Kjersti Annesdatter Skomsvold Je schneller ich gehe, desto kleiner bin ich

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Inhaltsangabe zu „Je schneller ich gehe, desto kleiner bin ich“ von Kjersti Annesdatter Skomsvold

Mathea Martinsen ist fast hundert Jahre alt, lebt am Stadtrand von Oslo und hat gerade ihren geliebten Mann verloren. Für wen soll sie nach dem Tod des schrulligen Statistikers jetzt ihre Ohrenwärmer stricken? Mit wem kann sie nun über das Leben philosophieren? Matheas Versuche, ins Leben zurückzufinden, rühren und amüsieren zu Tränen. "Ich wünschte, ich könnte den kleinen Rest vom Leben aufsparen, bis ich weiß, was ich damit anfangen soll. Aber das geht nicht, dafür müsste ich mich schon einfrieren, und wir haben nur eines dieser kleinen Gefrierfächer über dem Kühlschrank." Mathea Martinsen will ihre verbleibende Lebenszeit gut nutzen - aber wie? Schon die Teilnahme an einer Tombola im Seniorenzentrum misslingt, weil man prompt ihre eigene Jacke verlost. Und ist eine im Garten vergrabene Zeitkapsel mit ihrem Hochzeitskleid und selbstgestrickten Ohrenwärmern das richtige Mittel, ihr Andenken für die Nachwelt zu bewahren? Mit Humor und großer Zärtlichkeit zeichnet der Roman das Bild einer schüchternen alten Dame, die es noch einmal wissen will.

Wow, das klingt wirklich berührend! Ich möchte es wirklich gern mal lesen!

— XArtemisX
XArtemisX

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    Je schneller ich gehe, desto kleiner bin ich
    Lesebegeisterte

    Lesebegeisterte

    17. June 2017 um 09:07

    Das Thema Tot behandelt diesen Roman. Mathea verliert ihren Mann und beschrieben wird wie sie damit umgeht. Ich fand diesen Roman traurig, gefühlvoll und sehr bewegend.

  • Welche Bücher soll ich mir kaufen? Brauche Buchtipps!

    Daniliesing

    Daniliesing

    Hallo, ich tue mich aktuell sehr schwer mit meinen Büchern, die ich hier so habe und dabei sind das wirklich nicht wenig. Vielleicht brauche ich also mal was ganz neues, etwas, das mich wirklich überrascht und vielleicht nicht unbedingt das ist, was ich immer lese. Deshalb wollte ich euch nach Buchkauftipps fragen! Es wäre klasse, wenn ihr mir hier eure Lieblingsbücher nennt, die ich auf keinen Fall verpassen sollte. Es dürfen gern auch Geheimtipps sein, sowas mag ich ganz besonders :-) Es sind also solche Bücher gesucht, die euch richtig am Herzen liegen und die ihr am liebsten immer wieder empfehlen würdet. (Bitte keine Eigenwerbung von Autoren!) Wichtig dabei: ich sollte das Buch noch NICHT in meiner Bibliothek hier haben. Denn von den Büchern, die ihr mir hier empfehlt, möchte ich mir danach 3-5 kaufen und selbst schauen, wie ich sie finde. Natürlich werde ich berichten, für welche Bücher ich mich entscheide und hier verraten, wie sie mir gefallen haben. Jetzt bin ich ganz gespannt und dankbar für jeden Tipp! Eure Empfehlungen möchte ich bis einschließlich 18.5. sammeln und danach werde ich eine Entscheidung treffen und die Bücher kaufen. Dankeschön! Bisherige Vorschläge hänge ich mal an:

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  • Themen-Challenge 2014 - Bücher, deren Hauptfigur 10 Jahre jünger oder älter als ihr selbst ist

    Daniliesing

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    Dieses Thema gehört zur Themen-Challenge 2014:

    Hier könnt ihr euch über eure gelesenen Bücher zu Thema 20 austauschen!

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  • Kolumne: Belletristik ist tot, es lebe die Belletristik

    muchobooklove

    muchobooklove

    Roman-Kolumne August 2013 von Mareike: Genreliteratur, das sind die Hamburger unter den Büchern Liebe Leser, Was ist eigentlich Belletristik Le belle et le triste – das Schöne und das Traurige – hierin liegt der französische Ursprung des Wortes Belletristik, das heute nicht viel mehr als ein Mysterium zu sein scheint. Dabei umfasst es so viele Aspekte, ohne die Literatur gar nicht zu denken wäre. Werte, Emotionen und die Ästhetik der Sprache sind für mich die wichtigsten Parameter dessen. Natürlich kann man auch etwas unprätentiöser an die Sache herangehen und einfach von „Romanen“ im Allgemeinen sprechen, wie auch der Titel der Kategorie hier auf Lovelybooks lautet. Doch dann geraten wir gleich ein bisschen in die Bredouille, denn Krimis sind ja auch Romane sowie Fantasy-Bücher und Chick-Lit ebenfalls. Von Kriminalromanen, Thrillern, Fantasy, Young Adult Fiction, Chick-Lit und Romantasy Naja, das sind ja eigentlich alles eher Genres, werdet ihr jetzt im Stillen und ganz zu Recht denken. Aber was sind denn überhaupt Genres? Der Versuch, Bücher in Kategorien zu pressen einerseits, eine Strategie des Buchmarktes andererseits, so scheint es mir. Denn was ist das Schreiben für ein bestimmtes Genre eigentlich anderes als der Versuch, seine Zielgruppe besonders im Blick zu haben. Mit bösen Zungen gesprochen ist das die Garantie dafür, beim Veröffentlichungsprozess bereits einschätzen zu können, wer das Buch am Ende kaufen wird. Darum wird auch immer schnell ein neues Genre entworfen, wenn gerade eine innovative Art des Schreibens mit Erfolg belohnt wurde. Eine kleine Geschichte: Ich sitze mit zwei Freunden von mir, nennen wir sie Justus und Gabi, an einem sonnigen Tag wie diesem in einer Eisdiele. Justus ist gerade dabei, sich eine Karriere im Verlagswesen aufzubauen, Gabi hat Journalismus studiert und steht kurz vor dem Mutterschutz. Justus erzählt uns von einem neuen Projekt, von dem er gehört hat und das sich im Bereich „Romantasy“ bewegt. Darauf Gabi: „Romantasy, nie gehört“ Justus: „Das ist ein neues Genre, das sich irgendwo zwischen Romantic Fiction und Fantasy bewegt, so Vampire und so“ wir nicken einstimmig, denn nun ist uns allen klar, dass hier die Nachfolgen von Stephenie Meyers „Twilight“-Saga spürbar werden. Wieder einmal wird ein Markt bedient. Man möchte so schnell wie möglich dabei sein, bevor er übersättigt ist und ein neues Genre gefunden werden muss. Ich seh' den Wald vor lauter Bäumen nicht Damit wird nicht nur die gesamte Belletristik oder alle Romane in logische Kategorien unterteilt, sondern diese werden wieder unterteilt, bis die gesamte Kriminalliteratur in Detektivromane à la Sherlock Holmes, Polizeiromane wie Mankels Wallander, Thriller der Dan Browns dieser Erde und Splatter im Stile von Karin Slaughter zerfällt, und die Fantasy-Literatur in High Fantasy à la Tolkien, Romantasy wie "Twilight", Dark Fantasy der Stephen Kings und Konsorten, Dark Romance im Stile von Edgar Allen Poe und historisch anmutende Fantasy, z.B. von George R.R. Martin. Und bei all diesen spezifischen Genres frag' ich mich wieder, wo denn nun die Belletristik abgeblieben ist? Denn wenn ich ehrlich bin, dann möchte ich gar nicht immer Genreliteratur lesen. Manchmal erscheint sie mir zu sehr auf ihr Publikum zugeschrieben. Manchmal sehe ich die Zutatenliste, die Autoren und Verlagen im Kopf herumgeschwirrt haben mag, zu deutlich vor mir. Aha, denke ich, hier ist ein bisschen Detektivroman mit den Zutaten verschrobener Ermittler aus zerrütteten Familienverhältnissen, hochintelligenter Täter, der eigentlich nur mit dem Ermittler spielen will, Frau oder wahlweise Kinder oder beides des Detektivs, die plötzlich in den Fall hineingezogen werden, gemischt worden, das Ganze wurde mit einem Hauch arktischer Kälte und einem leichten Hang zur Alkoholabhängigkeit garniert und schon war der skandinavische Kriminalroman in Anlehnung an Henning Mankell, Jo Nesbø oder Arnaldur Indridason fertig. Ich weiß ja, dass die meisten Schriftsteller mit viel Herzblut an ihr Werk herangehen, aber ich frage mich dennoch, woher dieser Hang zum an Fast-Food erinnerndem Literatur-Rezept kommen mag. Möchte denn niemand heute mehr eigene Gourmet-Kreationen entwerfen? Ist die Angst vor dem Scheitern so groß? Mehr Belletristik braucht das Land Ich sag es ganz offen – Ich mag Fastfood. Ein schöner Burger ab und zu ist ein herrliches Vergnügen, ebenso wie ein Krimi mit den oben von mir erwähnten Zutaten wunderbar sein kann. Aber irgendwie wünsche ich mir trotzdem öfter, mit Gourmet-Kreationen verwöhnt zu werden. Ich möchte Schriftsteller haben, die schreiben, weil sie damit das Schöne und das Traurige ausdrücken wollen, weil sie das Gute und das Böse im Menschen zeigen wollen und zwar ohne sich vorher zu überlegen, ob es dafür ein Publikum geben mag. Autoren, die der Wahrheit auf den Grund gehen mögen und mich damit überraschen, wie zum Beispiel Column McCann dies vor einigen Jahren mit „Der Tänzer“ getan hat oder Romane, die einen mit ernsten Themen zum Lachen bringen können wie Matt Ruff mit „Ich und die anderen“, Bücher, die unvergessen bleiben, weil sie anders sind, so wie auch Aravind Adigas „weißer Tiger“ oder Hermann Kochs „angerichtet“, um mal zwei jüngere Beispiele der Literatur zu nennen. Und wenn ihr es euch doch lieber überlegen und kein Risiko eingehen wollt, so rufe ich euch hiermit zu, liebe Autoren, liebe Verleger: Es gibt uns noch, uns Leser, die gerne einmal bis zum Äußersten getrieben werden möchten, die lachen und weinen wollen, die beim Lesen nicht mit Genrestrategien überrascht werden wollen, sondern mit richtig guten Geschichten, mit richtigen 5 Sterne Menüs, wie sie eben nur die immer weniger zu findende Belletristik für uns bereithält! Ja, das rufe ich laut und hinter vorgehaltener Hand wende ich mich fast gleichzeitig zu euch Lesern da draußen und frage euch leiser: Es gibt uns doch noch, die Belletristik-Leser, oder?

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    • 37
  • Rezension zu "Je schneller ich gehe, desto kleiner bin ich" von Kjersti Annesdatter Skomsvold

    Je schneller ich gehe, desto kleiner bin ich
    Daphne1962

    Daphne1962

    Ein wundervoller Debütroman einer jungen norwegischen Schriftstellerin. Das wäre ein Roman, für die Aktion „wir lesen Debütautoren“. Dieses kurzweilige Buch über die alte Mathea Martinsen, die am Standtrand von Oslo lebt und gerade ihren Mann verloren hat, erinnert mich ein wenig an „Elling“ von Ambjörnssen. Mathea ist alt, arm und einsam, auch sehr schrullig und scheut sich unter Menschen zu gehen. Lässt aber nichts unversucht Kontakte zu knüpfen. Allerdings erschrickt sie es eher, wenn jemand mit ihr spricht, dass sie gleich die Flucht antritt. So lebt sie dort in ihrer Wohnung mit ihrem Strickzeug und dem Fernseher und philosophiert über Epsilon, als wäre er noch gegenwärtig. Ihr ganzes Leben hat sie mit ihrem Mann verbracht, auf ihn gewartet und ihm Ohrwärmer gestrickt. Sie hat keine Kinder, keine Arbeit, keine Freunde. Nun, da Epsilon nicht mehr da ist, hält sie das Leben nicht mehr für lebenswert, sie will sterben. Sie hofft, das der Tod sie nicht übersieht, wie sonst alle Menschen, denen sie begegnet. Sehr anrührend liest sich diese Geschichte von der alleine gebliebenen Mathea, wie sie sogar bei der Auskunft nach ihrer eigenen Telefonnummer fragt. „Manchmal schlafe ich und wache davon auf, dass das Telefon klingelt. Ich traue mich nicht, ranzugehen, aber Epsilon sagt, ich muss, denn es könnte wichtig sein. Doch dann stellt sicher heraus, dass ich es nur geträumt habe.“ Kjersti A. Skomsvold schreibt in kurzen und knappen Sätzen, man muss sich schon über einiges Gedanken machen, da vieles unvollendet ist. Aber gerade das macht das Buch aus, man liest es intensiver. Ein lohnenswertes Buch.

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    • 3
    LiesaB

    LiesaB

    05. February 2012 um 10:27
  • Rezension zu "Je schneller ich gehe, desto kleiner bin ich" von Kjersti Annesdatter Skomsvold

    Je schneller ich gehe, desto kleiner bin ich
    Bellami

    Bellami

     

    • 2
  • Rezension zu "Je schneller ich gehe, desto kleiner bin ich" von Kjersti Annesdatter Skomsvold

    Je schneller ich gehe, desto kleiner bin ich
    gottagivethemhope

    gottagivethemhope

    28. November 2011 um 10:39

    Sollte ich dieses kleine und doch so große Buch mit einem Wort beschreiben, wäre das sehr einfach: Einsamkeit. Mathea Martinsen ist so einsam, wie ein Mensch nur sein kann. Ihr ganzes Leben hat sie an der Seite ihres Mannes Epsilon verbracht; sich verzweifelt an ihn geklammert und doch hat es nicht gereicht. Denn Epsilon ist tot und mit ihm starb Matheas ganzes Leben. Keine Kinder, keine Freunde, nichts. Ausschließlich auf ihren Mann fixiert hat sich ihr Leben zum allergrößten Teil nur in den eigenen vier Wänden abgespielt. Wie soll es nun weitergehen? Wird sie die Isolation ertragen können, bis sie schließlich selbst diese Welt verlässt? Will sie das überhaupt? Und wenn ja: wie?! Kjersti A. Skomsvold legt mit “Je schneller ich gehe, desto kleiner bin ich” ein Debut vor, das mich wirklich kalt erwischt hat. Entgegen des Klappentextes konnte ich nur wenig von einer “schüchternen alten Dame, die es noch einmal wissen will” erkennen. Stattdessen erlebte ich mit Mathea, was es aus einem Menschen machen kann, wenn er sein Leben lang übersehen wird; wenn er für andere gar nicht existent zu sein scheint. Zurückgezogen und fast schon krankhaft darauf bedacht, niemandem zur Last zu fallen oder gar peinlich zu sein, ist Epsilon ihr einziger Bezugspunkt nach außen, zum Leben außerhalb der gemeinsamen Wohnung. In Rückblicken erzählt die Ich-Erzählerin von Epsilon, von ihrem Kennenlernen, ihrer Ehe und den letzten gemeinsamen Jahren. Diese Erinnerungen sind das einzige, das Mathea noch halten kann und sie scheint sich dem nur zu klar bewusst zu sein. Beinahe schmerzhaft erlebt der Leser mit, wie sie versucht sich aufzuraffen um doch noch etwas aus dem verbliebenen Rest ihres Lebens herauszuholen. So füllt sie eine Zeitkapsel mit geliebten Erinnerungen und Dingen, von denen sie glaubt, dass sie etwas über sie aussagen und sie überwindet sich schließlich doch, den Seniorentreff zu besuchen und auch, wenn man an der ein oder anderen Stelle fast über Matheas Unvermögen, die alltäglichsten Dinge zu erledigen hätte lachen können, so blieb mir dieses Lachen auch ziemlich oft im Hals stecken. In beinahe jedem der sprachlich wirklich großartigen Sätze, sticht vor allem Matheas unfassbare Einsamkeit hervor; wirkliche Hoffnung habe ich nicht herauslesen können. Ich gebe zu, ich lese nicht gerne Bücher mit nur so wenigen Seiten und in der Regel werde ich eher enttäuscht, wenn ich es doch tue. Aber Kjersti A. Skomsvold hat es tatsächlich geschafft, auf nur 144 Seiten so eine dichte, berührende und erschreckende Geschichte zu erzählen, dass ich viel mehr Seiten wohl auch eher nicht hätte ertragen können. 5 Sterne für einen Roman, der uns aufgibt, ein wenig mehr darauf zu achten, ob und wen wir tagtäglich einfach übersehen. Zitate: Es ist ein Selbstbetrug zu glauben, dass man nicht einsam sein kann, nur weil man beschäftigt ist, aber das wichtigste ist, dass niemand anders glaubt, man wäre einsam. (Seite 74) Es ist eine gute Sache, jemanden zu haben, der wach ist, während man schläft. (Seite 108) (…) ich habe gelesen, dass man als Weltraumreisender bei seiner Rückkehr jünger ist, als man es wäre, wenn man auf der Erde geblieben wäre, denn Zeit ist relativ. Ein Tag mit Epsilon ist beispielsweise nicht dasselbe wie ein Tag ohne ihn. (Seite 109) June kam als ganzer Mann von der Armee zurück. Er konnte sein Bett machen und einen Menschen erschießen, das sah ich ihm an. (Seite 121) http://gottagivethembooks.wordpress.com

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  • Rezension zu "Je schneller ich gehe, desto kleiner bin ich" von Kjersti Annesdatter Skomsvold

    Je schneller ich gehe, desto kleiner bin ich
    rallus

    rallus

    15. November 2011 um 12:55

    Mathea Martinsen ist eine einsame alte Frau. Wäre sie nicht verheiratet würde sie weder Ohrwärmer stricken noch auch nur mit einem Menschen reden. Sie scheut sich vor Kontakten mit anderen Menschen, sie will sie nicht. Kommt es dann doch mal zu einem Dialog, so wird einander vorbei geredet. Dieses traurige Leben erfüllt sie denoch zwar nicht mit Freude, aber sie hegt weder Hass noch Hader. Überhaupt ist sie eine "durchscheinende" Person, nie wird sie in der Schule bei der Anwesenheit aufgerufen, noch bei der Zeugnisvergabe. Man erfährt in der 142 Seiten fassenden Novelle der jungen Norwegerin nicht viel über ihre Kindheit oder ihre Wünsche, Träume. Es gibt schlichtweg nichts zu berichten, Mathea reicht es einfach da zu sein an der Seite von Epsilon, ihrem Mann, anwesend zu sein. Dabei ist es viel mehr das Ungesagte was so schmerzlich für den Leser ist. Bis zum Schluss wird er einfach nicht mit Trost erlöst. Wie kann ein Mensch so lange im Nichts leben, sich genügsam im Leben eines einzig anderen begnügen. Ist es dies, ein Abgesang an unsere schnelle Gesellschaft, wo Bücher brutaler, blutiger und mit vielen Toten geschmückt sein müssen, um mit einschneidenden Wörtern wie "Verdamnis", "Erlösung", "Augensammler" plakativ im Buchstapel gleich hinter der Eingangstür platziert, den Leser zum Mitmachen im schnellen rennen um den blutigsten Kick zu verführen. Schon der Titel regt zum Nachdenken an - und ja je schneller ich werde in dieser Gesellschaft, desto kleiner werde ich - eine Novelle zum Innehalten, zum Nachdenken, entgegen der Hybris dieser Tage. Für mich ist es schwierig hier eine Bewertung vorzunehmen, ist Mathea durchscheinend so ist es auch dieser Roman. Ist dies nun die perfekte Synthese zwischen der Hauptfigur und dem geschriebenen Wort, oder findet die Autorin nicht stärkere, bindendere Worte - ja will sie keine finden - für den Leser? Ein irritierendes und trauriges Buch was vorraussichtlich in der jetzigen Bücherwelt untergehen wird, für mich transparente 5 Sterne.

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  • Rezension zu "Je schneller ich gehe, desto kleiner bin ich" von Kjersti Annesdatter Skomsvold

    Je schneller ich gehe, desto kleiner bin ich
    steffchen3010

    steffchen3010

    09. November 2011 um 12:06

    ~°..Eine alte Dame auf den Irrwegen des Lebens..°~ - Mathea Martinsen ist eine schrullige alte Frau. Nach dem Tod ihres Mannes Epsilon lebt sie alleine am Stadtrand von Oslo. Sie ist eine Eigenbrötlerin und schüchtern, ja nahezu menschenscheu. Ihr Leben orientierte sich an Epsilon. Jetzt, wo er nicht mehr da ist, weiß sie nichts mit sich anzufangen. Wem soll sie nun Ohrenwärmer stricken und kleine Briefe zustecken? Wer hört ihr nun zu und wen interessiert es eigentlich, dass sie da ist? Kinder hat sie keine. Auch keine Haustiere – zumindest nicht mehr. Für wen lohnt es sich weiterleben? Sie strauchelt, sie grübelt und sie findet neuen Mut. Ein Leben zu leben – ohne Epsilon. Ein Leben, in dem sie selbst im Mittelpunkt steht. Matheas Leben. ~°..Mein Fazit..°~ - Das Buch ist stellenweise wirklich komisch und dann wieder sehr nachdenklich. Der Mix aus beidem macht die Geschichte sehr abwechslungsreich und lässt die niedlichen 142 Seiten ohne Probleme in einem Rutsch weglesen. Der Stil der Autorin gefiel mir insgesamt sehr gut, auch wenn ich anfangs meine Zeit brauchte um mit ihm warm zu werden. Denn sie erzählt die Geschichte aus Matheas Sicht. Die Sicht einer schrulligen alten Dame, die auf die 100 Jahre zugeht und Angst davor hat, unter die Leute zu gehen. Die sich vor Situationen versteckt, in denen sie mit anderen reden muss; Angst hat, nach dem Tod ihres Mannes Epsilon weiterzuleben; Angst hat, alleine zu sein. Skomsvold gelang mit Je schneller ich gehe desto kleiner bin ich eine derart authentische Geschichte, dass Mathea lebendig erschien. Es kam mir fast vor, als stehe sie direkt neben mir. In greifbarer Nähe und nur einen Atemhauch von mir entfernt stand sie am Regal im Supermarkt und griff wieder zu einem Marmeladenglas, das sie alleine nicht öffnen kann. Dass sich zuhause an das von letzter Woche reiht, und an das von der Woche davor, und der Woche davor. Bis es Marmelade in der Tube gibt. Mit dieser Empathie hat mich Skomsvold gekriegt. Sie hat mich überzeugt. Denn ich finde es bemerkenswert, dass eine gerade mal 33-jährige Frau sich derart in einen alten Menschen hineinversetzen kann. Ob persönliche Erfahrungen miteinflossen? Wie gelingt einem das sonst? „Ich wünschte, ich könnte den kleinen Rest vom Leben aufsparen, bis ich weiß, was ich damit anfangen soll. Aber das geht nicht, dafür müsste ich mich schon einfrieren, und wir haben nur eines dieser kleinen Gefrierfächer im Kühlschrank.“ (Zitat, Seite 10) Matheas Gedanken sind manchmal unheimlich witzig. Sie ließen mich an vielen Stellen laut auflachen und die Stelle erneut lesen, weil ich sie so lustig fand. Doch neben den heiteren Passagen traf ich auch auf schockiernede Zeilen. Zeilen, die mich beängstigend und mir Respekt vor dem Älterwerden schenkten. Die mir die Welt eines Menschen zeigten, der den größten Teil seines Lebens eben nun schon hinter sich hat. Eines Mensch, dessen Körper schwach wird, dessen Gedanken verstreut sind und der langsam aber sicher die Orientierung verliert. Ich verspürte Mitleid mit Mathea. Wollte ihr helfen wieder neuen Mut zu fassen. Sie an die Hand nehmen und ihr den richtigen Weg zu zeigen. Einen Weg, der ihr mühsam schien. So unendlich mühsam. „Der Zahn steckt mitten in der Gurke. Mit Blutgeschmack im Mund starre ich perplex auf das, was aussieht wie eine Waffe zum Töten von Robben. Ich ziehe den Zahn heraus und versuche, ihn dort wieder hineinzustecken, wo er einmal herauswuchs, doch er will nicht länger passen, es scheint, als habe er Großstadtluft geschnuppert und könnte nicht in sein Heimatdorf zurückkehren: „Hier ist es mir zu beengt.“" (Zitat, Seite 66/67) Eines Tages beschließt Mathea eine Zeitkapsel zu vergraben. Sie will der Nachwelt ein Andenken überlassen. Ein Stück von ihr Selbst. Und mit diesem Vorhaben schöpft sie neue Hoffnung und Lebensmut. Getreu dem Motto von H.C. Andersen "Das Leben gewinnt nur durch das Handeln an Bedeutung." sprüht Mathea bald vor Lebendigkeit. Die deutsche Übersetzung des Romans hat manchmal ein paar Schwächen, was zur Folge hat, dass sich mir nicht jeder Gedanke in seiner vollkommenen Bedeutung erschließt. Teilweise gibt es Sätze die bis über 4 Zeilen gehen und von einer derartig hohen Anzahl Kommata getrennt sind, dass es mir schwerfällt, meine Konzentration auf den Kernpunkt des Satzes zu lenken. Bei den wirren Gedanken einer fast 100-jährigen Frau fällt dieser Aspekt einfach mehr ins Gewicht, als bei anderen Geschichten, weshalb ich Je schneller ich gehe desto kleiner bin ich 4 von 5 möglichen selbstgestrickten Ohrenwärmern schenke.

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  • Rezension zu "Je schneller ich gehe, desto kleiner bin ich" von Kjersti Annesdatter Skomsvold

    Je schneller ich gehe, desto kleiner bin ich
    goldfisch

    goldfisch

    18. September 2011 um 17:21

    Dieses Buch ist einfach wunderbar. Wie hat es diese junge Autorin nur geschafft, sich in die alte Mathea Martinsen hineinzudenken? Matheas Mann Epsilon ist tot. Epsilon war ihr Leben. Bereits als Kinder haben sie sich getroffen. Ein ganzes Leben haben sie Seite an Seite verbracht. Mathea hat sich um den Haushalt gekümmert.Epsilon ist arbeiten gegangen.Nun ist Mathea alleine und einsam.Für wen soll sie nun die Ohrwärmer stricken ? Wie bekommt sie die Marmeladengläser auf.Sie mag kaum noch das Haus verlassen. Dieses Büchlein hat wunderbare Sätze, über die man beim Lesen stolpert. So z.B....."aber am Ende möchte ich damit leben können,sterben zu müssen" Eine wirklich wunderbare, lesenswerte Herbstlektüre.

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  • Rezension zu "Je schneller ich gehe, desto kleiner bin ich" von Kjersti Annesdatter Skomsvold

    Je schneller ich gehe, desto kleiner bin ich
    Alienor

    Alienor

    04. September 2011 um 20:20

    Ein Buch, das mich etwas zwiegespalten zurückgelassen hat... Die Schreibweise dieses Debüts ist wirklich großartig, ein sehr intensiver Einblick in eine einsame und verschrobene Seele. Mathea ist ein alte Dame, die niemals in in ihrem Leben andere Kontakte gehabt zu haben scheint, als ihren Mann Epsilon, mit dem sie eine äußerst liebevolle Ehe geführt hat. Nun ist er tot, eine Tatsache, die mir nicht bekannt war, da ich den Klappentext nicht gelesen hatte-und so dauerte es eine ganze Weile, bis mir klar wurde, wer dieser Epsilon überhaupt ist, und dass Mathea von ihrer gemeinsamen Zeit in Rückblenden erzählt (denn leider wurde hier nicht immer konsequent die Vergangenheitsform gewählt-vielleicht ein Fehler in der Übersetzung? ich fand's extrem verwirrend...). Mathea ist nun völlig alleine und versucht irgendwie, mit dem Leben zurechtzukommen. Niemand mehr, dem sie abends von ihrem nicht wirklich spannenden Leben berichten könnte, niemand mehr, der ihr die Marmeladengläser öffnen könnte. Vor allem macht ihr zu schaffen, dass ihr Tod niemandem etwas bedeuten würde. Sie versucht zaghaft, wieder Kontakt zu knüpfen, geht zu einem Seniorentreffen ohne wirklich mit jemandem zu sprechen, fragt den Mann, der ihr beim Einkaufen immer am Straßenrand begegnet, nach seinem Namen (ihr größter Erfolg). Am Ende aber scheint die Einsamkeit sie zu besiegen... Wie gesagt war die Schreibweise großartig, wenn ich auch stellenweise verwirrt war. Jedoch ist mir Mathea gründlich auf die Nerven gegangen: So schüchtern und sozialphobisch kann man eigentlich kaum sein und ihre Gedankengänge waren teilweise auch mehr als seltsam. Sie tut einem auf der einen Seite sehr sehr leid, auf der anderen muss man sich wundern, warum sie scheinbar viele Jahre lang nie etwas mit anderen Menschen zu tun haben wollte und selbst ihren Mann am liebsten für immer in Beschlag genommen und zu Hause gehalten hätte? Von daher dann doch "nur" vier Punkte.

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    Je schneller ich gehe, desto kleiner bin ich
    Sarlascht

    Sarlascht

    30. August 2011 um 08:23

    Für Mathea war ihr geliebter Mann Epsilon alles, was sie für ein glückliches Leben brauchte. Soziale Kontakte hatte sie kaum, ihr Mann reichte ihr, wer denkt auch daran, dass sich an dieser Situation einmal etwas ändern könnte. Zum Leben gehört jedoch auch der Tod und Mathea muss erfahren, wie das Leben ist, wenn man niemanden mehr hat, mit dem man es teilen kann. Ihre Gedanken schweifen in die Vergangenheit, zu der Zeit als Leben noch lebenswert war, in der Gegenwart liegt sie im Bett und überlegt, wie lange die Menschen wohl brauchen würden, um sie zu finden, wenn sie tot in ihrer Wohnung liegt. Würden sich die Nachbarn nur eines Tages über einen widerlichen Gestank aufregen, dadurch durch Zufall ihren Leichnam entdecken? . Ganz aufgeben möchte sie jedoch nicht, noch ist etwas Hoffnung in ihr, weshalb sie sich auf den Weg zu Nachbarschaftsversammlungen und Seniorentreffen macht, auch wenn es ihr innerlich wiederstrebt, dort aufzutauchen. Werden ihre Unternehmungen von Erfolg gekrönt, oder bleibt von einem Menschen wirklich nichts übrig, wenn man niemanden hat, der an einen denkt? . „Je schneller ich gehe, desto kleiner bin ich“ ist der gelungene Debütroman von Kjersti A. Skomsvold und handelt darum, wie das Leben weitergehen soll, wenn der einzige soziale Kontakt wegbricht, denn man noch in seinem Leben hat. Mathea ist eine liebenswürdige alte Dame, die niemanden zur Last fallen möchte und deshalb versucht, so unauffällig wie möglich zu leben. Es gelingt ihr leider auch, was als Konsequenz hat, dass sie von gar niemanden mehr beachtet wird. Im Buch schwankt sie immer wieder zwischen den Erinnerungen an ihren Mann Epsilon und der derzeitigen, von Einsamkeit geprägten, Situation hin und her. Ihre Beziehung zu ihrem Mann, war voller Wärme, auch wenn keiner der beiden es direkt zeigen kann, so liest man doch in jedem Wort eine tiefe Verbundenheit zwischen ihnen. Ihre Lage ohne Epsilon gleite jedoch nie in selbstmitleidiges Gerede ab, sondern ist oft einfach nur amüsant zu lesen, ganz gleich, wie schwer das Thema wiegt. . Der Autorin gelingt etwas Wunderbares: Sie verpackt eine traurige Geschichte in Humor, was eine Gefühlsexplosion beim lesen auslöst und das zu schaffen, ist eine wahre Meisterleistung. Nach dem lesen wünschte ich mir, das Buch hätte mehr Seiten gehabt, einfach mehr Mathea, wobei ich mir jetzt nicht mehr sicher bin, ob nicht 144 Seiten genau richtig sind, um diese wahnsinnige Intensität an Gefühlen zu erzeugen, mehr irgendwie nur ein Gerede um den heißen Brei gewesen wäre. . Fazit: Dieses Buch wird es sicherlich in die Top 3 meines Jahres 2011 schaffen, weil es die wahre Geschichte, vieler Menschen erzählt. Wie oft liest man in der Zeitung: Leiche nach 8 Jahren in Wohnung gefunden? Man fragt sich, wie geht so etwas? Es geht durch die Blindheit der Menschen füreinander, dieses Buch weckt auf und schärft die Wahrnehmung. Kein Mensch sollte jemals unsichtbar werden.

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    Je schneller ich gehe, desto kleiner bin ich
    Ailis

    Ailis

    19. August 2011 um 16:11

    Epsilon war alles, was Mathea hatte und nun ist er nicht mehr da. Wie soll sie nun leben ohne ihren Mann, der doch ihr ganzes Leben war? Und für Mathea ist diese Aussage kein romantisches Gerede, denn außer Epsilon gab es wirklich niemanden, da Mathea ihr Leben zurückgezogen in der eigenen Wohnung verbracht hat, nur unterbrochen durch kurze Einkäufe oder kleine Ausflüge mit ihrem Mann. Jetzt wo sie alleine ist, denkt sie viel über das Sterben nach und darüber, was ein Mensch nach seinem Tod zurücklässt und dabei wird ihr klar, dass von ihr nicht viel bleiben wird. Schon als Kind wurde sie von den Lehrern übersehen und gar nicht wahrgenommen: sie war immer da, doch am Ende hatten sie nicht mal ein Abschlusszeugnis für sie. Einzig Epsilon nahm sie wahr und so lebten sie ihr kleines Leben: Epsilon ging arbeiten und nahm so gut er konnte am Leben draußen teil, während Mathea daheim blieb und Ohrenwärmer für ihren Mann strickte. Doch vor ihrem Tod möchte Mathea etwas tun, was Erinnerungen schafft: sie vergräbt eine Zeitkapsel, sie spricht einen Mann auf dem Weg zum Einkaufen an, sie fragt bei der Auskunft nach ihrem eigenen Namen. Kleine Dinge für uns, große für Mathea. Matheas Denken hat viel Drolliges, doch hat mich beim Lesen weniger ein großes Schmunzeln begleitet als vielmehr eine tiefe Traurigkeit. Darüber, dass Mathea in ihrer Schüchternheit so isoliert ist und ihren Mann ebenfalls in diese Isolation zwingt. Zwar hat er seine Arbeit und zaghafte Kontakte zu den Kollegen, doch fragt Mathea schon seit seinem allerersten Arbeitstag, wann er denn endlich in Pension gehen wird. Mit einer Frau, die das Haus nur selten verlässt und die es schon Überwindung kostet, einem anderen Menschen nur einen einfachen Gruß zuzurufen, hat er es wirklich nicht leicht und die meiste Zeit tat er mir einfach nur leid. Viele Kommentare oder Presseberichte zu diesem Buch nennen Mathea eine rührende alte Dame, doch ich kann das einfach nicht empfinden. Das ist nicht rührend, eher ist es erschütternd. Die alte Dame beginnt viel zu spät zu kämpfen, das hat mich sehr traurig gemacht. Doch auch wenn ich das Buch scheinbar anders lese als viele Leser, so hat mir die Lektüre dennoch gefallen. Sie spricht andere Dinge in mir an und ruft Reaktionen hervor, die sich von anderen unterscheiden, aber das macht den Roman nicht zu einem schlechten Buch. Im Gegenteil, so handelt es sich bei "Je schneller ich gehe, desto kleiner bin ich" um ein Debüt einer jungen norwegischen Autorin, das sehr zum Nachdenken anregt - ein Wesenszug, den ich an solchen Büchern sehr zu schätzen weiß.

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    Je schneller ich gehe, desto kleiner bin ich
    Gospelsinger

    Gospelsinger

    17. August 2011 um 20:27

    „Man darf nicht stillstehen, sonst endet man irgendwann im Winterschlaf, und bevor man es überhaupt bemerkt hat, ist einem das Leben zwischen den Fingern hindurchgeglitten.“ Genau das ist Mathea Martinsen passiert. Sie ist fast hundert Jahre alt, ihr Mann Epsilon ist gestorben, und jetzt wartet sie auf den Tod, obwohl sie eigentlich gar nicht richtig gelebt hat. Kontakt hatte sie nur zu ihrem Mann. Keine Arbeit, keine Kinder, keine Freunde, keine Abwechslung außer den wechselnden Nachrichtensprechern und den verschiedenen Farben der Ohrwärmer, die sie für ihren Mann gestrickt hat. Das war alles. Soll das alles gewesen sein? Mathea versucht, wieder Kontakt zu den Menschen zu bekommen, aber wird ihr das nach so langer Zeit gelingen? Schon wieder Literatur aus Norwegen, und schon wieder so ein tolles Buch. Erst vor kurzem habe ich meinen ersten Roman eines norwegischen Autors gelesen, Sterben von Karl Ove Knausgård, und war völlig begeistert. Nun also das Debüt von Kjersti A. Skomsvold, und erneut bin ich erstaunt über die Intensität, mit der geschrieben wird. Skomsvold schreibt schon fast stichwortartig kurz, vieles wird nur angedeutet und muss beim Lesen selbst erschlossen werden. Trotzdem oder gerade deshalb geht das Buch sehr in die Tiefe, regt zum Nachdenken an und lässt einen nicht so schnell los. Fast schon zärtlich geht Skomsvold mit ihrer Hauptperson um, die so unfähig zu einem normalen Leben und so herzzerreißend einsam ist. Mich hat dieses Buch sehr berührt. Bleibt zu hoffen, dass noch viele Leserinnen und Leser die skandinavische Literatur jenseits der Krimis und Thriller für sich entdecken. Es lohnt sich!

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  • Rezension zu "Je schneller ich gehe, desto kleiner bin ich" von Kjersti Annesdatter Skomsvold

    Je schneller ich gehe, desto kleiner bin ich
    Greta

    Greta

    06. June 2011 um 22:09

    ein buch über eine frau, die alt wird und untherapiert stirbt. ein buch über ein fossil also, man möchte geräuschlos jubeln, was für eine niedliche idee! ein buch über eine fossile oma, die untherapiert stirbt! das erinnert mich an meine. das erinnert an alle großeltern, die noch das recht besaßen, ein halbes jahrhundert leise und ohne schlechtes gewissen mit derselben kücheneinrichtung und einem einzigen menschen zusammenzuleben. abends haben sie die hände in den schoß gelegt und waren dennoch nicht untätig, sie sind nie verreist und kein einziges mal umgezogen. sie waren bäume. ihre kleinen traurigkeiten haben sie runtergeschluckt, bevor sie geschmäcker wurden. sie waren, manchmal, eben ein leben lang schüchtern, niemand hat es ihnen verübelt. . die autorin breitet die geschichte so behutsam aus, dass man zunächst gar nicht bemerkt, wie fantastisch das alles ist. nach 50 seiten muss man zurück blättern um nochmal zu lesen, diesmal aber mit habichtaugen. damit man nichts versäumt, von der geschichte nicht und nichts von den einzelheiten. . vereinzelte einzelheiten: mathea ist alt geworden neben ihrem mann, den sie liebevoll epsilon nennt. epsilon liebt das statistische jahrbuch, mathea liebt epsilon dafür, dass er sie erwählt hat, damals, auf dem schulhof, als sie zweimal hintereinander vom blitz getroffen wurde, vor epsilons augen, der, zu wahrscheinlichkeitsrechnungen angeregt, sich plötzlich interessierte. eine heirat, eine wohnung, sterbende hunde, aber kein kind. mathea hat keine interessen, sie verlässt kaum je die wohnung. sie ruft gern "fräulein uhr" an, die zeitansage. selbst nach der uhrzeit gefragt sagt sie einmal "heute ist es auch halb zehn". sie trägt ein schwarzes kleid- "dasselbe wie an allen anderen tagen. gestern war es besonders schwarz." nachbarschaftsinitiativen verunsichern sie, sie schmiert in der küche zwar dutzende brötchen, traut sich dann aber doch nicht in den garten, in dem alle gemeinschaftlich würstchen essen. ein versammelter trägt ein tshirt mit der aufschrift "hausmeister leif"- sie fragt sich, ob das nun der neue hausmeister oder bloß ein bewunderer ist. im supermarkt wünscht sie sich, den kassierer zu fragen, ob er ihr das marmeladenglas öffnen kann, traut sich dann doch nicht. ihr mann erzählt abends von der arbeit (gut. nichts besonderes), sie erzählt von ihrem tag: eine babyschlange im bad entpuppte sich als wollmaus. und dann stirbt ihr mann. . und dann ein ende, von dem keiner weiß. das ist völlig ausreichend. fünf sterne.

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