Klára Hůrková

 5 Sterne bei 2 Bewertungen

Lebenslauf von Klára Hůrková

Klára Hůrková wurde 1962 in Prag geboren und lebt in Aachen. Sie studierte Philosophie in Prag, später Anglistik und Kunstgeschichte in Aachen und Norwich und promovierte an der RWTH Aachen. Sie schreibt Lyrik und Prosa und übersetzt tschechische und deutsche Gegenwartslyrik. In deutscher Sprache veröffentlichte sie acht Gedichtsammlungen, zuletzt Der offene Raum – Otevřený prostor, Edition Thaleia, St. Ingbert 2017, und eine Sammlung mit Kurzprosa, Inseln und andere Skizzen, Edition Thaleia, St. Ingbert 2019. Außerdem gab sie drei deutsch-tschechische Lyrik-Anthologien heraus. Ihre Gedichte wurden in mehrere Sprachen übersetzt und erhielten Aus-zeichnungen, u.a. den Publikumspreis beim Wiener Werkstattpreis 2013, den Preis für politische Lyrik 2017 (2. Sieger, mit M. Littau und M. Topali) und den Postpoetry Preis NRW 2018. Klára Hůrková arbeitet als Lehrerin für Englisch und Kunst und malt. Seit 2019 ist sie Mitglied im tschechischen Zentrum des internationalen PEN Klubs.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Klára Hůrková

Cover des Buches Licht in der Manteltasche (ISBN: 9783943292862)

Licht in der Manteltasche

 (1)
Erschienen am 04.06.2020
Cover des Buches Zeitschritte (ISBN: 9783943382099)

Zeitschritte

 (1)
Erschienen am 27.02.2014

Neue Rezensionen zu Klára Hůrková

Cover des Buches Licht in der Manteltasche (ISBN: 9783943292862)Thomas_Lawalls avatar

Rezension zu "Licht in der Manteltasche" von Klára Hůrková

Klare Bilder
Thomas_Lawallvor 6 Monaten

Irgend etwas ist anders als sonst, was schon gleich der erste Fehler bei oberflächlicher Betrachtung ist, denn eigentlich ist alles anders. Das fängt schon bei der formalen Gestaltung von Klára Hůrkovás neuester Gedichtsammlung an.

Das Hardcover könnte gleich zu mehreren Interpretationen anregen. So als ob es uns, nachdem der alte Verlag der Autorin aufgeben musste, sagen möchte: "Hallo, da bin ich wieder, und jetzt machen wir Nägel mit Köpfen!" Vielleicht leitet es auch eine Art Übergang ein, in Zeiten, die es (nicht nur) Lyrik immer schwerer machen. Wenn schon am Horizont der Untergang droht, dann bitte sehr mit Stil! Oder ist es ein Sinnbild für die glatte Bodenlandung einer Stil- und Themenänderung? Kurz sprühen Funken auf bei der harten Landung, oder wird hier im Umkehrfall ein (neues) Licht entzündet?

Dass es schon so spannend wird, ohne das Buch überhaupt aufgeschlagen zu haben, hätte sich der Rezensent nicht vorzustellen gewagt, zumal es schon aufregend genug war, dieses überhaupt zu bekommen.

Es hat sich also viel geändert. Die elfte Gedichtsammlung kommt komplett in deutscher Sprache - die schon fast gewohnte Übersetzung ins Tschechische fehlt. Die vier Kapitel stehen für verschiedene Lebensstationen, jeweils durch eigene, unabhängig entstandene, Ölbilder markiert. Den Text unterlegen sie auf allen Seiten in diskretem Grauweiß, halten sich also vornehm zurück, unterstreichen aber in ihrer Eigenständigkeit dennoch die entfernt verwandten Verse.

Man könnte so viel erzählen über dieses Buch. Allein wie unterschiedlich Zeilen klingen, die sich auf New York, Norrköping, München oder Frankfurt am Main beziehen, oder was es in einem kleinen Bistro, einer "altmodischen Glamour-Oase", zu entdecken gibt. Stets dieser lebendige, hellwache Blick, dem nichts entgeht, und sei es nur jene kluge Maus:

"Du bist so klein
und doch zwingst du mich
dich als eine große Sache zu sehen ..."

Noch größer wird es in "Unwucht", wobei der Rezensent nicht zu viel verraten möchte. Nur eine Frage beantworten vielleicht. Die nach dem Großen und Ganzen sicherlich nicht, aber zu jenen Versen, die noch gar nicht existieren: Hoffentlich noch sehr viele!

"Licht in der Manteltasche" ist eine Landung, wobei jetzt niemand glauben muss, jene Landebahn sei nicht auch eine Startbahn. Der Ausflug in die Gegenwart, das Leben und die Haltestellen der Dichterin zeigen einen so nicht unbedingt gewohnten Realitätsbezug, aber wieder jene so geschätzten glasklaren Bilder. Lieder vom Gehen, Ankommen und Verschwinden, dem Spirituellen einstweilen den Rücken gekehrt, oder folgt nun ein weiterer Start in das Reich zwischen allem? Wie es auch sein wird, spielt heute keine Rolle.

"Am Ende bleibt doch ohnehin
nichts übrig ..."

Nach der Lektüre der Sammlung doch zunächst ziemlich viel. Da ist zuerst dieses "Licht", welches Klára Hůrková großzügig, aus ihrem schier unerschöpflichen Vorrat, an jene verteilt, die es gerade ebenso gut gebrauchen können. Und wenn gar nichts mehr geht, gibt es das ja eigentlich gar nicht.

"Deshalb sind Träume
unsere wahrhaftige Kunst."

 



Kommentieren0
0
Teilen
Cover des Buches Zeitschritte (ISBN: 9783943382099)Thomas_Lawalls avatar

Rezension zu "Zeitschritte" von Klára Hůrková

Gedankenreinigung
Thomas_Lawallvor 2 Jahren

Kaum ist das Buch geöffnet, geht der Zauber wieder los. Klára Hůrková stellt umgehend ein großes Bild in den Raum. Und es wird nicht nur eines bleiben. Doch zuerst bleibt man an jenem einen hängen und möchte es nie wieder loslassen. Das kinoleinwandgroße Werk ist zum Glück weder störrisch noch besonders eitel. Es lässt sich gerne einpacken und mit auf die große Reise nehmen.

Was für ein Glück das ist. Auch wenn es vielleicht schon viel zu spät ist. Für Begreifen, Verstehen, Einsehen und andere Ausreden. Und doch ist diese Erkenntnis eine wohlig warme. Schon immer lagen wir falsch in der Annahme, Atlantis sei ein Kontinent ...

Wundersam wird es auch, wenn sie uns von einer Gedankenreinigung erzählt, wie sie sich neu ordnen und wie das geschehen mag, uns Amazonen vorstellt, die dereinst "ihre Brüste zurückverlangen werden", oder was mit gefallenen Engeln "im Augenblick der Einsicht" geschehen kann.

Weitgereist und stets mit offenen Augen und einem ebensolchen Herzen unterwegs, lädt uns Klára Hůrková ein, ihren Reiseeindrücken in bildhafter Form zu folgen. Sie führen uns nach Nordspanien, zu Goyas Fresken in Santa Cueva, nach München ("im Rausch"), oder nach Oostende, wo man von verregneten Nächten träumt.

"Zeitschritte" ist ein Wort-Schatz, wertvoller noch, als all der schillernde Plunder dieser Welt. Ein Fest für alle, denen Worte Flügel verleihen, selbst wenn sie unangenehme Fragen stellen oder einem gar den sicher geglaubten Boden unter den Füßen wegreißen:

"Dahinter
bleibt alles offen
tief
und ohne Antworten"

Was bleibt ist Sehnsucht und das Wähnen. Immerhin. Nicht unbedingt ideale Zustände zwar, doch die Dichterin weiß die furchtbare Leere in Optimismus zu verwandeln! Schonungslose Klarheit hat auch etwas Entwaffnendes.

"Alles wird einmal
an den Anfang zurückkehren"

Angesichts einer ebenso unendlichen wie entsetzlichen Weite entsteht so etwas wie Zuversicht und eine heilende Sicht aller Dinge. 

Prädikat: Besonders wertvoll.

Kommentieren0
2
Teilen

Gespräche aus der Community

Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

Community-Statistik

in 1 Bibliotheken

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Hol dir mehr von LovelyBooks