Das Genie

von Klaus Cäsar Zehrer 
4,5 Sterne bei42 Bewertungen
Das Genie
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Sehr interessanter Roman über den vielleicht intelligentesten Menschen aller Zeiten.

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Gutes Buch. Ein wenig behäbig vielleicht.

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Inhaltsangabe zu "Das Genie"

Boston, 1910. Der elfjährige William James Sidis wird von der amerikanischen Presse als »Wunderjunge von Harvard« gefeiert. Sein Vater Boris, ein bekannter Psychologe mit dem brennenden Ehrgeiz, die Welt durch Bildung zu verbessern, triumphiert. Er hat William von Geburt an mit einem speziellen Lernprogramm trainiert. Durch Anwendung der Sidis-Methode könnten alle Kinder die gleichen Fähigkeiten entwickeln wie sein Sohn, behauptet er. Doch als William erwachsen wird, bricht er mit seinen Eltern und seiner Vergangenheit. Er weigert sich, seine Intelligenz einer Gesellschaft zur Verfügung zu stellen, die von Ausbeutung, Profitsucht und Militärgewalt beherrscht wird. Stattdessen versucht er, sein Leben nach eigenen Vorstellungen zu gestalten – mit aller Konsequenz.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783257069983
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:0 Seiten
Verlag:Diogenes
Erscheinungsdatum:23.08.2017

Rezensionen und Bewertungen

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    himbeerbels avatar
    himbeerbelvor 2 Monaten
    Faszinierend und eindrucksvoll

    William James Sidis war ein US-amerikanisches „Genie“ mit geschätztem IQ von 250, das mit 18 Monaten Zeitung lesen konnte, mit fünf Jahren acht Sprachen (darunter eine selbst erfundene) sprach und mit elf Jahren der jüngste Harvard-Student aller Zeiten war. Er wurde am 1. April 1898 in New York City geboren und verstarb mit 46 Jahren am 17. Juli 1944 in Boston, Massachusetts.

    In seinem Debütroman „Das Genie“ erzählt Klaus Cäsar Zehrer die ebenso faszinierende, wie nachdenklich machende Geschichte dieses „Wunderkindes“. Der Roman beginnt mit dessen Vater Boris Sidis, der aus dem russischen Kaiserreich 1887 nach Amerika emigriert und dort Dank seiner Wissbegierde und Intelligenz ein völlig neues Leben beginnt, indem er sich anhand von Büchern vieles erarbeitet und schließlich auch zu akademischen Titeln gelangt.

    „Für einen intelligenten Menschen ist Wissen wie ein zahmer Vogel. Er muss nur seine Sinne öffnen wie ein Fenster, dann fliegt es ihm zu, frei und leicht, und bleibt für immer.“ (S. 62)

    Schließlich ist er als bekannter Psychologe davon besessen, „die Menschheit von ihrer schlimmsten Seuche zu befreien, der Dummheit, und somit zugleich vom verrohten Sohn der Dummheit, dem Krieg.“ Er glaubt den universalen Impfstoff gegen die Dummheit in einer Erziehungsmethode entdeckt zu haben und probiert diese von Geburt an bei seinem Sohn William James aus, der sich schnell zu einem hochbegabten Kind entwickelt. Durch Anwendung der Sidis-Methode könnten alle Kinder die gleichen Fähigkeiten entwickeln wie sein Sohn, behauptet er. Doch als William älter wird bricht er mit seinen Eltern und seiner Vergangenheit. Er weigert sich, seine Intelligenz einer Gesellschaft zur Ver­fügung zu stellen, die von Ausbeutung, Profitsucht und Militärgewalt beherrscht wird. Stattdessen versucht er, sein Leben nach eigenen Vorstel­lungen zu gestalten – mit aller Konsequenz.

    Während ich zu Beginn des Romans noch Bewunderung für die Hartnäckigkeit und den unerschütterlichen Lernwillen des Boris Sidis und seiner späteren Frau empfinden konnte, schlug dies um, als sie ihre Erziehungsmethode an dem eigenen Kind ausprobieren. Schnell erkennt man beim Lesen, welche entscheidende Zutat der Sidis-Methode fehlt, die den Verstand über alles stellt. Man erlebt ein unglaublich kluges, aber auch sehr schrulliges und enorm einsames Kind, das einzig und allein ein Produkt seiner Eltern ist und trotz Intelligenz dem Leben nicht so recht gewachsen ist. So sehr das Wunderkind in den ersten Jahren zumindest in der Denkleistung brilliert, so sehr betrübt es erkennen zu müssen, dass der Junge dies mit einer nie gelebten Kindheit bezahlen muss und von den Eltern schließlich sogar beschuldigt wird, für das Scheitern der Sidis-Erziehungsmethode allein verantwortlich zu sein.

    Man mag sich eigentlich lieber keine Gedanken darüber machen, was geschehen wäre, wenn das Ergebnis ein anderes gewesen wäre und Boris Sidis mit seiner Theorie, dass alle Säuglinge ab der Geburt die gleichen geistigen Startbedingungen haben, recht gehabt hätte. Wäre die Welt wirklich besser geworden, wenn sich die Sidis-Methode flächendeckend durchgesetzt hätte und die Universitäten voll mit Zehnjährigen wären? Im Sinne der Kinder wäre dies eher nicht wünschenswert, wenn man den Werdegang von William James Sidis verfolgt, dessen Probleme in diesem Roman gut nachvollziehbar dargestellt werden.

    „Dabei war Billy durchaus nicht der Lehrerliebling, für den seine Mitschüler ihn hielten. Im Gegenteil, den meisten Lehrern war er suspekt. Seine Auffassungsgabe war ihnen nicht geheuer, seine Selbstgewissheit unsympathisch, seine Altklugheit lästig. Sie unterrichteten in der ständigen Furcht, durch seine Verbesserungen vor der ganzen Klasse blamiert zu werden, und sie spürten, wie in seiner Anwesenheit ihre Autorität schwand, ohne dass sie genau sagen konnten, ob daran seine Kommentare schuld waren oder ihre Angst vor ihnen.“ (S. 261/262)

    Fast wünscht man sich, dass dieser Roman keinen realen Hintergrund hätte und auch wenn er in längst vergangenen Zeiten spielt, findet er doch auch genug Berührungspunkte mit der heutigen Zeit und immer aktuellen Themen. Insgesamt ein faszinierendes Buch, das viel Stoff zum Nachdenken bietet und das ich kaum noch aus der Hand legen mochte – für mich ein echtes Lesehighlight, das ich sehr empfehlen kann.

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    daydreaminvor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Sehr interessanter Roman über den vielleicht intelligentesten Menschen aller Zeiten.
    Grandioses Debüt

    Er gilt mit einem geschätzten IQ von über 250 als der intelligenteste Mensch aller Zeiten, doch sein Name ist im Vergleich zu Albert Einstein oder Stephen Hawking weit weniger bekannt: William James Sidis. Sein Vater Boris Sidis kam als mittelloser Einwanderer 1887 in die USA und wurde als Psychologe durch seine Studien zu Hypnose und Suggestion bekannt. Gemeinsam mit seiner Frau Sarah Mandelbaum, die ihrerseits Medizin studierte, zog er seinen Erstgeborenen William nach einer akribisch ausgearbeiteten Erziehungsmethode groß, die später als die Sidis-Methode große Berühmtheit erlangte. Ihr Ziel war es, eine allgemeingültige Methode zu schaffen, mit welcher jedes Kind unabhängig von seinen genetischen Voraussetzungen zu einem Genie erzogen werden konnte. [1] [2]

    Der Autor Klaus Cäsar Zehrer hat das Schicksal von William James Sidis zum Vorbild für sein Debüt, einen biografischen Roman, genommen. Grandios und wortgewandt stellt er zunächst Boris Immigration und sein Problem mit der Mittelmäßigkeit und Stumpfheit der ihm umgebenden Gesellschaft dar. Schon Boris war ein sehr intelligenter Mensch, der jahrelang unter seinen Möglichkeiten blieb und erst in seinen Dreißigern die Universität besuchte, dort aber gleich mehrere Doktortitel erlangte. Als Psychologe war es sein ausdrücklicher Wunsch seinen ersten und einzigen Sohn William nach ganz besonderen Maßstäben großzuziehen. Mit dem Erfolg der Sidis-Methode bewiesen durch die Experimente am eigenen Kind wollte er den Grundstein für den geistigen Aufstieg der Menschheit legen.

    Den gesamten Roman über hatte ich mit sehr ambivalenten Gefühlen dem Gelesenen gegenüber zu kämpfen. Die unglaublichen Fortschritte und Errungenschaften von William in frühester Kindheit haben mich fasziniert und erstaunt, schließlich konnte er mit 18 Monaten bereits lesen und wurde mit 8 Jahren zum jüngsten Harvardstudenten aller Zeiten. William lässt nur erahnen, welch Potential in der gesamten Menschheit schlummern könnte. Gleichzeitig war ich jedoch auch abgeschreckt mit welcher Lieblosigkeit seine Eltern ihn zum Äußersten treiben und ihn wie einen Zirkusaffen vor der Presse und anderen Forschern vorführen. Die Sidis-Erziehungsmethode hat einen ganz entscheidenden Punkt außer Acht gelassen, nämlich die emotionale Intelligenz, wie sich auch im Laufe von Williams Entwicklung ganz deutlich zeigt.

    Der Autor schafft es sehr gut, das Schicksal von William und seiner Familie in einen einnehmenden und spannenden Roman zu verpacken. Trotz der dargestellten Extreme wertet Zehrer nicht und überlässt den Leserinnen und Lesern das Urteil über die Sidis-Methode und William selbst, denn der ist wahrlich kein Sympathieträger. Insgesamt ein sehr interessanter und lesenswerter Roman, der eine ganz wichtige Botschaft an all diejenigen sendet, die mit der Erziehung der neuen Generation beauftragt sind.

    [1] https://de.wikipedia.org/wiki/William_James_Sidis
    [2] https://de.wikipedia.org/wiki/Boris_Sidis

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    wandablues avatar
    wandabluevor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Gutes Buch. Ein wenig behäbig vielleicht.
    Tragikomisch.

    Tragikomisch.
    Der Autor zeichnet auf tragikomische Weise das Leben des exzentrischen und vielseitig begabten amerikanischen Genies William James Sidis (1898-1944) nach. Dieser hatte geschätzt einen IQ von 240 und lernte angeblich eine Sprache an einem Tag. Lehrbücher, die seiner Meinung nach fachlich ungenügend waren, schrieb er flugs selber. Dumm nur, dass er sie auch gleich in der Sprache schrieb, aus dessen Kulturkreis der zu unterrichtende Lehrstoff stammte, zum Beispiel verfasste er ein  Lehrbuch über Euklids Mathematik in Altgriechisch. Seine Studenten waren leider nicht so klug wie er und verstanden es nicht.

    Der Autor verwendet einschlägiges Quellenmaterial. Dennoch ist er oft gezwungen, die Erfahrungen anderer Menschen dieser Zeit auf „sein Genie“ zu übertragen. Der Leser bekommt jedoch auf diese Weise ein koloriertes Bild der Staaten um die Lebenszeit Sidis herum.

    Die Kindererziehung, die in bester Absicht, auch oder besonders in den höheren Kreisen mehr als nur grausam war, erschreckt den Leser. Kein Wunder, dass verstörte Persönlichkeiten aus ihr hervorgegangen sind. Sidis war meines Erachtens zeitlebens verhaltensgestört. Andererseits war er eben ein Genie und fasste eigenwillige Entschlüsse.

    „Das Genie“, der Debütroman des promovierten Kulturwissenschaftlers Zehrer ist ein höchst origineller und zum Teil vergnüglich zu lesender Roman. Die etwas behäbige Erzählart, angepasst an die Zeit, von der berichtet wird, hat mich auf Seite 400 in die leserischen Knie gezwungen, danach habe ich den Roman nur noch durchblättert. Andere Leser mögen mehr Geduld haben, es lohnt sich trotz meines Scheiterns, da William Sidis eine wahrhaft tragische Figura gewesen ist.

    Fazit: Dann lieber ein Durchschnittsmensch sein.

    Kategorie: Biografie, Gute Unterhaltung
    Verlag Diogenes, 2017

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    Barbara62s avatar
    Barbara62vor 7 Monaten
    Kurzmeinung: Super erzählte Romanbiografie über den vielleicht intelligentesten Mann der Welt und sein trauriges Schicksal.
    Versuchskaninchen im elterlichen Labor

    Neun Jahre hat Klaus Cäsar Zehrer Material über den vielleicht intelligentesten Menschen aller Zeiten zusammengetragen, den weitgehend unbekannten Amerikaner William James Sidis, der einen IQ von 250 bis 300 gehabt haben soll. In seinem Debütroman "Das Genie" erzählt er sehr anschaulich, interessant und einfühlsam dessen tragische Lebensgeschichte: das Leben eines Menschen ohne Kindheit, ohne Liebe, ohne echte Freunde, ohne Privatsphäre und vor allem ohne den allerseits erwarteten wissenschaftlichen Erfolg.


    William James Sidis wurde 1898 in New York geboren als Sohn eines eingewanderten ukrainischen Juden. Dieser Boris Sidis war nicht nur hochintelligent und ein polyglottes Universalgenie, er strahlte auch eine unwiderstehliche Kraft aus, war ein begnadeter Lehrer, der seiner Frau einen Doktor der Medizin ermöglichte, ohne dass sie jemals eine Schule besucht hatte, und verfügte über ein ausgeprägtes Sendungsbewusstsein. Die Ausrottung der Dummheit, des Duckmäusertums und des Krieges waren die vorrangigen Ziele dieses einst mittellosen Immigranten, der es zu einem Rekord an Harvard-Bildungsabschlüssen bracht und – bis zum Auftreten des von ihm angefeindeten Sigmund Freuds – einer der führenden Professoren für Psychologie und Psychotherapie war.


    Ein solcher Mann konnte und wollte die Erziehung seines Sohnes, der auf keinen Fall „normal“ werden sollte, nicht dem Zufall überlassen. Bereits mit der Geburt begann die „Sidis-Erziehungsmethode“ und William wurde zum Versuchskaninchen im elterlichen Labor. Zeitlebens ging es ihnen nicht um ihr Kind, sondern allein um den Nachweis der Wirksamkeit ihres Experiments. Die extreme Frühförderung schien zunächst aufzugehen: William sprach von Beginn an vier Sprachen und brachte sich weitere selbst bei, durchlief die Schule in Rekordzeit und wurde mit acht Jahren der jüngste High-School-Absolvent der amerikanischen Geschichte, nicht ohne den Hass der Mitschüler und die Angst der Lehrer auf sich zu ziehen. Mit elf Jahren wurde er in ein Sonderprogramm für außergewöhnlich begabte Kinder und Jugendliche in Harvard aufgenommen, zu dem vier Wunderkinder, darunter der spätere Mathematikprofessor und Begründer der Kybernetik Norbert Wiener, gehörten. Mit einem Vortrag vor dem Harvard Mathematical Club über die Geometrie der vierten Dimension 1910 wurde William schlagartig einer breiten Öffentlichkeit als Wunderkind bekannt. Doch nicht nur seine außergewöhnlichen Begabungen auf nahezu allen Gebieten fielen auf, auch seine Humorlosigkeit, seine Alltagsuntauglichkeit, seine Unfähigkeit zur  Kommunikation und seine Begeisterung für abwegige Themen wurden kommuniziert.


    Warum William James Sidis trotz seiner alles überragenden Fähigkeiten nie die von seinen Eltern, Wissenschaftlern und dem breiten Publikum in ihn gesetzten Erwartungen erfüllte und erfüllen wollte, ist Gegenstand der durchweg fesselnden, 645 Seiten starken Romanbiografie. Im Gedächtnis bleibt er als ebenso exzentrischer wie einsamer Mann, über den es an einer Stelle heißt: „Die Welt hatte keinen Platz für ihn.“ Seine letzten  Lebensjahre bis seinem frühen Tod 1944 verbrachte der überzeugte Pazifist mit einfacher Büroarbeit, dem Sammeln von Straßenbahn-Umsteigebilletts und Rechtsstreitigkeiten mit der aufdringlichen Presse.


    Auch wenn Boris Sidis eine gewisse Modernität in Bezug auf Frühforderung, spielerisches Lernen und freie Entfaltung der Persönlichkeit nicht abzusprechen ist, so ist es doch ein Glück, dass seine Methode sich nicht durchgesetzt hat und unsere Kinder mit Spielzeug, Kinderliedern, Märchen und elterlicher Liebe aufwachsen dürfen.


    http://xn--mit-bchern-um-die-welt-wlc.de/5441-2/

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    HansDurrers avatar
    HansDurrervor 8 Monaten
    Kurzmeinung: Selten ist über „unser“ westliches Wertesystem unterhaltsamer aufgeklärt worden.
    Ein Meisterwerk über ein Genie

     Vollkommen mittellos landet der 18jährige Ukrainer Boris Siddis 1886 in New York. Er ist ein intelligenter und unabhängiger Kopf, unbeeindruckt von sozialen Rangunterschieden, ein Idealist. „Er konnte Universitäten nicht ausstehen und Professoren noch weniger. Diese saturierten Langweiler verstanden sich prächtig darauf, sich ihre Dutzendgelehrtheit vergolden zu lassen, aber von der Kühnheit, vom Abenteuer, von der Lust und der Leidenschaft, von der mitunter auch quälenden Anstrengung des Denkens wussten sie nichts.“ Er ist eigenwillig, er will kein Normalo sein. Seine zukünftigen Schwiegereltern lässt er wissen, dass er keineswegs gedenke, den traditionellen Ernährer zu geben und ihre Tochter von sich und seinem Geld abhängig zu machen. Stattdessen will er sie darin unterrichten, selbstständig zu werden, sich zu bilden. „Denn das einzige Vermögen, das einem keiner stehlen kann, ist jenes, das man im Kopf hat.“
     
      Boris Siddis ist ein Bildungsbesessener, fanatisch eignet er sich Wissen an, fanatisch gibt er es weiter. Mit seiner Hilfe schafft es seine Frau Sarah, zum Medizinstudium zugelassen zu werden, er selber bringt es zum Dozenten in Harvard und zum Forscher an der Columbia. Es ist die Zeit der psychologischen Forschung: Suggestion und Hypnose, Dissoziation und Persönlichkeitsspaltung, Selbstbestimmung und Fremdsteuerung.
     
      Dann wird Boris und Sarah Siddis ein Sohn geboren, der nach dem Förderer und Kollegen von Boris, dem berühmten Psychologieprofessor William James benannt wird, der auch der Pate des Buben wird. Gemäss Boris' Überzeugung gibt es keine höhere Pflicht, als sich zur Perfektion heranzubilden, und so wird der kleine William einem Erziehungsprogramm auf Grundlage der neuesten psychologischen Erkenntnisse unterzogen. „ ... die normalen Leute. Schau sie dir an, Sarah. Wie angepasst sie sind, und wie unglücklich. Sie machen immer nur das, was andere von ihnen verlangen. Die reinsten Marionetten. So einer soll William nicht werden.“
     
      Die Schule muss der Kleine gleichwohl besuchen und findet dort alles ausgesprochen eigenartig. So berichtet er vom ersten Schultag: „Sehr wichtig ist ihnen das Begrüssen. Die Lehrerin kommt herein, stellt sich hinter den Katheder und sagt: 'Guten Morgen, Kinder.' Dann müssen alle gleichzeitig aufspringen, sich neben ihre Bank stellen, im Chor 'Guten Morgen, Mrs. Withcomb!' rufen und so lange stehen bleiben, bis sie 'Danke, setzt euch' sagt. Das wird immer wieder geübt. Der Nutzen ist unklar. Die Lehrerin sagt nur, dass das eben dazugehört. Danach wird ein Schulgebet gesprochen. Die Schüler müssen Gott bitten, ihnen beim Lernen zu helfen. Eine Diskussion darüber, ob es Gott überhaupt gibt, ist unerwünscht.“
     
      Wie sein Vater ist auch Billy ein eigenbrötlerisches Genie und darüber hinaus ein Besserwisser. Seine Klassenkameraden mögen ihn nicht, die Lehrer fürchten ihn – er ist ein Wissenshungriger und nicht wie die andern am Abschlusszeugnis interessiert. Überall steht er im Mittelpunkt, nirgends gehört er dazu, auch mit seinen Mitstudenten in Harvard, wo er im Alter von elf Jahren als Special Student zugelassen wird, kommt er nicht zurecht. Er wehrt sich gegen seine ehrgeizigen Eltern, will nicht so werden, wie sie es für ihn vorgesehen haben, überwirft sich mit ihnen – und könnte ihnen in seinem ganzen Tun und Lassen ähnlicher kaum sein.
     
      Er schliesst sich „den Roten“ an, kommt vor Gericht, wo er sich selber verteidigt und auf die Kraft der Logik zählt – so weist er etwa den Richter darauf hin, dass das Recht auf Privateigentum in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung nicht garantiert sei, im Gegensatz zum Recht auf Leben, Freiheit und dem Streben nach Glück – und auf eine Realität stösst, die er weder versteht noch verstehen will.
     
      Er findet eine anspruchslose Arbeit bei einer Versicherungsgesellschaft und fühlt sich frei, da er niemand Spezieller mehr sein muss. „Er hatte keinen Grund, sich zu schämen. Vorausgesetzt, er würde niemals versuchen, Karriere zu machen und sich hochzukämpfen Richtung Turmspitze. Solange er konsequent in den untersten Bereichen des Unternehmens blieb und der Versicherung nur seine Zeit zur Verfügung stellte, aber nicht sein Herzblut und erst recht nicht seine Intelligenz, so lange würde er noch er selbst sein.“
     
      Doch man lässt ihn nicht in Ruhe. Als die Presse Wind vom Schicksal des einstigen Wunderkindes bekommt, flieht William zuerst nach San Francisco, der Liebe wegen, die jedoch unerwidert bleibt. An die Ostküste zurückgekehrt, beginnt er mit dem Schreiben von unverkäuflichen Büchern, als sich die Weltwirtschaftskrise ankündigt. Dieses Werk ist auch eine intelligente Geschichtslektion.
     
      Nicht zuletzt ist „Das Genie“ ein Buch darüber, wie brutal und rücksichtslos die Mehrheit mit Andersdenkenden umgeht, denen oft gar nichts anderes bleibt, so sie sich denn nicht verleugnen wollen, als sich in Sturheit und Arroganz zu retten. Mit tragischen Konsequenzen, wie Klaus Cäsar Zehrer eindrücklich zeigt.
     
      Glänzend geschrieben, wunderbar witzig und erhellend erzählt – selten ist über „unser“ westliches Wertesystem unterhaltsamer aufgeklärt worden. „Das Genie“ ist ein Meisterwerk!

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    leserattebremens avatar
    leserattebremenvor 9 Monaten
    Kurzmeinung: Ein geniales Buch, bewegend und berührend.
    Das Leben als Wunderkin

    Boris Sidis hat einen steinigen Weg hinter sich, als er Ende des 19. Jahrhunderts aus der Ukraine nach Amerika kommt. Doch er ist klug und sehr belesen, eine einzigartige Karriere liegt vor ihm. Als er Vater wird, will er seinem Sohn die Chance geben, sein Können vollkommen auszuschöpfen und beginnt bereits als Baby bei ihm mit der „Sidis-Erziehungsmethode“, die auf ständige Bildung und Lernanreize setzt. Wie erhofft, entwickelt sich sein Sohn zu seinem Wunderkind, doch ganz wider Erwarten weiß sein Sohn dies nicht zu schätzen und rebelliert auf eine ganz eigene Weise.
    „Das Genie“ von Klaus Cäsar Zehrer hat mich sehr berührt und gleichzeitig mitgerissen. William James Sidis, genannt Billy, ist ein Kind in einer falschen Welt, das nie dazugehört und immer der Überflieger ist, ein Wunderkind, das selbst unter Wunderkindern noch einen besonderen Platz einnimmt. Sein Vater nutzt ihn als Vorführungsobjekt seiner Erziehungsmethode und will so das Bildungssystem revolutionieren, dabei verliert er die Bedürfnisse seines Sohnes völlig aus den Augen. Zu keinem Zeitpunkt darf Billy Kind sein, ständig ist er gefordert. Obwohl ihm das augenscheinlich Freude bereitet, zeigt der Autor auf sehr feinfühlige Weise, wie Billy Stück für Stück von einem Genie zu einem Wunderling kippt, der seinen Platz in der Welt nicht findet. Vollkommen auf Wissen und Bildung ausgerichtet fehlt ihm jegliche Sozialkompetenz, die ihm das Leben erleichtern könnte und so scheitert er immer wieder an der Umgebung und seinen Erwartungen an Sie.
    Klaus Cäsar Zehrers Roman „Das Genie“ ist ein beeindruckendes Buch, die fiktionale Erzählung einer wahren Geschichte über ein Wunderkind, das eigentlich nichts mehr sein möchte als normal. Das ist so berührend und gleichzeitig auch spannend, dass man Zehrers Roman kaum noch aus der Hand legen kann. Mit Billy Sidis habe ich gelacht und gelitten und ich hoffe, das werden noch viele Leser tun. Es lohnt sich. 

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    buchmagie88s avatar
    buchmagie88vor 10 Monaten
    Besonders, eindrucksvoll und einzigartig

    William James Sidis ist mit seinen elf Jahren ein absolutes Wunderkind. 
    Als einer der jüngster Harvard Student aller Zeiten, steht er permanent in der Öffentlichkeit und wird von der Presse als Genie gefeiert. 
    Sein Vater, Boris Sidis, ein bekannter Psychologe, vom brennenden Ehrgeiz angetrieben, steht mit dem Wunderkind-Status seines Sohnes ebenfalls im Rampenlicht. Boris' einziges Ziel war es immer die Welt mit Bildung zu verbessern und in William sieht er seinen absoluten Erfolg verkörpert, da er ihn von Geburt an mit einer speziellen Erziehungsmethode trainiert hat, wodurch, nach Boris' Ansicht, jedes Kind zum Genie werden kann. 
    Doch als William älter wird, wird schnell deutlich, dass er etwas ganz anderes mit seinem Leben geplant hat, als sich seine Eltern für ihn ausgedacht haben. Und, dass er sein Leben genauso leben will, wie er es möchte, egal, was es kostet.

    Ich habe jede einzelne Seite von "Das Genie" von Klaus Cäsar Zehrer geliebt. Obwohl das Buch mit seinen knapp siebenhundert Seiten schon recht üppig geraten ist, hätte ich noch tausend weitere Seiten vom unfassbar faszinierenden 'Harvard-Wunderkind' lesen können. 
    Ich habe selten etwas vergleichbares Fesselndes gelesen wie die Lebensgeschichte von William James Sidis. Obwohl man korrekterweise anmerken muss, dass die Geschichte von "Das Genie" mit Williams Eltern, Boris  und Sarah, begann, was wohl auch eine Art Zeichen für den Rest der Geschichte setzen sollte. Sein gesamtes Leben kämpfte William gegen seine Eltern. 
    Sein Vater, von Ehrgeiz zerfressen, will alles daran setzen die Welt durch Bildung zu verbessern. Mit seiner sogenannten 'Sidis-Methode' startete er bei seinem ersten Kind den Versuch einen perfekten Menschen zu erschaffen. Und damit beginnt auch das sehr lange anhaltende ambivalente Verhältnis des Lesers gegenüber dieser Vaterfigur. 
    Zunächst stimmt man Boris' Prinzipien zu, dass Kinder bei frühst möglicher Förderung alles an Potenzial ausschöpfen können, was das Gehirn ihnen bietet. Als Leser ist man beeindruckt, dass man an William beobachten konnte, zu wie viel Leistung der menschliche Geist in der Lage ist. Auf der anderen Seite allerdings fehlt der Figur des Boris jegliches Empathie Gefühl. Boris ist nicht in der Lage zu sehen, wie das Experiment mit seinem Sohn langsam aber sicher scheiterte. Und genau das ist der Punkt, warum man fast atemlos durch die Seiten von "Das Genie" fliegt. Alle drei tragenden Figuren in Zehrers Geschichte,Boris, Sarah und William, begannen als Charaktere, die zweifellos besondere Fähigkeiten hatten, auf ihre Arten und Weisen mochten sie etwas in der Welt bewirken und strebten nach Höherem. Während die Handlung ihren Lauf nimmt, ist der Leser plötzlich Zeuge jeder einzelnen exzentrischen Verwandlung der Figuren, die diese an verschiedenen Zeitpunkten der Geschichte durchlaufen. Die Eigenarten nehmen immer mehr zu und man beginnt auch zu den beiden restlichen Charakteren ein ambivalentes Verhältnis aufzubauen.
    Am tragischsten agiert dabei die Figur des William, der auf der ständigen Suche nach seinem Platz im Leben immer in Sackgassen zu enden scheint, aufgrund seiner Genialität und seiner absoluten Unfähigkeit im sozialen Interagieren. Auch wenn Williams Exzentrik am deutlichsten in diesem Roman dargestellt wurde, konnte ich nichts anderes für ihn empfinden außer Sympathie und Mitleid. 
    Klaus Cäsar Zehrer hat mit "Das Genie" einen unglaublich großartigen Roman geschrieben. "Das Genie" handelt vom tragischen Scheitern eines bis hierhin mir völlig unbekannten real existierenden Menschen, den ich unglaublich bewundert habe. Trotzdem haftet Zehrers genial konstruierten Roman mit einer Mischung aus Fiktion und Realität, auch ein unbehagliches Gefühl an, mit dem Gedanken, was Sidis alles hätte bewirken können, wenn er sein volles Potenzial ausgeschöpft hätte. 
    "Das Genie" gehört zweifellos zu den Geschichten, von denen man möglichst vielen Leuten erzählen will, von diesem unglaublich besonderen Menschen, der die Tragik seines Lebens noch nicht einmal erkennen konnte. Zehrers Werk ist zudem ein prägnantes Beispiel, warum ich dem geschriebenen Wort auf so intensive Art und Weise verfallen bin:
    Bücher erzählen dir Geschichten von Menschen, die du ansonsten niemals kennen gelernt hättest. Und das wäre bei William ein sehr großer Verlust.

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    Daniela8s avatar
    Daniela8vor 10 Monaten
    Wundervoll!

    Ein ganz wundervolles Buch. Liest sich flüssig, hat einen schönen Stil. 
    Ich fand die Geschichte von Boris Sidis und seiner Familie, besonders dem Sohn William sehr interessant, auch im Kontext der Geschichte Amerikas in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. 
    Das Buch ist recht dick und gegen Ende hat es einige Längen über die ich schneller hinweg gelesen habe. Aber definitiv eine empfehlenswerte Lektüre. 

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    Wiebke_Schmidt-Reyers avatar
    Wiebke_Schmidt-Reyervor 10 Monaten
    Kurzmeinung: Herzzerreißendes, überaus intelligentes Buch über eine verlorene Gestalt, die auf grandiose Art sowohl nervt als auch zutiefst berührt.
    Facettenreich, hervorragend ausgearbeitet, 600 Seiten lang spannend und bewegend

    Ich lese eigentlich sehr gerne sehr dicke Bücher, scheue mich aber als 100% Berufstätige oft davor, weil ich einfach aufgrund der knapp bemessenen Zeit zu lange daran rumzulesen riskiere. Was ich nicht gerne lese, sind Biographien (irgendwie steht mir Fiktion näher). Durch einen Zeitungsartikel wurde ich auf dieses Buch und die Figur des William James Sidis, von dem ich noch nie zuvor gehört hatte, aufmerksam, und trotz der Dicke des Buches und der Tatsache, dass es ja eigentlich so etwas wie eine Biographie ist, reizte es mich so sehr, dass ich es kaufte.


    Ich habe es nicht bereut. Ich habe das Buch in fast nur drei Tagen durchgelesen. Abgesehen von der wirklich interessanten, auf historischen Tatsachen basierenden Geschichte faszinierte mich v.a. die Art, wie Klaus C. Zehrer diese in Romanform verpackt hat. Was daran nun alles wirklich historisch verbürgt ist und was er - gekonnt - dazuerfunden hat, interessiert mich gar nicht so sehr. Wie gesagt, ich mag Fiktion. Die Geschichte hatte trotz ihrer knapp 600 Seiten so gut wie keine Längen. Zu Beginn hatte ich Bedenken, ob ich so viel Zeit mit dem Vater, Boris Sidis, würde verbringen wollen, wie ihm eingeräumt wird, wo mich doch eigentlich die Geschichte des Sohnes, William, interessierte. Aber jeder Teil des Romans ist gleichermaßen sorgfältig und spannend ausgearbeitet, alles greift ineinander, nichts wirkt konstruiert, jedes Teil ist auf seine Art spannend und relevant.


    Zehrer arbeitet die Hauptpersonen auf sehr subtile Art hervorragend aus. Jede von ihnen - Boris, der Vater, Sarah, die Mutter, und William, der Sohn - fangen alle als vielleicht etwas eigenwillige, aber an sich funktionstüchtige Personen mit ein paar besonderen Eigenschaften an. Sie können etwas Besonderes oder brennen für etwas, haben eine Leidenschaft: Sie sind bewundernswert, vielleicht manchmal etwas anstrengend, aber unbeirrbar in der Art, wie sie ihr Ziel verfolgen. Starke Menschen. Plötzlich kommt so ein Moment, wo man sich denkt, "hm, das ist jetzt ein wenig schrulliger als bisher", aber irgendwie ist es immer noch akzeptabel. Vielleicht ein kurzer Ausrutscher (passiert und das nicht allen einmal?), vielleicht sehe ich als Leserin diese Schrulligkeit ja aus dem Blickwinkel einer anderen - ebenfalls etwas eigenartigen - Person in dieser Geschichte; vielleicht liegt die Merkwürdigkeit gar nicht bei der beobachteten, sondern bei der beobachtenden Person. Dann geht es eigentlich wieder wie bisher weiter, bis die Personen nach und nach kippen und man schließlich sagen muss "total plemplem". Ich fand das sehr gekonnt gemacht, richtig lebensecht. Ich kann mir vorstellen, dass es den echten Menschen im Umfeld dieser Figuren ganz ähnlich gegangen sein muss; ein kurzer Verdachtsmoment, aber dann sind da dennoch soundsoviele Indizien, dass die Person eigentlich immer noch die alte ist, nicht weiter ernst nehmen. Und plötzlich hat der andere total den Verstand verloren und man weiß gar nicht so recht zu sagen, an welcher Stelle er eigentlich entglitten ist.


    Die Person des William James Sidis hat mich sehr gerührt. Er würde einen wahrscheinlich restlos nerven, wenn man ihn im wirklichen Leben kennen würde, aber seine tragische Geschichte, die man als Leser in allen Details miterleben darf, gibt ihm so viel Hintergrund, dass er einem eigentlich nur leidtun kann. Man möchte ihn noch nichtmal schütteln in der Hoffnung, ihn aus seinem selbstzerstörerischen Tun zu befreien, weil seine Hoffnungslosigkeit so authentisch ist, weil man genau weiß, dass er gar nicht anders kann. Ich finde es eine bewundernswerte Leistung, wie viele Facetten Zehrer in diese Figur (und die anderen) gepackt hat, wie viel Wissen über diese Erziehungsmethode sowie andere wissenschaftliche Themen er vermittelt, ohne zu dozieren.


    Absolute Leseempfehlung!

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    DesireeMes avatar
    DesireeMevor einem Jahr
    Was geht im Kopf eines Genies vor?

    Claus Cäsar Zeher hat das Leben des vergessenen Genies William James Sidis rekonstruiert und uns somit eine Welt aufgezeigt, die fernab von Elternliebe, Zuneigung und all dem existiert, an was wir uns gerne selber erinnern, wenn wir uns an die eigene Kindheit erinnern. Seine Eltern Boris und Sarah, selbst anerkannte Mediziner höchster Bildung und Intelligenz, haben durch ihren Sohn ein Versuchskaninchen gefunden, bei welchem sie eine neue Erziehungsmethode anwenden konnten. Demnach kann jedes Kind, sofern es schon gleich nach der Geburt "trainiert" wird, zu einem Genie heranwachsen. Und tatsächlich konnte der kleine William bereits mit 2 lesen und schrieb mit 6 vier Bücher. In seinen 154 Regeln propagiert Sidis Gewaltverzicht, Menschenrechte, Keuschheit und das Glück der Bildung. Ein Wunderkind mit vorprogrammierter Weltkarriere, dem selbst die Yellowpress zu Füßen liegt. Währenddessen waren die Eltern stets darum bemüht, allen vom Erfolg der selbstentwickelten Methode zu berichten. Auch die Öffentlichkeit durfte dabei nicht vergessen werden. 
    Das Buch hat mich sehr fasziniert. Zeher hat die Charaktere nicht nur sehr lebendig und eindrucksvoll beschrieben, sondern auch eine Möglichkeit geschaffen, in die Welt einer der klügsten Menschen der Menschheitsgeschichte einzutauchen. Wichtige Fragen wie: Was ist wichtiger im Leben, Glück oder Erfolg? sowie die Bedeutung, die eigene Kindheit auszuleben, rücken dadurch für mich in den Vordergrund und lassen mich noch lange nach der letzten Seite nicht in Ruhe. 

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