Kiran Nagarkar Die Statisten

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Inhaltsangabe zu „Die Statisten“ von Kiran Nagarkar

Das Bombay der 60er- und 70er-Jahre ist der Schauplatz von Kiran Nagarkars neuem Roman "Die Statisten", einem satirischen Heldenroman im Rabelais’schen Sinne.
Ravan arbeitet als Taxifahrer, Eddie in einer illegalen Kneipe. Aufgewachsen in den Chawls, den vier- bis fünfstöckigen Mietskasernen Bombays, sind beide elektrisiert von der Glitzer- und Glamourwelt Bollywoods und der westlichen Rockmusik.
Während Ravan mit seiner Hochzeitsband regelmäßig um die Gage geprellt wird, ist Eddie, der gemeinsam mit seiner hinreißenden angloindischen Freundin Belle die "Bandra Bombshells" gründet, nicht wesentlich erfolgreicher. Ihre Versuche, der Enge ihrer hinduistischen und katholischen Familien zu entfliehen und im Musik- und schließlich im Filmbusiness Fuß zu fassen, sind von Rückschlägen und Scheitern begleitet, doch sind sie unbezähmbar in der Zuversicht, ihre Träume zu verwirklichen.
Schamlos, schockierend, brüllend komisch und einfühlsam porträtiert Nagarkar seine Protagonisten und treibt sie mit einer unglaublichen Geschwindigkeit durch die Stadt. Vor dem Hintergrund der indischen Film- und Musikgeschichte entsteht plastisch und sinnlich die Megacity Bombay mit ihren Rhythmen, ihrem Duft und ihrer Vielstimmigkeit. Zugleich ist dieser Roman ein philosophisches Nachsinnen über unseren Platz in der Welt. Sind wir die Protagonisten oder doch nur Statisten in diesem Film namens Leben?

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  • Rezension zu "Die Statisten" von Kiran Nagarkar

    Die Statisten

    takabayashi

    16. October 2012 um 22:58

    Die titelgebenden "Statisten" in Kiran Nagarkars neuem Roman sind die uns schon wohlbekannten Figuren Ravan und Eddie. Die beiden sind jetzt etwa 18 Jahre alt und man schreibt das Jahr 1965. Unsere beiden (Anti-) Helden sind musikalisch, Ravan spielt in einer Hochzeits-Brass-Band und Eddie in einer Rockgruppe, aber beiden schwebt vor allem eine große Filmkarriere vor. Bis dahin muss aber die Zeit mit einem anderen Broterwerb überbrückt werden, und so arbeitet Ravan als Taxifahrer und Eddie als Mädchen für alles in einer "Auntie-Bar" - dem indischen Gegenstück zur amerikanischen Flüsterkneipe in den Zeiten der Prohibition. Ravan stammt aus einer Hindu-Familie. Eddies Eltern sind goanische Katholiken. Sie wohnen im selben Haus, in einem Chawl, einer heruntergekommenen Mietskaserne, nur wenig besser als ein Slum, aber in verschiedenen Stockwerken; denn auch im Chawl wohnt man nach Religionen getrennt. Beide haben starke Mütter; Ravan bewundert seine Mutter, auch wenn sie ihn häufig nervt, während Eddie seine Mutter zwar auch verehrt, jedoch große Probleme mit ihr hat, denn sie ist verschlossen und kann keine Gefühle zeigen - die beiden sprechen meistens überhaupt nicht mehr miteinander. Ihre beiden Familien sind verfeindet, denn 1947, als Eddies Mutter mit ihm schwanger war und kurz vor der Entbindung stand, kam Eddies Vater zu Tode, weil seine Nachbarin Parvati ihr Baby Ravan versehentlich vom Balkon fallen ließ, als Victor zu ihr aufschaute. Er konnte das Baby auffangen, wurde aber dabei von ihm erschlagen. Als Kinder waren die beiden Jungen eine kurze Zeit befreundet, jetzt herrscht jedoch Funkstille zwischen ihnen. Ravan ist hoffnungslos in Eddies - für ihn unerreichbare - Schwester Pieta verliebt, während Eddie eine komplizierte Beziehung mit Belle, der angloindischen Sängerin seiner Band hat. Erst ungefähr in der Mitte des Romans sind die beiden dann tatsächlich als Statisten tätig, freunden sich wieder an und bilden mit der Muslima Asmaan ein Dreiergespann. Es würde zu weit führen, hier die unterschiedlichen Abenteuer zu erzählen, die unseren Helden zustoßen und die vielen, teils sehr skurrilen Charaktere zu erwähnen, die sie dabei treffen: wie z. B. den Mafiaboss, der einmal in Ravans Taxi steigt und ihn zwingt, einige Aufträge für ihn auszuführen, dann aus Bombay verschwindet und von da an regelmäßig lange Briefe an Ravan schreibt und ihn zu seinem Glücksbringer erklärt. Die beiden Hauptfiguren erleben mehr Niederlagen als Erfolge, lassen sich aber nicht entmutigen und geben ihre Träume nicht auf. Es geht bei Nagarkar gewohnt humorig, satirisch und bissig zu, eingeschoben sind - wie im ersten Band - von Zeit zu Zeit interessante und witzige Exkurse über Themen wie "Die indische Brass Band", "Bildung", "Bombayer Taxis", "Prohibition", "Statisten und Rajini". Das Ende des Romans ist ein wenig märchenhaft - fast wie in einem Bollywoodfilm, wenn auch mit einer gewissen ironischen Distanz geschildert. Tatsächlich ist es ihre Musikalität, die den beiden letzten Endes zum Erfolg verhilft. Ein wesentlicher Protagonist des Romans ist die Stadt Bombay. "Die Statisten" ist eine Hymne auf Nagarkars Heimatstadt, die auf den Seiten des Buches eindrücklich zum Leben erwacht. Außerdem geht es auch um die Frage, ob wir alle Statisten oder Hauptdarsteller in unserem eigenen Leben sind. Ich habe mit Ravan und Eddie gelitten, vor allem aber habe ich mich bei der Lektüre wieder königlich amüsiert. Nagarkars umgangsspachlicher Tonfall - von den Bandinis wieder kongenial übersetzt - liest sich flüssig und zieht einen mehr und mehr in seinen Bann. P.S. Mich hat das erneute Auftreten von Ravan und Eddie völlig überrascht, denn als Kiran Nagarkar im letzten Jahr noch in Berlin weilte, hat er bei einer Lesung in der indischen Botschaft schon einige Seiten aus dem noch nicht erschienenen Buch vorgelesen, und da hatten die Protagonisten noch ganz andere Namen.

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