Kjell Westö Das Trugbild

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Inhaltsangabe zu „Das Trugbild“ von Kjell Westö

Als Rechtsanwalt Claes Thune an diesem Morgen zur Arbeit erscheint, ist er zunächst verärgert. Er fragt sich, wo seine Sekretärin bleibt, die stets zuverlässige Matilda Wiik – sein Anker in schwierigen Zeiten, die Frau, die er lieben könnte, hätte er den Mumm sich über Standesdünkel und Konventionen hinwegzusetzen. Er selbst sieht die Ereignisse rund um das Dritte Reich mit Besorgnis, doch damit vertritt er in der finnischen Gesellschaft zunehmend eine Minderheitenposition. Ein wenig Rückhalt findet er im sogenannten »Mittwochsclub«, einer Gruppe von Männern, die sich regelmäßig zum Gedankenaustausch trifft. Dass einer davon ein dunkles Geheimnis hütet, kann Thune nicht wissen. Es ist Matilda Wiik, die davon betroffen ist und die Sache schließlich in die Hand nimmt ...

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    Das Trugbild
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    07. October 2014 um 13:23

    Alte Rechnungen und neue Verwirrung Ruhig, bedächtig, dicht in der Atmosphäre und dennoch flüssig, im Stil, wie von leichter Hand geschrieben, führt Westö den Leser in diesem Roman tief ein in die neuere Geschichte Finnlands. In das „Erbe“ des ersten Weltkriegs und die Atmosphäre, die auch innere Spaltung zu Zeiten des Nazi Regimes in Deutschland und des Faschismus in Europa. Aus zwei Perspektiven heraus, der des Rechtsanwaltes Claes Thune und der seiner Angestellten Matilda Wiik, erzählt Westö dabei die divergierenden inneren Haltungen, für die er Protagonisten zum Träger der Ereignisse macht, die, jeder und jede für sich, für eine der möglichen Haltungen zu jener Zeit stehen. Mit sehr überraschenden Wendungen im Übrigen zum Ende des Buches hin, die manche der Personen in einem Licht erscheinen lassen, dass der Leser wenig vermutet hätte. Claes Thune ist Rechtsanwalt mit einer kleinen, überschaubaren Kanzlei in Helsinki. Mathilda Wiik ist seine Konturistin, einzige Angestellte. Die, die auf ihre ruhige, verantwortliche und sachliche Art sein Vertrauen verdient, die ihm soweit den Rücken freihält, so dass er auch einmal eine Woche in Stockholm verbringen kann. Nicht nur beruflich, auch um privat auf andere Gedanken zu kommen. Thune wurde verlassen. Ein Stachel, der tief sitzt, der ihn Einsamkeit überkommen lässt, der umso mehr schmerzt, als seine Frau ihn für seinen besten Freund aus Jugendtagen verlassen hat. Robi. Der Psychologe. Teil des „Mittwochsclubs“, jener Vereinigung von sechs Männern, die sich einmal monatlich im Wechsel beieinander zu Hause treffen und ein durchaus repräsentatives Bild der finnischen „höheren“ Gesellschaft abgeben. Vom reichen Finanzmanager über die liberalen Claes „Klasi“ Thune und seinem (ehemalige besten) Freund Robi bis hin zu Jogi. Künstler mit ständig überreizten Nerven, manisch-depressiv, Jude. Eine Herrenrunde, die über die Jahre meist in innerer Harmonie die Ereignisse der Zeit, der Politik, auch des aktuellen Klatsches besprechen und es sich miteinander gut gehen lassen. Doch in letzter Zeit gehen Risse durch die Runde. Nicht nur durch die privaten Ereignisse. Auch politisch wird es härter. Erste antisemitische Äußerungen werden in der Runde laut und nicht ganz so eindeutig, wie Jogi es vielleicht wünschen würde, wird von allen Stellung bezogen. Selbst die liberalen Überzeugungen schwanken in der Bewertung jenes Adolf Hitler, trotz erster Anzeichen auf Gräuel im nahen Deutschland. Doch nicht nur objektiv bewertend kann diese Runde junger finnischer Honoratioren sich gerieren. Wie war das, als bei einem Sportwettkampf ein Jude deutlich erkennbar gewinnt, aber offiziell auf den vierten Platz gesetzt wird? Macht sich der Sportjournalist der Runde nicht mit verantwortlich, als er nicht hart genug in seiner Redaktion auf Richtigstellung drängt? Übersehen auch andere Mitglieder des Clubs die dunklen Wolken oder begrüßen sie solche sogar im Inneren? Und noch eine zweite Komponente tritt hinzu. Da gibt es eine Vergangenheit im Land. Zu Zeiten des ersten Weltkriegs, im finnischen Bürgerkrieg. Man erinnert sich nicht gerne an die Härten dieser Zeit. Als „das Volk“ ebenso schadenfroh der Deportation unliebsamer Mitbürger am Straßenrand zugeschaut hat, wie es aktuell in manchen deutschen und österreichischen Gegenden „das Volk“ vollzieht, wenn Juden mit Zahnbürsten die Straßen zu reinigen haben. Mathilda Wiik aber weiß darüber sehr gut Bescheid. Besser, als ihr lieb wäre. Sie war eine Betroffene. Und einer aus diesem Mittwochsclub, als sie die Männer erstmalig kennenlernt, den kennt sie auch noch gut. Aus einem Lager. Aus den Nächten in diesem Lager. Psychologische Studie, Zeitgeschichte, menschliche Schwächen, eine Form von Rache, die eigentlich keine aktive Rache sondern eher ein Handeln aus der Not und Bedrängung heraus sein wird, politische Hintergründe, schlichtweg auch das Schwache und das Böse im Menschen, ins einer ruhigen Sprache verdichtet Kjell Westö all diese Stränge in seiner Geschichte zu einem anregenden Gesamtbild, dem der Leser emotional einbezogen Seite für Seite folgt. Eine Geschichte, die Geschichte wieder lebendig macht. Die nicht verschweigt, was gerne an beschämender Grausamkeit im eigenen Land an den Rand gedrängt wurde, die offen legt, warum und wie der Faschismus Ende der dreißiger Jahre, neben Skepsis, auch „guten Nährboden“ in Finnland finden konnte. „Bei solchen Gelegenheiten preis er häufig jüdische Kunst……..leugnete jedoch nicht, das ihm viele sind er jüdischen Mentalität fremd war“. Und was fremd ist, will man nicht unbedingt um sich haben, so eine der Essenzen aus dem Roman, die Westö in vielfacher Hinsicht zum tragen bringt. Sprachlich hervorragend, ohne „schwer“ zu wirken und mit einem fundierten Wissen über die historischen Ereignisse (auch in den „dunklen Ecken“) gelingt es Westö, den Leser zu fesseln und ein gutes Stück finnischer Geschichte des letzten Jahrhunderts fassbar und greifbar in den Raum zu setzen. Mitsamt den traumatischen Folgen und den Dramen, die daraus erwachsen. So ist am Ende nicht nur Mathilda eine Art Trugbild (zumindest für Thune), sondern vieles stellt sich von innen gesehen her ganz anders dar, als es an der Oberfläche zunächst wirkt.

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