Klaus Mann Lieber und verehrter Onkel Heinrich

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Inhaltsangabe zu „Lieber und verehrter Onkel Heinrich“ von Klaus Mann

LIEBER UND VEREHRTER ONKEL HEINRICH –: was soll man sich nun zu Geburtstagen wünschen? … Dass der nächste, oder übernächste, unter gründlich veränderten Welt-Umständen stattfinden möge. (…) Ich habe es so im Gefühl: die Riesen-Sauerei hat ihren Höhepunkt erreicht. Jetzt kommen keineswegs zwei Jahrzehnte deutscher Hegemonie über Europa. Das steht erstens nicht in Hitlers Sternen geschrieben, und ausserdem gibt es, immer noch, zu viel moralische Gegenkräfte in Europa. (…) Wie nett wäre es, wenn wir am Sonntag alle in der rue Rossini zusammen sein könnten: Frau Kröger – grüsse Sie aufs allerartigste von mir – würde etwas Delikates kochen, und Du würdest vielleicht ein Stück Henri vorlesen, und wir hätten es reizend. Jedenfalls aber möchte ich es – wenn irgend möglich – so einrichten, dass ich noch einmal nach Nizza komme, ehe ich den Atlantik wieder überqueren muss … Alle treuen Grüsse und Wünsche Deines: KLAUS KÜSNACHT, 26. MÄRZ 1938

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  • Rezension zu "Lieber und verehrter Onkel Heinrich" von Klaus Mann

    Lieber und verehrter Onkel Heinrich
    Rat_Krespel

    Rat_Krespel

    10. January 2012 um 20:54

    „Wir haben weniger gesprochen, wenn wir in demselben Zimmer saßen. Ein Buch kann gesprächig machen.“ Die beiden ausgesprochenen Kenner der Familie Mann, Inge Jens vor allem von Thomas und Katja Mann und Uwe Naumann, der sich viel mit Erika und Klaus beschäftigt hat, haben sich zusammen getan, um das Verhältnis von Klaus und Heinrich Mann aus den vorhandenen Texten der beiden zu erschließen. Neben dem wichtigsten Teil des Buches, 68 Briefen der beiden zwischen 1924 – 1948, viele davon zum ersten Mal veröffentlicht, finden sich Ausschnitte aus Klaus Manns Autobiografie „Der Wendepunkt“, Essays, der Nachruf von Heinrich Mann auf seinen Neffen und ein erläuterndes Nachwort der beiden Herausgeber. Die Texte sind ein faszinierendes Panorama der Zeitgeschichte. Existentielle Fragen des Exils, politische Diskussionen, aber auch ganz praktische Fragen des täglichen (Über-)lebens zweier Autoren finden sich ebenso wie viele Details aus dem Leben der bekanntesten deutschen Schriftstellerfamilie. Und aus der wissenden Nachschau der heutigen Zeit sind natürlich die Einschätzungen zweier herausragender Intellektueller jener Zeit hoch interessant – auch wenn sie dabei nicht immer richtig lagen. So schreibt Klaus Mann 1938 an seinen Onkel: „Ich habe es so im Gefühl: die Riesen-Sauerei hat ihren Höhepunkt erreicht.“ Das Nachwort der Herausgeber bietet einen kurzen, aber gut zusammengefassten Überblick über das bisher kaum untersuchte Verhältnis dieser beiden Familienmitglieder, und zeigt damit auch, dass es hier noch einiges zu erforschen gibt. So geben Inge Jens und Uwe Naumann einige Anstöße für den Vergleich bestimmter Bücher der beiden, z.B. die Gemeinsamkeiten des Mephisto mit dem Untertan. Selbstverständlich kann dies im Rahmen eines Nachwortes nur angerissen werden, aber so bietet auch dieser Text viele Denkanstöße. Es gelingt den Herausgebern, in den knapp 40 Seiten die vorangegangenen Texte in die Biografien von Klaus und Heinrich Mann sowie in die äußeren politischen und gesellschaftlichen Umstände einzuordnen und den beim Leser entstehenden Eindruck zu untermauern: Hier schreiben zwei Menschen, die viel verbindet – aber weniger auf emotionaler als auf intellektueller Ebene. „Von Deinen Büchern habe ich viel gehabt, Du aber hast nichts von mir - - auch im vorigen Sommer, in Kalifornien, war ich, was mein Neffentum betrifft, wieder ein rechter Versager.“ Herausragend ist der Anmerkungsteil zu den Briefen. Wie schon bei den von Inge Jens herausgegebenen Tagebüchern von Thomas Mann (ab Band …) bieten die Anmerkungen nicht nur viel Wissenswertes, Weiterführendes und dienen damit der besseren Einordnung des Gelesenen, sie sind auch stellenweise fast genauso lesenswert wie die Texte, auf die sie sich beziehen. Ein Teil des Buches bleibt für den Leser etwas schwer zugänglich: Die Herausgeber haben alle Stellen aus den Tagebüchern Klaus Manns (auch aus den bisher nur in Archiven zugänglichen Teilen) zusammengetragen, die sich mit Heinrich Mann, bzw. dessen Familie befassen. Das führt dann zu „Leseerlebnissen“ wie „Kurz weiter Heinrich gelesen“. Der Wunsch, hier alle entsprechenden Zitate vollständig aufzuführen, hat sicher einen wissenschaftlichen Wert, der Nutzen für alle Nicht-Germanisten bleibt aber gering. Aber neben diesen der Vollständigkeit geschuldeten, wenig gewinnbringenden Stellen, finden sich viele, welche die Briefe besser verstehen helfen. Und die auch zeigen, dass Klaus Mann seinem Onkel in einigen Dingen wesentlich kritischer gegenüberstand als es die Briefe und die weiteren Essays vermuten lassen. Ein besonders faszinierender Aspekt dieses Buches liegt aber hinter den eigentlichen Texten: Es ist ein großartiges Beispiel dafür, wie sehr sich die gesamte Familie Mann – und vor allem alle, die selber geschrieben haben – um den einen gruppieren, sich auf ihn beziehen: Der Zauberer, wie ihn vor allem sein Sohn Klaus nannte, ist auch in den Briefen, Tagebucheinträgen und den weiteren Texten immer wiederkehrender Bezugspunkt. Ob als Versuch, sich gegen ihn abzugrenzen, als bewundertes Vorbild, als Person, auf die man bewusst Rücksicht nimmt, um seiner Position nicht zu schaden - immer wieder taucht der Vater und kleine Bruder Thomas aus dem Text auf. Es ist beeindruckend, wie sehr er die Familie prägte und wie viel er auch – trotz aller immer wieder entstehenden Entfremdung – Klaus und Heinrich bedeutete. Damit ist dieses Buch auch für alle Thomas Mann-Interessierten, die bisher mit Klaus und Heinrich wenig anfangen konnten, ein echtes Leseerlebnis.

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