Kirsten Schützhofer Die Kalligraphin

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Inhaltsangabe zu „Die Kalligraphin“ von Kirsten Schützhofer

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    Die Kalligraphin

    Heimfinderin

    31. August 2013 um 20:24

    "Die Kalligraphin" entführt uns in eine Zeit und zu Ereignissen, von denen ich persönlich noch nichts vorher gelesen hatte. 'Beutetürken' ist ein für mich neuer Begriff und so habe ich mit großem Interesse zu diesem Buch gegriffen. Habar und Ibrahim, zwei junge türkische Geschwister, wurden zu solchen Beutetürken. Geraubt und verkauft. Schlimme Szenen haben sich dabei abgespielt, die sehr eindringlich geschildert wurden und für einen heftigen Einstieg in die Geschichte sorgten. Aber gerade diese, wie ich finde, eindringliche Erzählweise ist es, was ich an Kirsten Schützhofers Romanen so mag. Zusammen mit den vielen oft kleinen, erwähnten Details stehen die Figuren deutlich vor mir und ihre Emotionen und die Geschehnisse erlebe ich dadurch sehr intensiv mit. Die Figuren sind vielschichtig und auch die Nebenfiguren werden bildhaft beschrieben. Mir fiel es nicht schwer, mich in die einzelnen Personen hineinzuversetzen, ihre Beweggründe nachzuvollziehen (auch wenn ich sie natürlich nicht immer gutheißen und gerade ihre häufige Sprachlosigkeit auch nicht immer verstehen konnte) Denn leider fehlte tatsächlich etwas die Kommunikation. Ich kann mir zwar sehr gut vorstellen, dass tatsächlich ein stummes Nebeneinanderher das Leben auf Jahre sehr schwer machen kann und manche Menschen aufhören, richtig miteinander zu sprechen und deshalb kaum wieder gut zu machende Missverständnisse und emotionale Härten entstehen. Aber es war hier schon sehr geballt und betraf gleich mehrere Personen. Ein bisschen mehr Aufbegehren, gerade von Habar, die anfangs sehr stark rüberkam, hätte gut getan. Ich empfand es teilweise als zu viel Lethargie auf einmal, so als wenn jemand das Leben aller auf Zeitlupe gestellt und die Lautstärke herunter gedreht hätte. Auch wenn gegen Ende sich dann doch etwas rührte, wirkte vieles eher unbeweglich auf mich. Ich hatte oft den Drang die Leute zu schütteln und zu treten, damit sie in die Gänge kommen. Insgesamt überwog in dieser Geschichte eine eher gedrückte Stimmung, positive und erhellende Momente kamen nicht so oft auf. Aber diese Stimmung war wiederum ganz toll beschrieben. Verzweiflung, Entsetzten, Trauer, Angst, Hass, Wut ....all diese Emotionen konnte ich sehr gut spüren und es entstand während des Lesens immer eine melancholische Stimmung bei mir, die auch noch im Nachhinein eine Weile anhielt, aber dabei erstaunlicherweise gar nicht negativ war. Ich konnte mich sehr gut darauf einlassen. Die Handlung hätte ich mir in einigen Szenen zwar gesprächsintensiver gewünscht und dazu auch einen Schwerpunkt auf eher wenige Personen, anstelle der häufigen Blickrichtungen auf andere, aber ich habe auch so das Buch sehr genossen. Der Schreibstil war einfach wieder sehr, sehr schön und bot so viele emotionale Lesemomente, dass mir die Lektüre dieses Romans gut gefallen hat und ich mich jetzt schon auf das nächste Buch von Kirsten freue.

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  • Rezension zu "Die Kalligraphin" von Kirsten Schützhofer

    Die Kalligraphin

    ribanna

    27. January 2011 um 22:22

    1686: Zwei türkische Kinder, die Geschwister Habar und Ibrahim, werden nach dem großen Massaker von Ofen als Kriegsbeute nach Sachsen verschleppt. Der Adelige Georg von Hartleben macht sie seiner Frau Theodora zum Geschenk, was allerdings bei der Beschenkten keine große Freude hervorruft. Der Hauptcharakter ist Habar, daneben gibt es zahlreiche weitere Protagonisten aus der Familie und dem Umfeld der Hartlebens. Der Schreibstil ist ansprechend und das 652 Seiten starke Buch gut lesbar, aber es mangelt an Tiefe. Die Personen wirken eher skizzenhaft und wenig lebendig. Zum Beispiel ist nicht überzeugend dargestellt, wie sich Ibrahim von einem völlig verstörten und geprügelten Jungen, der die Fremden aus tiefstem Herzen hasst, zu einer Art Sohn des Hauses und einem begeisterten Soldaten entwickelt. Die Stimmung des Buches ist insgesamt düster, voller Leid und Tod, Untreue, Verrat und unglücklicher Liebe.

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  • Rezension zu "Die Kalligraphin" von Kirsten Schützhofer

    Die Kalligraphin

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    30. December 2008 um 17:59

    1687. Die Kinder Habar und Ibrahim überleben in den Türkenkriegen den Sturm auf die Stadt Ofen und die Vertreibung der Osmanen und werden als Gefangene auf das Gut Schwarzbach in Sachsen gebracht. Zunächst als niedere Bedienstete eingesetzt und als Beutetürken gehasst und bestaunt, verändert sich der Lebensweg der Geschwister stetig und auf völlig verschiedene Weise. Kirsten Schützhofers neuen Roman könnte man auch mit "wenn der Orient das Abendland trifft" untertiteln, denn das exotische Aussehen der Geschwister, ihre Fremdheit und ihre Schwierigkeiten, in einem Land von Blassaugen und Bleichgesichtern ihren Weg zu finden, ist zentrales Thema dieses Buches, das den Leser von der ersten bis zur letzten Seite fesselt. Kirsten Schützhofer schildert sehr feinfühlig und glaubhaft die inneren Konflikte, denen beide Geschwister ausgesetzt sind: Den ständigen Kampf gegen das Vergessen der eigenen Wurzeln und das Bemühen auch in einer fremden, neuen Umgebung sich selbst treu zu bleiben und dem Wunsch, sich der neuen Umgebung anzupassen, kein "Fremdkörper" mehr zu sein und einen Platz in dieser Gesellschaft zu finden. Dafür bedarf die Autorin keiner großen Worte. Es sind leise Bilder, die im Kopf des Lesers entstehen, Nuancen, Gesten, Gefühle, die sich zu einem Band verweben, dass sich wie ein roter Faden durch das Buch zieht. Ein Band, das auch die vielen anderen Haupt- und Nebenfiguren umfasst, bei denen man aber nie das Gefühl hat, es wären zu viele. Sie alle vervollkommnen das Bild, die Geschichte, geben ihr Tiefe und Form und finden ihren Platz im Herzen des Lesers. Keine der Figuren in Kirsten Schützhofers Buch hat es leicht, jeder trägt an seinem persönlichen Schicksal und mancher zerbricht daran. Andere wiederum schaffen es, auf steinigen Wegen die Fesseln der Vergangenheit hinter sich zu lassen und endlich ihr persönliches Glück zu finden. Kirsten Schützhofer gelingt hier ein kleines Wunder. Allein mit der Beschreibung des Verhaltens ihrer Protagnisten gelingt es ihr, deren Gefühle klar zu machen, ohne dass es dafür konkreter Worte bedarf. Sie lenkt ihre Leser nicht, sondern lässt ihnen den Raum, zwischen den Zeilen zu lesen und ermöglicht so einen Blick in die Herzen und Seelen ihrer Protagonisten, die der Leser so rasch besser kennt, als diese sich selbst. Gerade dieser Blick ist es, der den Leser das Buch kaum zur Seite legen lässt. Tut er es notgedrungen doch, kann er sich auch in Lesepausen dem Schicksal der Figuren nicht entziehen, dafür ist der Eindruck, den sie hinterlassen, zu stark. Es ist ein Epos, das Kirsten Schützhofer geschaffen hat, eine Familiensaga, die über einen Zeitraum von fast 30 Jahren erzählt wird und deren Themen Verlust, Schuld, Selbstzerstörung aber auch Verzeihen und Liebe sind und an deren Ende der lang ersehnte innere Frieden steht. Die Messlatte lag nach der Kapelle der Glasmaler hoch. Mit der Kalligraphin hat Kirsten Schützhofer sie noch ein Stück höher gelegt.

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  • Rezension zu "Die Kalligraphin" von Kirsten Schützhofer

    Die Kalligraphin

    beowulf

    27. December 2008 um 22:11

    Nichts gegen Marketing- aber der Titel führt- wie der Text auf der Rückseite des Einbandes- alle die in die Irre, die feste Erwartungen in einen "Die ...in" Titel haben, die seichte, leicht romantische Liebesgeschichten in historischer Kulisse, ein paar derbere Sexszenen dazu und starke Frau setzt sich in böser Männerwelt durch erwarten und solch eine Geschichte lesen wollen. Nur - solche Bücher schreibt Kirsten Schützhofer nicht- solche Erwartungen enttäuscht sie schwer. Kirsten Schützhofer schreibt gut recherchierte historische Romane, Romane die uns in eine Zeit hineinversetzen, so lebendig und bildhaft, dass man sich als Leser die Nase zuhalten möchte, wenn der Gestank des Krieges beschrieben wird und der Duft von Zimt den Raum erfüllt, wenn die Protagonistin ihre Sauermilch trinkt. Das Thema Sklaverei in Deutschland, hier am Beispiel von "Kriegsbeute" aus dem Türkenland- in Wirklichkeit Kinder aus Ungarn, "erworben" nach dem Sturm von Ofen- eines Teils des heutigen Budapest- und den Umgang mit diesen "Teufeln" stellt den einen Handlungsstrang dieses Romans dar- der Verlauf des Krieges des sächsichen Kurfürsten August des Starken um die polnische königskrone bildet den zweiten zeitgeschichtlichen Schwerpunkt. Der kursächsische kleine Landadel stellt die Protagonisten: Soldaten, Höflinge, Gutsbesitzer. Die Assimilation der zwei Türkenkinder in diese Gesellschaft, -die sich unterschiedlicher nicht darstellen könnte- bestimmt den Verlauf der Geschichte. Da ist zum einen Ibrahim, der sich nach der Trennung von der Schwester taufen lässt und ganz Teil wird der Gesellschaft, der Familie und seiner Umgebung, zum anderen die Schwester Habar, die von ihrem Vater einst das Schreiben gelernt hat und die das Schreiben liebt- die Kalligraphin. Sie lernt schneller als der Bruder die neue Sprache, aber sie bleibt ihrem "türkischen Weg" treu- sie, die sich später auch taufen lassen wird schreibt den Namen Allahs weiter auf Papier, nennt ihre Tochter nach ihrer Mutter Esme und erzählt die Geschichten aus der Vergangenheit- auch wenn sie die Güter ihres Herrn kundig verwaltet und Realistin genug ist zu wissen, dass es keinen Weg zurück geben kann. Aber das Buch ist von Kirsten Schützhofer und damit ist klar, dass es keine strahlende Heldin gibt, die das Buch alleine trägt und prägt, sondern viele handelnde Personen, die ihre Zeit und ihre Stellung in ihr repräsentieren, deren Wandel und Handel, deren Erfolg und deren Scheitern die Geschichte tragen und dieses Buch zu dem machen, was ein Buch von Kirsten Schützhofer für mich bisher stets war: Ein tolles Leseerlebnis.

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