Klaus Mertes Verlorenes Vertrauen

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Inhaltsangabe zu „Verlorenes Vertrauen“ von Klaus Mertes

Im Januar 2010 thematisierte Rektor Klaus Mertes in einem Brief an frühere Berliner Jesuitenschüler Kindesmissbrauch und Vertuschung. Damit löste er eine Auseinandersetzung der Öffentlichkeit mit Machtmissbrauch gegenüber Schutzbefohlenen aus, die weltweite Kreise zog. Ein schmerzhafter Prozess hat die Kirche erschüttert und verändert. Auch in der Gesellschaft ist die Wahrnehmung des Problems gewachsen und begannen Schritte der Versöhnung und der Prävention. Pater Mertes erzählt und reflektiert den Gang der Ereignisse, analysiert Gründe und Hintergründe der beispiellosen Vertrauenskrise und zeigt Perspektiven für heilsame Reformen der Kirche auf.

'Ich fordere nicht. Ich spreche von mir selbst. Und ich hoffe, dass das andere ermutigt, auch von sich selbst zu sprechen.'
Klaus Mertes im Bonner General-Anzeiger

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    Verlorenes Vertrauen

    Gospelsinger

    29. January 2014 um 02:50

    Klaus Mertes hat mit dem Brief, den er am 20. Januar 2010 an die ehemaligen Schülerinnen und Schüler des Canisius-Kollegs Berlin sandte, eine Lawine losgetreten. Im Brief (der im Anhang des Buches dokumentiert wird) entschuldigt er sich bei den potenziell von Missbrauch betroffenen Jahrgängen der 70er und 80er Jahre. Bis dahin wurde systematisch weggesehen. Die Missbrauchsfälle werden inzwischen juristisch aufgearbeitet. „Aber die juristische Sprache erfasst nicht die ganze Wirklichkeit, auch nicht die der Kirche“ (S. 44). Klaus Mertes will mehr, es geht ihm darum, die Vertrauenskrise der katholischen Kirche zu analysieren und zu überwinden. Mertes spricht die zwei großen Themen der katholischen Kirche an, Macht und Sexualität. Er schreibt über Hasssprache, Verschwörungstheorien und dem Reinheitsfanatismus, der dazu führt, dass die Kirchenmitglieder sich gegenseitig verpetzen, was einen vertrauensvollen Umgang miteinander unmöglich macht. Das große Problem der katholischen Kirche ist für Mertes deren Hierarchieverständnis. Die Macht wird als „von oben“ legitimiert betrachtet. Daraus resultiert auch, dass Priestern eine besondere Nähe zu Gott unterstellt wird. Die sie eben nicht alle haben, wie die Missbrauchsfälle gezeigt haben. Dazu kommt noch ein ausgeprägtes Elitebewusstsein, das auch am Canisius-Kolleg sehr stark ist und es erschwert hat, den Opfern zuzuhören. Eine zentrale Rolle spielt der Gehorsam in der katholischen Kirche, und auch damit setzt Mertes sich auseinander. Ebenso gründlich behandelt er das Thema Sexualmoral, den Begriff der Reinheit, das Frauenbild, den Umgang mit Homosexuellen und die Unterschiede zum Islam. Mertes zeigt Wege auf, wie die Kirche sich öffnen kann, um das verlorene Vertrauen wiederzuerlangen. Große Hoffnungen setzt er in den neuen Papst. Das Buch hatte für mich ein paar Längen, wo es um kircheninterne Dinge ging, die mir nicht so präsent sind. Trotzdem lohnt sich die Lektüre. Klaus Mertes schreibt scharfsinnig, intelligent und auf hohem Niveau, dabei aber zutiefst menschlich.

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  • Grundsätzlich interessant, aber leicht verkopft geraten

    Verlorenes Vertrauen

    rumble-bee

    21. December 2013 um 15:57

    Ich habe ein wenig Angst, denn ich möchte mich mit meiner Meinung nicht in die sprichwörtlichen Nesseln setzen. Daher möchte ich von vornherein eines ganz klar unterscheiden und festhalten: meine Rezension hat zwei Aspekte, nämlich mein Urteil über das, WAS Pater Mertes schreibt, und WIE er es schreibt. Ohne Zweifel ist dies ein wichtiges und mutiges Buch, aber aufgrund der Schreibweise frage ich mich doch, an wen es sich eigentlich richtet. Sehr gut gefallen hat mir an diesem Buch mancherlei. Erstens nimmt man Pater Klaus Mertes zu 100 % seinen eigenen Glauben ab. Er spricht über "seine Kirche" immer noch respektvoll, und macht glaubhaft, dass er die Vertrauenskrise gerne als Chance zum Wiederaufbau nutzen möchte. Zweitens ist er wirklich sehr gebildet und belesen; er bringt viele Beispiele aus der Kirchengeschichte, aus der Literatur bekannter Mystiker und Kirchenväter etwa. Und er vergleicht sogar das christliche mit dem muslimischen Offenbarungsverständnis - und zwar ohne zu werten. Sehr wohltuend! Drittens fand ich noch sehr schön, dass er wirklich ehrlich ist. Er schildert Missstände und eingefahrene Strukturen genau so, wie sie sind. Nicht reißerisch-anklagend, sondern neutral und beschreibend. Einem Jesuitenpater hätte ich, ehrlich gesagt, so viel Kritikfähigkeit gar nicht zugetraut. Nun jedoch zu meinen Kritikpunkten - die dazu führen, dass ich nur drei Sterne gebe statt der vollen Punktzahl. Ich wiederhole es gerne noch einmal - meine Kritik bezieht sich auf den Stil, und auf das Buch als Produkt, nicht auf die angesprochenen Themen! Pater Klaus Mertes kann es leider nicht verleugnen, er ist eben Akademiker. Demenstprechend ist sein Buch strukturiert wie eine akademische Abhandlung, wie eine Monographie in einem wissenschaftlichen Verlag. Sehr sachlich-logisch ist das ganze Buch aufgebaut: Schilderung der akuten Krise im Jahr 2010 - dann eine Auflistung der Missstände in der Kirche, ziemlich streng durchdekliniert - und in einem dritten Schritt eine "theologische und persönliche Vergewisserung", also ein Rückbezug auf das, was für ihn eigentlich "katholisch sein" ausmacht. Die Struktur des Buches verlangt schon eine gut aufrecht erhaltene Aufmerksamkeitsspanne vom Leser. Es ist kein Buch, das sich zur Unterhaltung oder zum "Infotainment" in einem Rutsch weglesen liesse. Man muss als Leser geübt darin sein, einem Argumentationsfaden zu folgen. Und das auch schon mal über Absätze oder Kapitel hinweg. Keine ganz leichte Aufgabe! Auch sein Satzbau, seine Wortwahl, ja der ganze Sprachduktus richtet sich eigentlich ebenfalls an Akademiker. Manche Sätze musste ich mit höchster Konzentration zwei- bis dreimal lesen, um zu verstehen, was er jetzt von mir wollte. Hinzu kommt, dass er verschiedenste Begrifflichkeiten aus der katholischen Welt nicht näher erläutert - ich als Nicht-Katholik hatte so meine Probleme mit Ausdrücken wie "Enzyklika", "Pastoral" oder "Diözese", usw. Es scheint mir letzten Endes ein Buch zu sein, das nur von einem kleinen Personenkreis wirklich gelesen und verstanden (!) werden kann. Vom Durchschnittskatholiken, vom Durchschnittsleser - ich weiß einfach nicht. Aber um im Umfeld dieser akuten Krise der Kirche wirklich wirksam zu sein, hätte das Buch ein breites Publikum verdient. Ich finde es schade, dass Klaus Mertes (in meinen Augen) an seiner eigenen Zielsetzung vorbei schreibt. Nämlich breitenwirksam "wach zu machen" und Wege aufzuzeigen. Dennoch finde ich das Buch inhaltlich wertvoll. Ich würde es nur nicht jedem empfehlen.

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