Klaus Grawe kommt aus der Therapieforschung. Er hat jahrelang erforscht, welche Therapieformen tatsächlich wirksam sind und welche nicht. Schließlich ist er dazu übergegangen, die wirksamen Elemente aus verschiedenen Therapieformen zu isolieren und daraus eine neue Therapieform zu entwickeln. Dabei hat er sich auch auf die neuesten Erkenntnisse der Neurowissenschaften gestützt.
Das Ergebnis ist dieses Buch. Er beginnt mit einem neurowissenschaftlichen Überblick über das Gehirn, wie es verschaltet ist und wie es arbeitet. Dabei bemüht er sich, auch für Laien verständlich zu formulieren. Angesichts der Komplexität des Themas sind solche Bemühungen allerdings begrenzt.
Es folgt ein Exkurs über neuronale Korrelate psychischer Störungen, d.h. Vorgänge im Gehirn, mit denen man bestimmte psychische Störungen erklären kann. Als wichtiger zentraler Punkt schält sich dabei die Befriedigung menschlicher Grundbedürfnisse heraus. Grawe formuliert ein konsistenztheoretisches Modell. Vier Grundbedürfnisse, 1) Orientierung und Kontrolle, 2) Lustgewinn und Unlustvermeidung, 3) Bindung und 4) Selbstwertschutz müssen in einem Gleichgewicht zueinander stehen. Das kann er sehr detailliert neurologisch begründen.
Von diesem Modell leitet er eine neue Therapieform ab. Diese Therapieform wird seit etlichen Jahren an einem, nach ihm benannten Institut für psychologische Therapie in Zürich praktiziert. Deshalb existieren auch schon empirische Daten über die Wirksamkeit. Ermutigende Daten, auch in Bezug auf die Behandlung von Depression. Grawe sieht den Einsatz von Antidepressiva kritisch und kann das auch empirisch belegen.
Ein lohnenswertes Werk.




