Kim Thúy

 4.1 Sterne bei 52 Bewertungen
Autor von Der Geschmack der Sehnsucht, Der Klang der Fremde und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Kim Thúy

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Kim ThúyDer Geschmack der Sehnsucht
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Der Geschmack der Sehnsucht
Der Geschmack der Sehnsucht
 (39)
Erschienen am 26.02.2014
Kim ThúyDer Klang der Fremde
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Der Klang der Fremde
Der Klang der Fremde
 (10)
Erschienen am 25.08.2010
Kim ThúyDie vielen Namen der Liebe
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Die vielen Namen der Liebe
Die vielen Namen der Liebe
 (3)
Erschienen am 08.03.2017
Kim ThúyDer Klang der Fremde
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Der Klang der Fremde
Der Klang der Fremde
 (0)
Erschienen am 01.03.2016
Kim ThúyMãn. Der Geschmack der Sehnsucht, französische Ausgabe
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Mãn. Der Geschmack der Sehnsucht, französische Ausgabe
Kim ThúyNidi di rondine
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Nidi di rondine
Nidi di rondine
 (0)
Erschienen am 01.09.2014
Kim ThúyMan
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Man
Man
 (0)
Erschienen am 07.08.2014
Kim ThúyRu
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Ru
Ru
 (0)
Erschienen am 01.05.2012

Neue Rezensionen zu Kim Thúy

Neu
D

Rezension zu "Der Klang der Fremde" von Kim Thúy

Unpassender Titel, beeindruckender Roman
DeepThoughtvor 14 Tagen

Erstveröffentlichung: 2009
Rezension basiert auf der Übersetzung von Andrea Alversmann, Brigitte Große für den Antje Kunstmann Verlag, 2010

Inhalt

Das Leben der Hauptperson wird ganz entscheidend von der Geburt in Vietnam zur Zeit des Zweiten Indochinakrieges geprägt. Bleibt sie dank der Stellung ihrer Eltern zunächst von den Auswirkungen des Krieges verschont, wird das Haus der Familie dennoch vom kommunistischen Militär zur Hälfte beschlagnahmt; später muss sie es ganz räumen. Als die Hauptperson zehn Jahre alt ist, flieht die Familie aus ihrer Heimat. Zunächst bildet die Kindheit in Saigon den Schwerpunkt der Erzählungen, die Erfahrungen der Flucht, im malaysischen Flüchtlingslager und in Kanada stehen jedoch gleichberechtigt daneben. Eine berufsbedingte monatelange Rückkehr nach Vietnam ermöglicht schließlich einen Blick der Ich-Erzählerin auf die Veränderungen im Land.

Anmerkungen

Die Autorin vermischt autobiografische und fiktive Erlebnisse zu einem autofiktiven Werk. Dementsprechend heißt die Erzählerin An Tịnh Nguyễn, und das Buch erhielt die Gattungsbeschreibung Roman, nicht Memoir.

Der Roman sammelt skizzenartig ausgearbeitete Episoden aus An Tịnhs Leben, gleichsam einem Bewusstseinsstroms werden die bis in ein „Heute“ (Das Buch wurde 2009 veröffentlicht) reichenden Zeitebenen miteinander verflochten. Die einzelnen Gedankensplitter nehmen jeweils aufeinander Bezug nehmen, indem sie eine Formulierung, eine genannte Person in der nächsten Miniatur wieder aufnehmen.

Die einzelnen Beschreibungen umfassen zwischen einer und drei Seiten und werden aus der Perspektive der Erwachsenen geschildert. Erlebnisse der Erzählerin als Kind können somit einerseits aus der damaligen Perspektive vermittelt, aber zugleich von der Erwachsenen in einen anderen Kontext eingebunden und erläutert werden.

Auf diese Weise bewahren sich die einzelnen Ereignisse ein Geheimnis, denn es wird zwar das einzelne Gerüst der jeweiligen Geschichte erzählt, deren Ausschmückung etwa mit Dialogen und Bildern jedoch der Fantasie der Leserinnen und Leser überlassen.

Die Ich-Erzählerin enthält sich dabei jedes Kommentars, wenn sie etwa über die von ihr wahrgenommene Prostitution in Vietnam schreibt, oder stellt lediglich das Vorhandensein von Gefühlen fest, ohne dieses ausschmücken zu müssen.

Kim Thúy wurde 2018 auf die Shortlist des Alternativen Literatur-Nobelpreises gewählt.

Fazit

Der Autorin gelingt es in dem schmalen Band, den man an einem Nachmittag durchlesen kann, ganz verschiedene Themen unterzubringen. Die Beschreibung ihres Geburtslandes zum Zeitpunkt des Krieges und der Veränderungen nach der Wiedervereinigung sowie seiner verschiedenen Bevölkerungsschichten entfalten ein Zeit- und Gesellschaftsdokument Vietnams. Die Beschreibung der Flucht, der Lebens in dem Lager in Malaysia sowie die Anfangszeit in Kanada steht nicht für das einzelne Flüchtlingsschicksal dieser Person; vielmehr wird auch hier ein ganzes Panorama an Person (Flüchtigen, Helfern, Freunden, Verwandten) aufgeboten, das fast zwangslos die Aktualität des Romans vor Augen führt und den Raum für verschiedenste Assoziationen weckt. Schließlich kann in der Darstellung des aktuellen Lebens der Erzählerin etwa in Hinblick auf ihre Kinder der Schlusspunkt ihrer Erwachsenwerdung gesehen werden: eine Frau, die sich ihrer familiären und kulturellen Wurzeln ebenso bewusst ist wie ihrer Veränderung infolge der Migration in den Westen. Dem Horror der Flucht und Verlust der Emigration wird das Glück der Integration entgegengestellt sowie der Gewinn, den diese für das aufnehmende Land bedeuten kann.

Gerade das Stilmittel der Autorin, die einzelnen Anekdoten durchgehend in einem sachlichen Ton zu halten, vermeintlich sinnliche Erfahrungen lediglich zu benennen, statt sie mit einer Ausschmückungen und einer prächtigen Sprache mit Leben zu füllen, lässt die hier und da dann doch auftauchenden bilderreichen Formulierungen oder Mininaturen umso stärker hervortreten und glänzen.

Klischeehafte Zuschreibungen wie „exotisch“ hat das Werk gar nicht nötig, und sie führen wie auch der unglückliche Titel eher ins Leere, weil die Autorin ihr Land gerade nicht ausstellt und weil die Fremde in dem Roman Kanada ist, nicht Vietnam.

Die Höchstwertung habe ich vergeben, weil ich nach Beendigung der Lektüre bemerkte, wie die einzelnen Vignetten bei mir persönlich nachhallten. Sie brachten mich dazu, das Geschilderte mit Farben, Gerüchen und Geräuschen zu versehen, die die Autorin gar nicht benannt hat. Die Lücken, die sie ließ, sind durch meine Fantasien gefüllt worden und bereichern die Wahrnehmung des Romans. 

Dadurch entsteht noch im Nachhinein eine besondere Nähe zu dem Gelesenen.

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W

Rezension zu "Die vielen Namen der Liebe" von Kim Thúy

Ein wunderbar poetisches Werk über die Kraft der Sehnsucht und der Liebe
WinfriedStanzickvor einem Jahr



Schon in ihrem ersten Buch „Der Klang der Fremde“ (2010), mit dem die in Montreal lebende Schriftstellerin Kim Thuy autobiographisch ihre Kindheit in Saigon und die Flucht der Familie als „boat people“ schilderte, versuchte sie in zum Teil sehr kurzen fast epigrammatischen Texten sich an ihren Vergangenheit und ihre große Familie zu erinnern.

Auch in „Der Geschmack der Sehnsucht“ (2014) setzte diese Erinnerungsarbeit fort. So wie ihr neues , hier vorliegende Buch ist es ein bewegendes und eindrückliches literarisches Werk, durchzogen von einer tiefen Dankbarkeit an das Leben, das es bei allem Leid und allem erlebten Schrecklichen doch gut mit ihr gemeint hat.

„Die vielen Namen der Liebe“ reflektiert, wieder stark autobiographisch geprägt, die Bedeutung von Heimat und Fremde und fragt am Beispiel der Geschichte der Protagonistin Vi, wie etwas Vertrautes fremd wird und das ursprünglich Fremde vertraut.

In der Ich-Form erzählt Vi, wie sie als achtjähriges Mädchen mit der Mutter und den drei Brüdern aus Vietnam flieht, weil sie unter dem neuen kommunistischen Regime nicht mehr leben wollen.  Sie schildert das Leben in einem Flüchtlingslager in Malaysia und ihren Neuanfang in Kanada.

In Ausschnitten hat Kim Thuy in den beiden ersten Büchern diese eigene Geschichte schon erzählt. Sie wird nun noch plastischer, mehr Einzelheiten ihres langen Weges in die Freiheit der Fremde werden erzählt.

Vor allen Dingen aber berichtet sie dieses Mal davon, wie die erwachsene Vi nach Vietnam zurückkehrt und sich dort vollkommen fremd fühlt.

„Die vielen Namen der Liebe“ bildet mit den beiden ersten Büchern eine nicht nur biographische, sondern auch eine literarische Einheit.

Ein wunderbar poetisches Werk über die Kraft der Sehnsucht und der Liebe, und wie sie über ungeahnte Weiten und Hürden tragen kann, auch in einem neuen Leben in der Fremde.


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JulesBarroiss avatar

Rezension zu "Die vielen Namen der Liebe" von Kim Thúy

Eine ruhige und meisterliche Geschichte
JulesBarroisvor 2 Jahren

Die vielen Namen der Liebe - Kim Thúy (Autor), 150 Seiten, Verlag: Kunstmann, A; Auflage: 1 (8. März 2017), 18 €, ISBN-13: 978-3956141683

 

Vi ist der Name eines kleinen Mädchens, das mit seiner Mutter und sein drei Brüdern während des Krieges aus Vietnam geflohen ist. in einem Flüchtlingslager in Malaysia, zog die Familie weiter, um in der Nähe von Quebec in Kanada zu leben, wo sie eine unauffällige Jugend verbrachte. Sie beginnt dann in Montreal ein Studium des Rechts und der Sprachen und wird als Mitarbeiterin eines Hilfsprojekts nach Vietnam zurückkehren, findet Freunde, verliebt sich in einen französischen Mitarbeiter, arbeitet, reist viel ... und lernt, wer sie wirklich ist. Nicht einfach, vor allem, wenn unser Name bedeutet „Winzige Kostbarkeit.“

Erzählt wird aus der Perspektive von Vi, der Jüngsten; und ihre Erzählung umspannt die Familiengeschichte von den 1950er Jahren bis in die Gegenwart. In ihre Gegenwart, Vi ist eine Einwanderin der zweiten Generation, eine moderne und zunehmend selbstbewusste Frau, die ihren Weg geht und doch permanent zerrissen wird zwischen den Traditionen, des Herkunftslandes und der Familie und den Freiheiten des „westlichen“ Lebens, die sie sich herauszunehmen wagt, um die sein zu können, die sie sein möchte.

Ein schönes und subtiles Buch über Heimat, Flucht und Ankommen, Liebe, Leid und natürlich das zentrale Thema der Arbeit von Kim Thúy: Exil

Die Themen sind sehr weitgespannt, aber Kim Thúy verliert sich nicht in einem großen Roman, sondern hält sich kurz. Der Romanist in kurze Kapitel unterteilt, und schön mit Sorgfalt entworfen bis auf die Detailebene. Sehr fein abgestimmt und ausgewogen poetisch. Ein unglaublich schönes Buch, mit diesem nostalgischen und melancholischen Anflug, den wir aus den anderen Büchern der Autorin kennen.

Mir scheint es ein autobiographischer Roman zu sein. Er zeigt in seinen kurzen Kapiteln alle geographischen und soziologischen Besonderheiten der Reisen, die den Leser auf die ganze Welt führen. Und es ist auch die Geschichte von Vietnam und seine Menschen, ihren Pflichten, und alle seine Traditionen und alle Überzeugungen. Es ist die Geschichte einer Entwurzelung und eine ständige Herausforderung, endlich Teil der neuen Gemeinschaft zu werden. Obwohl im Roman nichts besonders Dramatisches passiert, ist er zugleich doch sehr tragisch. Und einige Momente sind absolut erschütternd.

Kim Thúy schreibt sehr subtil, sensibel und auch sinnlich und empfindsam. Ja weich und geschmeidig, wie mit dem leichten und eleganten Pinsel eines Kalligraphen hingemalt. Ein schönes und zum Nachdenken anregendes Buch. Das vor allem durch Kim Thúys eigener Sprache überzeugt, die sehr schön und atmosphärisch ist und die die Konflikte beschreibt, ohne einen Stand für richtig oder falsch ein zu nehmen.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Antje Kunstmann Verlages

http://www.kunstmann.de/titel-0-0/die_vielen_namen_der_liebe-1249/

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

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