Klaus Frühauf

 3.6 Sterne bei 8 Bewertungen
Autor von Mutanten auf Andromeda, Am Rande wohnen die Wilden und weiteren Büchern.

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Rezension zu "Mutanten auf Andromeda" von Klaus Frühauf

Fluch der Altlasten
buchwanderervor 8 Monaten

„Es steckte noch eine Menge Altes in den Menschen, auch wenn sie unterdessen in andere Galaxien flogen.“ (S.127)
Zum Inhalt:

Mit der vierzehnten außergalaktischen Expedition der Terraner gelingt in zweifacher Hinsicht ein Meilenstein in der Geschichte der Weltraumfahrt: der Sprung zu einer anderen Galaxis, Andromeda, und das Auffinden des Ursprungs vorab empfangener Signale, die auf eine höher entwickelte Zivilisation schließen lassen.

Die Quelle der Signale ist recht bald ausgemacht, doch den Empfang der Erdbewohner als frostig zu bezeichnen wäre als sträflich idealistisch zu bezeichnen. Bereits die erste zu dem Planeten, welcher seine Oberfläche unter einer soliden grauen Wolkendecke zu verstecken weiß, geschickte Sonde wird schlichtweg ohne Vorwarnung vernichtet. Obwohl die hochentwickelte (Waffen-)Technik durchaus Hoffnung auf eine ebenso oder annähernd so hochentwickelte Gesellschaft schließen ließe, gelangen die Entdecker aus dem terranischen Raumer im Laufe ihrer, von Widrigkeiten geprägten, Erkundung des Planeten immer mehr zu der Überzeugen, hier nur mehr die Reste einer ehemaligen Hochkultur vorgefunden zu haben.

Zwar weist der Planet eine vielgestaltige und faszinierende Fauna und Flora auf, die beinahe allgegenwärtige hohe Radioaktivität verrichtet jedoch unaufhaltsam ihr tödliches Werk. Dass der Ursprung der letalen Strahlung keineswegs ein rein natürlicher sein kann und dass die degenerierten Bewohner des Planeten in keinster Weise die noch immer zum großen Teil funktionierende Technik ihrer Vorfahren beherrschen, irritiert die irdische Crew. So setzt sich diese zum Ziel dem Phänomen auf den Grund zu gehen, nicht ahnend, dass der wissenschaftliche Enthusiasmus einen hohen Blutzoll fordern könnte…

Fazit:


Klaus Frühauf entwirft ein First-Contact-Szenario welches beileibe nicht neu ist oder vor innovativen erzählerischen und inhaltlichen Ideen strotzt. Trotzdem nimmt die in sich stimmige Geschichte den Leser gefangen, so er sich auf den Handlungsstrang und die Prämissen des Autors einlässt. (Eine davon, in diesem Zusammenhang beinahe klassisch zu nennen, ist jene einer geeinten Menschheit mit dem heeren Ziel der uneigennützigen Exploration unter dem Stern eines gesellschaftlich höheren Zwecks: „Aake Lundgreen war gegen Ende des zwanzigsten , des sagenhaften Jahrhunderts, in dem die Menschheit die Schwelle vom theoretischen zum praktischen Kommunismus überschritt, in dem kleinen Zentrum der schwedischen Raumfahrt in den Saab-Werken beschäftigt.“ (S.41) )

Immer wieder weist er in seinem Text auf jene Schwierigkeiten hin, die Menschen bei einem noch so minutiös geplanten ersten Kontakt mit einer anderen vernunftbegabte Spezies hätten, zumal sie nur sekundär in jener der Verständigung liegen würde. Eher läge es daran, dass der Raumfahrer als Mensch sich stets als soziales Wesen mit allen Vorurteilen, (philosophischen) Ansichern, emotionalen Problemen mitnimmt, wie weit er auch immer reisen möge. „… aber es kann eben keiner aus seiner Haut. Wir alle hängen doch noch sehr am Irdischen.“ (S.124)

Zum Buch:


Das Buch aus dem Verlag Neues Berlin wartet mit künstlerisch sehr ansprechend gestalteten, stabilen Buchdeckeln auf, für deren Design Werner Ruhner in seinem unverkennbaren Stil firmiert. Ruhner hat ebenfalls die atmosphärisch gut getroffenen Illustrationen im Text dazu liefert. Der Buchblock fügt sich solide zwischen die Buchdeckel, wobei der Bedruckstoff aufgrund eines recht hohen, faserigen Holzanteils ( siehe hier) leicht zum Vergilben neigt. Generell ist das Seitenmaterial von keine hohen Qualität, wie man es bei gebundenen Bänden ansonsten erwarten würde. Ebenso lässt der Druck und die Typografie teils etwas zu wünschen übrig ( siehe hier). Gesetzt wurde der Text aus der angenehm lesbaren 11p Garamond. Die Austreibung des Textes in einigen Passagen ist handwerklich nicht erste Sahne ( siehe Beispiel hier).

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Rezension zu "Genion : wissenschaftl.-phantast. Roman - Spannend erzählt ; 166" von Klaus Frühauf

Der Evolution Werk und des Menschen
buchwanderervor 2 Jahren

»Es sind immer die Menschen, die die Verantwortung tragen. Die Wissenschaft und ihre Erkenntnisse sind Werkzeug, nichts anderes.«“ (S.177)

Zum Inhalt:

Horst Kandler und Günther Bachmann ist grundsätzlich ihre Einsatzfreude im Rahmen der Genetik als Wissenschaftszweig Erkenntnisse und Erfolge zu erarbeiten gemeinsam. Ansonsten könnten sie ihn ihrer Methodik dies zu bewerkstelligen nicht unterschiedlicher sein. Dem forschen, überheblichen, man kann sagen alles und jeden dem Ziel unterordnenden Kandler geht der Fortschritt nie schnell genug. Normen und Schutzvorschriften sind für ihn stets hinderliches, lästiges Beiwerk einer ängstlichen, vor Veränderungen zurückscheuenden bourgeoisen Altakademikerriege, die ihn stets nur behindert. So empfindet er den überlegten, teils überkorrekten „Kollegen“ Bachmann auch stets als Bremsklotz, als persönlichen Affront, als all das was er an der rückschrittlichen, ideen- und mutlosen Wissenschaftlergeneretion um sich herum hasst. So wird schnell aus dem akademischen Konkurrenzdenken auch eine handfeste Fehde zwischen den beiden, die sich bis in die persönlichsten Beziehungen des Privatlebens auswirkt und beider Leben auf Jahrzehnte prägt.
Was anfangs in Forscherkreisen als Durchbruch, als Erfolg, als Revolution gefeiert wird erweist sich in letzter Konsequenz denn doch als ein evolutionärer Vorgriff, dem die Menschheit so noch nicht gewachsen ist… und an dem auch das Ergebnis der Forschung letzten Endes zerbrechen muss.

Fazit:

Frühauf stellt in seinem Roman eine jener Fragen auf die bis heute keine letztgültige Antwort gefunden wurde: Wie weit darf der Mensch in die Evolution der eigenen Spezies eingreifen, um den Fortgang der Entwicklung nach seinem Gutdünken zu steuern? Es ist nicht nur die Frage nach Machbarkeiten, nach Werkzeugen und Erkenntnissen, sondern vielmehr eine der Verantwortung, der Moral, der Ethik. Diese Ethik wirft z.B. im Bereich der Tierversuche bereits Fragen auf, die sich bis zum Menschen als Gegenstand von Versuchen durchziehen.  So findet sich eine mögliche Auffassung im folgendem Satz: „Schmälert aber ein Forschungsergebnis den Lebensinhalt des betroffenen Wesens, so ist es inhuman und unmoralisch.“ (S.143)
In „Genion“ klingt eines jener Themen aus Frühaufs Texten wieder durch, dem er sich aus den unterschiedlichsten Richtung immer wieder zu nähern versucht: die Andersartigkeit jener Entwicklungsergebnisse, die oft verklärt angestrebt werden und derer man – gerichtet oder stochastisch – versucht habhaft zu werden, nicht beachtend, dass es nicht nur körperliche Fähigkeiten sind, welche die (menschliche) Evolution auszeichnet. (In Zeiten in denen Inklusion noch immer ein unbewältigtes Thema ist, kann „Genion“ auch aus dieser Sicht gelesen werden!). Als Beispiel sei hier „Das fremde Hirn“ genannt.
Ebenso geht der Text mit politischen und menschlichen Gepflogenheiten im wissenschaftlich akademischen Umfeld ins Gericht. Hatte man die Möglichkeit die Interna akademischer Institutionen einmal etwas intensiver zu erleben, so wird man durchaus bei manchen Passagen eine Déjà-vu erleben, das die hehre Patina akademischer Bildungseinrichtungen arg in Mitleidenschaft zieht.


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Rezension zu "Das fremde Hirn, Wissenschaftlich-phantastische Erzählungen," von Klaus Frühauf

Essenz des Menschseins
buchwanderervor 2 Jahren

„Die Wirklichkeit übertrifft jede Vorstellung, und sei sie noch so phantastisch.“ (S.225)

Zum Inhalt: Modelle sind es, 14 an der Zahl, die Klaus Frühauf entwirft, der drängenden Frage nachgehend, was den Menschen als Individuum und als Spezies in einer sich evolvierenden Umwelt definiert. Dabei fokusiert er sich nicht alleinig auf SF-Dauerbrenner wie Robotik resp. Kybernetik („Transfer“)  oder den Kontakt mit fremden Spezies („Das fremde Hirn“) als Leuchtfeuer für eine Positionsbestimmung dessen was Menschsein ausmachen könnte. Ebenso intensiv nähert er sich dem nach wie vor brisanten Thema der genetischen Manipulierbarkeit dessen woraus wir gemacht sind („Mont“,“Petras Mütter“), versucht der schier ungreifbaren Frage nach dem Determinismus zwischen Umwelt und Veranlagung näher zu kommen und einen aus seiner humanistischen Überzeugung erwachsenden Ansatz von Möglichkeiten zu extrapolieren, der tragende Gesellschaft auch im Umfeld von Wissenschaft und Technik möglich macht.

Folgende Erzählungen finden sich in diesem Band:

Nachtzug Mont Was du ererbt… Hoffnung Herzfehler Der Unfall Kontakt Petras Mütter Die Erde ist ein fremder Stern Der Mörder Transfer Das fremde Hirn Die Chimäre Regeneration

Fazit: Den Grundtenor der Erzählungen bildet Frühaufs positive Sicht auf das Potential des Menschen und dessen Fähigkeit sich zu einem im Kollektiv der Gesellschaft bewährenden Individuum entwickeln zu können, welches über seine eigene Existenz hinaus Großes bewegen kann. Dabei geht er nicht den ausgetretenen Weg der Superhelden oder Einzelkämpfer, sondern real denkbarer und emotional vom Leser erfassbarer Lebenswege stimmiger Charaktere, anhand derer er Konflikte entwickelt, welche seine Darsteller sehr viel öfter in moralische denn in technisch-wissenschaftliche Spannungsfelder gelangt. Nichts liegt Frühauf dabei ferner, als ein plattes, pastelfarbenes Heile-Eierkuchen-Bild mit Happy-End zu malen. Die fesselnden Szenarien lassen den aufmerksamen Leser mit einem oft fröstelnden Hauch im Nacken zurück, jedoch nicht in dem teils modern gewordenen dystopischen Fatalismus endend, sondern mit einem motivierenden Anspornen, nichts einfach hinzunehmen, wachsam zu sein und stets an der eigenen und der kollektiven Integrität einer wertschätzenden Menschlichkeit zu arbeiten.

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