Kirsten Jüngling "Ich bin doch nicht nur schlecht" - Nelly Mann

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Inhaltsangabe zu „"Ich bin doch nicht nur schlecht" - Nelly Mann“ von Kirsten Jüngling

Fast jeder aus der Familie Mann ist inzwischen biografisch beleuchtet worden, nur Nelly nicht, Heinrichs unziemliche Ehefrau. Kirsten Jüngling, seit vielen Jahren hochgelobte Biografin, auch von Nellys ungleicher Gegenspielerin Katia, hat erstmals den Familienbann durchbrochen. Einfühlsam und mit wenig Respekt vor dem weihevollen Mann-Mythos schildert sie den Weg der Emmy Johanna Westphal, adoptierte Kröger, aus den Nöten einer vom Schicksal Vernach-lässigten an die Seite des berühmten Schriftstellers. An der Unmöglichkeit, den eigenen Ansprüchen zu genügen, geschweige denen des schwägerlichen Clans, zerbrach Nelly zusehends. Ihre Flucht aus ungeliebten Identitäten, aus Deutschland, aus Frankreich, in den Drogen- und Alkoholrausch und schließlich in den Freitod zeichnet diese längst überfällige Biografie auf bewegende Weise nach.

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  • Rezension zu ""Ich bin doch nicht nur schlecht" - Nelly Mann" von Kirsten Jüngling

    "Ich bin doch nicht nur schlecht" - Nelly Mann

    HeikeG

    12. August 2008 um 18:54

    Eine unglückliche Frau mit vielen Facetten Kirsten Jüngling porträtiert das "Schmuddelkind" der Familie Mann "Du hast mir oft Unrecht getan." Diese Worte schrieb Emmy Johanna Westphal, genannt Nelly, in einem späten Brief an Heinrich Mann. Fünf Jahre lang, bis zu ihrem Selbstmord, war sie seine Ehefrau, 15 Jahre seine Partnerin. Bereits 1929 hatte der fast Sechzigjährige berühmte Schriftsteller die 27 Jahre jüngere, üppig-weibliche und blonde "Strandschönheit" kennen- und liebengelernt. Dass sie als Tochter einer Dienstmagd aus dem holsteinischen Ahrensbök unehelich geboren wurde, war "damals weder eine Ausnahme - 1898 kamen in Ahrensbök von hundertzehn Kindern fünfzehn mit diesem Prädikat zur Welt ", so die Autorin, noch zwingend von Nachteil, aber dass sie sich ihren Unterhalt als Animierdame in einem Berliner Nachtlokal am Kurfürstendamm verdiente, machten es ihr im Umfeld der "amazing family" Mann von vornherein schwer. Heinrich jedoch liebte dieses Milieu, "das wenig Reputierliche, das Unordentliche zog ihn an. (…), vermittelte ihm ein Gefühl von Kontinuität, von Heimat, wie er es tatsächlich nicht im Elternhaus, nicht in den zahllosen Pensionen, Hotels und Kurheimen, ja auch nicht mit Frau und Kind in der gutbürgerlichen Münchner Etagenwohnung[Anm.: er war in erster Ehe mit Mimi verheiratet und hatte eine Tochter Goschi] empfunden hatte." Für den Rest der Familie blieb Nelly jedoch zeitlebens das "Schmuddelkind", für Thomas Mann gar die "schreckliche Trulle" und "eine arge Hur'", für Katia schlicht "das Stück". Doch war die Schwägerin tatsächlich so ordinär, wie sie immer dargestellt wurde? Dies versucht die Autorin Kirsten Jüngling in ihrer Biografie "Ich bin doch nicht nur schlecht" zu ergründen. In seinem Roman "Ein ernstes Leben" hat Heinrich Mann Nellys Leben ziemlich getreu wiedergegeben, allerdings ohne die uneheliche Geburt einzubeziehen. Wie die Romanfigur Marie scheint sich auch Nelly schon früh durch Männerbekanntschaften ihr Leben angenehmer gemacht zu haben. Sie heiratete in Berlin einen Bankier, ein ungewolltes Kind wurde (wahrscheinlich) weggegeben. Heinrichs Geliebte und dann seine Frau zu werden, musste für sie die Erfüllung ihrer Träume gewesen sein. Doch der Traum war kurz. "Anpassungswilligkeit und -fähigkeit sind ihr unbedingt zu attestieren; auch wenn es darum ging, sich Menschen anzuschließen, die oft, so wie sie, Grenzgänger waren und ihr Heil in Lösungen suchten, die ihnen zum Schaden gereichen konnten. Das war das eine. Das andere: der nicht ganz so leicht zu verwischende Unterschied. Für jemanden, der den Ehrgeiz hat, zu den 'besseren' Leuten zu gehören, fehlte es ihr an Herkunft, Bildung und an der Selbstsicherheit, die daraus erwachsen kann. (...) In den kommenden Jahren würde sie sich äußerlich weiter verbessern, innerlich aber herunterkommen.", stellt Kisten Jüngling treffend fest. Die dem Leben zugewandte, neugierige und durchaus amüsante Nelly zerbricht nach und nach an der Sehnsucht, ohne Wenn und Aber anerkannt zu werden sowie an Heinrich, dem "Mann der Kontraste", von dem sie glaubte, dass er diese Sehnsucht erfüllen könnte, doch für den Liebe genauso Einbildung wie alles andere war. 1933 folgt Nelly Heinrich in die Emigration, zunächst nach Frankreich, dann in die USA. Doch anders als sein Bruder Thomas konnte der ältere Bruder im Ausland nicht Fuß fassen. Materiell und psychisch ging es ihm und Nelly vor allem in den USA sehr schlecht. Nelly trank, nahm Drogen und Psychopharmaka, wurde zunehmend psychisch instabiler. Thomas Mann unterstützte zwar seinen Bruder finanziell, sah jedoch weiterhin auf dessen - wie er fand - ordinäre Lebensgefährtin herab und riet Heinrich, sich von ihr zu trennen. Dem entzog sich Nelly selbst: Am 17. Dezember 1944 setzt sie ihrem Leben mit einer Überdosis Schlaftabletten ein Ende. Kirsten Jüngling zeichnet ein äußerst einfühlsames Bild dieser zerrissenen und sicher auch labilen Frau, die an zu hoch gesteckten Zielen zerbrach. Wohltuend durchstößt sie die würde- und weihevolle Aura, die die Lübecker Senatorenfamilie und ihre berühmten zwei Schriftstellersöhne umgibt und schildert mit wenig Respekt den Weg der Emmy Johanna Westphal an der Seite Heinrich Manns und dessen Umfeld. Ihre Biografie ist gleichzeitig eng mit der Vita ihres Lebens- und späteren Ehepartners verknüpft, die sie ebenfalls umreißt und an Schnittstellen tiefgründig ausleuchtet. Ihre Recherchen stützen sich auf eine Unmenge verschiedenster Dokumente, die im Text mit Fußnoten versehen und in einem 44seitigen Anhang näher erläutert sind bzw. die Quellen benennen. 25 Schwarz-Weiß-Fotos ergänzen diese sorgfältig recherchierte und trotz ihrer "Mannschen Entweihung" stilvolle Biografie. Fazit: Lange hat sich niemand, Familie Mann wohl am wenigsten, die Mühe gemacht, nachzuforschen, wer diese Nelly eigentlich war. Kirsten Jüngling hat es versucht. Sie geht den Realien nach, wenn auch nicht erschöpfend, so zumindest doch derart intensiv wie es sich nur machen lässt. Entstanden ist ein spannendes Buch über ein ungleiches Schriftstellerpaar und ein Leben im Exil.

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