Kjersti A. Skomsvold Je schneller ich gehe, desto kleiner bin ich

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Inhaltsangabe zu „Je schneller ich gehe, desto kleiner bin ich“ von Kjersti A. Skomsvold

Mathea Martinsen lebt am Stadtrand von Oslo und hat gerade ihren geliebten Mann verloren. Für wen soll die alte Dame nach dem Tod des schrulligen Statistikers jetzt ihre Ohrenwärmer stricken? Mit wem kann sie fortan über das Dasein philosophieren? Schon die Anläufe, wieder Kontakt zu anderen Menschen zu finden, gestalten sich schwieriger als gedacht. Matheas Versuche, ins Leben zurückzufinden, amüsieren und rühren zu Tränen. »Ich wünschte, ich könnte den kleinen Rest vom Leben aufsparen, bis ich weiß, was ich damit anfangen soll.«

Eine Liebesgeschichte, die zum Lachen bringt und zu Tränen rührt. Die schrullige Mathea hat sich ganz leise in mein Herz geschlichen.

— BluevanMeer

Kurz und verstörend. Ein Buch über die Einsamkeit, resultierend aus psychischen Defiziten. Und trotzdem lesenswert.

— Rosha

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    Je schneller ich gehe, desto kleiner bin ich

    BluevanMeer

    10. September 2015 um 14:44

    Die kleinste gesellschaftliche Einheit ist nicht der Mensch, es sind zwei Menschen. (Bertold Brecht) Mathea Martinsen ist fast hundert Jahre alt. Die meiste Zeit in ihrem Leben hat sie mit ihrem Mann verbracht, aber der schrullige Mathematiker Epsilon ist tot. Die schüchterne Mathea ist nicht weniger schrullig als ihr verstorbener Mann und versucht jetzt die wenigen Möglichkeiten, die sie hat, zur vorsichtigen Kontaktaufnahme mit ihrer Umwelt zu nutzen. Da gibt es einen alten Spaziergänger, der sie regelmäßig nach der Uhrzeit fragt, ein Nachbarschaftsfest steht an und ein Bingo-Abend im Senior_innenzentrum. Aber so richtig glücklich kann Mathea ohne Epsilon einfach nicht sein. Epsilon ist so etwas wie Matheas fehlendes Puzzlestück und ohne ihn ist ihr Leben nicht mehr wie vorher: "Jetzt liege ich hier im Bett, bin das Gegenteil von ungeduldig und wünschte, ich könnte den kleinen Rest, der mir noch vom Leben bleibt, aufsparen, bis ich weiß, was ich damit anfangen soll. Aber das geht nicht, dafür müsste ich mich schon einfrieren, und wir haben nur eines dieser kleinen Gefrierfächer über dem Kühlschrank." (S.10) Epsilon war der beste Freund, den Mathea jemals hatte. Der Mathematiker, dessen einziges Hobby darin bestand, norwegische Statistikjahrbücher zu sammeln, starb am ersten Tag seines Ruhestandes. Kinder haben die beiden nie gehabt und beide machten dafür das gemeinsame Etagenbett verantwortlich. Wenn Mathea sich nicht an ihren Alltag mit Epsilon erinnert, strickt sie Ohrenwärmer, spricht in Reimen und schaut die Nachrichten mit Einar Lunde, den sie nicht sonderlich mag. Außerdem arbeitet sie an einer Erinnerungskiste, in der sie alle Dinge aufbewahrt, die sie als relevant empfindet, denn irgendetwas muss von ihr ja übrig bleiben, wenn sie tot ist: "Das Einzige, was mir einfällt, sind mein Name und mein Hobby. Also schreibe ich in ordentlichen Druckbuchstaben "I C H H E I S S E M A T H E A U N D B I N E I N S A M M L E R", und als ich meinen Satz lese, fällt mir auf, was herauskommt, wenn man die letzten vier Buchstaben streicht. Ob Epsilon das auch bemerkt hätte? Ich setze meinen Fingerabdruck darunter, wegen der DNA, und als genetisches I-Tüpfelchen niese ich einmal darauf. "(S.45) Regelmäßig scheitert sie daran, ein Marmeladenglas zu öffnen und kauft deswegen regelmäßig ein neues. Manchmal überlegt sie, "Fräulein Uhr" von der Zeitansage anzurufen und traut sich dann doch nicht, denn das Fräulein könnte am Ende noch eine Konkurrentin auf dem Gebiet der Zeitansage werden. Schließlich sagt Mathea jeden Tag dem Spaziergänger die Uhrzeit - auch wenn sie gar nicht weiß, wie spät es eigentlich ist. Und sie besucht den Friedhof, denn sie muss jetzt damit leben können, bald sterben zu müssen. Sie versucht immer wieder Kontakt zu anderen Menschen herzustellen, aber ihre Versuche sind nicht von Erfolg gekrönt. Sie ist einfach zu schüchtern und weiß nicht mehr, wie man Gespräche mit anderen Menschen beginnen kann. Trotzdem bereitet sie sich akribisch auf die Welt da draußen, außerhalb ihrer Wohnung vor. Denn vielleicht passiert doch noch etwas: "Ich muss in den Laden und Zucker kaufen, für den Fall, dass sich June mehr leihen will. Und ich würde lügen, wenn ich behauptete, dass ich nicht darauf hoffte, unterwegs dem Mann ohne Uhr zu begegnen. Bevor ich gehe, lege ich etwas Parfüm auf, diesmal begnüge ich mich mit einem Spritzer in der Gegend um die Kniekehlen und einigen Tropfen hinter dem Ohr. Und dann sprühe ich kurz in die Luft und gehe einmal durch die Wolke." (S.90) Das klingt auf den ersten Blick fürchterlich deprimierend, aber das stimmt nicht. Der Text ist witzig, skurril und mit einem tiefen Verständnis für seine Hauptfigur geschrieben, die sich nie besonders wohl unter Menschen gefühlt hat. Warum auch, Mathea hatte ihren Lieblingsmenschen ja gefunden. Weil Mathea niemanden kennen lernt, versucht sie wenigstens auf anderen Gebieten erfolgreich zu sein. Sie will in die Top-Ten der nachgefragtesten Norweger_innen und ruft deswegen mehrfach bei der Auskunft an und fragt mit verstellter Stimme nach ihrer eigenen Nummer. Epsilon hätte dafür Verständnis gehabt, denn er hat auch verstanden, warum Mathea lieber doch nicht den Putzjob haben wollte. Ohne Job konnte sie mehr Zeit mit Epsilon verbringen - zumindest in Gedanken. Kjersti A. Skomsvold erzählt in ihrem Debüt Je schneller ich gehe, desto kleiner bin ich auf knapp 140 Seiten nicht nur eine Liebes-, sondern auch eine Abschiedsgeschichte. Mathea nimmt nicht nur Abschied von Epsilon, sondern auch von ihrem eigenen Leben. Das ist manchmal traurig zu lesen, aber oft auch einfach nur wunderschön.

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  • Buchverlosung zu "Je schneller ich gehe, desto kleiner bin ich" von Kjersti A. Skomsvold

    Je schneller ich gehe, desto kleiner bin ich

    Federchen

    Diese Buchverlosung ist Teil des Weihnachtsmützen-Adventskalenders 2014. Den Hauptthread zum Kalender findet ihr hier. 1. Türchen der Weihnachtsmützen Zu Gewinnen gibt es ein Exemplar "Je schneller ich gehe, desto kleiner bin ich" von Kjersti A. Skomsvold erschienen im Dumont Buchverlag im Februar 2013. Das Buch wurde einmal gelesen, befindet sich aber in einem sehr guten Zustand. Klappentext: "Die fast hundertjährige Mathea Martinsen hat ihren geliebten Mann verloren. Für wen soll sie nach dem Tod des schrulligen Statistikers jetzt ihre Ohrenwärmer stricken? Mathea will es noch einmal wissen. Doch schon die Anläufe, wieder Kontakt zu anderen Menschen zu finden, gestalten sich schwieriger als gedacht..." Meine Rezension zum Buch findet ihr hier. Was müsst ihr tun, um das Buch zu gewinnen? Verratet mir doch bitte ob ihr einen Adventskalender habt? Wenn ja, was versteckte sich hinter dem ersten Türchen? Alle, die am 01. Dezember 2014 bis 24:00 Uhr nachfolgend einen Beitrag geschrieben haben und mir oben stehende Frage beantwortet haben, hüpfen in den Lostopf. Diese Buchverlosung ist für Teilnehmer aus Deutschland und Österreich zugelassen. Ich übernehme allerdings keine Garantie, dass das Buch schnell und vor allem sicher bei euch ankommt. Dafür ist allein das zustellende Versandunternehmen verantwortlich.

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  • Einsamkeit aufgrund emotionaler Defizite

    Je schneller ich gehe, desto kleiner bin ich

    Rosha

    22. July 2014 um 17:26

    Auf dem Umschlag der TB-Ausgabe steht folgende Aussage: "Eine Liebesgeschichte, wie sie schöner nicht sein könnte." Spiegel online Dieser Satz mag für viele Bücher passen, für dieses hier überhaupt nicht. Hauptfigur, aus deren Sicht (Ich-Persepektive, Präsens) erzählt wird, ist die fast 100-jährige Mathea. Sie ist ziemlich verschroben, wirkt etwas dumm und daraus resultierend komisch (weil sie alberne Dinge sagt und tut), was mit Sicherheit von der Autorin so beabsichtigt war. Matheas Verschrobenheit ist jedoch ab dann nicht mehr lustig, sobald man merkt, dass sie sich aus ihrer Unfähigkeit zu Sozialkontakten ergibt. Das Problem, nicht auf andere Menschen zugehen zu können, mit ihnen in normalem Maß zu interagieren, hat Mathea bereits als Kind. Einzig ihren zukünftigen Mann Niels, den sie nur Epsilon nennt, lässt sie in ihr Leben. Und leider ist er auch ihr Leben. Eine Bürde und auch ein Gefängnis für den Mann, der das tapfer trägt, denn er liebt seine Frau. Doch leicht ist es mit Sicherheit nicht. Das alles erfährt der Leser aus Rückblicken, die die Autorin sehr geschickt in den Handlungsverlauf einarbeitet. Normalerweise mag ich keine Rückblenden, aber hier bremsen sie die Erzählung nicht aus, sie präsentieren sich gleichwertig zum gegenwärtigen Erzählstrang. Die Gegenwart ist sehr ernüchternd: Epsilon ist tot und Mathea leidet unter ihrer Einsamkeit. Sie versucht Kontakte zu knüpfen, auszubrechen aus ihrem emotionalen Gefängnis. Dem Leser wird vorgeführt, wie armselig diese Frau ist, die von sich selbst behauptet, ihre beste Leistung im Leben ist das Anfangen einer neuen Klorolle, weil ihr das gelingt, ohne Risse ins Papier zu machen. Sie traut sich einfach nichts, bekommt schon Herzrasen, als ein Fremder sie nach der Uhrzeit fragt. Was hier gezeigt wird, ist keine amüsante alte Dame, die ihre Schrullen pflegt. Es ist eine Frau, die unter massiven, psychischen Defiziten leidet. Äußerst deprimierend. Dass ihr Mann dieses Leben an ihrer Seite ausgehalten hat, mag man vielleicht für die große Liebe halten. Ich sehe das nicht so romantisch. Der Mann hatte einfach Pflichtgefühl, denn er hat erkannt, dass seine Frau ohne ihn nicht lebensfähig ist. Ein Buch, das mich mit gemischten Gefühlen zurücklässt.

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  • Ein etwas anderer skandinavischer Roman

    Je schneller ich gehe, desto kleiner bin ich

    Pongokater

    04. September 2013 um 12:40

    Skomsvolds Romandebüt bietet nicht die in skandinavischer Literatur so häufige gesellschaftskritische Sicht. Ansatzpunkt scheint mir eher eine Reflexion über die existentiellen Bedingungen des Menschen zu sein. Das Beispiel dafür ist eine alte, gebrechliche allein lebende Frau, die in ihrem Kopf mit sich oder ihrem verstorbenen Partner spricht. Und in dieser Geschichte rettungslos verloren ist. Für mich etwas zu düster und sprachlich zu konstruiert.

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  • Einsamkeit.

    Je schneller ich gehe, desto kleiner bin ich

    annaaa

    07. August 2013 um 12:00

    Das ist das passendste Wort um dieses Buch zu beschreiben. Matheas Einsamkeit ist so groß, sie überschwemmt einen beim Lesen förmlich. Man ist traurig und hat Mitleid mit der Hauptperson, die einem manchmal ein bisschen verrückt erscheint, aber trotzdem ist das Buch sehr schön. Auf dem Cover steht eine Einschätzung von Spiegel online: "Eine Liebesgeschichte, wie sie schöner nicht sein könnte". Dem kann ich ehrlich gesagt nicht zustimmen, denn es ist meiner Meinung nach eher eine sehr sehr traurige Geschichte, in der es gar nicht um die Liebe geht, sondern um das Leben. Ich weiß nicht genau warum, aber ich finde dieses Buch umwerfend. Zitate: >> Epsilon sagt, dass es statistisch gesehen am wahrscheinlichsten ist, im Bett zu sterben. Vielleicht sollte ich aufstehen. << >> "Ich finde dieses Leben nicht besonders schön", sage ich und gehe dann einfach los. <<

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  • Ein Buch das berührt...

    Je schneller ich gehe, desto kleiner bin ich

    Federchen

    03. July 2013 um 14:29

    Mathea Martinsen ist einsam. Seit ihr Mann gestorben ist, weiß sie nichts mehr so rechtes mit sich anzufangen. Sie strickt Ohrenwärmer, aber weiß nicht für wen. Sie ist menschenscheu und würde doch so gern einen Platz in der Gemeinschaft einnehmen. Mathea ist fast 100 Jahre alt. Jeden Morgen liest sie die Todesanzeigen. Auch ihre Zeit nähert sich dem Ende, dass weiß sie und doch möchte sie, dass man sich an sie erinnert. Immer wieder versucht sie Kontakt zu anderen Menschen aufzunehmen und immer wieder geht etwas dabei schief.  "Je schneller ich gehe, desto kleiner bin ich" macht schon im Titel deutlich, das sich die Protagonistin am liebsten vor dem Leben verstecken möchte. Viel zu schmerzlich war der Verlust der geliebten Person an ihrer Seite. Mathea traut sich kaum aus ihrem Osloer Viertel heraus. Ihre Art ist beinah etwas schräg. Beim Lesen will man sie am liebsten einmal kurz schütteln und sie dann an die Hand nehmen und mit ihr weitergehen. Kjersti A. Skomsvold hat mit Mathea einen eher melancholischen Charakter erschaffen, der das Herz berührt. Auch wenn beim Lesen die Stimmung ab und an sehr drückend wird, so schafft es die Autorin auch immer wieder mit kurzem Situationshumor zu überzeugen. Sie braucht dafür auch keine lange Zeitspanne oder einen großen Handlungsradius, denn alles bleibt in Umkreis der Wohnung von Mathea. Die Sprache, die sie dabei benutzt, findet sich in einfachen Sätzen wieder, die manchmal sogar den Eindruck von Stichworten machen. Das wiederum gibt dem Plot die nötige Fahrt und macht das Buch beinahe zu einem Pageturner. Einzig das Thema Tod und Vergessen lässt den Leser ab und zu kurz innehalten. Da es sich bei "Je schneller ich gehe, desto kleiner bin ich" um das Debüt von Kjersti A. Skomvold handelt, bleibt zu hoffen, das weitere so tiefgründige Romane folgen werden. Ihr erster Roman ist eine Geschichte, die so tagtäglich vor unseren Augen abläuft, weil jeder auf Anonymität hofft und doch dadurch so einsam sein kann. Vielleicht ist dies der Roman, bei dem man über sein eigenes Leben und den Sinn darin nachdenken kann und sollte.

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  • Anrührend

    Je schneller ich gehe, desto kleiner bin ich

    Cerepra

    21. April 2013 um 11:36

    Ein wunderschönes, sanftes und rührendes Buch über die Liebe, Einsamkeit und Matheas Wunsch mehr zu sein, als die Summe ihrer Teile. 

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