Kjell Westö

 3.6 Sterne bei 47 Bewertungen
Autor von Vom Risiko, ein Skrake zu sein, Wo wir einst gingen und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Kjell Westö

Vom Risiko, ein Skrake zu sein

Vom Risiko, ein Skrake zu sein

 (24)
Erschienen am 04.06.2007
Wo wir einst gingen

Wo wir einst gingen

 (7)
Erschienen am 08.06.2010
Tante Elsie und mein letzter Sommer

Tante Elsie und mein letzter Sommer

 (5)
Erschienen am 03.01.2006
Das Trommeln des Regens

Das Trommeln des Regens

 (5)
Erschienen am 02.06.2008
Das Trugbild

Das Trugbild

 (4)
Erschienen am 13.06.2016
Geh nicht einsam in die Nacht

Geh nicht einsam in die Nacht

 (2)
Erschienen am 08.09.2014

Neue Rezensionen zu Kjell Westö

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AnjaLG87s avatar

Rezension zu "Vom Risiko, ein Skrake zu sein" von Kjell Westö

Anfangs schleppend, sprachlich insgesamt sehr abwechslungsreich, am Ende dann wirklich unterhaltsam.
AnjaLG87vor 7 Monaten

Kjell Westös Erzählung vom Aufwachsen eines Jungen kommt anfangs etwas schleppend daher: Episode an Episode reiht sich aneinander; zwar nett erzählt und jede für sich unterhaltsam, aber ich als Leserin wusste zunächst gar nicht, worauf der Autor hinaus will und welche Motivation er hat, dies alles so detailliert zu schildern. Nach und nach nimmt die Erzählung aber Form an und wird, ab der zweiten Hälfte, deutlich spannender und besser aufeinander abgestimmt. Am Ende stellte sich bei mir eine angenehm "heimelige Atmosphäre" ein und ich habe angefangen, mir Skandinavien und die Lebensumstände des Protagonisten bildlich vorzustellen. Die Sprache ist durchweg gelungen und sehr abwechslungsreich. Insgesamt vergebe ich aber nur 3 Sterne, weil das Buch für mich nicht so ganz schlüssig und ausgereift war.

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Aoibheanns avatar

Rezension zu "Das Trommeln des Regens" von Kjell Westö

Das Trommeln des Regens
Aoibheannvor 4 Jahren

Christian Lang ist ein Medienstar – bekannt als Autor einiger Romane, gefeiert als genialer Talkmaster, der dem Zeitgeist immer einen Schritt voraus ist. Doch Christian Lang ist auch ein einsamer Mann, der nach seiner zweiten Scheidung verzweifelt nach einem Lebenssinn sucht. Als er Sarita kennen lernt, eine junge Frau und allein erziehende Mutter, ist er fasziniert von ihrer warmen Sinnlichkeit und funkensprühenden Erotik. Doch dann bricht Saritas gewalttätiger Exfreund in die Idylle, und die Katastrophe scheint nur mehr eine Frage der Zeit.

Die Geschichte wird rückblickend von Lang Jugendfreund erzählt. Der Name dieses Freundes wird nicht genannt, nur aus Rückblenden in die Vergangenheit geht hervor, dass Christian Lang ihn Konni nennt. Beide kennen sich aus bereits aus Jugendzeiten und daher ist es Konni möglich zusätzlich zu den erzählten Geschehnissen auch Erlebnisse aus der Vergangenheit beizusteuern, die die Handlungsweisen Langs besser verdeutlichen sollen.

Die Geschichte selbst wird flüssig und spannend erzäht, selbst die Tatsache, dass man sich anhand des Klappentextes und der ersten Seiten bereits denken kann „was“ Christian Lang getan hat, stört keineswegs. Aber das Warum, wie es zu dieser Tat kam wird durch den Erzähler gut wiedergegeben. Am Ende bleiben dennoch einige offene Fragen, die sich der Erzähler zwar auch stellt, sie aber ebenso wenig beantworten kann wie der Leser.

Mir hat die Darstellung beider Figuren gut gefallen. Selbst ohne die Einmischung des Exmannes ist die Beziehung zwischen Christian und Sarita alles andere als stabil und harmonisch. Sie haben völlig gegensätzliche Charaktere, trauen sich gegenseitig auch nicht absolut über den Weg und bauen immer wieder Mauern um sich selbst herum. Dazu kommt die schnelllebige Zeit der Medienbranche, in der Christian arbeitet und deren Veränderung zu immer jünger, immer spektakulärer ihn nicht nur verunsichert sondern gegen alles verstößt, woran er immer festhielt. Letztlich führt seine Weigerung „mit der Zeit zu gehen“ zu seinem beruflichen Abstieg.

Und vielleicht hätte sich das Drama auch gar nicht abspielen müssen, hätte Lang den warnenden Stimmen einiger Personen doch etwas mehr Gehör geschenkt.

Insgesamt ein für mich stimmiger und guter Roman mit einer interessanten Handlung und guten Figuren.


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M

Rezension zu "Das Trugbild" von Kjell Westö

Alte Rechnungen und neue Verwirrung
michael_lehmann-papevor 4 Jahren

Alte Rechnungen und neue Verwirrung

Ruhig, bedächtig, dicht in der Atmosphäre und dennoch flüssig, im Stil, wie von leichter Hand geschrieben, führt Westö den Leser in diesem Roman tief ein in die neuere Geschichte Finnlands. In das „Erbe“ des ersten Weltkriegs und die Atmosphäre, die auch innere Spaltung zu Zeiten des Nazi Regimes in Deutschland und des Faschismus in Europa.

Aus zwei Perspektiven heraus, der des Rechtsanwaltes Claes Thune und der seiner Angestellten Matilda Wiik, erzählt Westö dabei die divergierenden inneren Haltungen, für die er Protagonisten zum Träger der Ereignisse macht, die, jeder und jede für sich, für eine der möglichen Haltungen zu jener Zeit stehen.
Mit sehr überraschenden Wendungen im Übrigen zum Ende des Buches hin, die manche der Personen in einem Licht erscheinen lassen, dass der Leser wenig vermutet hätte.

Claes Thune ist Rechtsanwalt mit einer kleinen, überschaubaren Kanzlei in Helsinki.
Mathilda Wiik ist seine Konturistin, einzige Angestellte.
Die, die auf ihre ruhige, verantwortliche und sachliche Art sein Vertrauen verdient, die ihm soweit den Rücken freihält, so dass er auch einmal eine Woche in Stockholm verbringen kann. Nicht nur beruflich, auch um privat auf andere Gedanken zu kommen.

Thune wurde verlassen.
Ein Stachel, der tief sitzt, der ihn Einsamkeit überkommen lässt, der umso mehr schmerzt, als seine Frau ihn für seinen besten Freund aus Jugendtagen verlassen hat.

Robi. Der Psychologe.
Teil des „Mittwochsclubs“, jener Vereinigung von sechs Männern, die sich einmal monatlich im Wechsel beieinander zu Hause treffen und ein durchaus repräsentatives Bild der finnischen „höheren“ Gesellschaft abgeben.
Vom reichen Finanzmanager über die liberalen Claes „Klasi“ Thune und seinem (ehemalige besten) Freund Robi bis hin zu Jogi. Künstler mit ständig überreizten Nerven, manisch-depressiv, Jude.

Eine Herrenrunde, die über die Jahre meist in innerer Harmonie die Ereignisse der Zeit, der Politik, auch des aktuellen Klatsches besprechen und es sich miteinander gut gehen lassen.

Doch in letzter Zeit gehen Risse durch die Runde. Nicht nur durch die privaten Ereignisse. Auch politisch wird es härter.
Erste antisemitische Äußerungen werden in der Runde laut und nicht ganz so eindeutig, wie Jogi es vielleicht wünschen würde, wird von allen Stellung bezogen. Selbst die liberalen Überzeugungen schwanken in der Bewertung jenes Adolf Hitler, trotz erster Anzeichen auf Gräuel im nahen Deutschland.

Doch nicht nur objektiv bewertend kann diese Runde junger finnischer Honoratioren sich gerieren.
Wie war das, als bei einem Sportwettkampf ein Jude deutlich erkennbar gewinnt, aber offiziell auf den vierten Platz gesetzt wird? Macht sich der Sportjournalist der Runde nicht mit verantwortlich, als er nicht hart genug in seiner Redaktion auf Richtigstellung drängt? Übersehen auch andere Mitglieder des Clubs die dunklen Wolken oder begrüßen sie solche sogar im Inneren?
Und noch eine zweite Komponente tritt hinzu. Da gibt es eine Vergangenheit im Land.
Zu Zeiten des ersten Weltkriegs, im finnischen Bürgerkrieg.
Man erinnert sich nicht gerne an die Härten dieser Zeit. Als „das Volk“ ebenso schadenfroh der Deportation unliebsamer Mitbürger am Straßenrand zugeschaut hat, wie es aktuell in manchen deutschen und österreichischen Gegenden „das Volk“ vollzieht, wenn Juden mit Zahnbürsten die Straßen zu reinigen haben.

Mathilda Wiik aber weiß darüber sehr gut Bescheid. Besser, als ihr lieb wäre. Sie war eine Betroffene. Und einer aus diesem Mittwochsclub, als sie die Männer erstmalig kennenlernt, den kennt sie auch noch gut. Aus einem Lager. Aus den Nächten in diesem Lager.

Psychologische Studie, Zeitgeschichte, menschliche Schwächen, eine Form von Rache, die eigentlich keine aktive Rache sondern eher ein Handeln aus der Not und Bedrängung heraus sein wird, politische Hintergründe, schlichtweg auch das Schwache und das Böse im Menschen, ins einer ruhigen Sprache verdichtet Kjell Westö all diese Stränge in seiner Geschichte zu einem anregenden Gesamtbild, dem der Leser emotional einbezogen Seite für Seite folgt.

Eine Geschichte, die Geschichte wieder lebendig macht. Die nicht verschweigt, was gerne an beschämender Grausamkeit im eigenen Land an den Rand gedrängt wurde, die offen legt, warum und wie der Faschismus Ende der dreißiger Jahre, neben Skepsis, auch „guten Nährboden“ in Finnland finden konnte.

„Bei solchen Gelegenheiten preis er häufig jüdische Kunst……..leugnete jedoch nicht, das ihm viele sind er jüdischen Mentalität fremd war“. Und was fremd ist, will man nicht unbedingt um sich haben, so eine der Essenzen aus dem Roman, die Westö in vielfacher Hinsicht zum tragen bringt.

Sprachlich hervorragend, ohne „schwer“ zu wirken und mit einem fundierten Wissen über die historischen Ereignisse (auch in den „dunklen Ecken“) gelingt es Westö, den Leser zu fesseln und ein gutes Stück finnischer Geschichte des letzten Jahrhunderts fassbar und greifbar in den Raum zu setzen. Mitsamt den traumatischen Folgen und den Dramen, die daraus erwachsen. So ist am Ende nicht nur Mathilda eine Art Trugbild (zumindest für Thune), sondern vieles stellt sich von innen gesehen her ganz anders dar, als es an der Oberfläche zunächst wirkt.

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