Klaus Antons Feldkräfte im Hier und Jetzt

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Inhaltsangabe zu „Feldkräfte im Hier und Jetzt“ von Klaus Antons

Kurt Lewin, der Begründer der Feldtheorie, kann als kongenialer Vorläufer des zeitgenössischen systemischen Denkens und Handelns betrachtet werden. Dieser Sammelband befasst sich mit der Frage, was eine feldtheoretische Sichtweise an „Mehrwert“ leisten kann, wenn sie auf aktuelle Fragestellungen in Führung, Beratung und Therapie angewandt wird. Darüber hinaus geht das Buch dem spannenden Phänomen nach, wieso Lewin zwar als einer der bedeutendsten Wegbereiter der Psychologie des 20. Jahrhunderts hoch gelobt wird, jedoch wissenschaftlich wie praktisch nur oberflächlich rezipiert worden ist. Dieser Sammelband erscheint zur 16. Öffentlichen Fachtagung der DGGO „FELDKRÄFTE – Was bewegt Menschen, Gruppen und Organisationen? Lewins Brille aktueller denn je“ (18.–20.06.2015). Mit Beiträgen von: Klaus Antons • Hella Gephart • Hans Jellouschek • Jürgen Kriz • Helmut Lück • Erika Spiess • Marianne Soff • Thomas Stöcker • Monika Stützle-Hebel • Werner Zimmer-Winkelmann.
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    Feldkräfte im Hier und Jetzt

    michael_lehmann-pape

    16. March 2016 um 14:05

    Auf Spurensuche Kurt Lewin ist, wenn überhaupt, nur Insidern und besonders an der Entwicklung der Psychotherapie interessierten bekannt. Auch wenn seine „Feldtheorie“ durchaus in wesentlichen Teilen Eingang vor allem in die systemische Psychotherapie und Beratung gefunden hat, sind Lewins Ergebnisse, Überlegungen und praktische Folgerungen bis dato wenig wissenschaftlich und praktisch rezipiert und mit seinem Namen verbunden worden.Dennoch, als „Experimentator“ hat Lewin wesentliches für die damals noch junge Wissenschaft der Psychologie und Psychotherapie geleistet. Die Herausgeber dieses Bandes gehen seinen Spuren nach, verdeutlichen dem Leser, was es mit der „Feldtheorie“ auf sich hat, zeigen auf, wo Elemente der Ergebnisse Lewins später Teil psychotherapeutischer Systeme wurde, überprüfen, wie sich die Grundgedanken Lewins heute „machen würden“ vor allem im Bereich der systemischen Therapie und beschäftigen sich zudem mit der Frage, warum Lewin in seinen Überlegungen und Experimenten nicht in vielleicht gebührender Vielfalt und tiefe rezipiert wurde.Eine Darstellungsweise und Zielsetzung, die vor allem eines auf jeden Fall leistet: Das spezielle Anliegen Kurt Lewins dem Leser zu vergegenwärtigen und zu verdeutlichen. Was vor allem deswegen überaus gewinnbringend sich darstellt, weil Lewin nicht eng fachspezifisch dachte, sondern einen breiten Raum für seine Überlegungen nutzte.Methodologie, Gestaltpsychologie, Jugendforschung, die Gruppendynamik, Motivationspsychologie, Führungsforschung, ökologische Psychologie, in dem damals noch jungen und dementsprechend breiten Feld der allgemeinen Psychologie war Lewin allgemein und allseits interessiert, interessant zu lesen sind die vielfachen „Deja Vu“ Erlebnisse bei der Lektüre, in vielen der damals tastend formulierten Gedanken an gegenwärtig durchaus verbreitete Haltungen verschiedener psychologischer Schulen und methodischer Grundelemente verschiedener psychologischer Zielrichtungen erinnert zu fühlen.Dabei rekurriert Lewin im Kern auf „soziale Räume“ in seiner gestalttheoretischen Perspektive und kann damit zurecht als einer der Vordenker und Vorläufer vor allem der systemischen Theorie benannt werden. Dies gilt für Lewin vorrangig in sehr großem Maßstab (Kulturwechsel), in den einzelnen Schritten seiner Theorie aber letztlich für jede Betrachtung einer sozialen Gruppe in Hinsicht auf eine „Tiefenstruktur von Machtabhängigkeiten“. Und damit rücken auch für Lewin bereits automatisch die „Führungsstile“ in den Blick der Reflexion und Untersuchung.Die verschiedenen Autoren im Buch machen es sich nun zur Aufgabe, die Modelle, Theorien, Konzepte und Handlungsimpulse Lewins auf derzeitige Fragen und Probleme hin anzuwenden und biete so, in der Summe, vielfache Erweiterungen, Impulse, aber auch Stärkungen der systemischen Sichtweise der Gegenwart.Dabei wird im ersten Hauptteil das Werk (in Teilen auch das Leben) Lewins vorgestellt. Die reiche Vielgestaltigkeit der Arbeit Lewins wird hier sehr deutlich, auch wenn im weiteren Verlauf des Buches eher einzelne Facetten vertieft in der Gegenwart „erprobt“ werden. Gut gelingen in diesem ersten Teil ist vor allem die nähere Erläuterung der doch etwas abstrakten Feldtheorie Lewins durch vielfache Beispiele aus der Praxis und in er näheren Erläuterung der Gruppendynamik.Was nun Lewins Grundlagenforschung mit der Frauenquote, der Bewertung und Betrachtung von aktuellen Führungsstilen, der Organisationsberatung, der Paartherapie, zum Verständnis von Burnout, der konstruktiven Hilfe zur Teamentwicklung und der Arbeit in und mit einer Gruppendynamik beiträgt, ist im zweiten Hauptteil des Buches differenziert nachzulesen.Insgesamt ergibt sich, nach Abschluss der Betrachtungen in Form eines Blickes auf die Wissenschaftsgeschichte (politisch und als Wegbereiter der systemischen Psychotherapie) der klare Eindruck, dass einen fundierte und sachgerechte Rezeption Lewins, wie in diesem Werk vollzogen, einen hohen Gewinn für die Gegenwart und Zukunft systemischen Denkens und therapeutischen Handelns in sich trägt.

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