Klaas Huizing In Schrebers Garten

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Inhaltsangabe zu „In Schrebers Garten“ von Klaas Huizing

Über einen berühmten Fall der Psychoanalyse Der Vater Moritz Schreber, Orthopäde und Erfinder des Schrebergartens, regiert seine Familie mit eiserner Hand. Die Kinder werden zwangsweise körperlich ertüchtigt und mechanisch gerade gehalten. Der sensible Paul versucht mit aller Kraft, sich dem Diktat des Vaters zu entziehen. Nach dessen Tod verweigert er das ärztliche Erbe, wird erfolgreicher Jurist und heiratet eine Frau, die von seiner Mutter abgelehnt wird. Aber dann gibt es noch die Innenwelt des Paul Schreber, bevölkert von Alben der Vergangenheit, von Angst und sexuellen Obsessionen. Als der Spagat zwischen außen und innen nicht mehr gelingt, wird Paul verrückt. Er wird zum berühmten Fall für den Psychiater.

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  • Rezension zu "In Schrebers Garten" von Klaas Huizing

    In Schrebers Garten

    fruchtsirup311

    08. January 2010 um 18:08

    Wer sich ein bißchen mit Psychoanalyse beschäftigt hat, ist der Person "Schreber" vermutlich schon öfter begegnet.
    Ein sensibler Einblick in die Welt des schizophrenen Mannes, traurig und aufwühlend.
    So interessant ich diesen Einblick empfand, so froh war ich am Ende, das Buch beiseite legen zu können, da es doch sehr ermüdend war.

  • Rezension zu "In Schrebers Garten" von Klaas Huizing

    In Schrebers Garten

    Clari

    19. June 2008 um 12:26

    Klaas Huizing In Schrebers Garten Knaus ISBN : 3813502929 Leben und Weiterleben mit Zwängen,--eine Lebensbilanz in Romanform! Der sehr zwanghafte, verrückte und penetrante Daniel Gottlob Moritz Schreber, 1808 -1861, erfand den Schrebergarten, und, berühmt berüchtigt, den Geradehalter für seine Kinder! Dieser sollte, als Patent geschützt, seinen Weg um die Welt antreten,--- vorzugsweise die deutsche Welt. Moritz Schreber war Orthopäde und Klinikdirektor und traktierte mit seinen Erfindungen nicht nur seine fünf Kinder, sondern auch seine Patienten. Der Glaube an ihn und seine Erfindungen zur Heilung diverser Krankheiten war lange Zeit ungebrochen. Neben der Heilgymnastik und der in seiner Epoche aufkommende Begriff der Volksgesundheit hegte er auch den Begriff der gesunden Triebabfuhr, weshalb er mit mechanischen Geräten zur Verhinderung der Masturbation experimentierte. Die martialischen Maßnahmen entsprachen der ihm eigenen disziplinierenden und drangsalierenden Charakterstruktur, die wie bei vielen Bürgern aus der preußischen Geschichte herrührte. Bei allen gepriesenen Vorzügen des Preußentums konnte man doch auch das zackige, subalterne und obrigkeitshörige Völkchen hier treffen, das empfänglich für jede Art von Disziplinierungsmaßnahmen war. Von allen fünf Kindern Moritz Schrebers war Paul der aufsässige und wenig folgsame. Er bekam seinen Ungehorsam sattsam zu spüren: des Vaters Strafmaßnahmen kannten in ihrer sadistischen Härte kein pardon. Von diesem Sohn Daniel Paul Schreber, 1842 -1911, handelt der biographische Roman, dem Huizing in seiner Familien - und Krankengeschichte nachgegangen ist. Nach der o. beschriebenen Kindheit und Jugend galten Pauls anfängliche Neigungen der Medizin. Er entschied sich dann jedoch für Jura und war bis zu seiner Einweisung in eine Nervenheilanstalt Senatspräsident in Amt und Würden. Sein Irrsinn begann früh, hindert ihn aber nicht daran, als Jurist Karriere zu machen. Nach seinen frühen Wahnvorstellungen begann seine Krankheitslaufbahn. Wohl selten hat man im Roman so echt eine Paranoia beschrieben, wie sie Huizing hier gelungen ist. Die Ängste, Schlafstörungen, Panik - und Schreiattacken müssen den Kranken gebeutelt haben! Hinzu kamen schier unerträgliche sexuelle Obsessionen. In der Schrift „ Denkwürdigkeiten eines Nervenkranken“ (1903) legt Paul Schreber bewegt selber Zeugnis ab aus der Welt der Verrückten. Die Aufzeichnungen sind in Fach- und Dichterkreisen gerühmt und bekannt. Ich nenne nur Walter Benjamin und Elias Canetti. Ebenso hat Freud der Schrift Paul Schrebers seine Aufmerksamkeit geschenkt und versucht, dessen Verrücktwerden und seine Paranoia u.a. als Folge harter Erziehungsmaßnahmen und der Verdrängung aller Gefühlsregungen, insbesondere auch der sexuellen, zuzuschreiben. Huizing schreibt nachvollziehbar und zeitgemäß, wie es im Hause der Familie Schreber zuging. Ängstlich und verdruckst scheuten alle den gestrengen Vater. Seiner Autorität, seinen Parolen und Anordnungen hatten sich alle Familienmitglieder zu fügen. Der älteste Sohn Gustav, der sich später das Leben nahm, gefiel sich in der Rolle der väterlichen Nachfolge mit verlogen- sadistischen Handlungsweisen. Das Familienporträt ist bemerkenswert lebendig geschrieben, ist detailgenau und bietet einen überzeugenden Eindruck deutscher Gesellschaftsgeschichte des 19. Jahrhunderts, in der das bürgerliche Familienleben in ähnlichen Ansätzen verlief. Das Völkische und die Freikörperkultur mit allen ihren Auswüchsen sind uns hinlänglich bekannt. Huizing beschreibt in seinem Roman das Leben des berühmten Juristen und Patienten Paul Schreber in einer psychiatrischen Anstalt, ohne sich die Mühe einer tieferen Deutung zu machen. Das Leben Paul Schrebers ist aber ohne tiefenpsychologische Erkenntnisse nicht zu verstehen. Das Glück der Verrückten, von dem Huizing spricht, ist das Glück derer, die keine Rücksichten mehr auf Konventionen nehmen oder gesellschaftliche Regeln anerkennen. Nach Ronald D. Laing, 1927 -1989, einem englischen Psychiater und revolutionären Denker seiner Disziplin, sind psychotische und schizophrene Menschen die gesunden, weil sie sich in Kontrast zu den gesellschaftlichen Zwängen folgerichtig verrückt verhalten. Da begegnen sich Thesen und Antithesen um die Person Paul Schrebers, die man nicht außer Acht lassen kann, wenn man sich mit seiner Person, seinem Charakter und seiner Krankheit befasst. Der Autor weist nur an einer Stelle auf einen Quellentext hin. Schön wären ausführlichere Anmerkungen und eine Zeittafel zur Orientierung, denn die Namen von Ärzten und Familienmitgliedern sind nicht frei erfunden. Insgesamt ist das Buch leicht zu lesen und ermöglicht einen Blick auf die verschrobenen Züge einer total verkorksten Familie, deren Erziehungsmaximen als Beispiel für schwarze Pädagogik angesehen werden können. Paul Schreber aber war ein Opfer, dem kein Glück aus seiner Herkunft beschieden war!

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