Die vielen Namen der Liebe

von Kim Thúy 
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Die vielen Namen der Liebe
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Ein schönes und subtiles Buch über Heimat, Flucht und Ankommen, Liebe, Leid und natürlich das zentrale Thema der Arbeit von Kim Thúy: Exil

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Inhaltsangabe zu "Die vielen Namen der Liebe"

Acht Jahre ist Vi, als sie mit der Mutter und den drei großen Brüdern aus Vietnam flieht, in einem Flüchtlingslager in Malaysia landet und schließlich in Kanada neu beginnt. Erst als erwachsene Frau kehrt sie eine Weile nach Vietnam zurück, in ein Land, das ihr nach so vielen Jahren fremd ist. Umso stärker ist die Gegenwart der Erinnerungen: an die abgöttische Liebe der Mutter zu ihrem Mann, den sie im entscheidenden Moment zurücklässt, um die Kinder zu retten. An Ha, deren kluge und elegante Freundin, die Vi ermunterte, sich aus der Tradition zu lösen und ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Und an der Geschmack der Sehnsucht, der in all den liebevoll zubereiteten Mahlzeiten der Mutter immer präsent war.
Von dieser Sehnsucht erzählt Kim Thúy und den vielen Formen der Liebe, poetisch und anschaulich: "Mein Vorname Vi kündet von der Absicht meiner Eltern, ›die Kleinste zu beschützen‹. Wörtlich übersetzt heiße ich ›winzige Kostbarkeit‹" – und eine Kostbarkeit ist dieser Roman der Erinnerung an eine fremde Heimat, an Flucht und Ankunft, an Familie und Tradition. Und an die Freiheit, das Leben selbst in die Hand zu nehmen.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783956141683
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:150 Seiten
Verlag:Kunstmann, A
Erscheinungsdatum:08.03.2017

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    WinfriedStanzickvor einem Jahr
    Ein wunderbar poetisches Werk über die Kraft der Sehnsucht und der Liebe



    Schon in ihrem ersten Buch „Der Klang der Fremde“ (2010), mit dem die in Montreal lebende Schriftstellerin Kim Thuy autobiographisch ihre Kindheit in Saigon und die Flucht der Familie als „boat people“ schilderte, versuchte sie in zum Teil sehr kurzen fast epigrammatischen Texten sich an ihren Vergangenheit und ihre große Familie zu erinnern.

    Auch in „Der Geschmack der Sehnsucht“ (2014) setzte diese Erinnerungsarbeit fort. So wie ihr neues , hier vorliegende Buch ist es ein bewegendes und eindrückliches literarisches Werk, durchzogen von einer tiefen Dankbarkeit an das Leben, das es bei allem Leid und allem erlebten Schrecklichen doch gut mit ihr gemeint hat.

    „Die vielen Namen der Liebe“ reflektiert, wieder stark autobiographisch geprägt, die Bedeutung von Heimat und Fremde und fragt am Beispiel der Geschichte der Protagonistin Vi, wie etwas Vertrautes fremd wird und das ursprünglich Fremde vertraut.

    In der Ich-Form erzählt Vi, wie sie als achtjähriges Mädchen mit der Mutter und den drei Brüdern aus Vietnam flieht, weil sie unter dem neuen kommunistischen Regime nicht mehr leben wollen.  Sie schildert das Leben in einem Flüchtlingslager in Malaysia und ihren Neuanfang in Kanada.

    In Ausschnitten hat Kim Thuy in den beiden ersten Büchern diese eigene Geschichte schon erzählt. Sie wird nun noch plastischer, mehr Einzelheiten ihres langen Weges in die Freiheit der Fremde werden erzählt.

    Vor allen Dingen aber berichtet sie dieses Mal davon, wie die erwachsene Vi nach Vietnam zurückkehrt und sich dort vollkommen fremd fühlt.

    „Die vielen Namen der Liebe“ bildet mit den beiden ersten Büchern eine nicht nur biographische, sondern auch eine literarische Einheit.

    Ein wunderbar poetisches Werk über die Kraft der Sehnsucht und der Liebe, und wie sie über ungeahnte Weiten und Hürden tragen kann, auch in einem neuen Leben in der Fremde.


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    JulesBarroiss avatar
    JulesBarroisvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein schönes und subtiles Buch über Heimat, Flucht und Ankommen, Liebe, Leid und natürlich das zentrale Thema der Arbeit von Kim Thúy: Exil
    Eine ruhige und meisterliche Geschichte

    Die vielen Namen der Liebe - Kim Thúy (Autor), 150 Seiten, Verlag: Kunstmann, A; Auflage: 1 (8. März 2017), 18 €, ISBN-13: 978-3956141683

     

    Vi ist der Name eines kleinen Mädchens, das mit seiner Mutter und sein drei Brüdern während des Krieges aus Vietnam geflohen ist. in einem Flüchtlingslager in Malaysia, zog die Familie weiter, um in der Nähe von Quebec in Kanada zu leben, wo sie eine unauffällige Jugend verbrachte. Sie beginnt dann in Montreal ein Studium des Rechts und der Sprachen und wird als Mitarbeiterin eines Hilfsprojekts nach Vietnam zurückkehren, findet Freunde, verliebt sich in einen französischen Mitarbeiter, arbeitet, reist viel ... und lernt, wer sie wirklich ist. Nicht einfach, vor allem, wenn unser Name bedeutet „Winzige Kostbarkeit.“

    Erzählt wird aus der Perspektive von Vi, der Jüngsten; und ihre Erzählung umspannt die Familiengeschichte von den 1950er Jahren bis in die Gegenwart. In ihre Gegenwart, Vi ist eine Einwanderin der zweiten Generation, eine moderne und zunehmend selbstbewusste Frau, die ihren Weg geht und doch permanent zerrissen wird zwischen den Traditionen, des Herkunftslandes und der Familie und den Freiheiten des „westlichen“ Lebens, die sie sich herauszunehmen wagt, um die sein zu können, die sie sein möchte.

    Ein schönes und subtiles Buch über Heimat, Flucht und Ankommen, Liebe, Leid und natürlich das zentrale Thema der Arbeit von Kim Thúy: Exil

    Die Themen sind sehr weitgespannt, aber Kim Thúy verliert sich nicht in einem großen Roman, sondern hält sich kurz. Der Romanist in kurze Kapitel unterteilt, und schön mit Sorgfalt entworfen bis auf die Detailebene. Sehr fein abgestimmt und ausgewogen poetisch. Ein unglaublich schönes Buch, mit diesem nostalgischen und melancholischen Anflug, den wir aus den anderen Büchern der Autorin kennen.

    Mir scheint es ein autobiographischer Roman zu sein. Er zeigt in seinen kurzen Kapiteln alle geographischen und soziologischen Besonderheiten der Reisen, die den Leser auf die ganze Welt führen. Und es ist auch die Geschichte von Vietnam und seine Menschen, ihren Pflichten, und alle seine Traditionen und alle Überzeugungen. Es ist die Geschichte einer Entwurzelung und eine ständige Herausforderung, endlich Teil der neuen Gemeinschaft zu werden. Obwohl im Roman nichts besonders Dramatisches passiert, ist er zugleich doch sehr tragisch. Und einige Momente sind absolut erschütternd.

    Kim Thúy schreibt sehr subtil, sensibel und auch sinnlich und empfindsam. Ja weich und geschmeidig, wie mit dem leichten und eleganten Pinsel eines Kalligraphen hingemalt. Ein schönes und zum Nachdenken anregendes Buch. Das vor allem durch Kim Thúys eigener Sprache überzeugt, die sehr schön und atmosphärisch ist und die die Konflikte beschreibt, ohne einen Stand für richtig oder falsch ein zu nehmen.

    Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Antje Kunstmann Verlages

    http://www.kunstmann.de/titel-0-0/die_vielen_namen_der_liebe-1249/

    Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

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    Buecherschmauss avatar
    Buecherschmausvor 2 Jahren
    Heimat und Fremde

    Schon früh wurde der kleinen Vi beigebracht, unsichtbar zu sein. Nicht nur, weil es in den Siebziger Jahren in Vietnam gefährlich war, aufzufallen. Nach Beendigung des Krieges und Sieg des kommunistischen Nordteils des Landes, wurden unzählige Menschen, vor allem Intellektuelle, aber auch solche, die mit den Amerikanern zusammenarbeiteten, verhaftet, verschleppt, hingerichtet. Ganzen Familien drohten Gefängnis oder Umerziehungslager. Vis Vater duckt sich weg, die Mutter ergreift mit den Kindern die Flucht. Sie haben Glück, überstehen nicht nur die Überfahrt nach Malaysia ohne zu kentern oder von Piraten gekapert, ausgeraubt, vergewaltigt oder ermordet zu werden, ein Schicksal, das fast 250000 dieser Boat People in den späten Siebziger bis frühen Achtziger Jahren erlitten, sondern sie bekommen auch sehr bald ein Visum für Kanada und finden dort eine neue Heimat. 
    Wie schwer, aber auch wie hoffnungsvoll dieses Ankommen sein kann, hat Kim Thúy auch bereits in ihren zwei bereits erschienenen Romanen „Der Klang der Fremde“ und „Der Geschmack der Sehnsucht“ beschrieben. Hier ist es das Mädchen Vi, das seinen Weg und seine Identität sucht.
    „Kleinste Kostbarkeit“ bedeutet ihr Name. Und sie wird gehütet wie diese Kostbarkeit, als Nesthäkchen und einzige Schwester unter Brüdern. Sie wird aber auch klein gehalten, als Mädchen in einer von Männern dominierten Welt. Sinn und Aufgabe einer Frau erschöpfen darin, hübsch auszusehen und den Männern zu dienen. Die Mutter vergöttert den Vater, hält alle Unannehmlichkeiten von ihm fern, duldet all seine zahlreichen amourösen Affären.
    Vi wird als Mitarbeiterin nach Hanoi zurückkehren, sich die Suche nach dem Vater aber nicht gestatten. Sie wird eine rätselhafte Liebesgeschichte zu einem französischen NGO Mitarbeiter erleben. Ob sie sich am Ende selbst gefunden hat, bleibt seltsam ungewiss.


    Wie überhaupt das Buch seltsam vage bleibt. Auch in ihren anderen Büchern arbeitet Kim Thúy impressionistisch, tupft das Erzählte zart hin, lässt aus, bietet dem Leser Raum. Sie schuf damit poetische Erzählperlen, die um Heimat, Flucht und Ankommen, Liebe und Leid kreisten. Im vorliegenden Roman geht das meiner Meinung nach nicht recht auf. Es wirkt auf mich ein wenig unentschlossen, unklar in dem, was die Autorin sagen möchte. Auch die Figuren bleiben seltsam blass und damit die ganze Geschichte.


    Für denjenigen, der Kim Thúy noch nicht kennt, empfehle ich ausdrücklich ihre ersten beiden Romane. Wem diese gefallen haben, erkennt den Tonfall auch hier wieder. Nur die erzählte Geschichte bleibt diesmal ein wenig fern.

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