Kiran Nagarkar Gottes kleiner Krieger

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Inhaltsangabe zu „Gottes kleiner Krieger“ von Kiran Nagarkar

Von den Seitengassen in Bombay zu den heiligen Hallen in Cambridge, vom Terroristencamp in den Bergen Afghanistans zu einem Trappistenkloster in Kalifornien - das ist der Weg von Zia Khan, einem jungen Inder aus einer liberalen muslimischen Familie. Egal, welcher Weltreligion er sich anschließt, Zia glaubt, der Auserwählte zu sein: Gottes kleiner Krieger. Schonungslos zeigt der Roman, wie schmal die Grenze zwischen echter Hingabe und Fanatismus ist. 'Kann ein Roman über religösen Fanatismus witzig und spannend wie ein Thriller sein? Ja. Kiran Nagarkar hat ihn geschrieben' Brigitte '›Gottes kleiner Krieger‹ ist ein hervorragendes Buch, das ein moderner Klassiker werden könnte.' Denis Scheck, ARD 'Der Geheimtipp der indischen Literatur.' Ilja Trojanow '700 hellsichtige wunderbare Seiten über das Wesen des Fundamentalismus. etwas Besseres habe ich seit langem nicht gelesen.' Wolfgang Herles, ZDF-aspekte 'Kiran Nagarkar ist eine herausragende Gestalt der indischen Gegenwartsliteratur.' Spiegel 'Ein starkes Plädoyer gegen jegliche Form von Extremismus.' Michael Weidemann, NDR Spiegel-Bestseller

„Auch Du bist […] Deiner Religion treu geblieben: der Religion des Extremismus.“ („Gottes Kleiner Krieger“, S. 651)

— Wortmagie
Wortmagie

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  • Die Geschichte eines Fanatikers

    Gottes kleiner Krieger
    Wortmagie

    Wortmagie

    Habt ihr euch schon einmal gefragt, wie ein Mensch zu einem religiösen Extremisten werden kann? Spätestens seit dem 11. September 2001 ist religiös motivierter Terrorismus und der radikale Glaubenskrieg tief und schmerzhaft im öffentlichen Bewusstsein verankert. Wir erleben die Konsequenzen tagtäglich: verschärfte Sicherheitskontrollen an Flughäfen, Überwachung und Kriege in weiten Teilen der Welt. Tatsächlich ist die Anzahl der Kriege auf der Welt aktuell so hoch wie schon seit 1945 nicht mehr. Al-Qaida, die radikal-islamische Hamas, Boko Haram. In regelmäßigen Abständen werden uns die Namen dieser Gruppierungen um die Ohren gehauen. Doch was für Menschen engagieren sich in solchen Netzwerken? Wie ticken sie? Und wie betätigen sich die scheinbar friedlichen Glaubenskämpfer, die eben nicht in den Nachrichten landen? Kiran Nagarkars Roman „Gottes Kleiner Krieger“ beantwortet diese Fragen mit der Lebensgeschichte des Inders Zia Khan. Von Kindesbeinen an ist er überzeugt, der nächste Erlöser und Prophet des Islam zu sein. Als Sohn eines erfolgreichen Architekten wächst er behütet auf, steht jedoch in ständiger Konkurrenz zu seinem älteren Bruder Amanat. Als die Firma seines Vaters Konkurs anmelden muss und Zafar Khan die Lizenz entzogen wird, muss die Familie in ein ärmeres Viertel in Bombay umziehen. Dank einer besonderen mathematischen Begabung wird Zia allerdings auf ein englisches Internat geschickt. Dort beginnt die abenteuerliche Geschichte seines Lebens. Zia studiert in Cambridge Wirtschaftswissenschaften, jagt Salman Rushdie, wird in den Bergen Afghanistans zum Terroristen, lechzt nach Vergebung und schließt sich einem christlichen Trappistenorden an. Während all der Zeit hält er Kontakt zu seinem Bruder, doch auch dieser kann ihn nicht von seinen Kreuzzügen abbringen. Denn Zia ist überzeugt, Gottes kleiner Krieger zu sein. Zia Khan ist das beste Negativbeispiel für einen religiös überzeugten Menschen, das man sich nur vorstellen kann. Schon als Kind ist er aggressiv und extrem; das Konzept des Fanatismus zieht sich durch sein gesamtes Leben. Kiran Nagarkars Roman hat mich schockiert und aufgewühlt, er gewährte mir einen tiefen Einblick in die Gedankenwelt eines überzeugten Gläubigen. Nagarkars Erzählstil steht dabei in krassem Gegensatz zu seinem Protagonisten: ruhig und ausgeglichen schildert er die heiß brennende Überzeugung, die Zia sein ganzes Leben begleitet. Zia ist ein Einzelgänger, meist wird er respektiert und bewundert, aber nie wahrhaft geliebt, von seiner Familie einmal abgesehen. Alle Menschen, die versuchen, eine echte Bindung zu ihm aufzubauen, hält er auf Abstand; er bleibt innerlich stets für sich selbst und lässt niemanden rein. Im Nachhinein betrachtet überrascht es mich daher nicht, dass auch ich mich nie mit Zia identifizieren konnte. Er ist ein so sturer, verstockter, intoleranter und idealistischer Charakter, dass ich nie die Chance erhalten habe, mich ihm wahrhaft anzunähern. Umso wichtiger ist die Rolle, die Zias Bruder Amanat einnimmt: er erdet die Geschichte, setzt sie in ein realistisches Verhältnis. Amanat macht den LeserInnen erst deutlich, wie abstrakt und surreal Zias Ziele und Pläne sind. Während Zia immer etwas ober- oder außerhalb der Realität zu schweben scheint und seine Entscheidungen oft so weit hergeholt wirken, rackert sich Amanat sein Leben lang mühsam ab; ein Kampf gegen Windmühlen. All sein Tun ist trotz dessen dem Erschaffen gewidmet, wohingegen man Zia kurz als Zerstörer betiteln kann. Ich bin davon überzeugt, einige soziopathische Züge (dissoziale Persönlichkeitsstörung) an ihm entdeckt zu haben. Er ist von allumfassendem Egoismus geleitet, obwohl er beharrlich behauptet, seine Motivation läge darin, andere zu retten und zu bekehren. Das ist schlicht nicht wahr, Zia belügt sich selbst. Es geht ihm nie um das große Ganze, zeitlebens ist sein einziges Anliegen sein eigenes Seelenheil. Dabei schreckt er vor nichts zurück; er ist ein Terrorist, ein Mörder, ein Folterer, Extremist und Radikaler. Auch in diesem Punkt beeindruckte mich Kiran Nagarkar, denn er widerstand der Versuchung all diese Eigenschaften auszuschlachten. „Gottes Kleiner Krieger“ ist vieles, aber niemals voyeuristisch. Dieser Roman vermittelte mir einen intensiven Eindruck einer Welt, die ich wohl nie völlig verstehen werde. Kiran Nagarkar hat mir viel über die Bedeutung des Glaubens für einige Menschen beigebracht und ganz nebenbei meine Kenntnisse in Weltgeschichte von unten aufgefrischt. In gewisser Weise war es für mich das Gegenbuch zu „Schiffbruch mit Tiger“ von Yann Martel. Es ist schwer, für dieses Buch eine Empfehlung auszusprechen, da es thematisch äußerst speziell ist. In meinen Augen müssen interessierte LeserInnen den festen Vorsatz haben, sich auf Zias krasses Leben einzulassen und sich dabei nicht von seinem Fanatismus abschrecken zu lassen. Zia ist keine sympathische, austauschbare Figur, er ist ein höchst individueller, komplexer Charakter und seine Geschichte ist auf schockierende Weise außergewöhnlich. Überlegt euch gut, ob so ein Buch euren Geschmack trifft, bevor ihr zu „Gottes Kleiner Krieger“ greift. Schließen möchte ich mit einem Zitat von Amanat, welches das Buch in meinen Augen punktgenau beschreibt: „Auch Du bist […] Deiner Religion treu geblieben: der Religion des Extremismus.“ („Gottes Kleiner Krieger“, S. 651)

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    BrittaRoeder

    BrittaRoeder

    03. July 2014 um 22:25
  • Rezension zu "Gottes kleiner Krieger" von Kiran Nagarkar

    Gottes kleiner Krieger
    Avatarus

    Avatarus

    14. February 2010 um 12:57

    Ich habe mir das Buch gekauft, da ich den Titel interressant fand. Es war nicht einfach zu lesen, aber es hat sich gelohnt! Der Schriftsteller beschreibt nachvollziehbar, warum man in welche Richtung driften könnte und erlaubt einen möglichen Einblick in die Köpfe fanatischer Menschen, sei es in die eine oder andere Richtung. Super Buch!

  • Rezension zu "Gottes kleiner Krieger" von Kiran Nagarkar

    Gottes kleiner Krieger
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    20. January 2009 um 14:46

    Selten so ein verworrenes Buch gelesen. Entweder hab ich es einfach nicht verstanden oder es ist wirklich so schlecht. Ich habe mich zwar bis zum Ende durchgequält, aber ohne Freude an der Geschichte und am Lesen. Schade.

  • Rezension zu "Gottes kleiner Krieger" von Kiran Nagarkar

    Gottes kleiner Krieger
    asita

    asita

    17. January 2009 um 16:54

    das messegastland im jahr 2006 war indien. es gibt viele namhafte autoren aus diesem lande: arundhati roy, salman rushdie, vikram seth. sie alle schreiben mit vielen farben und gerüchen und zauberhaften wortspielen. man taucht ein in eine andere welt. und dann sehe ich dieses buch da liegen. „gottes kleiner krieger“. hat gott wirklich krieger? oder nennen wir uns im namen des glaubens krieger? ich begann das buch zu lesen .... und fand mich in einer anderen welt wieder. nagarkar schreibt kleine geschichten um zia. zia wächst in einer liberalen familie in bombay auf. alles in ’seiner welt’ ist schön. bis er entdeckt, dass es anders ist. sein vater verliert seinen super job als architekt. seine mutter geht fremd. seine tante ist eine hexe. sein bruder ein schwächling. von einem tag zum anderen wird der kleine zia zum kleinen soldat gottes, dem bestimmt ist, ein verteidiger der islamischen werte in einer unmoralischen welt zu sein. seine aufgabe ist es SR (salman rushdie) zu vernichten. zia, der jetzt in cambridge studiert, verfolgt jede literarische veranstaltung im lande. er scheitert, SR zu vernichten. dies hat zu folge, dass er sich vom islam abwendet und in ein kalifornisches trappistenkloster landet. dort lebt er als strenggläubiger katholik. dieser roman zeigt, dass der fanatismus in jedem von uns steckt, egal ob christ, moslem, jude, buddhist usw. für mich war dieses buch ein so gewaltiges stück, dass ich immer pausen machen musste, um diese vielschichtigkeit zu verarbeiten. es hat sich aber gelohnt!! ein märchen und realistischer roman zugleich

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  • Rezension zu "Gottes kleiner Krieger" von Kiran Nagarkar

    Gottes kleiner Krieger
    Kaenguruh

    Kaenguruh

    15. January 2009 um 07:59

    Als ich "Gottes kleiner Krieger" von Kiran Nagarkar aus einem unscheinbaren Bücherstapel zur Kasse trug, ahnte ich nicht, welches literarische Schatzkästchen mir hier zugefallen war. Im Vordergrund des Romans stehen die beiden indischen Brüder Zia und Amanat und deren Lebensgeschichte. Obwohl in ihrer heilen und doch zerrütteten Familie der Islam eher halbherzig ausgelegt wird, entwickelt Zia schon in seiner Kindheit eine fanatische Liebe zu Allah. Zias extremer Wunsch für seinen Glauben einzustehen und auf Erden für Gott zu kämpfen nimmt schließlich immer gewalttätigere Formen an und entzweit die Familie. Jahre später, als sein religiöser Eifer ihn an den Abgrund getrieben hat, entdeckt Zia das Christentum für sich. Doch auch hier bricht der Fanatismus durch und Zia muss reformieren - notfalls auch mit Gewalt. Es ist ein Roman wider den religiösen Fanatismus und Fatalismus. Eine wunderbare Zeichnung eines eigentlich guten Menschen, der sich von Selbstgerichtigkeit und Hass leiten lässt. Zur gleichen Zeit greift der Autor sensibel und doch schonungslos die Anatomie und das Wesen des Terrors auf. Er zeigt uns auf, warum wir den nahen Osten noch immer nicht verstehen und warum wir uns nicht an das bild von "bösen Terroristen" klammern dürfen sondern das ganze, schreckliche Bild betrachten müssen. Ein Roman der den nahen Osten und die westliche Welt gleich ein ganzes Stück zusammenrücken lässt. Denn am Ende erkennen wir - die Gemeinsamkeiten sind viel größer als die Unterschiede. Auf der Rückseite steht geschrieben, der Roman hätte das Zeug zu einem Klassiker. Ich stimme vorbehaltlos zu. Ein philosophischer, intelligenter Roman um die großen religiösen Probleme unserer Zeit - er animiert uns zu selbstkritischem Nachdenken, erzählt eine traurige aber zum Teil auch schöne Geschichte und ist dabei sprachlich wunderschön eingerahmt.

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  • Rezension zu "Gottes kleiner Krieger" von Kiran Nagarkar

    Gottes kleiner Krieger
    Liisa

    Liisa

    07. May 2007 um 21:21

    Seit dem 11.9.2001 haben verschiedene Schriftsteller versucht sich des Themas Fundamentalismus, Terrorismus und deren Wurzeln anzunehmen. Klar ist, dass es keine allgemein gültige Antwort auf diese Fragen gibt. Alle Versuche bzw. Ergebnisse solcher Versuche bleiben Stückwerk, denn so individuell die Menschen sind, so individuell sind auch die Gründe dafür, warum Menschen radikal, fundamentalistisch oder gar terroristisch werden. Der Inder Kiran Nagarkar hat in seinem Buch »Gottes kleiner Krieger« einen weiteren Versuch unternommen, sich den mit diesen Themen verbundenen Fragestellungen anzunähern. Bisher halte ich seinen Roman für den besten Roman zu dieser Thematik. Von den unterschiedlichsten Seiten her beleuchtet er Hintergründe, wirft Fragen auf und versucht mögliche Erklärungen aufzuzeigen. Herausgekommen ist dabei eine ebenso intelligente wie packende Geschichte, die einen als Leser unweigerlich in ihren Bann zieht. Sehr gefallen hat mir, dass Nagarkar sich nicht allein auf den islamischen Fundamentalismus beschränkt, sondern aufzeigt, dass Fundamentalismus überall möglich ist. Es hat Rezensenten gegeben, die Kiran Nagarkars Darstellung als oberflächlich und die Figur der Hauptfigur Zia als »psychologisch wenig glaubwürdig« empfunden haben. Diese Ansicht kann ich überhaupt nicht teilen. Im Gegenteil denke ich, dass Kiran Nagarkar sehr genau weiß, worüber er schreibt und dass es ihm tatsächlich gelungen ist mit Zia Khan eine Figur zu schaffen, die verdeutlicht, was fundamentalistisch denkende und handelnde Menschen häufig treibt. Ganz sicher liegt das auch mit daran, dass Kiran Nagarkar sich mit dem Thema Fundamentalismus und Terrorismus schon viel länger beschäftigt und befasst hat als manche andere Autoren, die sich erst nach dem 11.9.2001 dieser Thematik zugewandt haben. Wer selbst schon einmal mit wirklich fundamentalistisch denkenden und handelnden Menschen konfrontiert war, wird Kiran Nagarkars Hauptfigur ganz sicher nicht als »psychologisch wenig glaubwürdig« empfinden. Noch einmal aber muss gesagt sein, dass auch die Hintergründe und »Erklärungen« die Kiran Nagarkar in diesem Roman zu den Themen gibt nur Teilerklärungen sein können und man sich vor der Gefahr hüten muss, sie für allgemein gültig zu erklären. Fundamentalismus und fundamentalistischer Terror sind zu komplex als dass es einfache und allgemein gültige Antworten und Regeln dafür geben kann.

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