Kirsten Heisig Das Ende der Geduld

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Inhaltsangabe zu „Das Ende der Geduld“ von Kirsten Heisig

Ihre Aggressivität explodiert wie aus dem Nichts und kennt keine Grenzen. Die Angst vor jugendlichen Gewalttätern und ihren brutalen Attacken vergiften das öffentliche Leben. Viele von uns meiden inzwischen bestimmte Straßen oder Viertel, Eltern und Lehrer beklagen die Gewalt in ihren Schulen, Polizei und Sozialarbeiter kommen an ihre Grenzen. Die Berliner Jugendrichterin Kirsten Heisig war nicht bereit, dies hinzunehmen und forderte konsequentes Handeln. Der Spiegel-Bestseller 2010 jetzt als Taschenbuch!

Gelungenes Fachbuch über Jugendkriminalität in unserer Hauptstadt Berlin und deren Bezirke. Absolut lesenswert!

— Rpunkt99

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    Das Ende der Geduld

    Sonnenwind

    26. December 2015 um 18:44

    Das Manuskript dieses Buches lag vor, die Bearbeitung war abgeschlossen, als die Autorin, Jugendrichterin Kirsten Heisig, ermordet wurde. Man kann da einen Zusammenhang vermuten, aber nachdem die Ermittlungen boykottiert wurden, kann man nichts beweisen. Das ist allerdings auch ein deutliches Zeichen dafür, daß die Autorin etwas zu sagen hatte. Was kristallklar wird, wenn man es selbst liest: Kirsten Heisig kannte nicht nur die Probleme aus ihrem Berufsalltag, sie hat sich auch ihrer Verantwortung gestellt und Problemlösungen erarbeitet, in weit größerem Ausmaß als man von ihr verlangen konnte. In diesem  kleinen Buch steckt nicht nur die Kompetenz einer erfahrenen Richterin, sondern auch das Einfühlungsvermögen einer Mutter und das Gerechtigkeitsempfinden einer gesetzestreuen Bürgerin. Wenn wir die Entwicklung in unserem Staat noch in eine positive Richtung treiben wollen, sollten wir auf das Vermächtnis von Kirsten Heisig hören und nicht die Augen für das verschließen, was sie mit ihrem geschulten Auge schon vor Jahren auf uns hat zukommen sehen.

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  • Rezension zu "Das Ende der Geduld" von Kirsten Heisig

    Das Ende der Geduld

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    17. February 2013 um 18:41

    Schockierendes Tatsachenbuch. Sie beschönigt hier nichts und nennt die Probleme ( Kriminalität bei Migrantenkindern) beim Namen. Schade, daß Frau Heising selbstmord begangen hat nach Veröffentlichung. Aber nach diesem Buch hätte Sie bestimmt in Berlin auch kein sehr schönes Leben mehr haben können.

  • Rezension zu "Das Ende der Geduld" von Kirsten Heisig

    Das Ende der Geduld

    Vane

    Frau Heisig beschreibt kein neues Phänomen der Jugend- und Familienkriminalität. Seit Jahrzehnten wird in der Sozialarbeit darüber diskutiert, wie Heranwachsenden zu helfen ist, die in einer Familiendynastie heranwachsen, in der bereits die Großeltern von Staatshilfe leben und das Lebensgefühl lautet: Anstrengen lohnt sich nicht und der Ehrliche ist immer der Dumme. Neu aber ist die verständliche, populärwissenschaftliche Darstellung des Themas mit einem engen örtlichen Bezug, der die Probleme konkret werden lässt. Was empfindet man beim Lesen? Wut? Hilflosigkeit? Vielleicht auch ein:Sarrazin hat also doch Recht!? Dass Frau Heisig gelesen wird hat auch mit ihrem Selbstmord zu tun. Hat sie sich zu lange aufgerieben an einem Amt, das sie nicht verändern konnte - wo sie doch gute Ideen hatte? Kirsten Heisig hat ein wichtiges Buch geschrieben, das zur Meinungsbildung beitragen kann. Wir sollten aber nicht vergessen, dass es nur einen ganz speziellen kleinen Ausschnitt unserer Bevölkerung zeigt.

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  • Rezension zu "Das Ende der Geduld" von Kirsten Heisig

    Das Ende der Geduld

    Kathi69

    29. March 2012 um 20:30

    Informativ erschreckend

  • Rezension zu "Das Ende der Geduld" von Kirsten Heisig

    Das Ende der Geduld

    palegreeneyes

    26. February 2012 um 20:50

    Das macht Angst. Angst vor der Entwicklung unserer Gesellschaft.
    Und die Frage bleibt: kann man die momentane Entwicklung überhaupt noch rumreissen?

  • Rezension zu "Das Ende der Geduld" von Kirsten Heisig

    Das Ende der Geduld

    Sokrates

    23. September 2011 um 10:49

    Erschreckend, befremdlich und Angst schürend: die Realität in manchen Familien und Stadtbezirken ist extrem destruktiv und eine Möglichkeit der positiven Beeinflussung erscheint aussichtslos. Hinzu kommen der Einfluss von Medien und Internet, die eine immer mehr nur noch vor dem Computer hockende Jugend scheinbar ohne Gegenmittel immer weiter negativ beeinflussen (Counter-Strike, Hass schürende Musik, entsprechende Filme u.ä.). Hinzu kommt der hohe Anteil an nicht integrierbaren Familien ausländischer Herkunft, in denen sich kritische Jugendliche scheinbar häufen – beides ist jedoch nicht zwangsläufig; es gibt auch viele deutsche Biographien, die entgleisen. Gesamtgesellschaft ist jedoch eine erschreckende zersetzende Grundentwicklung unter Jugendlichen zu beobachten. Hinzu kommen alle anderen Probleme unserer Gesellschaft – eine sehr, sehr trübe Aussicht auf unsere Zukunft!

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  • Rezension zu "Das Ende der Geduld" von Kirsten Heisig

    Das Ende der Geduld

    bogi

    05. April 2011 um 14:43

    Als Anti-Sarrazin Werk habe ich mich für das Buch entschieden. Wirklich direkt vergleichen kann man die beiden natürlich nicht, wenngleich es gewisse Berührungspunkte gibt. Für mich zusätzlich entscheidend war, dass mit Kirsten Heisig eine Autorin antrat, die nun wirklich etwas von der Sache über die sie schrieb verstand. Bei Sarrazin hab ich da ganz gewaltige Zweifel (gelesen hab ich und werde ich sein Pamphlet allerdings nicht). Frau Heisig beschreibt einerseits ihren Alltag als Jugendrichterin, andererseits Ihre Vorstellungen was sich im Umgang mit straffällig gewordenen Jugendlichen ändern muss bzw. wie ein sinnvoller Umgang aussehen muss damit diese nicht dauerhaft auf der schiefen Bahn verbleiben. Sie verbleibt für meine Begriffe im gesamten Buch schlüssig, immer sachlich und nachvollziehbar authentisch. Warum sie das Stigma Richterin Gnadenlos bekam ist für mich jedenfalls nicht nachvollziehbar. Dies würde voraussetzen dass es Ihr um jeden Preis und egal bei welcher Sache um die Durchsetzung des Rechts mit Verhängung der höchstmöglichen Strafe geht. Dies zu behaupten wäre, nach Lektüre des Buches jedenfalls, kompletter Unsinn. Man merkt in jedem Kapitel, dass es Ihr einzig darum ging, den Jugendlichen, wenn sie denn schon straffällig geworden sind, trotzdem eine Perspektive aufzuzeigen und Ihnen einen vernünftigen Weg zu ebnen. Ich habe den Eindruck, Deutschland hat mit Kerstin Heisig (die tatsächlichen Hintergründe Ihres Selbstmordes kurz nach Vollendung aber noch vor Veröffentlichung des Buches sind ja nach wie vor ziemlich rätselhaft) eine engagierte, immer an der Sache orientierte und eben überhaupt nicht dogmatische Rechtssprecherin verloren.

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  • Rezension zu "Das Ende der Geduld" von Kirsten Heisig

    Das Ende der Geduld

    verena83

    23. November 2010 um 11:01

    kirsten heisig, die bis zu ihrem tod ende juni 2010 jugendrichterin am amtsgericht berlin-tiergarten war, schildert in ihrem buch diejenigen ursachen, die ihrer meinung nach für die entstehung von jugendkriminalität maßgeblich sind… sie geht dabei vor allem auf das soziale umfeld der jungen täter ein und zeigt den zusammenhang zwischen fehlender erziehung, bildung und straftaten auf (ein problem das nicht nur, aber zu einem erschreckend großen teil vor allem menschen mit migrationsgrund betrifft). darüber hinaus werden von kirsten heisig vorschläge zur (zumindest teilweisen) problemlösung aufgezeigt (neuköllner modell) und präventive maßnahmen präsentiert, welche gewalt von kindern und jugendlichen verhindern sollen… auch wenn viele tatsachen betreffend jugendkriminalität heutzutage den meisten menschen bekannt sein dürften, war es doch wieder erschreckend und schockierend dieses buch zu lesen… vor allem weil es eben von einer jugendrichterin geschrieben wurde, die unmittelbar mit den problemen der jungen leute konfrontiert war… außerdem macht kirsten heisig mit ihrem buch unmissverständlich deutlich, dass dringend etwas geschehen muss, um diesem problem irgendwie doch noch einhalt gebieten zu können

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  • Rezension zu "Das Ende der Geduld" von Kirsten Heisig

    Das Ende der Geduld

    Buecherwurm1973

    15. November 2010 um 08:34

    Kirsten Heisig erklärt in ihrem Buch, wie es soweit kommen konnte, dass die Jugendgewalt zu einem riesigen Problem wurde. Jugendgewalt gab es schon immer. Das Problem ist, dass die Täter immer jünger, ihre Taten immer brutaler werden und immer mehr Intensivtäter (mehr als 10 Taten in einem Jahr). Wie konnte das soweit kommen? Die Autorin erklärt, dass viele Faktoren, wie z.B. Erziehung, Schule, die lange Zeitdistanz zwischen Tat, Verurteilung und Strafe, eine Rolle spielen. Sie zeigt auch auf, wie man die Probleme nach ihrer eigenen Meinung lösen könnte und wie es Berlin mit dem „Modell Neukölln“ versucht wird. Ich bin Schweizerin. Viele Jahre haben wir Schweizer nach Deutschland geschaut und den Kopf geschüttelt. Denn wir kannten das Problem nicht so extrem. Klar, wir hatten ein paar Migranten aus dem Ex-Jugoslwawien, die auffielen durch Gewalttaten. Aber mehr auch nicht. Inzwischen haben dieselben Probleme wie in Deutschland. Natürlich nicht im gleichen Ausmass, denn wir haben 10mal weniger Einwohner. Auch unsere Justiz gibt sich hilflos und überfordert.

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  • Rezension zu "Das Ende der Geduld" von Kirsten Heisig

    Das Ende der Geduld

    nilsbook

    12. October 2010 um 00:04

    Top Buch. Viele Worte muss man dazu glaube ich nicht verlieren. Kirsten Heisig vermittelt dem Leser einen guten Überblick über die Tücken unseres Rechtssystems und macht deutlich, dass es so nicht weitergehen kann. Schockierend und überwältigend zugleich hat mich dieses Buch von der ersten bis zur letzten Seite fasziniert.
    Absolut zu empfehlen :)

  • Rezension zu "Das Ende der Geduld" von Kirsten Heisig

    Das Ende der Geduld

    Evan

    06. October 2010 um 08:56

    Mein Favorit in sachen Sachbücher. Ich muss gestehen ich bin kein grosser Sachbuchfan, meistens finde ich es langweilig und öde geschrieben, ganz anders bei diesem Buch. Kirsten Heisig schaft es mir ihrer Art zu erzählen den Leser am Ball zu halten und präsentiert das juristische Nichtverstehen der Allgemeinheit in verständliche Worte. Ein sehr mutiges und wahres Buch über viele Probleme die wir nicht wahrmehmen wollen.

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  • Rezension zu "Das Ende der Geduld" von Kirsten Heisig

    Das Ende der Geduld

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    20. September 2010 um 11:02

    "Die Gesellschaft befindet sich aus meiner Sicht an einem Scheideweg. Sie könnte sich spalten in: "reich" und "arm", in "links" und "rechts", in "muslimisch" und "nichtmuslimisch". Es ist deshalb, abgesehen von noch zu beseitigenden Handlungsdefiziten im Bereich der Kriminalitätsbekämpfung, insgesamt notwendig, eine ehrliche Debatte jenseits von Ideologien zu führen. Sie wird kontrovers, wahrscheinlich auch schmerzhaft sein. Deutschland wird sie aushalten - und mich auch." (aus "Das Ende der Geduld - Etwas persönliches zu Letzt") Dieses Buch passt sehr gut in die momentan laufenden und meiner Meinung nach längst überfälligen Diskussionen um die Meinungsfreiheit in Deutschland und vor allem die Radikalisierung ganzer Bevölkerungsschichten. Frau Heisig zeigt auf, dass sich durch fehlende Vorbilder, steigende Arbeitslosigkeit und wachsendenen Alkohol- und Drogenkonsum bereits ganze Generationen von potentiellen bzw. bereits aktiven Straftätern herausbilden, die den deutschen Staat mit seiner Laissez-Faire-Haltung verlachen. Ebenso gilt dies für viele Migranten, die mit dem klaren Vorsatz sich nicht integrierern zu wollen und dafür aber straffällig zu werden, teilweise vollkommen unkontrolliert in unser Land reisen. Vor allem nennt Frau Heisig die Dinge beim Namen und wurde zum Dank gleich in die rechte Ecke gestellt bzw. als "Richterin Gnadenlos" verschrien. In ihrem Buch zeigt sie Entwicklungen in Deutschlands Problemzonen auf, vor allem bezieht sie sich auf ihren Bezirk Neukölln. Doch sie weist auch Ideen und Lösungsstrategien auf, über die man ernsthaft nachdenken sollte. Hat sich das Neuköllner Modell doch bisher bewährt, indem jugendliche Straftäter schneller ihrer Maßregelung zugeführt werden, bevor sie bereits wieder 5 andere Taten verübt haben. Ich bin selbst beruflich pädagogisch tätig und kann diese Handlungsweisen nur für gut heißen. Ebenso gilt Frau Heisig mein Respekt, dass sie sich den Mund nicht verbieten ließ und dafür evtl. mit ihrem Leben bezahlen musste. Sie starb Anfang Juli unter äußerst mysteriösen Umständen.

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  • Rezension zu "Das Ende der Geduld" von Kirsten Heisig

    Das Ende der Geduld

    Leserrezension2010

    A184 Das Ende der Geduld: Konsequent gegen jugendliche Geqalttäter von Kirsten Heisig Kategorie: Allgemein Dieses Buch der Berliner Jugendrichterin entzieht sich jeder Kritik. Ist sie doch die Erste, die sich in dieser offenen Form mit der Jugendkriminalität auseinandersetzt, konstruktive Verbesserungsvorschläge macht und kein Blatt vor den Mund nimmt. So ist diese Dokumentation der bundesrepublikanischen Ohnmacht im Rechtswesen nicht nur Pflichtlektüre für Politiker, sondern auch für Eltern. Interessant auch, wenn man die geschilderten Ansätze in einigen Nachbarländern sieht. Es ist schade, dass die Richterin - warum auch immer - den Freitod gewählt hat, aber sie wäre wohl ohnehin einigen Repressalien ausgesetzt gewesen. Dennoch hat hier eine mutige und verantwortliche Frau mehr als nur ein unbequemes Buch geschrieben. Wenn das jetzt noch Konsequenzen hätte, dann wäre ihre aufopferungsvolle Arbeit nicht umsonst gewesen. Aber in diesem Land und bei diesen Regierenden darf man wohl wieder erwarten, dass die Dinge ignoriert werden. Bis zur Eskalation.

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  • Rezension zu "Das Ende der Geduld" von Kirsten Heisig

    Das Ende der Geduld

    hproentgen

    06. September 2010 um 16:06

    "Meine Aufgabe besteht darin, Strafverfahren gegen junge Menschen zu bearbeiten. Ich übe meinen Beruf nach wie vor mit Überzeugung aus und möchte sinnvolle Entscheidungen treffen, die einerseits zur Reduzierung der Jugendkriminalität beitragen und andererseits dem Menschen, der sich vor Gericht zu verantworten hat, die Chance eröffnen, ein Leben ohne Straftaten zu führen. Seit längerer Zeit habe ich nicht mehr den Eindruck, beiden Zielen gerecht werden zu können. Etliche Taten lassen zunehmend erkennen, dass eine schleichende Brutalisierung in den Köpfen vieler Kinder und Jugendlicher stattgefunden hat, die sich nicht nur in besonders schrecklichen Fällen wie dem tödlichen S-Bahn-Überfall in München-Solln entladen kann, sondern mit graduellen Unterschieden eine Art Standardisierung erfahren hat." Kerstin Heisig war Jugendrichterin, oft umstritten, sehr engagiert und hat aus ihren Erfahrungen ein Buch geschrieben. Beispielhaft schildert sie typische kriminelle Lebensläufe, die in aller Regel mit kleinen Delikten im frühen Alter beginnen, bevor sie in Taten wie der S-Bahn-Überfall enden. Das ist nicht neu, neu ist aber wie detailliert und kenntnisreich sie die Dinge schildert und dass sie auch mit Vorschlägen aufwartet, wie die Situation zu ändern wäre. Logischerweise tritt sie dafür ein, möglichst früh einzugreifen und möglichst schnell. Je schneller der Prozess nach der Tat stattfindet, desto wirkungsvoller kann er sein. Ein halbes Jahr ist für einen Vierzehnjährigen viel Zeit, wird der Prozess erst ein Jahr nach der Tat geführt, ist er vom Täter schon viel zu lange Vergangenheit. Die Autorin hat deshalb in Neukölln ein Modell entwickelt, das es bei bestimmten Taten erlaubt, möglichst schnell den Prozess durchzuführen. Das verlangt einiges, denn sowohl die Polizei, wie die Staatsanwaltschaft und das Gericht müssen schnell und unbürokratisch arbeiten. Eine Anklage, die wochenlang beim Schreibdienst liegen bleibt, wäre da mehr als hinderlich. Für dieses Modell sind eine ganze Reihe von Maßnahmen nötig, damit es nicht nur beim frommen Wunsch bleibt, sondern die Prozesse auch wirklich beschleunigt werden. Heisig zählt sie auf und zeigt, wie nötig es für solche Maßnahmen ist, dass alle an einem Strang ziehen - und vor allem, dass die Initiatoren sich auskennen. Mittlerweile wurde das Modell für ganz Berlin übernommen. Heisig wurde schon als "Richterin Gnadenlos" bezeichnet, aber was sie schreibt, zeigt, dass sie keine Ideologin war, die einfach auf Härte setzt, sondern eine Realistin, die die Verhältnisse kennt und weiß, dass es keine Maßnahme gibt, die automatisch alle Probleme löst. Das beschleunigte Jugendgerichtsverfahren ist nur in bestimmten Fällen möglich und sinnvoll, meist sind es weniger drastische Fälle, bei denen der Tathergang klar ist und keine langwierigen Ermittlungen geführt werden müssen. Allerdings trifft genau das für die Taten zu, die am Anfang krimineller Karrieren stehen - und es bleibt zu hoffen, dass diese Maßnahme den einen oder anderen Jugendlichen doch zu ein wenig Einsicht verhilft. Was gerne gefordert wird, wenn mal wieder eine besonders brutale Tat durch die Medien geht, ist die Abschaffung der Strafmündigkeit erst mit Vierzehn und dass alle Täter ab 18 generell nach dem Erwachsenenstrafrecht verurteilt werden sollen. Von solchen Maßnahmen hält die erfahrene Jugendrichterin gar nichts. "Ich glaube, dass die bisherige Regelung sich bewährt hat, ist sie doch flexibel, durchlässig und eröffnet die Möglichkeit, jedem Einzelfall gerecht zu werden", betont sie. Nicht nur hier gewinne ich den Eindruck, dass die Autorin weiß, wovon sie spricht, keine Scheuklappen anlegt und die Realitäten im Blick hat. Vor allem letzteres ist leider nicht selbstverständlich. Selbstverständlich ist auch nicht, dass eine Jugendrichterin nicht nur ihre Arbeit tut, sondern auch nachkontrolliert, ob die Auflagen des Gerichts auch tatsächlich erfüllt werden. Gerade damit hapert es oft und welcher Jugendliche gewinnt nicht den Eindruck, dass der Staat erstens lächerlich ist und sich zweitens um ihn sowieso nicht kümmert, wenn gar keine Nachkontrolle stattfindet? Da wirkt sich auch verheerend aus, dass ein Bewährungshelfer 1989 nur 36,6 Straffällige betreuen musste, heute aber sind es aber 58,3. Dass Schulschwänzen oft der Beginn einer kriminellen Karriere ist, dürfte mittlerweile hinreichend bekannt sein. Eltern, die ihre Kinder nicht zur Schule schicken, können zwar in Berlin mittlerweile mit einem Bußgeld belegt werden - doch was nützt das, wenn das Bußgeld erst nach ein oder zwei Jahren verhängt wird, wenn die Kinder möglicherweise schon gar nicht mehr schulpflichtig sind. Auch hier zeigt sich, dass der Teufel oft im Detail steckt und wie wichtig Leute wie Heisig sind, die sich auskennen. Heisig versuchte aber auch, die Eltern im "Kiez" zu erreichen, um Kriminalität gar nicht erst entstehen zu lassen. Rasch begriff sie, dass sie hierfür Verbündete aus den entsprechenden Ethnien benötigte, sonst würde sie nie an die Eltern herankommen. Sie fand ihn in Mustafa Akcay vom Türkisch-Deutschen Zentrum. Dass die Veranstaltung schließlich in einem überfüllten Saal stattfand, zeigt, dass es durchaus Mittel und Wege gibt, die Eltern im Kiez anzusprechen. Auch viele türkische Eltern sind besorgt, dass ihre Kinder auf die schiefe Bahn geraten könnten. Derartige Zusammenarbeit wird leider immer noch viel zu wenig gesucht. Dabei nimmt nicht nur die Zahl der jugendlichen Täter "mit Migrationshintergrund" zu, sondern auch diejenigen, die es "geschafft" haben und sich in der deutschen Gesellschaft etabliert haben, wie die zahlreichen deutschtürkischen Autorinnen zeigen. "Das Ende der Geduld" ist eine fundierte Auseinandersetzung mit Jugendgewalt und was man dagegen tun kann. Geschrieben von einer Autorin, die sich auskannte, die wusste, dass es den Königsweg dagegen nicht gibt, wohl aber einige erfolgversprechende Maßnahmen, die aber gezielt und gekonnt eingesetzt werden müssen, um Erfolg zu haben. Nicht allen Vorschlägen der Autorin muss man folgen. Sind geschlossene Heime wirklich eine Möglichkeit, Kinder und Jugendliche aus dem kriminellen Milieu zu lösen? Die Erfahrungen der Fünfziger und Sechziger Jahre sprechen dagegen, die Zöglinge dieser Heime damals landeten fast alle im Knast. Mathias P. Gibert war einer der ganz wenigen, der dem Milieu entkommen konnte und er schrieb einen Krimi über die Zustände dieser Heime (Schmuddelkinder). Der Kriminalitätsbekämpfung haben sie jedenfalls nicht gedient. Aber diese Heime wurden auch mit sehr fragwürdiger Pädagogik geleitet. Und man muss Kinder, die von den Eltern oder kriminellen Banden zum Dealen auf die Strasse geschickt werden, aus dem Milieu herausziehen. Das verlangt schon die Verantwortung den Kindern gegenüber. Ohne geschlossene Heime wird das schwer gehen. Was zeigt, dass man die Maßnahmen realistisch diskutieren muss. Und vor allem muss anschließend kontrolliert werden, ob sie tatsächlich helfen oder wirkungslos bleiben. Heisig kritisiert zu recht, dass es mittlerweile eine Vielzahl von Maßnahmen gibt, die auf dem Papier Hilfe versprechen, aber niemand sie "evaluiert", sprich: Nachprüft, ob und wieweit sie wirklich helfen. Jedenfalls ein wichtiges Buch, das zeigt, wie schwierig die Situation ist, aber auch, dass man durchaus etwas tun kann. Abschließend bliebe noch zu sagen, dass die augenblickliche Diskussion oft die Situation noch verschlimmert, statt verbessert. Zu gerne wird mit Schuldzuweisungen gearbeitet, zu gerne wird statisch diskutiert, den Türken und Arabern pauschal jede Integrationsfähigkeit abgesprochen. Obwohl es mittlerweile genügend Gegenbeispiele gibt und obwohl es eminent wichtig ist, gerade Gegenbeispiele zu den kriminellen Karrieren zu benennen, Vorbilder zu zeigen. Denn wenn sich in Neukölln, Kreuzberg und anderen Problemvierteln der Eindruck verfestigt, "Wir haben doch keine Chance, wir kriegen nie eine legale Arbeit", dann werden alle Maßnahmen gegen Schulschwänzen, Gewalt und Bandenbildung ins Leere laufen. Die Autorin konnte leider nicht miterleben, wie ihr Buch erschien. Sie beging Selbstmord, die Umstände sind mehr als rätselhaft und es ist nicht mal völlig sicher, ob es wirklich Selbstmord war. Für Deutschland ist das ein trauriger Verlust, Jugendrichter, die sich so engagieren, sind leider nicht selbstverständlich. Leseprobe: http://www.amazon.de/gp/product/3451302047/ref=cmcrmtsprodimg#reader_3451302047 Das Ende der Geduld, Sachbuch, Kerstin Heisig, Herder, August 2010 ISBN-13: 978-3451302046, gebunden, 208 Seiten, Euro 14,95

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  • Rezension zu "Das Ende der Geduld" von Kirsten Heisig

    Das Ende der Geduld

    beowulf

    02. September 2010 um 09:30

    Gerne würde ich schreiben, das ist ein Buch was die Welt nicht braucht, den jeder weiß doch was da beschrieben wird- offenbar schön wärs. Nicht von ungefähr war dies bis zum Erscheinen des ja im Kern des Themas nicht so weit entfernten Buches von Herrn Sarrazin Nr. 1 der Verkaufsliste. Was haben diese Käufer also erwartet? Die Aussagen einer „Richterin Gnadenlos“? Einer die den kriminellen Ausländern mal wieder so richtig zeigt wo es langgeht? Solche Erwartungen erfüllt die Autorin nicht. Auch wenn der Untertitel des Buches anderes suggeriert - hier geht es um Hilfe für Jugendliche, nicht um "Draufhauen". Die Autorin war eine engagierte Frau, eine die ihren Richterstuhl verlassen hat, zu Schulen , zu Polizeidienststellen und zu Jugendamtsmitarbeitern hingegangen ist. Die sich die Zustände in ihrem Kiez nicht nur aus den Akten angesehen hat sondern sich eingemischt hat- unbequem war die Prävention vor die Strafe stellen wollte und deren Credo war die beste Prävention vor Kriminalität ist Bildung und Zukunftsperspektive für Kinder und Jugendliche. Ich bin bestimmt kein Fan von Verschwörungstheorien, aber Verständnis dafür, das Menschen behaupten diese Frau wurde ermordet habe ich nach diesem Buch. Diese Autorin auf allen Kanälen, in allen Talkshows hätte sicher einigen nicht gepasst, weder den kriminellen Banden, die sie benannt hat, noch denen für die eine bestimmte Form der political correctness Wegschauen vor Problemen ist. Denn ja- auch wenn die obengenannten Erwartungen nicht erfüllt werden, Frau Heisig erzählt von den Fällen, wo deutschstämmige Kinder von Kindern die zwar die deutscher Staatsangehörigkeit besitzen aber verwurzelt sind in ihrem Migrationshintergrund beschimpft werden mit Sätzen wie „Deutsche können nur vergast werden“ oder „Bald gibt es Euch nicht mehr und wir entscheiden hier“, Sie erzählt aber auch von den zerrütteten deutschen Familien, deren Kinder in Hoffnungslosigkeit aufwachsen und als Berufswunsch angeben „Ich werde Hartz IV“. Sie schreibt von ihren Erfahrungen im Gerichtsaal und außerhalb, von Jugendlichen, die Gewalt anwenden ohne jede Hemmung und ohne jedes Mitleid, von 12 jährigen Dealern, an denen die Behörden verzweifeln, von der Hilflosigkeit der Gesellschaft und von dem Wegschauen der Menschen. Die richtige Frage stellt sie dabei aber nicht- die Frage was können wir, die Leser an der Situation ändern. Vielleicht hat sie ihr Buch gar nicht so groß gemeint, wie es jetzt gemacht wird und es war mehr für Kollegen, für Juristen- den für die entwickelt sie praktikable Lösungsansätze und greift dabei eigentlich nur ein Tabu an. Sie hält eine frühzeitige Zusammenarbeit der Behörden der Familienvorsorge und der Polizei und der Schulen für unverzichtbar und fordert daher „Kinderschutz vor Datenschutz“. Ansonsten wehrt sie sich sehr wohl gegen den Reflex des Geschreis nach dem Gesetzgeber- eine Verschärfung der Gesetzes löst keine Probleme. Wichtig ist ihr auch das von ihr wesentlich entwickelte „Neuköllner Modell“ – ein Konzept jugendlichen (Erst-) Tätern schnell Konsequenzen aufzuzeigen und nicht erst Monate nach der Tat eine Hauptverhandlung stattfinden zu lassen, bei der der Jugendliche schon wirklich fast nicht mehr weiß was da vorgefallen ist und warum. Sie plädiert für eine schnelle Reaktion- wie bei jeder normalen Familie, bei der Eltern auch nicht sagen „du durftest nur bis acht abends wegbleiben und jetzt ist es elf. In fünf Monaten erklären wir dir, was wir als Erziehungsmaßnahme einleiten, damit du das nicht wieder tust“. Dieses Modell des beschleunigen Verfahrens in einfach gelagerten, noch niedrigschwelligen Kriminalitätsfallen wurde tatsächlich für ganz Berlin ab Juli eingeführt- eigentlich ein voller Erfolg für die Autorin. Formal muß man dem Verlag vorwerfen, dass das Buch eine sprachliche Überarbeitung auf eine breitere Zielgruppe vertragen hätte. Es liest sich für mich sehr vertraut. Die Autorin ist eben keine Schriftstellerin sondern schreibt Gerichtsurteile und so baut sie ihr Buch auf- Tatbestand und rechtlich Erwägungen, sozialer Hintergrund, Entscheidungsgründe und Strafzumessung, so liest sich der Text auch für ein Sachbuch recht sperrig. Zusammenfassend möchte ich jedem eine Leseempfehlung aussprechen und dazu gleichzeitig jedem die Überlegung nahelegen sich selbst und die berühmten Kennedyzitate „Frage nicht was dein Land für dich tun kann, sondern was du für dein Land tun kannst!“ und „Es gibt nur eins, was auf Dauer teurer ist als Bildung, keine Bildung“ vor Augen zu halten. Kirsten Heisig hat besseres verdient als Nachruf als hohe Verkaufszahlen für ihr Buch und eine Beerdigung ihrer Ideen.

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