Klaus Kordon Das Karussell

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Inhaltsangabe zu „Das Karussell“ von Klaus Kordon

Die Geschichte von Bertie und Lisa, zwei, die nichts voneinander wissen und sich aufeinander zu bewegen, als wären sie füreinander bestimmt. Ein wunderbarer Roman, mit dem Kordon die Geschichte einer großen Liebe in den Zeiten des 2. Weltkriegs erzählt und nebenbei ein halbes Jahrhundert Revue passieren lässt. Als die beiden sich begegnen, haben sie schon so manches erlebt: Immer musste das Berliner Servierfräulein Lisa Gerber, die in den Harzer Bergen aufwuchs, für andere da sein. Bertie Lenz, der seine Kindheit und Jugend im Waisenhaus verbringen musste, lebt als Maurer zur Untermiete. Als er sich mit SA-Leuten anlegt, verhilft Lisa ihm zur Flucht. Dann steht er plötzlich vor ihrer Tür - und will nicht mehr fort. Doch bleibt ihnen für ihre Liebe nicht viel Zeit, denn 1939 beginnt der Krieg und ein Jahr später wird Bertie eingezogen und kommt nach Russland. Für Lisa beginnt die Zeit des Wartens. Ihre einzige Erinnerung an Bertie ist ein Kind, Manni, und ein kleines buntes Blechkarussell zum Aufziehen.

Berührendes und authentisches Portrait zweier Menschen und eines halben Jahrhunderts deutscher Geschichte

— LaLecture
LaLecture

Ein wunderbares Buch über die Kraft der Liebe in Zeiten des Krieges...

— Lesefee86
Lesefee86

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  • Berührendes und authentisches Portrait zweier Menschen und eines halben Jahrhunderts

    Das Karussell
    LaLecture

    LaLecture

    18. November 2013 um 21:06

    Inhalt Klaus Kordons Roman erzählt die Geschichte seiner Eltern. Die Geschichte von Bertie und Lisa, zwei Menschen, die unterschiedlicher kaum sein könnten und doch zueinanderfinden. Beide werden Anfang des 20. Jahrhunderts in Deutschland geboren, doch während Lisa bei ihrer Mutter recht gut behütet aufwächst, verbringt Bertie seine Kindheit im Waisenhaus, wo er sich ungeliebt fühlt und nicht versteht, warum seine Mutter ihn nicht nach Hause holt. Auf der Suche nach dem Glück begegnen die beiden sich schließlich im Berlin Ende der 30er/ Anfang der 40er Jahre, doch die Nationalsozialisten und der zweite Weltkrieg durchkreuzen sämtliche Pläne... Meinung Zugegeben, auch meine selbst verfasste Inhaltsangabe klingt nicht besonders aufregend und die Geschichte zunächst wie eine 08/15 Liebesgeschichte, die eigentlich nur deshalb zur Zeit des zweiten Weltkriegs spielt, damit man den lieben Kindern heute etwas darüber beibringen und das Schicksal der Figuren noch wunderbar dramatisieren kann. In Wahrheit ist "Das Karussell" jedoch etwas völlig anderes, denn wie man bereits im Prolog herausfindet erzählt dieser Roman die Geschichte von Klaus Kordons Eltern und das gibt dem Buch eine sehr persönliche, authentische und berührende Note, denn man weiß: Das alles ist so wirklich passiert. So verwundert es dann auch nicht mehr, dass die Geschichte nicht kurz vor Berties und Lisas Begegnung beginnt, sondern mit der Kindheit der beiden, da ihr Leben natürlich nicht nur aus ihrer Liebesgeschichte bestand. Immer abwechselnd wird über Lisa und Bertie berichtet und in Grunde verfolgt man die ersten 250 Seiten, wie die beiden aufwachsen und erwachsen werden und Probleme haben und meistern. Auch wenn die aufgrund des Klappentextes erhoffte Liebesgeschichte noch nicht auftaucht, ist dies jedoch keinesfalls langweilig, denn wie immer erzählt Klaus Kordon wunderbar lebendig und authentisch, sodass man das Gefühl bekommt , in die Geschichte, die Figuren und die Zeit einzutauchen. Ich finde es auch völlig unangebracht, dieses Buch als Liebesgeschichte zu bezeichnen und auf diese zu reduzieren, denn es ist vielmehr ein Portrait zweier Menschen und zusätzlich eines halben Jahrhunderts deutscher Geschichte. Lisa und Bertie sind zwei sehr gut ausgearbeitete Figuren, was angesichts ihrer realen Vorbilder kaum verwunderlich ist. Lisa lernt durch den früheren Tod ihres Vaters früh, für sich und ihre Familie zu sorgen, und erscheint einem immer als selbstbewusste und starke, junge Frau. Trotz der Tatsache, dass es ihr eigentlich an Ecken und Kanten mangelt, war sie mir immer sehr sympathisch. Bertie ist schon etwas vielschichtiger, denn er ist aufgrund seines traurigen Schicksals kein leichtes Kind. Als uneheliches Kind wächst er im Waisenhaus auf und es ist herzzerreißend zu verfolgen, wie seine Mutter wieder heiratet und er überhaupt nicht versteht, wieso sie ihn nicht zu sich nimmt. Angesichts der harten Erziehungsmethoden im Waisenhaus und falscher Freunde wundert es den Leser kaum, dass Bertie Ulm Hitzkopf wird und nicht so ein unbescholtener Bürger wird, wie Lisa es ist, doch man kann seine Gefühle immer sehr gut nachvollziehen, sei es seine Wut auf seine Mutter oder seine trotz allem ungeschmälerte Liebe zu seiner kleinen Halbschwester Greta. Über die meisten Nebenfiguren erfährt man zwar lange nicht so viel, einzigartig und authentisch sind sie jedoch trotzdem alle und gerade die bunte Mischung an Charakteren sorgte dafür, dass ich mich in der Geschichte wie Zuhause fühlte. Wie bereits erwähnt hat mir an diesem Buch nicht nur die Geschichte von Bertie und Lisa gefallen, sondern vor allem Klaus Kordons Talent, Geschichte und selbst ein Thema wie die NS-Zeit, über das es ja nun schon wirklich viele Bücher gibt, spannend und eingehend zu schildern. Man fiebert mit den Personen mit, fühlt sich, als kämpfe man selbst, um während der Wirtschaftskrise in Berlin über die Runden zu kommen, als erlebe man selbst die Schrecken des Krieges. Manchmal hat der Autor sich jedoch meiner Meinung nach zu sehr in einer Art Biografie der Figuren oder langen Beschreibungen der aktuellen Lebensumstände verloren und ich habe mich gefragt, wo denn nun der rote Faden in der Geschichte ist. Deshalb gehörte "Das Karussell" trotz all meines Lobs nicht zu den Büchern, die man an einem Stück verschlingt und gar nicht mehr zur Seite legen kann. Fazit "Das Karussell" ist wieder einmal ein gelungener historischer Roman von Klaus Kordon, der den Leser in das Berlin der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entführt und durch die Geschichten zweier sehr sympathischer Figuren einiges über Geschichte lehrt. Das besondere daran ist sicherlich die Tatsache, dass die Geschichte von den Eltern des Autors handelt und somit eine sehr persönliche Note hat. Insgesamt hat mir aber ein roter Faden, ein Grund dafür, das Buch nicht mehr aus der Hand zu legen, gefehlt, weshalb ich nur 4 Sterne vergebe.

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  • Spannende Liebesgeschichte über zwei Weltkriege hinweg

    Das Karussell
    detlef_knut

    detlef_knut

    09. July 2013 um 17:34

    Der 450 Seiten starke Roman erzählt eine Familiengeschichte über zwei Weltkriege hinweg. Zunächst wird in parallelen Handlungssträngen von den beiden Kindern Herbert Josef Lenz und Elisabeth Gerber erzählt. Herbert, genannt Berti, ist das Kind einer Vergewaltigung. Seine Mutter war als Dienstmagd von ihrem Dienstherrn vergewaltigt worden. Kein Wunder, dass er von ihr nur halbherzig geliebt wird und sie ihn in ein Waisenheim abschiebt. Als die Mutter später wieder einen Mann findet, hat Berti erst recht keinen Platz mehr in ihrem Leben. Das Waisenhaus wird von einem strengen Pater und einem strengen Lehrer geleitet. Gutes hat Berti von diesen Leuten nicht zu erwarten. Schon als kleines Kind von sechs Jahren, als der Erste Weltkrieg 1914 ausbricht, fragt er sich unentwegt, warum seine Mutter ihn nicht zuhause aufwachsen lässt. Sie kommt ihn zwar oft besuchen, aber das ist nicht das, was er sich wünscht. Die Frage, ob er ein ungeliebtes Kind ist, nagt sehr stark an ihm. Aber er lernt, sich im Heim durchzusetzen und wird zu einem so genannten Rüpel, letztendlich zu einem wahren Prügelknaben. Immer wieder kommt er bei Wasser und Brot in den Karzer oder muss sich über den Prügelbock legen und wird windelweich geprügelt. Parallel dazu wird die Geschichte von Elisabeth Gerber, genannt Lisa, erzählt. Lisa wächst im Harz, in Thale, als Tochter des Sohns eines Fleischermeisters auf. Die Mutter hatte sich die Hochzeit mit einem Kleinbürger erkämpft, was deren Vater, Hüttenwerker und überzeugter Sozialdemokrat, gar nicht gerne sah, Jedoch spätestens nach der Geburt von Lisa ergab er sich in sein Opadasein mit einem bürgerlichen Schwiegersohn. Ihre Mutter betreibt eine Wirtschaft, doch mit dem Ersten Weltkrieg bricht das Unheil für die kleine Familie ein und der Vater wird in den Krieg berufen. Von nun an musste sich die Mutter mit Lisa und ihren drei Geschwistern alleine durchschlagen, denn der Vater kehrte aus diesem Krieg nicht zurück.   Der Autor hat einen besonders schönen Stil gefunden, diese in Geschichte, die wie eine Familienbiografie anmutet, niederzuschreiben und zu erzählen. Eigentlich wird die Geschichte aus der Perspektive von Bertis Sohn erzählt. Doch dem stehen nur zwei Kapitel zur Verfügung: der Anfang und am Ende der Epilog. Erst im Epilog erfährt der Leser, wie der Erzähler, der ja gar nicht alles miterlebt haben kann, an die Informationen über seine Familie gelangte. Dazwischen wird das gesamte Buch von einem auktorialen Erzähler vermittelt. Über Jugendzeit und Kindheit der beiden Protagonisten Lisa und Berti bis weit in die erste Ehe hinein verläuft die Handlung beider bis zur Hälfte des Buches separat und parallel voneinander. Man erfährt vom Aufwachsen beider über die grausamen Umstände mit denen sie fertigwerden mussten, auch die schönen Momente, die sie im Leben hatten. Man erfährt, wie Lisa einen Menschen heiratet, obwohl sie ihn vielleicht nicht liebte, aber der ihr ein Zuhause bot, und den sie bis über seinen Tod hinaus respektierte. Man erfährt auch von Berti, dass er eigentlich kein Schläger werden wollte. Aber dass er doch ein großes Stück seines Lebens in diesem Waisenhaus verbrachte und sich dort durchsetzen musste, was wiederum dazu führte, dass er sehr wohl austragen konnte, um sich zu verteidigen.   In teils humorvollen Episoden werden viele Lebensabschnitte dieser beiden Personen geschildert. Der aufmerksame Leser wird erwarten, dass sich die Wege von Lisa und Berti irgendwann einmal treffen müssen. Sie werden auch einen gemeinsamen Weg beschreiten. Nahezu anrührend wird das Bemühen der beiden umeinander aufgezeigt.   Der sehr authentisch wirkende Roman ist ein Musterbeispiel für alle diejenigen, die sich berufen fühlen, aus ihrem eigenen Leben oder aus dem Leben naher Verwandter berichten zu müssen. Es gibt sehr viele Lebensgeschichten, sehr viele Lebensberichte aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges und davor. Aber meistens sind diese Berichte Tatsachenberichte, die einfach und schnörkellos erzählt werden. Als solche lassen sie jedoch oft die Spannung vermissen. Dem ist nicht so bei dem vorliegenden Roman. Dieser Roman ist dramaturgisch inszeniert, auch wenn viele Elemente davon autobiografisch oder biografisch sein sollten, ist zu spüren, dass an der Dramaturgie gefeilt wurde, damit die Leser nicht nur an die Informationen gelangen, sondern auch noch Spaß dabei haben. Ein einfühlsamer, bewegender Roman mit einem Ende, wie es sie auch geben mag. Von mir gibt es dafür fünf Sterne.

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  • Rezension zu "Das Karussell" von Klaus Kordon

    Das Karussell
    Lesefee86

    Lesefee86

    05. February 2013 um 20:36

    "Betten, nichts als weiß lackierte, schon ein wenig abgestoßene, metallene Anstaltsbetten." (1. Satz) Persönliche Zusammenfassung: Es sind die 1920er, gerade ist der erste Weltkrieg beendet und die Menschen in Deutschland atmen wieder auf, da beginnt auch die Geschichte von Lisa und Bertie. Zwei Kinder, die in völlig verschiedenen Welten heranwachsen. Bertie, der im Waisenhaus aufwächst und sich durchs Leben schlägt, doch eigentlich nur die Liebe seiner Mutter spüren möchte; und Lisa, die von klein auf als Serviermädchen arbeitet. In ihrer beider schwersten Stunden treffen sie aufeinander und eine zarte Liebe erblüht, überschattet vom 2. Weltkrieg. "Trotz allem Grau, trotz all dieses Elends aber verspürte sie in jenen ersten Nachkriegswochen auch eine große Erleichterung. Endlich keine Bomber mehr, keine Nächte im Luftschutzkeller und keine Todesnachrichten oder Vermisstenmeldungen von der Front." (S. 414, Absatz 4) Rezension/Meinung: Klaus Kordon hat es mit diesem Buch geschafft mir als Leserin die Ängste, Bedrohungen und Leben der Deutschen zwischen den 1920er und 1940er nahe zu bringen. Wer dieses Buch in der Annahme einer atemberaubenden Liebesgeschichte gewählt hat, wird sicherlich verwundert sein. In Zeiten des Krieges wurde das Wort „Liebe“ etwas anders gehandhabt als wir dies heute tun können. Die Geschichte ist aus beiderlei Perspektiven geschrieben. Bertie berichtet von seinem Leben in einem Waisenhaus, welche Ängste er ausstehen musste und welche Hoffnungen auf eine Zusammenführung mit seiner Mutter in ihm brodelten. Doch nie erfüllt bemerkt man wie sich die Hoffnung immer mehr in Wut verwandelt. Die strenge Hand des Paters und die Abenteuer mit seinem besten Freund fehlen genauso wenig, wie die Beschreibungen darüber, nichts wert zu sein. Ein bisschen erinnert der Anfang daher an die Abenteuer des Huckleberry Finn. Auf der anderen Seite erfährt man wie Lisa mit ihrer Familie einen gewagten Schritt geht und die Mutter eine Schänke eröffnet. Ihr Alltag geprägt von betrunkenen Männern ändert sich in der Zeit kaum, doch hat dieses junge Mädchen Träume. Große Träume, die bald immer mehr Formen annehmen. Voneinander getrennt gehen die beiden ihre Wege, bis sie beide Mitte zwanzig sind. In diesen Jahren führen sie mehrere Schicksalsschläge zusammen und bereiten beiden eine tiefe Liebe. Doch schon bald wird diese auf die harte Probe gestellt: Bertie wird eingezogen und soll im Krieg gegen die Russen Deutschland verteidigen. Während Bertie um sein Überleben kämpft und nur zurück nach Hause will, quälen Lisa die Ängste, dass er nicht mehr zurückkommen wird. Kordon beschreibt so eindringlich die Erlebnisse und Geschehnisse dieser Zeit, dass man fast meint dabei gewesen zu sein. Seine bildlichen Darstellungen machen es einfach sich die Kneipe und die Menschen vorzustellen und es scheint als würden diese Menschen, voller Angst in den Augen, verschlissenen Kleidungsstücken und harten Zügen um den Mund vor einem stehen. Sicherlich spielen auch die Gefühle zwischen Bertie und Lisa eine große Rolle und so ist es auch eine Liebesgeschichte, doch mehr noch ist dieses Buch ein Zeitzeugnis. Es beinhaltet Beschreibungen der grausamen Taten und derer die sie ausführen mussten. Ich selbst bin lange nach dieser Zeit geboren, habe mich aber immer sehr für diesen Teil unserer Geschichte interessiert. Voller Unverständnis dafür, was die Menschen taten ohne mit der Wimper zu zucken. Und auch wenn es noch immer unbegreiflich scheint, bringt dieses Buch einen dazu, sich in die Lage der Menschen zu versetzten und zumindest einen kleinen Deut davon zu bekommen, was damals passiert ist. Ein Buch über die damaligen Verpflichtungen und Verbindlichkeiten, eine Geschichte über Krieg und Liebe und eine Familiengeschichte, die ans Herz geht. Bedrückend und berührend zugleich, möchte man mit in der Gaststube sitzen und tanzen, als endlich die letzten Gewehrsalven verstummen. Eine schöne Geschichte, die niemanden kalt zurück lässt und ein Stück Geschichte in jedem erweckt.

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  • Rezension zu "Das Karussell" von Klaus Kordon

    Das Karussell
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    29. October 2012 um 12:57

    Kurzbeschreibung: Als die beiden sich begegnen, haben sie schon so manches erlebt: Immer musste das Berliner Servierfräulein Lisa Gerber, die in den Harzer Bergen aufwuchs, für andere da sein. Bertie Lenz, der seine Kindheit und Jugend im Waisenhaus verbringen musste, lebt als Maurer zur Untermiete. Als er sich mit SA-Leuten anlegt, verhilft Lisa ihm zur Flucht. Dann steht er plötzlich vor ihrer Tür – und will nicht mehr fort. Doch bleibt ihnen für ihre Liebe nicht viel Zeit, denn 1939 beginnt der Krieg und ein Jahr später wird Bertie eingezogen und kommt nach Russland. Für Lisa beginnt die Zeit des Wartens. Ihre einzige Erinnerung an Bertie ist ein Kind, Manni, und ein kleines buntes Blechkarussell zum Aufziehen... Zum Autor: Klaus Kordon, geboren 1943 in Berlin, wo er heute als freischaffender Schriftsteller lebt. Seine Bücher wurden in viele Sprachen übersetzt und zahlreich ausgezeichnet, darunter mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis für seinen Roman Krokodil im Nacken und die Biografie über Erich Kästner Die Zeit ist kaputt. Zuletzt veröffentlichte er den historischen Roman Im Spinnennetz. Für sein Gesamtwerk erhielt er den Alex-Wedding-Preis der Akademie der Künste zu Berlin und Brandenburg und den Großen Preis der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur. Rezension: In Das Karussell wird die Lebensgeschichte von zwei Personen erzählt: Herbert "Bertie" Lenz, der bereits als Kleinkind von seiner Mutter in die Obhut eines Waisenhauses gegeben wird, in dem strenge Sitten herrschen und er kaum Zuneigung erfährt und Lisa Gerber, deren Vater im 1. Weltkrieg fällt und die zusammen mit ihrer Mutter und ihren Geschwistern lebt. Die Mutter führt eine gutgehende Kneipe, bis es sie nach Berlin zieht. Die Geschichte spannt sich von den frühen 1910er Jahren bis in die Nachkriegszeit und Klaus Kordon erzählt anhand des Romans vom Leben seiner Eltern. Kraftvoll und schonungslos berichtet er über die harten Kinderjahre von Bertie im Heim und auch von seinen Erlebnissen im 2. Weltkrieg an der Front. Nichts bleibt ungeschönt und Klaus Kordon verlangt dem Leser gerade in diesen Schilderungen sehr viel ab, was das Buch aber authentischer denn je wirken lässt. Die Lebensgeschichte von Bertie und Lisa konnte mich sehr für sich vereinnahmen, da die beiden sehr sympathische Charaktere sind, die man sofort liebgewinnt und mit denen man in vielen Situationen mitleidet. Vor allem Bertie hatte es mir angetan, da er bis zum Kennenlernen mit Lisa nicht viel Schönes im Leben hatte. Aufgewachsen im Heim, Pflichtbesuche der Mutter, die neu geheiratet hat, ein weiteres Kind bekommt, aber den Sohn nicht bei sich haben will und das gefängnisähnliche Leben in der Einrichtung inklusive Züchtigung und Karzer (eine Art Arrestzelle bei ungebührlichem Benehmen) prägen ihn sehr. Lisa hingegen ist ein resolutes Mädchen, das sich schon früh durchzusetzen versteht. In ihrer ersten Ehe mit Georg John, die von ihrer Seite mehr aufgrund freundschaftlicher Zuneigung denn Liebe zustandekommt, nicht komplett glücklich, erlebt sie erst nach dem Tod ihres Mannes mit Bertie ihr wirkliches Glück. Der 2. Weltkrieg allerdings befiehlt Bertie an die russische Front und somit beginnen für Lisa Jahre der Entbehrung, ein Leben zwischen Hoffen und Bangen um ihren geliebten Mann. Mehr möchte ich von der Handlung nicht verraten, denn Das Karussell muss man einfach selbst gelesen haben. Selten konnte mich eine Lebensgeschichte so sehr begeistern, denn Klaus Kordon hat einen wunderbaren bildhaften Schreibstil, der auch sehr viel Wert auf Authentizität legt, indem er z.B. den Berliner Dialekt miteinfließen lässt, Straßen und Plätze namentlich erwähnt, als wäre der Leser selbst mit Bertie und Lisa unterwegs. Mir hatte bereits sein Vorgängerroman Im Spinnennetz ungemein gut gefallen und genauso ging es mir wieder mit Das Karussell. Wer gerne über deutsche Zeitgeschichte, eingebettet in eine fesselnde Lebens- und Liebesgeschichte, liest, dem kann ich den vorliegenden Roman nur wärmstens empfehlen, der nicht nur für Jugendliche geeignet ist, sondern auch Erwachsenen durchaus gefallen dürfte. Fazit: Das Karussell vereint eine rührende aber auch tragische Lebensgeschichte zusammen mit historischen Gegebenheiten aus den frühen 1910er Jahren bis hin zur Nachkriegszeit. Klaus Kordon konnte mich wiederum mit seinem wunderbaren Schreibstil begeistern, der bildhaft, ausführlich und authentisch ist. Ein wunderbares Buch!

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