Klaus Mertes

 4 Sterne bei 3 Bewertungen
Autor von Verlorenes Vertrauen, Ökumene in Zeiten des Terrors und weiteren Büchern.

Neue Bücher

Wie aus Hülsen Worte werden

Neu erschienen am 17.09.2018 als Hardcover bei Patmos Verlag.

Alle Bücher von Klaus Mertes

Verlorenes Vertrauen

Verlorenes Vertrauen

 (2)
Erschienen am 01.06.2013
Ökumene in Zeiten des Terrors

Ökumene in Zeiten des Terrors

 (1)
Erschienen am 13.09.2016
Grenzgänger

Grenzgänger

 (0)
Erschienen am 01.02.2017
Wie aus Hülsen Worte werden

Wie aus Hülsen Worte werden

 (0)
Erschienen am 17.09.2018

Neue Rezensionen zu Klaus Mertes

Neu
M

Rezension zu "Ökumene in Zeiten des Terrors" von Klaus Mertes

Verkrustete Bewegung
michael_lehmann-papevor 2 Jahren

Verkrustete Bewegung

Die Ökumene, die „Einheit“ zwischen katholischer und evangelischer Kirche ist ein mühsamer Prozess, der bereits seit Jahrzehnten in konkreten, wichtigen Fragen nicht wirklich von der Stelle kommt, vor allem nicht bei der Abendmahlsgemeinschaft, aber auch beim verschiedenen Verständnis des Stellenwerts von Dogma und Lehrtraditionen (wobei in anderen Fragen wie der Taufe und lebenspraktischen Erwägungen sowie in der vielfach „gelebten“ Ökumene vor Ort unterschiede stärker und stärker verschwimmen).

Klaus Mertes und Antje Vollmer wenden sich in ihrem kritischen Briefwechsel, der die Grundlage dieses Werkes bildet, nun noch einmal und mit „frischen Kräften“ der Frage nach der „Einheit der christlichen Kirchen“ zu. Und dies angesichts äußerer Fakten und Bedrohungen, die eine Einheit zumindest in den Grundhaltungen und im öffentlichen Auftreten geradezu herbei fordern, vor allem aber wichtig wären als eine „Bastion gegen den Terror“ (nicht gegen den Islam per se!).

Ausgelöst allerdings wurde der Briefwechsel beider Autoren bereits im Jahre 2010 im Rahmen des „Missbrauchsskandals“ innerhalb vor allem der katholischen Kirche, erhält seine Aktualität aber vor allem durch die Terroranschläge ab dem Jahr 2015.

„Die Überwindung der Spaltung zwischen Konfessionen und zwischen Religionen ist kein Thema der Vergangenheit, sondern betrifft unmittelbar die Gegenwartsaufgabe, Hass und Verzweiflung zu überwinden“.

Dass dabei ein lutherisches „Hier stehe ich und kann nicht anders“ eher hinderlich wäre, das erläutert Vollmer als ev. Theologin explizit in den Briefen, betont aber zugleich, von den „hohen Gedanken“, die allgemein theologische Streitigkeiten und das Ringen um kleinteilige Details ausmachen, sich zu lösen und Ökumene ganz irdisch mit beiden Beinen auf dem Boden als Aufgabe praktisch und konkret anzugehen. Während Mertes genau an diesem Punkt Unterschiede verdeutlicht.

Wobei es für den ökumenischen Prozess durchaus entscheidend wichtig ist, was Merts im Folgenden formuliert.

„…. dass es wohl auch unterschiedliche Denktraditionen sind, in denen wir stehen und die konfessionell geprägt sind, ohne konfessionstrennend zu sein“. Zumindest sein zu müssen.

Dies scheint der mögliche Weg zu sein, den Schritten in Richtung Einheit des Christentums neue (oder wieder einmal, denn der Gedanke an sich ist nicht neu) Impulse verleihen könnte.

Dass von dogmatischen Lehrstreitigkeiten eher der Blick auf sich gerichtet wird und „Denktraditionen“ anstelle von „ewigen Wahrheiten“ in vielen Fällen treten könnten, die dann das Gespräch auf eine weniger verhärtete und mehr miteinander konstruktiv ringende Kommunikation lenken könnte. Für die dieser Briefwechsel, in dem alle wichtigen Themen von Einheit und Trennendem angesprochen werden, ein gutes und nachahmenswertes Beispiel gibt.

Die „Methode der gegenseitigen Gastfreundschaft in der unbegrenzten Einladung zum gemeinsamen Abendmahl“, das ist für Antje Vollmer jener Schritt, jener vor allem öffentliche Schritt, der in der vorfindlichen Gegenwart ein starkes und sichtbares Zeichen in die Gesellschaft und die Gläubigen abgeben könnte und sollte.

Dem Mertes gar nicht grundsätzlich widerspricht, sondern auch hier auf einen „menschlichen“ Grund rekurriert, der nicht genug betont werden kann.

„In der katholischen Kirche werden Regelüberschreitungen geduldet, wenn sie nicht allzu sehr an die große Glocke gehängt werden“.

Es geht also. Und es geht in den verschiedenen Lehrverständnissen. Und nun müsste es nur noch öffentlich gehen können. Vielleicht ein „Gesichtsverlust“ auf der ein oder anderen Seite, aber ein nötiger und wichtiger Schritt im gemeinsamen Handeln gegen die komplexen Bedrohungen der Welt.

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Gospelsingers avatar

Rezension zu "Verlorenes Vertrauen" von Klaus Mertes

Intelligent und menschlich
Gospelsingervor 5 Jahren

Klaus Mertes hat mit dem Brief, den er am 20. Januar 2010 an die ehemaligen Schülerinnen und Schüler des Canisius-Kollegs Berlin sandte, eine Lawine losgetreten.
Im Brief (der im Anhang des Buches dokumentiert wird) entschuldigt er sich bei den potenziell von Missbrauch betroffenen Jahrgängen der 70er und 80er Jahre. Bis dahin wurde systematisch weggesehen.
Die Missbrauchsfälle werden inzwischen juristisch aufgearbeitet.
„Aber die juristische Sprache erfasst nicht die ganze Wirklichkeit, auch nicht die der Kirche“ (S. 44).

Klaus Mertes will mehr, es geht ihm darum, die Vertrauenskrise der katholischen Kirche zu analysieren und zu überwinden.

Mertes spricht die zwei großen Themen der katholischen Kirche an, Macht und Sexualität. Er schreibt über Hasssprache, Verschwörungstheorien und dem Reinheitsfanatismus, der dazu führt, dass die Kirchenmitglieder sich gegenseitig verpetzen, was einen vertrauensvollen Umgang miteinander unmöglich macht.

Das große Problem der katholischen Kirche ist für Mertes deren Hierarchieverständnis. Die Macht wird als „von oben“ legitimiert betrachtet.
Daraus resultiert auch, dass Priestern eine besondere Nähe zu Gott unterstellt wird. Die sie eben nicht alle haben, wie die Missbrauchsfälle gezeigt haben.
Dazu kommt noch ein ausgeprägtes Elitebewusstsein, das auch am Canisius-Kolleg sehr stark ist und es erschwert hat, den Opfern zuzuhören.

Eine zentrale Rolle spielt der Gehorsam in der katholischen Kirche, und auch damit setzt Mertes sich auseinander. Ebenso gründlich behandelt er das Thema Sexualmoral, den Begriff der Reinheit, das Frauenbild, den Umgang mit Homosexuellen und die Unterschiede zum Islam.

Mertes zeigt Wege auf, wie die Kirche sich öffnen kann, um das verlorene Vertrauen wiederzuerlangen. Große Hoffnungen setzt er in den neuen Papst.

Das Buch hatte für mich ein paar Längen, wo es um kircheninterne Dinge ging, die mir nicht so präsent sind.
Trotzdem lohnt sich die Lektüre.
Klaus Mertes schreibt scharfsinnig, intelligent und auf hohem Niveau, dabei aber zutiefst menschlich.

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rumble-bees avatar

Rezension zu "Verlorenes Vertrauen" von Klaus Mertes

Grundsätzlich interessant, aber leicht verkopft geraten
rumble-beevor 5 Jahren

Ich habe ein wenig Angst, denn ich möchte mich mit meiner Meinung nicht in die sprichwörtlichen Nesseln setzen. Daher möchte ich von vornherein eines ganz klar unterscheiden und festhalten: meine Rezension hat zwei Aspekte, nämlich mein Urteil über das, WAS Pater Mertes schreibt, und WIE er es schreibt. Ohne Zweifel ist dies ein wichtiges und mutiges Buch, aber aufgrund der Schreibweise frage ich mich doch, an wen es sich eigentlich richtet.

Sehr gut gefallen hat mir an diesem Buch mancherlei. Erstens nimmt man Pater Klaus Mertes zu 100 % seinen eigenen Glauben ab. Er spricht über "seine Kirche" immer noch respektvoll, und macht glaubhaft, dass er die Vertrauenskrise gerne als Chance zum Wiederaufbau nutzen möchte. Zweitens ist er wirklich sehr gebildet und belesen; er bringt viele Beispiele aus der Kirchengeschichte, aus der Literatur bekannter Mystiker und Kirchenväter etwa. Und er vergleicht sogar das christliche mit dem muslimischen Offenbarungsverständnis - und zwar ohne zu werten. Sehr wohltuend! Drittens fand ich noch sehr schön, dass er wirklich ehrlich ist. Er schildert Missstände und eingefahrene Strukturen genau so, wie sie sind. Nicht reißerisch-anklagend, sondern neutral und beschreibend. Einem Jesuitenpater hätte ich, ehrlich gesagt, so viel Kritikfähigkeit gar nicht zugetraut.

Nun jedoch zu meinen Kritikpunkten - die dazu führen, dass ich nur drei Sterne gebe statt der vollen Punktzahl. Ich wiederhole es gerne noch einmal - meine Kritik bezieht sich auf den Stil, und auf das Buch als Produkt, nicht auf die angesprochenen Themen!

Pater Klaus Mertes kann es leider nicht verleugnen, er ist eben Akademiker. Demenstprechend ist sein Buch strukturiert wie eine akademische Abhandlung, wie eine Monographie in einem wissenschaftlichen Verlag. Sehr sachlich-logisch ist das ganze Buch aufgebaut: Schilderung der akuten Krise im Jahr 2010 - dann eine Auflistung der Missstände in der Kirche, ziemlich streng durchdekliniert - und in einem dritten Schritt eine "theologische und persönliche Vergewisserung", also ein Rückbezug auf das, was für ihn eigentlich "katholisch sein" ausmacht.

Die Struktur des Buches verlangt schon eine gut aufrecht erhaltene Aufmerksamkeitsspanne vom Leser. Es ist kein Buch, das sich zur Unterhaltung oder zum "Infotainment" in einem Rutsch weglesen liesse. Man muss als Leser geübt darin sein, einem Argumentationsfaden zu folgen. Und das auch schon mal über Absätze oder Kapitel hinweg. Keine ganz leichte Aufgabe!

Auch sein Satzbau, seine Wortwahl, ja der ganze Sprachduktus richtet sich eigentlich ebenfalls an Akademiker. Manche Sätze musste ich mit höchster Konzentration zwei- bis dreimal lesen, um zu verstehen, was er jetzt von mir wollte. Hinzu kommt, dass er verschiedenste Begrifflichkeiten aus der katholischen Welt nicht näher erläutert - ich als Nicht-Katholik hatte so meine Probleme mit Ausdrücken wie "Enzyklika", "Pastoral" oder "Diözese", usw.

Es scheint mir letzten Endes ein Buch zu sein, das nur von einem kleinen Personenkreis wirklich gelesen und verstanden (!) werden kann. Vom Durchschnittskatholiken, vom Durchschnittsleser - ich weiß einfach nicht. Aber um im Umfeld dieser akuten Krise der Kirche wirklich wirksam zu sein, hätte das Buch ein breites Publikum verdient. Ich finde es schade, dass Klaus Mertes (in meinen Augen) an seiner eigenen Zielsetzung vorbei schreibt. Nämlich breitenwirksam "wach zu machen" und Wege aufzuzeigen. Dennoch finde ich das Buch inhaltlich wertvoll. Ich würde es nur nicht jedem empfehlen.

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