Klaus Kordon Im Spinnennetz

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Inhaltsangabe zu „Im Spinnennetz“ von Klaus Kordon

Nach »1848« und »Fünf Finger hat die Hand« der dritte und letzte Teil der Jacobi-Saga.

Während der Hundstage des Sommers 1890 wird der 16-jährige David mitten in die Konflikte des Deutschen Kaiserreichs gerissen: Er hat staatsfeindliche Plakate geklebt, fliegt von der Schule und soll wegen Verstoßes gegen das „Sozialistengesetz“ angeklagt werden. Sitzt nicht schon sein Großvater im Gefängnis, weil er sich für mehr Demokratie eingesetzt hat? David will nicht in Plötzensee landen, denn wer weiß, ob Anna, die freche Berliner Göre, auf ihn warten würde. Dabei ist Anna das Mädchen seines Lebens ...
Der große Familienroman spielt in einer Zeit, in der im deutschen Kaiserreich protziger Reichtum und politische Willkür einer unfassbaren Armut gegenüberstehen.

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  • Rezension zu "Im Spinnennetz" von Klaus Kordon

    Im Spinnennetz

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    17. October 2010 um 22:15

    "Wir glauben oft, dass wir uns von der Vergangenheit verabschieden können wie von einem alten, nicht mehr benötigten Möbelstück. Doch das klappt nicht. Je weiter wir glauben, uns von ihr entfernt zu haben, desto fester hält sie uns umklammert" (Frieder zu David, S. 514) Ich muss vorweg den Hinweis geben, dass ich erst sehr spät Klaus Kordon für mich entdeckt habe. Ich hatte gerade mein Abitur beendet und ein Praktikum in einer Pressestelle absolviert. Ein Arbeitskollege, der selbst einen Blog betreibt und sich sehr für Stadtgeschichte interessiert, schenkte mir eine wunderschöne Ausgabe der „Roten Marosen“. So tauchte ich ein in den Kordon-Kosmos und in das Berlin des vergangenen Jahrhunderts. Da ich damals bereits plante Geschichte zu studieren, kam mir das Themenfeld natürlich sehr entgegen. Allerdings faszinierten mich noch mehr die detaillierten Beschreibungen und die enorm gute Recherche. Ich war sofort gefangen von der Geschichte und lief in Gedanken dieselben Wege wie die Figuren. Ich hielt mir vor Augen wie die Schauplätze der Geschichten heute aussehen und was man über die Geschichte der einzelnen Orte weiß oder an den entsprechenden Stellen in Erfahrung bringen kann. Gleich nach der Beendigung des ersten Buches schaute ich mir die anderen Bücher an. Die Trilogie der Wendepunkte habe ich geliebt. Der autobiographische Roman „Krokodil im Nacken“ hat mich sehr berührt und mich auch ein wenig über meine eigenen Kindheitserfahrungen nachdenken lassen. „Auf der Sonnenseite“ war für mich hingegen ein Werk, das mir nicht gefallen hat. Es machte einen sehr gezwungenen Eindruck und hat sich nicht so flüssig und interessiert lesen lassen wie die anderen Geschichten. Neben einigen Einzelwerken, gab es dann noch die Jacobi-Saga. Der erste Band „1848- Die Geschichte von Jette und Frieder“ war einfach wunderbar. Die Revolution in Berlin und das beschrieben aus der Sicht eines Zimmermanns war einfach eine geniale Wort-Komposition. Der darauf folgende Band „Fünf Finger hat die Hand“ war nicht weniger spannend und liebevoll geschrieben. In diesem Jahr ist nun der dritte Band erschienen. Das Buch hat den Titel „Im Spinnennetz“ und spielt in der Zeit der so genannten Sozialistengesetze (1878-1890). Da sich die Familie Jacobi schon in den ersten beiden Bänden im politischen Bereich und in den sozialistischen Verbänden engagiert hat, ist es nicht verwunderlich, dass auch sie davon betroffen sind. Frieder (siehe besonders Band 1) befindet sich im Gefängnis und die restlichen Familienmitglieder arbeiten überwiegend im Untergrund. Immer wieder sind sie von Schikanen betroffen und müssen mit einer Verhaftung rechnen. Alle Geschehnisse werden aus der Sicht von David beschrieben. Er ist der Sohn von Tore und Rieke, die besonders in dem zweiten Werk der Saga beschrieben werden. David ist 16 Jahre alt und Gymnasiast. Da er aus einer Arbeiterfamilie kommt, die auch noch wegen ihrer Beteiligung an der sozialistischen Politik sehr vielen Menschen bekannt ist, wird er von den anderen Schülern als Außenseiter wahrgenommen und von den Lehrern gemobbt. Er möchte auch viel lieber eine Ausbildung machen, möchte aber gleichzeitig seine Familie nicht enttäuschen und nimmt daher von solchen Ideen Abstand. Seine Teilnahme an politischen Aktionen und das Zusammentreffen mit der sehr frechen Anna verändern seinen Blickwinkel. Anna lebt in ärmlichen Verhältnissen und trägt ihr Herz auf der Zunge. Nach ihrem Zusammentreffen bilden beide den Mittelpunkt von „Im Spinnennetz“. Es ist die Geschichte ihrer Liebe und ihrer Entwicklung in einer ungerechten Welt, die sich stets in Veränderung befindet und immer wieder Überraschungen bereit hält. Klaus Kordon schafft es mit diesem Werk erneut die Leser in die Vergangenheit zu entführen und berichtet von realen Begebenheiten, die er in die fiktive Geschichte von David und Anna einwebt. Seine Sprache ist, wie auch in den anderen Werken, zwar auf den jugendlichen Leser ausgerichtet, aber keineswegs flach. Sie ist liebevoll und melodisch, ungeheuer beschreibend und witzig. Man befindet sich schon während der ersten Sätze nicht mehr im heimischen Wohnzimmer, sondern im Berlin der 70er und 80er Jahre des 19. Jahrhunderts. Wichtige Begriffe sind mit einem Sternchen versehen und werden in einem Anhang erläutert. Zudem werden Ereignisse, die in den beiden anderen Werken ausführlicher behandelt werden, erwähnt und in notwendiger Länge erläutert. Es ist also kein Problem, wenn man die anderen Bände nicht gelesen hat oder sie in einer anderen Reihenfolge liest. Allerdings hatte ich an diesen Stellen das schöne Gefühl eine eingeweihte und wissende Leserin zu sein. Teilweise erhielt ich den Eindruck, dass ich durch mein Wissen stärker mit den Figuren verbunden bin. Die Geschichte der beiden Liebenden und die politischen Wendungen werden insgesamt sehr spannend erzählt. Und da die Figuren nicht durchschaubar sind, ist man sich nicht sicher wie sie genau handeln werden. Zudem werden ihre Pläne immer wieder durch die Willkürlichkeit der Obrigkeit zerstört. Fazit: Ein absolut empfehlenswertes Buch für junge sowie alte Leser, die ihre Zeit nicht mit skurilen historischen Romanen verschwenden wollen, sondern in die Geschichte des 19. Jahrhunderts eintauchen möchten.

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  • Rezension zu "Im Spinnennetz" von Klaus Kordon

    Im Spinnennetz

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    12. October 2010 um 13:09

    Kurzbeschreibung: Während der Hundstage des Sommers 1890 wird der 16-jährige David mitten hineingerissen in die sozialen Konflikte des Deutschen Kaiserreichs. Eines Morgens stehen preußische Polizeibeamte vor der Tür und wollen ihn verhaften. In der Nacht wurden in Berlin staatsfeindliche Plakate geklebt und man hat am Tatort Davids Gymnasiastenmütze gefunden. Für die Vertreter der Staatsmacht ist der Fall klar: Sitzt sein Großvater, Frieder Jacobi, nicht im Gefängnis Plötzensee, weil er sich für mehr Demokratie eingesetzt hat? Ist sein Onkel August nicht als Armenarzt bekannt und Onkel Köbbe als gesellschaftskritischer Journalist? David will nicht in Plötzensee landen. Denn wer weiß, ob Anna, die freche Berliner Göre, mit dem Herz auf dem rechten Fleck, auf ihn warten würde. Anna, die in einem dunklen Elendsquartier, dem "Schwalbennest", lebt und mit der Arbeit in einem Knopfladen ihre Geschwister durchbringen muss - sie ist das Mädchen seines Lebens... Zum Autor: Klaus Kordon, geboren 1943 in Berlin, wo er heute als freischaffender Schriftsteller lebt. Seine Bücher wurden in viele Sprachen übersetzt und zahlreich ausgezeichnet, darunter mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis für seine Biographie über Erich Kästner, "Die Zeit ist kaputt", und den Roman "Das Krokodil im Nacken". Für sein Gesamtwerk erhielt er den Alex-Wedding-Preis der Akademie der Künste zu Berlin und Brandenburg und den Großen Preis der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur. Doch wohin jetzt? Auf die Straße zurück kann er nicht, dann sehen sie ihn. Hier stehen bleiben kann er aber auch nicht, in jeden Torbogen, jede Haustürnische werden sie spähen...Ach, wäre er doch nur weitergelaufen! Jetzt sitzt er in der Falle, denn die Haustür hinter ihm, die ist doch sicher abgeschlossen, jetzt, mitten in der Nacht. (Seite 300) Rezension: 1890 in Berlin: Der 16-jährige David Rackebrandt lebt zusammen mit seiner Familie und geht aufs Gymnasium. Sein Großvater sitzt in Plötzensee ein, da er überzeugter Sozialdemokrat ist und auch auf die anderen Mitglieder der Familie hat die Staatsmacht ein Auge, da sie politisch sehr engagiert sind. David lernt die 15-jährige Anna Liebetanz kennen, ein Mädchen, das es bisher nicht leicht im Leben hatte. Anna ernährt ihre ganze Familie vom kargen Lohn, den sie in einem Knopfladen verdient. Ihr Vater trinkt und ihre Mutter kümmert sich mehr schlecht als recht um ihre zahlreichen Geschwister. David und Anna verlieben sich trotz ihrer Standesunterschiede. Doch dann wird David beim Plakatekleben erwischt, die staatskritische Texte enthalten, die sein Onkel Jacob, genannt "Köbbe", geschrieben hat, und David wird des Gymnasiums verwiesen. Doch das kommt ihm eigentlich gerade recht, denn er will wie sein verstorbener Vater und inhaftierter Großvater Zimmermann werden und mit Anna eine gemeinsame Zukunft aufbauen. "Im Spinnennetz: Die Geschichte von David und Anna" ist der Abschluss einer Trilogie des Autors Klaus Kordon, bei dem man die Vorgängerromane aber nicht zwingend gelesen haben muss. Bildreiche und detailhafte Beschreibungen verdeutlichen dem Leser die Zeit um 1890 in Berlin und macht sie regelrecht lebendig. Der Roman selbst ist aus der Sicht des neutralen Beobachters geschrieben. David, die Hauptfigur, macht während des gesamten Buches eine sehr rasante Entwicklung durch. Vom Gymnasiasten, den so gar nichts in die Schule drängt, weil er sich dort nicht anerkannt fühlt und von manchen Lehrern vorgeführt, die ihm seine politisch engagierte Verwandtschaft vorwerfen, zum jungen Mann, der selbstbewusst ist und in seinem Zimmermanns-Beruf aufgeht. Eindrucksvoll geschildert und sehr gut gefallen hat mir die Problematik der Standesunterschiede dieser Zeit: Auf der einen Seite die Neureichen, die mit ihrem Geld und Reichtum protzen und auf der anderen Seite die soziale Unterschicht, die von der Hand in den Mund leben muss. Anschaulich und zur Geschichte passend war auch die vielfache Anwendung des Berliner Dialekts in der wörtlichen Rede. Zur Gestaltung des Buchs: Das Cover ist in verschiedenen Orangetönen gehalten, eine Schwarz-Weiß-Abbildung eines jungen Mannes (David) im Vordergrund sticht davon ab. Im Hintergrund ist ein Straßenzug mit alten Häusern und Gaslaternen zu sehen. Fazit: "Im Spinnennetz: Die Geschichte von David und Anna" lässt deutsche Geschichte lebendig werden. Ein Lese-Muss für alle Leser, die sich für die Zeit des Deutschen Kaiserreichs und eine spannende Familiengeschichte interessieren. Wertung: 5 von 5 Punkten

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