Kjell Westö Geh nicht einsam in die Nacht

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Inhaltsangabe zu „Geh nicht einsam in die Nacht“ von Kjell Westö

So wehmütig und melancholisch wie ein finnischer Tango!

Helsinki, in den bewegten 68ern. Jouni, Ariel und Adriana könnten unterschiedlicher nicht sein und sind doch Freunde. Für eine Weile leben sie eine ménage a trois wie im Film Jules et Jim. Aber dann trennen sich ihre Wege. Jouni geht in die Politik, Adriana wird zunehmend von Ängsten geplagt, und Ariel versinkt in seiner Drogensucht und geht nach Stockholm, wo er spurlos verschwindet. Zwanzig Jahre später beginnt ein Mann namens Frank Loman zu recherchieren, was mit den drei Freunden geschehen ist ...

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  • Ein finnischer Gesellschafts- und Entwicklungsroman

    Geh nicht einsam in die Nacht

    michael_lehmann-pape

    18. March 2013 um 15:10

      Wie die Persönlichkeiten sind, das zeigt sich in diesem Buch bereits früh. Früh im Buch und früh im Leben der drei Menschen, die Kjell Westö durch die 60er Jahre (und dann weit darüber hinaus) des finnischen Lebens begleitet.   Eine Zeit, in der die Musik das Land ebenso eroberte, wie die ganze restliche Welt, in der die Haare länger wurden, das Leben (vermeintlich) freier und doch, schon bald, Menschen genau darauf achteten, in genau der richtigen Weise „nicht angepasst“ zu erscheinen und sich durch diese „Mode“ bereits wieder einander anpassten.   Jouni ist schon früh einer, der Härte in sich trägt. Der als Jugendlicher sein Revier gerne mit den Fäusten markiert und der auch späterhin genau dies ausstrahlt. Sei es als Sänger eines Trios, sei es auf seinem Karriereweg durch die Medienlandschaft, sei es im Betreten noch höherer „Gefilde“ späterhin. Jouni stammt aus dem Problemviertel Helsinkis und wird nie ganz verbergen können, dass er ein Kind der Strasse ist.   Adriana ist (fast) das Gegenteil, die weibliche Stimme des Gesangtrios, schon vorher mit Jouni und Ariel befreundet. Aus gutem Hause, irgendwie anders, kühl wirkend und doch innerlich beeinflussbar und gefährdet, wie sich zeigen wird, sich an die falschen Männer anzuschließen und die Wahrheit nicht immer gut zu vertragen.   Ariel ist schmächtig, nicht nur äußerlich. Introvertiert, ängstlich. Und immer, wenn er Angst hat, fängt das Stottern an. Aber Ariel ist auch der, der ganz für sich an der Gitarre tüftelt, Klangbilder hervorruft, aber dennoch ständig unterschätzt wird. Der wirkliche Erfolg will sich einfach nicht einstellen und so versinkt Ariel immer mehr in seiner ganz eigenen Welt.   Jouni und Ariel sind in Adriana verliebt. Manchmal, ohne es selbst zu wissen. Und diese schwankt, mal zum einen, mal zum anderen, ohne, das etwas passieren würde. Und als „es“ dann passiert, da ist es keiner von beiden. Zunächst.   Und so begleitet Westö seine drei Protagonisten (hier und da auch in ganz direkter Ansprache des Lesers im Buch) durch ihr Leben. Das sich in dieser „magischen“ Zeit kurz zusammenfügt, dass auseinandergehen wird für lange Zeit, sich aber letztendlich nicht voneinander verliert. Lebenswege, die Westö mit langsamer und ruhiger Erzählweise aus jenen gerade Jugendlichen heraus stringent entfaltet, die er zu Anfang auf ihre Reise schickt. Fast wie ein klassischer Familienroman wirkt dieser Entwicklungsroman, der an seinen Protagonisten keine überraschenden Wendungen zelebriert, sondern seine Kraft ganz aus der intensiv folgerichtigen Entfaltung der Persönlichkeiten zieht.   Persönlichkeiten, die einerseits für sich stehen, an denen Westö andererseits eine ganze gesellschaftliche Entwicklung über Jahrzehnte hinweg in Finnland mit dem Romanzentrum in Helsinki darstellen.   Sprachlich schafft Westö eine intensive Atmosphäre um die beiden Männer und die Frau herum, folgt, auch in Nebenfiguren, den Persönlichkeiten bis in feinste Verästelungen hinein  und lässt das Ganze in sehr flüssiger Form vonstatten gehen. Dennoch bleiben auf den knapp 700 Seiten ständiger Nachverfolgung dreier Leben in drei (späterhin gar vier) Erzählsträngen Längen einfach nicht aus. Und da der Roman nicht als „spannend“ im Sinne überraschender Wendungen zu bezeichnen ist, muss man einen solch ruhigen Erzählfluss über die Entwicklung einer ganzen Gesellschaft anhand vorrangig dreier herausgehobener Personen mögen, um hier vollständig auf seine Kosten als Leser zu kommen.   Insgesamt ein Roman mit hoher, sprachlicher Qualität und überzeugenden, in der Tiefe dargestellten Personen. In dem Westö stetig aufzeigt, was Ariel im Buch am Ende sagt: „Jeder Mensch ist ein Mirakel“. Ein Roman, der die ein- oder andere Länge allerdings aufzuweisen hat.

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