Der Atem der Vögel

von Klaus Böldl 
2,7 Sterne bei6 Bewertungen
Der Atem der Vögel
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Die ersten 2/3 haben mich berührt und sprachlich begeistert. Leider verliert sich das Buch am Ende in Wiederholungen und Belanglosigkeit.

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Ein Buch, das etwas eintönig ist, aber tolle Naturbeschreibungen enthält.

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Inhaltsangabe zu "Der Atem der Vögel"

Seit zwei Jahren lebt Philipp auf den Färöer Inseln nördlich von Schottland. Er, ein Deutscher Mitte dreißig, ist ein Einzelgänger, seine Tage verbringt er mit ausgedehnten Spaziergängen durch die raue Natur. Von seiner Lebensgefährtin Johanna, einer Krankenhausärztin, entfremdet er sich immer mehr, mit ihrer kleinen Tochter Rannvá hingegen verbindet ihn ein stilles Einvernehmen. Als Johanna und Rannvá auf eine Reise gehen, macht sich auch Philipp auf den Weg: Er beginnt eine Wanderung über die Inseln, die ihn immer tiefer in die Natur führt. Wird er erst im Weggehen zu sich kommen? Wird er erst im Verschwinden seinen Ort finden?

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783103972702
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:144 Seiten
Verlag:S. FISCHER
Erscheinungsdatum:23.03.2017

Rezensionen und Bewertungen

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    Schmiesens avatar
    Schmiesenvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Die ersten 2/3 haben mich berührt und sprachlich begeistert. Leider verliert sich das Buch am Ende in Wiederholungen und Belanglosigkeit.
    Es gipfelt in Belanglosigkeit

    "Hier zu wohnen erschien mir als das denkbar vollständigste Wegsein. Auf Inseln, die Unmengen von Wasser um sich und Unmengen von Himmel über sich versammeln."

    Seit zwei Jahren lebt der Deutsche Philipp auf den Färöer-Inseln nördlich von Schottland. Er wohnt mit seiner Partnerin Johanna und deren Tochter Rannvá zusammen, bleibt aber im Grunde eigenbrödlerisch. Es wird oft angedeutet, dass er sich von Johanna immer mehr entfernt, jedoch mit Rannvá eine gute Beziehung pflegt. Als die beiden die Großmutter in Dänemark besuchen, bleibt Philipp allein mit sich, dem Haus und der Natur zurück.

    Der Klappentext verspricht Folgendes: "Er beginnt eine Wanderung über die Inseln, die ihn immer tiefer in die Natur führt. Wird er erst im Weggehen zu sich kommen? Wird er erst im Verschwinden seinen Ort finden?" Doch es passiert - nichts. Philipp wandert weder über die Insel, noch geht er weg, noch verschwindet er. Eigentlich besteht das Buch aus zusammenhanglosen Sequenzen, die meistens irgendwo in der Stadt, im Haus oder höchstens noch auf einer Landstraße spielen, und immer instensive, detaillierte Naturbeobachtungen zum Gegenstand haben. Diese Beobachtungen sind zunächst faszinierend, haben mich sogar berührt in ihrer Tiefe, verlieren sich aber gerade gegen Ende in Wiederholungen und Belanglosigkeit. 

    Die gesamte Geschichte dreht sich um Philipps Alleinsein, sein Leben mit der Einsamkeit auf den atmosphärischen Inseln - trotz seines Zusammenlebens mit Johanna und Rannvá. Dieses kann der Leser im Grunde nicht miterleben, da die beiden schon zu Beginn ihre Reise antreten. Dennoch wird klar, dass sich Johanna und Philipp entfremdet haben, dass vielleicht sogar schon ein anderer Mann da ist. Außerdem wird Philipps tiefe Bindung zu Rannvá angedeutet, seine Kindheit in P., das Verschwinden seines Kindheitsfreundes Simon, seine Verliebtheit in eine Arbeitskollegin. Mit schemenhaften Umrissen muss sich der Leser hier begnügen, im Grunde bleibt alles weit entfernt und uninteressant. Das Buch lebt von seiner Atmosphäre und seinen Einblicken in das Inselleben, nicht von seinen Figuren oder einer tatsächlichen Geschichte. Für mich ist "Der Atem der Vögel" daher kaum als Roman, sondern viel mehr als Essay zu bezeichnen. 

    "Der Atem der Vögel" ist ein kurzes Stück Literatur, das insbesondere durch seine Naturbeschreibungen punkten kann. Geschichte und Charaktere bleiben auf der Strecke, der Leser muss sich mit vagen Andeutungen begnügen. Das Ende verliert sich in Wiederholungen, Aneinanderreihungen und Belanglosigkeiten, weshalb die Frage bleibt: Wozu? 3 von 5 Sternchen gebe ich für die sprachliche Ausgestaltung und die Detailverliebtheit.

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    Caydences avatar
    Caydencevor einem Jahr
    Dürftig und sinnlos...

    Philipp lebt auf einer der Färöer-Inseln mit seiner Lebensgefährtin Johanna und deren Tochter Rannvá. Man erfährt nicht viel über ihn, nur dass sein Verhältnis zu Johanna etwas zwiespältig ist und er sogar befürchtet, dass sie ihn mit ihrem Kollegen vom Krankenhaus in dem sie arbeitet, betrügt.

    Wenn dieses Büchlein nicht so kurz gewesen wäre, hätte ich es nicht zu Ende gelesen. Die "Handlung" beschränkt sich im Wesentlichen auf die Beobachtungen der Natur und Szenen des alltäglichen Lebens auf einer Färöer Insel, die Philipp auf seinen Spaziergängen macht. Ein wenig Farbe bekommen seine Erzählungen nur durch die liebevolle und innige Beziehung, die er zu Rannvá, der Tochter seiner Partnerin Johanna hat. Auch wenn der Schreibstil mit poetischen Wendungen und außergewöhnlichen Wortschöpfungen, wie "das kaltböse Herüberspähen" aufwartet, reicht das nicht aus, um die fehlende Handlung unterhaltsamer zu gestalten. Es passiert nichts von Bedeutung und sogar als eine Frau tot aufgefunden wird, die Philipp vorher noch gesehen hat, versandet diese Tatsache in der Flut seiner sonstigen, etwas sprunghaften Beschreibungen.

    Für meinen Geschmack war das leider zu dürftig und sinnlos...

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    Curins avatar
    Curinvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein Buch, das etwas eintönig ist, aber tolle Naturbeschreibungen enthält.
    Einseitige Handlung

    Auf einer dünn besiedelten Färöer Insel lebt Philipp gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Johanna zusammen. Während sie als Krankenhausärztin viel Zeit an ihrem Arbeitsplatz verbringt, unternimmt er lange Spaziergänge in die menschenverlassene Natur... .
    Klaus Böldl hat hier einen besonderen Roman mit einer sehr reduzierten Handlung geschrieben, die sich fast ausschließlich auf die Figur Philipp und dessen Wanderungen konzentriert. Er und seine Beobachtungen stehen im Mittelpunkt der Geschichte, während man sonst kaum und wenn überhaupt, nur beiläufig etwas über ihn erfährt. So muss man sich vieles selbst erschließen und kann dadurch eigene Schlüsse ziehen.
    Für mich ist Philip die ganze Zeit über eine blasse und unnahbare Figur geblieben. Seine Gedankengänge waren mir oft etwas zu wirr und nur wenige Punkte konnte ich nachvollziehen. Johanna, über die ich gerne mehr erfahren hätte, scheint für ihn nur eine Last zu sein, die ihn bedrängt. 
    Der Schreibstil von Klaus Böldl ist anspruchsvoll und hat mir gut gefallen. Da leider nur eine Figur im Fokus steht, ist das Buch etwas eintönig und stellenweise zäh und langweilig. Die Beschreibungen der Natur haben es mir allerdings angetan und haben aus meiner Sicht den Roman gerettet. 
    Insgesamt erhält man mit ,,Der Atem der Vögel" ein Buch, welches sich fast ausschließlich auf den Protagonisten Philipp konzentriert und dadurch nur einseitig gestaltet ist. Letztendlich konnte es mich nicht ganz überzeugen.

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    Schelmuffskys avatar
    Schelmuffskyvor 2 Jahren
    Berückend schöne Naturbeschreibungen bei gleichzeitigem Selbstverlust

    Neulich war das Hintergrundbild der Suchmaschine Bing ein traumhaft schönes Foto von den Färoer-Inseln. Das veranlasste mich, den neuen Roman von Klaus Böldl in die Hand zu nehmen, der genau dort spielt und oben auf dem Stapel der ungelesenen Bücher lag. „Roman“, „spielen“, beides sind im Zusammenhang mit diesem Buch irreführende Wörter, erzählt im eigentlichen Sinne wird fast nichts, zu Anfang gibt es noch ein paar hingetupfte Episoden, die gegen Ende des Textes allmählich in einer reinen Beschreibung der Umgebung verebben.

    Philipp, der „Erzähler“, lebt mit Johanna und deren Tochter zusammen. Von Johanna erfahren wir wenig außer, dass sie im örtlichen Krankenhaus arbeitet, und dass sie für Philipp „überpräsent“ ist: „Während man mich stets zuverlässig an einer Stelle finden kann, (…) ist Johanna stets im Haus. Alle Räume und noch die entlegensten Winkel strotzen geradezu von ihrer Gegenwart. Überall hat sie soeben etwas aufgeräumt, glänzt noch das Fensterbrett, die Tischplatte, über die sie eben noch mit dem feuchten Lappen gewischt hat, und überall kann man den leisen Duft ihres Parfüms erschnuppern, oder auf einem Sitzpolster noch ihre Körperwäre spüren. Man muss Johanna schon fest an sich drücken, um die Grenzen ihres Körpers zu erfahren.“ Es ist schwer, neben so einem Menschen anwesend zu sein, „Raum zu greifen“, in der Tat gelingt dies Philipp nur außerhalb des Hauses: „Es kommt mir so vor, als sei in unserem Leben mir allein die Aufgabe zugeteilt, mich in der Welt draußen vor den Fenstern zu verlieren.“ Diesen Selbstverlust zu kompensieren gelingt Philipp allenfalls im Zusammensein mit Johannas kleiner Tochter Rannvá, zumal bei den ausgedehnten Spaziergängen in die landschaftlich einzigartige Umgebung. Rannvá ist wie alle kleinen Kinder präsent, ohne Philipp in seinem Selbst einzuschränken. Es ist erkennbar, dass Philipp das als befreiend erlebt.

    Wir wissen von Philipp nur, dass er eines Tages mit einem Werkvertrag des Nationalmuseums auf die Färöer kam, um dort eine Chorgestühl zu restaurieren. Er macht ein paar Andeutungen über seine damalige Kollegin, wie sonst auch erschöpfen sich diese aber in der Beschreibung von äußeren Eindrücken. Was Philipp aktuell tut, wozu er ein kleines Arbeitszimmer benötigt, darüber erfahren wir nichts. Seine Wahrnehmung erschöpft sich im Beobachten, mehr als das Sichtbare scheint ihn nicht zu interessieren, zum Beispiel auch nicht, ob Johanna mit dem Kollegen Jens, der öfter mal bei ihr zuhause auftaucht, eine Affäre hat oder nicht. Philipp teilt noch andere Beobachtungen mit, eine junge Frau, der er als Bedienung in einem Hotelrestaurant kurz begegnet war, wird wenige Tage darauf tot aus dem Hafenbecken geborgen. In einer Kindheitserinnerung wird kurz ein Junge erwähnt, mit dem Philipp damals befreundet war, der aber irgendwann spurlos verschwand. Als Leser fühlt man sich ein wenig alleine gelassen mit diesen hingeworfenen Schnipseln, die nicht aufgelöst werden. Es scheint dies aber in der Natur von Philipp zu liegen, dass er beobachtet, sich aber nie Fragen stellt nach einem Warum, Wie oder nach dem, was in der Zukunft für ihn bereit liegen könnte.

    Bei all dem glänzt Böldl wieder mit großartigen (Natur-)Beschreibungen. Nach der Abreise von Johanna und Rannvá zu Johannas Mutter macht Philipp sich auf einen ziellosen Weg. Ab dann werden nur noch Beobachtungen notiert, die Orte, durch die er kommt, kleinste Wahrnehmungen, die Stille, die sogar den Leser bei der Lektüre geradezu einhüllt. Die Landschaft ist karg, selbst die Häuser sind schwarz, oftmals rief ich Wikipedia-Artikel auf oder betrachtete die Gegend auf Google Earth und dachte bei mir, dass man in dieser Umgebung durch die Reduktion der Außenreize – kaum Farben, keine Musik, wenig von Technik herrührende Geräusche, wenig Begegnungen – eigentlich auf sich zurückfallen müsste. Bei Philipp passiert dies nicht, er fällt gleichsam ins Außen, verliert sich selbst, wie er es im obigen Zitat schreibt, verliert sich in einem Maße, dass eine Rückkehr unter Menschen kaum vorstellbar ist. Mir fiel Christopher Knight ein, über den ich neulich einen Artikel gelesen hatte. Christopher Knight war als junger Mann eines Tages mit seinem Auto immer weiter in die Wildnis des amerikanischen Nordens vorgedrungen, bis der Tank leergefahren war. Er lebte 27 Jahre ohne jeden Kontakt zu anderen Menschen und wurde nur zufällig gefunden. Von dieser Sorte Mensch scheint mir auch Philipp zu sein.

    Die Lektüre war für mich zwiespältig. Die Präzision der Beschreibungen ist hohe Sprachkunst, die mangelnde Selbstreflexion des Erzählers aber war für mich manchmal ein Ärgernis. Und so habe ich das Buch nach der Lektüre etwas ratlos wieder zugeschlagen.

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    Stefaniuss avatar
    Stefaniusvor einem Jahr
    bln-1989s avatar
    bln-1989vor einem Jahr

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    Man möchte am liebsten fort und fort die vollendeten Sätze dieser Prosa zitieren, in denen jeden Wort notwendig an seinem Platz steht

    Klaus Böldl hat das Geschick präziser, dichter und dabei anstrengungsloser poetischer Sprachfindung.

    Es dürfte kaum einen deutschsprachigen Autor geben, der so raffiniert und pathosfrei psychische Minimalstverschiebungen ins Gefüge des Daseins einbettet.

    ein geradezu kontemplatives Leseerlebnis!

    Der ›Atem der Vögel‹ ist ein seltsames und seltsam betörendes Buch; eines, das einen aus dem Alltag hebt

    Ein großartiges Stück Literatur.

    Klaus Böldls Porträt eines melancholischen Weltflüchtlings ist zugleich eine fein gesponnene Studie über die Egomanie eines empfindlichen Mannes, der Gast und Einsiedler zugleich sein möchte.

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