazit & Empfehlung
Dunkle Jagd hatte für mich einige interessante Ansätze, konnte sie aber leider nicht überzeugend umsetzen. Die permanente Action ersetzt keine Charakterentwicklung, und eine Heldin sollte für mich durch kluge Entscheidungen überzeugen – nicht dadurch, dass sie ständig impulsiv handelt. Wer mal unverbindlich und ohne Vorerfahrung ins Genre schnuppern möchte, könnte hier durchaus Spaß haben. Wer jedoch Wert auf glaubwürdige Figuren, emotionale Entwicklung und eine stimmige zwischenmenschliche Beziehungen legt, findet im Genre meiner Meinung nach deutlich bessere Alternativen. Für mich war es leider der erste und gleichzeitig letzte Ausflug in diese Reihe. ⭐⭐☆☆☆











