Klaus Eichner Topspione im Westen

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Inhaltsangabe zu „Topspione im Westen“ von Klaus Eichner

Sie waren im bürgerlichen Leben Wissenschaftler, Journalisten, Militärs, Politiker, Diplomaten oder Verfassungsschützer, integre Leute mit bundesdeutschem Pass zumeist. Irgendwann entschieden sie sich, für die Gegenseite zu arbeiten: freiwillig, wohlüberlegt und ohne materielle Vorteile in Aussicht zu haben. Mehr als zwei Dutzend Top-Spione der DDR-Aufklärung berichten über ihre Motive, ihre Arbeit und deren Folgen.§Das Einmalige an diesem Buch sind nicht nur die Lebensgeschichten. Nie zuvor in der Geschichte hat sich eine derart große Gruppe von Spionen kollektiv zu Wort gemeldet. Diese erinnern sich selbstbewusst, aber keineswegs selbstkritisch. Denn sie sind unverändert davon überzeugt, das Richtige getan zu haben. Auch wenn sie dafür ins Gefängnis mussten.

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  • Rezension zu "Topspione im Westen" von Klaus Eichner

    Topspione im Westen

    hproentgen

    11. February 2012 um 14:27

    Über zwanzig Topspione der DDR, der Hauptverwaltung Ausland (HVA) berichten hier über ihre Erlebnisse. Das Ergebnis ist spannend, oft auch verstörend. Verstörend sind die politischen Meinungen, die meisten halten immer noch an der DDR als "besserem" Staat fest. Einige allerdings sehen den Tatsachen ins Gesicht, dass dieser Sozialismus nicht ohne Grund untergegangen ist. Doch das Spannende sind nicht die politschen Meinungen. Die sind oft uniform und nicht sehr originell. Spannend sind die Berichte, wie diese Spione in brisante militärische Abteilungen eindringen konnten, wie sie gearbeitet haben. Offenbar war das erstaunlich leicht. Sie mussten sich nur als möglichst weit rechtsstehend tarnen und konnten so leicht die Abwehr von Verfassungschutz und BND unterlaufen, der der festen Überzeugung war: Je weiter rechts, desto sicherer. Das dem nicht so war, dass es zahlreiche überzeugte SEDler gab, die ohne Schwierigkeiten eine nationalkonservative Gesinnung vortäuschen konnten, zeigt das Buch. Bei manchem Spion aber stellt man sich doch die Frage, ob die HVA nicht durch ihre eigene Ideologie mit Blindheit geschlagen war und trotz aller geheimdienstlichen Erfolge genau deshalb scheiterte. In einer Demokratie mit Pressefreiheit gibt es nicht so viele geheime Dinge auf dem Feld der Politik, so manches politische Geheimnis kann man am nächsten Tag in der Bild, dem Spiegel oder der Faz nachlesen. Statt mit großem Aufwand und jahrelangen Vorbereitungen Spione im Westen zu platzieren, wäre es vielleicht weit billiger und effizienter gewesen, sich Abos führender westlicher Zeitungen zu gönnen. Gerade der Bericht Günther Guillaumes wirft diese Frage auf. Ein absoluter Top-Maulwurf direkt neben dem Bundeskanzler, aber was hat er erreicht? Er selbst schreibt, dass er die Verfassungsschutzberichte nicht einfach weiterleiten durfte, weil die Gefahr Bestand, dass sonst der Gegner Wind davon bekam, dass es einen Maulwurf geben müsse. Stattdessen hat er jahrelang als rechter SPDler geackert und geschuftet, also in einer Rolle, die die DDR als "feindlich" ansah. Und er selbst sieht seinen größten Erfolg darin, dass er Willi Brandt bei seinem DDR Besuch dazu gebracht hat, auch das KZ Buchenwald zu besuchen. Zweifelsohne eine noble und wichtige Tat, doch braucht man dafür einen Geheimdienst? Bei militärischen Dingen, die auch in einer Demokratie geheim bleiben sollen, macht ein Geheimdienst sicher Sinn. Doch selbst dort bedauert man bei einigen Berichten die stark eingeschränkte Sicht der DDR und ihrer Spione. Ulrich Steinmann berichtet brisante Details aus dem Beschaffungsamt, wie die Militärs die Politikern mit getürkten Aufwandsschätzungen zu teuren Waffenanschaffungen verleiteten, deren Sinn mehr als fragwürdig waren. Da frage ich mich allerdings, ob es nicht sinnvoller gewesen wäre, diese Erkenntnisse an den Spiegel weiterzugeben, statt an die HVA, bei der sie in Aktenordnern verschimmelten. Ausgerechnet Kuron, der als Doppelagent arbeitete, angeblich vor allem aus finanziellen Motiven, ausgerechnet Kuron sieht die Spionage sehr prosaisch. Über die Stasi Arbeit, die von Gegnern wie Befürwortern so glorreich geschildert wird, meint er: "Na ja, ich gehe davon aus, dass solche Akten auch geschönt wurden, um bestimmten Fällen eine größere Bedeutung zu geben, wie im Westen auch. Wenn ein Hauptamtlicher mal eine gute Quelle halbwegs angeworben hat, dann stellt er seine Quelle in den Berichten doch meist besser dar als sie war. Wer schreibt denn schon, dass er keinen richtigen Kontakt zu der wichtigen Quelle aufnehmen konnte?" Auch in anderer Hinsicht bleibt Kuron nüchtern. "Im Grunde ist der Verfassungsschutz ein aufgeblasener, riesige Summen verschlingender Bürokratenbetrieb mit dem Charme eines Katasteramts, in dem nur fünf Prozent der Mitarbeiter im Außendienst tätig sind. Der Rest klammert sich gelangweilt und frustriert an seine Schreibtische, hat die innere Kündigung längst abgegeben, hat Alkoholprobleme und wartet ergeben auf die nächste Beförderung." Kurons und Steinmanns Berichte sind denn auch die Highlights des Bandes. Spione gibt es in diesem Buches überhaupt nicht, alle waren sie "Kundschafter des Friedens", so nennen sie sich selbst. Kuron, der ebenfalls diesen Begriff für sich in Anspruch nimmt, schreibt darüber aber an anderer Stelle deutlich: "Verrat ist immer das, was der Gegner macht. Man selbst führt Quellen, sammelt Informationen - für eine gute Sache natürlich! Der Gegner hat natürlich Spione und Agenten, die verraten." Diese Erkenntniss hätte manchem anderen Autor des Buches sicher gutgetan. Mit der Bewahrung des Friedens, den die meisten Spione im Buch in Anspruch nehmen, ist es überhaupt so eine Sache. Gleiches, nämlich den Frieden zu bewahren, nimmt im Film "Dame König As Spion" auch der englische Geheimdienst für sich in Anspruch. Haben die Geheimdienste den Frieden im kalten Krieg bewahrt? Ich habe meine Zweifel. Und damit kommen wir zu den weniger spannenden Teilen dieses Buches. Viele Teilnehmer schreiben wenig über ihre Tätigkeit, dafür lamentieren sie umso mehr. Neben der Bewahrung des Friedens, die seitenlang beansprucht, aber nie begründet wird, ist es die glorreiche DDR, die großen Umfang einnimmt. Die Bundesrepublik, dort herrschten alte Nazis, ist das gängige Argument, das immer wiederholt wird. Sicher richtig, sicher eine große Schweinerei und mit Recht kann man das anprangern. Und ganz zweifelsohne hat diese Tatsache viele Gegner der Nazis in die Fänge der DDR getrieben. Nur ändert es nichts daran, dass bei allen Problemen die BRD nie ein faschistisches System war und die DDR bei ihren Bürgern nicht gerade beliebt. Die Scheuklappen der Stasi sorgten dafür, dass diese überall nur Agenten sahen, jeder Bürgerprotest wurde vom BND und CIA ferngesteuert, dass Bürger auch eigene Wünsche und Ziele haben und diese umsetzen wollen, war der Stasi und vielen Autoren in diesem Buch völlig unverständlich. Diese ziemlich schwachsinnige Weltsicht dürfte mit ein Grund dafür sein, dass die Stasi trotz aller Erfolge letztendlich scheiterte. Interessant, dass es auch im Westen Leute gibt, die jeden Bürgerprotest als ferngesteuert sehen und jeder, der andere Meinung hatte, war von der Stasi ferngesteuert. Manche Weltsichten sind sich so ähnlich, man glaubt es kaum. So kann ich leider nur drei Sterne vergeben für ein Buch, das einige hervorragende Schilderungen enthält, aber auch andere, die das Papier nicht wert sind, auf dem sie gedruckt wurden. Wer sich für die Innenansicht der Stasi interessiert und die Weltsicht ihrer Agenten, kommt an dem Band trotzdem nicht vorbei. Leseprobe: leider keine Leseprobe Top-Spione im Westen, Sachbuch, Klaus Eichner, Günther Schramm (Hrsg.), edition ost, September 2008 ISBN-13: 978-3360010964, Tb, 320 Seiten, Euro 14,90

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