Buchinhalt:
Ende des 19. Jahrhunderts in der russischen Steppe: als ihrem ältesten Sohn der Wehrdienst droht, sieht sich die Familie Vogt gezwungen, ihre mennonitische Gemeinde zu verlassen und ins ferne Amerika auszuwandern. Kansas ist das Ziel, ein Land wie geschaffen für den Ackerbau. Zusammen mit Eli, dem Ziehbruder von Reinhard Vogt, macht sich die Familie per Schiff auf eine ungewisse Reise. Als Reinhard bei der Überfahrt stirbt, gibt es für Lillian nur eine Möglichkeit, in Amerika neu anzufangen: sie muss Eli heiraten. Was anfangs als Scheinehe beginnt, wächst mit der Zeit zu etwas Neuem, Großem. Wird die Familie eine Perspektive haben und werden sie die anderen der Gemeinde je wiedersehen?
Persönlicher Eindruck:
Mitreißend und bewegend erzählt die Autorin ein Auswandererschicksal, wie es Tausende gab – die Vogts wollen dem Zwang, den ältesten Sohn zum Militär schicken zu müssen, entgehen, und wollen in den Weiten Amerikas neu anfangen. Doch ein Schicksalsschlag macht die Pläne zunächst zunichte. Einzig Eli, der von Reinhard Vogts Eltern seinerzeit als Waise aufgenommen wurde, ist Halt und Stütze für Lillian und die Jungen. Die Heirat zwischen Eli und Lillian dient zunächst nur dem Zweck, nach Amerika einreisen zu dürfen, doch schon bald hegt Eli tiefere Gefühle für die Frau seines Ziehbruders. Auch Lillian fühlt sich zu Eli hingezogen, doch lange Zeit trauen sich beide nicht, zu ihren Gefühlen zu stehen.
Das Leben in Kansas ist rau und hart, die Ernte, von der alles Weitere abhängt, ist den Naturgewalten ausgesetzt und mehr als einmal scheint alles zu zerbrechen. In Grassodenhäusern lebt die Familie lange Zeit, die nächste Ortschaft ist eine Tagesreise mit dem Fuhrwerk entfernt – Lillian, Eli und die beiden Söhne haben nur sich und sind auf sich allein gestellt. Ohne unerschütterliches Gottvertrauen geht das Leben nicht weiter und davon hat die Familie mehr als genug.
Als christlicher Roman wohnt der Geschichte ein durchgängiger christlicher Grundtenor inne und behandelt Themen wie Trauer und Verlust, aber auch Neuanfang, Gottvertrauen und Hoffnung. Dabei ist die christliche Komponente sachte und angenehm in das Leben der Figuren eingeflochten und niemals aufdringlich.
Neben dem Schicksal der Familie geht es auch um die Träume und Wünsche des ältesten Sohnes, Henrik. Bauer zu werden ist nicht sein Traum, er will studieren und Lehrer sein, doch die Familie hat kein Geld und muss zusammenhalten. Schließlich führt es zum Bruch – Lillian muss akzeptieren, den Sohn gehen zu lassen, was ihr mehr als schwer fällt. Gerade hier wäre Material für einen Folgeband möglich gewesen. Bei dem Buch handelt es sich neben den vielen mehrbändigen Reihen im christlichen Genre allerdings um einen abgeschlossenen Einzelband, bei dem ich wirklich sehr bedauere, dass nach 350 Seiten Schluss war. Gerne hätte ich das Schicksal der Familie weiter verfolgt und ihr Leben weiter begleitet.
Mir hat der Roman sehr gefallen, eine absolute Leseempfehlung, die berührt und den Leser emotional mitnimmt – spannend, authentisch und mitreißend!