Kim Thúy

 4,1 Sterne bei 58 Bewertungen
Autor von Der Geschmack der Sehnsucht, Der Klang der Fremde und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Kim Thúy

Kim Thúy wurde in Saigon geboren und floh als Zehnjährige mit ihrer Familie in den Westen. Sie arbeitete als Übersetzerin und als Rechtsanwältin, als Gastronomin, als Kritikerin und Moderatorin für Radio und Fernsehen. Als Autorin wurde sie 2010 mit ihrem in zahlreiche Sprachen übersetzten Überraschungserfolg Der Klang der Fremde bekannt. Es folgten Der Geschmack der Sehnsucht (2014) und Die vielen Namen der Liebe (2017).

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Kim Thúy

Cover des Buches Der Geschmack der Sehnsucht (ISBN: 9783888979286)

Der Geschmack der Sehnsucht

 (39)
Erschienen am 26.02.2014
Cover des Buches Der Klang der Fremde (ISBN: 9783888976797)

Der Klang der Fremde

 (12)
Erschienen am 01.09.2010
Cover des Buches Die vielen Namen der Liebe (ISBN: 9783956141683)

Die vielen Namen der Liebe

 (7)
Erschienen am 08.03.2017
Cover des Buches Großer Bruder, kleine Schwester (ISBN: 9783956144561)

Großer Bruder, kleine Schwester

 (0)
Erscheint am 15.09.2021
Cover des Buches Die vielen Namen der Liebe (ISBN: 9783423146937)

Die vielen Namen der Liebe

 (0)
Erschienen am 21.06.2019
Cover des Buches Das Geheimnis der Vietnamesischen Küche (ISBN: 9783956142949)

Das Geheimnis der Vietnamesischen Küche

 (0)
Erschienen am 13.02.2019
Cover des Buches Der Klang der Fremde (ISBN: 9783945095133)

Der Klang der Fremde

 (0)
Erschienen am 01.03.2016
Cover des Buches Die vielen Namen der Liebe (ISBN: 9783956141799)

Die vielen Namen der Liebe

 (0)
Erschienen am 08.03.2017

Neue Rezensionen zu Kim Thúy

Cover des Buches Die vielen Namen der Liebe (ISBN: 9783956141683)

Rezension zu "Die vielen Namen der Liebe" von Kim Thúy

Eine Lebensgeschichte zwischen den Kulturen
Ein LovelyBooks-Nutzervor 2 Jahren

1975, als Nordvietnam den Vietnamkrieg gewinnt und nordvientamesische Kommunisten Saigon besetzen, ist Vi acht Jahre alt. Junge Männer werden eingezogen, um an der Grenze zu China und in Kambodscha gegen Pol Pot in den Krieg zu ziehen. Umerziehungslager, Zwangsarbeit und Hinrichtungen drohen vielen Vietnamesen. Vis Mutter steht vor einer schweren Entscheidung: Soll sie dort bleiben und dem Vater weiterhin treu zur Seite stehen? Oder mit ihren Kindern das Land verlassen und das Leben ihrer drei fast volljährigen Söhne retten? Sie entscheidet sich für die Flucht. Mithilfe von Schleppern flieht sie mit ihren drei Söhnen und ihrer Tochter Vi als Boatpeople übers Meer nach Malaysia und schließlich nach Kanada. Dort bauen sie sich ein neues Leben auf. Der Vater bleibt in Vietnam zurück. 

"Mein Vorname, Báo Vi, kündet von der Absicht meiner Eltern, „die Kleinste zu schützen“. Wörtlich übersetzt, heiße ich „winzige Kostbarkeit“. Wie den meisten Vietnamesen gelang es mir nie, meinem Namen gerecht zu werden."

In Kanada wächst Vi als jüngstes Kind und einziges Mädchen sorgenfrei und behütet auf. Geprägt von ihrer Entscheidung, Vietnam zu verlassen, versucht die Mutter, Vi vor der Welt zu schützen. Sie lernt von ihrer Mutter, unsichtbar zu sein. Doch dadurch fällt es Vi als Heranwachsende zunehmend schwer, sich im Leben zurechtzufinden. Sie ist hin und her gerissen zwischen den konservativen Traditionen ihrer Familie und ihrem Wunsch nach einem selbstbestimmten und freien Leben.

Erst als erwachsene Frau kehrt Vi nach Vietnam zurück – ein Land, das ihr nach den vielen Jahren fremd geworden ist -, um an der Erarbeitung einer neuen vietnamesischen Verfassung mitzuwirken. Dort erinnert sie sich an das Leben ihrer Großeltern, ihrer Eltern, an die Flucht und ihr eigenes Heranwachsen als Jugendliche in Kanada. Aus diesen Erinnerungen setzen sich die einzelnen Kapitel in „Die vielen Namen der Liebe“ zusammen. Die Liebe ist, wie der wirklich kitschige Titel der deutschen Übersetzung nahelegt, eine feste Konstante in allen Kapiteln. Im Vietnamesischen hat das Wort „lieben“ sechs Bedeutungen:

"…bis zum Wahnsinn lieben, lieben bis man Wurzeln schlägt wie ein Baum, rauschhaft lieben, bis zur Bewusstlosigkeit, bis zur Erschöpfung, bis zur Selbstaufgabe lieben."

Kim Thúy beschränkt die Liebe als übergeordnetes Phänomen des Romans nicht auf die romantische Liebe. Vi berichtet zwar von der Liebe ihrer Großeltern und Eltern und auch von ihren Beziehungen zu einem vietnamesischen Studenten und einem französischen Ornithologen. Viel wichtiger und prägender empfand ich in „Die vielen Namen der Liebe“ aber die Liebe zwischen Mutter und Kind. Das verdeutlicht die Beziehung zwischen Vi und ihrer eigenen Mutter – aber zum Beispiel auch Vis Erinnerung an eine Frau in einem Flüchtlingslager in Malaysia. Sie wachte Tag und Nacht am Strand in der Hoffnung, ihr auf dem Meer verschollenes Kind wiederzusehen.

Kim Thúys reduzierter Sprache bleibt es zu verdanken, dass der Roman trotz der ganzen Liebe nur selten ins Kitschige abschweift. Lediglich zum Ende hin, als Vi ihre große Liebe findet, wurde es mir etwas zu gefühlsduselig. Die Schriftstellerin wird selten konkret und lässt den Leser*innen viel Raum für eigene Interpretationen. Dadurch blieben mir die Figuren aber auch lange Zeit fern.
So sehr „Die vielen Namen der Liebe“ ein Roman über die Liebe ist, so sehr ist er in meinen Augen auch ein Roman über Identität und Herkunft. Vi bewegt sich in dem Spannungsfeld zwischen Ost und West. Häufig vergleicht sie Vietnam im Osten und Kanada im Westen miteinander. Sie stellt selten Gemeinsamkeiten, aber häufig Unterschiede fest. In der Küche, dem zwischenmenschlichen Umgang, aber vor allem auch in der Liebe.

Kim Thúys dritter Roman „Die vielen Namen der Liebe“ ist eine leise, melancholisch anklingende Geschichte, über eine junge Vietnamesin, die zwischen zwei Kulturen ihren Platz auf der Welt sucht. Der Roman beginnt und bleibt lange stark, stellt Fragen über Herkunft und Identität, über Liebe und Abhängigkeit. Nur zum Ende hin schwächelt er und wird mir dann doch zu kitschig.

Mehr Rezensionen von mir findest du auf wortkulisse.net.

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Cover des Buches Der Klang der Fremde (ISBN: 9783888976797)D

Rezension zu "Der Klang der Fremde" von Kim Thúy

Unpassender Titel, beeindruckender Roman
DeepThoughtvor 3 Jahren

Erstveröffentlichung: 2009
Rezension basiert auf der Übersetzung von Andrea Alversmann, Brigitte Große für den Antje Kunstmann Verlag, 2010

Inhalt

Das Leben der Hauptperson wird ganz entscheidend von der Geburt in Vietnam zur Zeit des Zweiten Indochinakrieges geprägt. Bleibt sie dank der Stellung ihrer Eltern zunächst von den Auswirkungen des Krieges verschont, wird das Haus der Familie dennoch vom kommunistischen Militär zur Hälfte beschlagnahmt; später muss sie es ganz räumen. Als die Hauptperson zehn Jahre alt ist, flieht die Familie aus ihrer Heimat. Zunächst bildet die Kindheit in Saigon den Schwerpunkt der Erzählungen, die Erfahrungen der Flucht, im malaysischen Flüchtlingslager und in Kanada stehen jedoch gleichberechtigt daneben. Eine berufsbedingte monatelange Rückkehr nach Vietnam ermöglicht schließlich einen Blick der Ich-Erzählerin auf die Veränderungen im Land.

Anmerkungen

Die Autorin vermischt autobiografische und fiktive Erlebnisse zu einem autofiktiven Werk. Dementsprechend heißt die Erzählerin An Tịnh Nguyễn, und das Buch erhielt die Gattungsbeschreibung Roman, nicht Memoir.

Der Roman sammelt skizzenartig ausgearbeitete Episoden aus An Tịnhs Leben, gleichsam einem Bewusstseinsstroms werden die bis in ein „Heute“ (Das Buch wurde 2009 veröffentlicht) reichenden Zeitebenen miteinander verflochten. Die einzelnen Gedankensplitter nehmen jeweils aufeinander Bezug nehmen, indem sie eine Formulierung, eine genannte Person in der nächsten Miniatur wieder aufnehmen.

Die einzelnen Beschreibungen umfassen zwischen einer und drei Seiten und werden aus der Perspektive der Erwachsenen geschildert. Erlebnisse der Erzählerin als Kind können somit einerseits aus der damaligen Perspektive vermittelt, aber zugleich von der Erwachsenen in einen anderen Kontext eingebunden und erläutert werden.

Auf diese Weise bewahren sich die einzelnen Ereignisse ein Geheimnis, denn es wird zwar das einzelne Gerüst der jeweiligen Geschichte erzählt, deren Ausschmückung etwa mit Dialogen und Bildern jedoch der Fantasie der Leserinnen und Leser überlassen.

Die Ich-Erzählerin enthält sich dabei jedes Kommentars, wenn sie etwa über die von ihr wahrgenommene Prostitution in Vietnam schreibt, oder stellt lediglich das Vorhandensein von Gefühlen fest, ohne dieses ausschmücken zu müssen.

Kim Thúy wurde 2018 auf die Shortlist des Alternativen Literatur-Nobelpreises gewählt.

Fazit

Der Autorin gelingt es in dem schmalen Band, den man an einem Nachmittag durchlesen kann, ganz verschiedene Themen unterzubringen. Die Beschreibung ihres Geburtslandes zum Zeitpunkt des Krieges und der Veränderungen nach der Wiedervereinigung sowie seiner verschiedenen Bevölkerungsschichten entfalten ein Zeit- und Gesellschaftsdokument Vietnams. Die Beschreibung der Flucht, der Lebens in dem Lager in Malaysia sowie die Anfangszeit in Kanada steht nicht für das einzelne Flüchtlingsschicksal dieser Person; vielmehr wird auch hier ein ganzes Panorama an Person (Flüchtigen, Helfern, Freunden, Verwandten) aufgeboten, das fast zwangslos die Aktualität des Romans vor Augen führt und den Raum für verschiedenste Assoziationen weckt. Schließlich kann in der Darstellung des aktuellen Lebens der Erzählerin etwa in Hinblick auf ihre Kinder der Schlusspunkt ihrer Erwachsenwerdung gesehen werden: eine Frau, die sich ihrer familiären und kulturellen Wurzeln ebenso bewusst ist wie ihrer Veränderung infolge der Migration in den Westen. Dem Horror der Flucht und Verlust der Emigration wird das Glück der Integration entgegengestellt sowie der Gewinn, den diese für das aufnehmende Land bedeuten kann.

Gerade das Stilmittel der Autorin, die einzelnen Anekdoten durchgehend in einem sachlichen Ton zu halten, vermeintlich sinnliche Erfahrungen lediglich zu benennen, statt sie mit einer Ausschmückungen und einer prächtigen Sprache mit Leben zu füllen, lässt die hier und da dann doch auftauchenden bilderreichen Formulierungen oder Mininaturen umso stärker hervortreten und glänzen.

Klischeehafte Zuschreibungen wie „exotisch“ hat das Werk gar nicht nötig, und sie führen wie auch der unglückliche Titel eher ins Leere, weil die Autorin ihr Land gerade nicht ausstellt und weil die Fremde in dem Roman Kanada ist, nicht Vietnam.

Die Höchstwertung habe ich vergeben, weil ich nach Beendigung der Lektüre bemerkte, wie die einzelnen Vignetten bei mir persönlich nachhallten. Sie brachten mich dazu, das Geschilderte mit Farben, Gerüchen und Geräuschen zu versehen, die die Autorin gar nicht benannt hat. Die Lücken, die sie ließ, sind durch meine Fantasien gefüllt worden und bereichern die Wahrnehmung des Romans. 

Dadurch entsteht noch im Nachhinein eine besondere Nähe zu dem Gelesenen.

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Cover des Buches Die vielen Namen der Liebe (ISBN: 9783956141683)W

Rezension zu "Die vielen Namen der Liebe" von Kim Thúy

Ein wunderbar poetisches Werk über die Kraft der Sehnsucht und der Liebe
WinfriedStanzickvor 4 Jahren



Schon in ihrem ersten Buch „Der Klang der Fremde“ (2010), mit dem die in Montreal lebende Schriftstellerin Kim Thuy autobiographisch ihre Kindheit in Saigon und die Flucht der Familie als „boat people“ schilderte, versuchte sie in zum Teil sehr kurzen fast epigrammatischen Texten sich an ihren Vergangenheit und ihre große Familie zu erinnern.

Auch in „Der Geschmack der Sehnsucht“ (2014) setzte diese Erinnerungsarbeit fort. So wie ihr neues , hier vorliegende Buch ist es ein bewegendes und eindrückliches literarisches Werk, durchzogen von einer tiefen Dankbarkeit an das Leben, das es bei allem Leid und allem erlebten Schrecklichen doch gut mit ihr gemeint hat.

„Die vielen Namen der Liebe“ reflektiert, wieder stark autobiographisch geprägt, die Bedeutung von Heimat und Fremde und fragt am Beispiel der Geschichte der Protagonistin Vi, wie etwas Vertrautes fremd wird und das ursprünglich Fremde vertraut.

In der Ich-Form erzählt Vi, wie sie als achtjähriges Mädchen mit der Mutter und den drei Brüdern aus Vietnam flieht, weil sie unter dem neuen kommunistischen Regime nicht mehr leben wollen.  Sie schildert das Leben in einem Flüchtlingslager in Malaysia und ihren Neuanfang in Kanada.

In Ausschnitten hat Kim Thuy in den beiden ersten Büchern diese eigene Geschichte schon erzählt. Sie wird nun noch plastischer, mehr Einzelheiten ihres langen Weges in die Freiheit der Fremde werden erzählt.

Vor allen Dingen aber berichtet sie dieses Mal davon, wie die erwachsene Vi nach Vietnam zurückkehrt und sich dort vollkommen fremd fühlt.

„Die vielen Namen der Liebe“ bildet mit den beiden ersten Büchern eine nicht nur biographische, sondern auch eine literarische Einheit.

Ein wunderbar poetisches Werk über die Kraft der Sehnsucht und der Liebe, und wie sie über ungeahnte Weiten und Hürden tragen kann, auch in einem neuen Leben in der Fremde.


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