Keyserlings Geheimnis

von Klaus Modick 
4,2 Sterne bei17 Bewertungen
Keyserlings Geheimnis
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Mal ein anderes Hörbuch :)

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Wortreiches Hörbuch mit angenehmer Stimme und einem authentischen Lebensgefühl der Boheme zur Jahrhundertwende.

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Inhaltsangabe zu "Keyserlings Geheimnis"

Klaus Modick erzählt von Liebe und Verrat und von einem Schriftsteller, den die Vergangenheit einholt. Im Jahr 1901 lädt der Dramatiker Max Halbe seine Freunde zur Sommerfrische am Starnberger See ein. Eduard von Keyserling, Dandy und Dichter, beliebt beim Publikum wie unter den Kollegen, sitzt dort in jenen Tagen dem Maler Lovis Corinth Modell. Corinth fragt voller Neugier nach der Vergangenheit des skandalumwitterten Grafen, nach seiner Jugend und Studentenzeit, bekommt aber nur ausweichende Antworten. Doch eben diese Vergangenheit holt Keyserling bei einem Konzertbesuch wieder ein. Dort lauscht er gemeinsam mit Frank Wedekind einer Sängerin, die ihm merkwürdig vertraut erscheint. Handelt es sich womöglich um jene Frau, die ihn einst in das Ärgernis hineinzog, das ihn zur Flucht nach Wien zwang und in Adelskreisen zur unerwünschten Person abstempelte? Voller Witz und Verve schildert Klaus Modick, wie ein Außenseiter zu jenem brillanten Schriftsteller wurde, der den Zerfall der eigenen Klasse mit Melancholie und scharfsinniger Ironie beschrieb. Detlef Bierstedt, die deutsche Stimme von George Clooney, Bill Pullman und anderen Hollywood-Größen, verleiht diesem ungekürzten Hörbuch durch sein markantes Timbre außerdem ein zusätzliches gewisses Etwas.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783958620537
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Audio CD
Verlag:Audiobuch
Erscheinungsdatum:20.03.2018
Das aktuelle Buch ist am 08.03.2018 bei Kiepenheuer & Witsch erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    Aqua__s avatar
    Aqua__vor 9 Tagen
    Kurzmeinung: Mal ein anderes Hörbuch :)
    Ein geheimnisvolles Portrait


     Ein schönes Hörbuch über einen Künstler, der sein Leben als nicht bermerkenswert fand und seinen Nachlass zerstören ließ.
    Zum Teil fiktiv, zum Teil Wahrheit und eine unglaubliche Geschichte. Mir hat der Sprecher gut gefallen, eine interessante Stimme :)
    (Ich hatte schon mehrfach ein Rezension hierzu geschrieben, die sich aber nicht abspeichern ließ. Deshalb fällt diese ultrakurz aus. Tschuldigung. Keine Geduld mehr.)

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    OliverBaiers avatar
    OliverBaiervor 20 Tagen
    Kurzmeinung: Wortreiches Hörbuch mit angenehmer Stimme und einem authentischen Lebensgefühl der Boheme zur Jahrhundertwende.
    Die Boheme zur Jahrhundertwende

    Inhalt/ Klappentext:


    Sommer 1901 am Starnberger See: Lovis Corinth porträtiert Eduard Graf von Keyserling, Schriftsteller und Dandy aus baltischem Adel, den seine geheimnisumwitterte Vergangenheit einholt, als unvermutet eine durchreisende Sängerin erscheint. Ein Roman voller Witz, Ironie und Verve über Liebe und Leidenschaft, Verrat und Lüge - und über die Wahrheit von Literatur und Kunst. Detlef Bierstedt, die deutsche Stimme von George Clooney, liest mit Humor und Charme.

    Persönliche Meinung:

    Dieses Buch über den Schriftsteller Eduard von Keyserling hat mich gut unterhalten, mir ein Gefühl dieser Zeit in der Boheme und dem Adel näher gebracht. Die Stimme von Detlef Bierstedt ist angenehm und facettenreich, es kam keine Langeweile auf und hat sich mit viel subtilem Witz und Ironie präsentiert. Klaus Modick hat ein feines Gespür für Sprache und Stimmungen, seine Sätze sind außergewöhnlich, dennoch leicht- man lauscht gerne seinen Wortkreationen.

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    littlesparrows avatar
    littlesparrowvor einem Monat
    Kurzmeinung: Ein wahrer Hörgenuss
    Keyserlings Geheimnis

    Keyserlings Geheimnis
    Hörbuch
    Audiobuch Verlag
    Kiepenheuer & Witsch
    2018
    Autor: Klaus Modick
    Sprecher: Detlef Bierstedt
    ungekürzte Lesung
    6 CDs - 400 Minuten



    Inhalt und Personen

    Keyserlings Geheimnis ist die wohlwollende Geschichte um das Wirken und das Leben des Eduard Graf von Keyserling. Und doch steckt nicht nur Wahrheit in dieser Geschichte sondern auch ein "wie hätte wohl des Grafens Leben ausgesehen, wenn er uns nur mehr von seinem persönlichen Leben verraten hätte?".
    Sehr persönlich ist zumindest die Erfahrung, die Keyserling macht, als Lovis Corinth ein Porträt von dem Grafen anfertigen darf. Doch das Geheimnis, was hier neben dem Portrait herausgestellt wird, ist - wenn auch fiktiv - das Geheimnis der Liebe des Grafen.

    Meine Meinung

    In einer wundervollen - fast schon in Vergessenheit geratenen - Sprache erzählt Klaus Modick die Geschichte des Eduard Graf von Keyserling. Anfangs habe ich Mühe, diesen etwas selbstsüchtig scheinenden Dandy sympathisch zu finden und doch: Edchen, so wie er sich gern auch in seinen alten Tagen nennen lässt, wird mir im Verlauf der Geschichte immer sympathischer.
    Zudem stellt sich im Verlauf seines Lebens heraus, dass er über eine sehr feine Art von Humor verfügt, die mir sehr gefällt. Somit hat "Edchen" bei mir tatsächlich gleich zweimal eine Punktlandung vollbracht: einmal aufgrund seines Humors und einmal, weil er ganz genau weiß, wann Schweigen die angemessenste aller Reaktionen ist.

    Es war mir ein Fest und ein Vergnügen der Stimme Detlef Bierstedts zu folgen und somit mehr über Keyserlings tatsächliches Wirken als auch sein mögliches (Liebes-)Leben zu erfahren.

    Fazit

    Wer sich auf eine Reise in die Vergangenheit begeben und erleben möchte, wie es den Literaten seinerzeit ergangen ist und zudem den feinen sprachlichen Ausdruck genießen möchte, ist sicher mit diesem Hörbuch gut beraten.

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    black_horses avatar
    black_horsevor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Interessanter Einblick in die Künstlerszene und das Leben Keyserlings in gewöhnungsbedürftigem Stil.
    Über das Leben eines Lebemanns

    Graf Eduard von Keyserling, geboren im Kurland, an Syphillis gestorben in München, Schriftsteller und Lebemann. Das Leben dieses interessanten Mannes hat Klaus Modick unter die Lupe genommen und in einen Roman voller Bilder und Episoden gepackt.

    Gewöhnungsbedürftig fand ich den Stil, der im Hörbuchformat auf mich eher gekünstelt als künstlerisch herüberkam. Nichtsdestotrotz gelingt es dem Autor ein sehr umfassendes Bild der damaligen Verhältnisse im Künstlermilieu zu zeichnen und das Leben Keyserlings vor dem Auge des Hörers/Lesers auszumalen. Wieviel davon historisch belegt, wieviel dazugedichtet wurde, kann man leider nicht nachvollziehen.

    Insgesamt ein interessantes Künstler- und Gesellschaftsporträt, das für meinen Geschmack aber zu gewollt wirkt.

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    booklovings avatar
    booklovingvor 3 Monaten
    Einfühlsame, überzeugend vertonte Künstlerbiografie

    INHALT
    Im Sommer 1901 wird Eduard von Keyserling, Dandy und Schriftsteller aus baltischem Adel, von seinem Freund, dem Dramatiker Max Halbe, zusammen mit weiteren Freunden zur Sommerfrische am Starnberger See eingeladen. Dem Maler Lovis Corinth ist es gelungen, den durch seine Syphilis-Erkrankung sichtlich gezeichneten Keyserling zu überreden, Modell für ein Portrait zu sitzen. Unvermutet begegnet er bei einem Konzertbesuch einer durchreisenden Sängerin, die ihm merkwürdig bekannt vorkommt. Und plötzlich wird er an ein lang zurückliegendes Ereignis aus seiner skandalumwitterten Vergangenheit erinnert, das für den jungen Grafen damals fatale Folgen hatte.
    (Quelle Audioverlag)

    MEINE MEINUNG
    In seinem jüngsten Roman „Keyserlings Geheimnis“ widmet sich der Autor Klaus Modick einigen Episoden aus dem Leben und Wirken des baltischen Schriftstellers Eduard Graf von Keyserling. Der inzwischen fast in Vergessenheit geratene Keyserling schrieb stimmungsreiche, impressionistische Romane und Erzählungen über die Welt und den Untergang des kurländischen Adels. Dem versierten Autor Modick ist mit seinem Roman ein sehr überzeugendes Psychogramm dieses vielschichtigen Künstlers gelungen. Sehr stimmig zeichnet er das Bild eines scharfsinnigen, melancholischen und durch seine fortschreitende Krankheit gezeichneten Mannes, der mit Künstler-Freunden aus der Münchner Bohème der Jahrhundertwende Umgang pflegte. In Rückblenden erinnert er sich recht wehmütig an seine baltische Heimat und der adeligen Lebenswelt; zudem lässt er seine diversen Affairen mit jungen Frauen Revue passieren, die dem überaus charmanten, wortgewandten aber wenig attraktiven Grafen nicht widerstehen konnten. Neben einer geschickt angelegten Rahmenhandlung rund um die Entstehung des berühmten Keyserling-Portraits von Lovis Corinth widmet sich Modick der berühmten „Lappalie“ aus Keyserlings Studienzeit, die damals für großes Aufsehen sorgte und ihn zwang, seine kurländische Heimat zu verlassen und nach Wien zu fliehen. Zum Ende seines Romans enthüllt der Autor seine recht plausibel klingende, ausgedachte Auflösung des dunklen Keyserling`schen Geheimnisses.
    Zum Hörbuch
    Detlef Bierstedt ist ein von zahlreichen Hörproduktionen bekannter, routinierter Hörbuchsprecher, der insgesamt eine überzeugende Hörbuchvertonung des Romans abgeliefert hat. Mit seiner tiefen, leicht rauen Stimme gelingt es Bierstedt sehr gut, die unterschiedlichen Stimmungen und die besondere Atmosphäre der verschiedenen Episoden durch nuancierten Tonfall und Variation der Lautstärke einzufangen und diese mit Leben zu füllen. Seine Stimme zeigt ausreichenden Variantenreichtum und macht die verschiedenen Charaktere unverwechselbar.
    Modicks gelungene Mischung aus humorvollen und nachdenklich stimmenden Passagen setzt Bierstedt mitreißend, sehr glaubhaft und ohne zu übertreiben um. Präzise, nicht zu lang bemessene Pausen geben dem Hörer trotz des recht mit flottem Lesetempos Gelegenheit, die Episoden auf sich wirken und Bilder im Kopf entstehen zu lassen. 


    FAZIT
    Eine brillanter, sehr unterhaltsame Künstlerbiographie über die interessante Persönlichkeit des Schriftstellers Eduard Graf von Keyserling und zugleich ein wundervoller Ausflug in eine längst versunkene Welt um die Jahrhundertwende. Die überzeugende Hörbuchvertonung durch Detlef Bierstedt sorgt für 450 Minuten reines Hörvergnügen!

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    Larischens avatar
    Larischenvor 3 Monaten
    Das Leben eines Dandys

    Eduard Graf von Keyserling entstammt dem baltischen Adel und lebt – sozusagen als schwarzes Schaf der Familie – ein Leben als Schriftsteller und Dandy. Er ist gezeichnet von Syphilis und von sich selbst erschrocken, als er ein von Lovis Corinth angefertigtes Portrait von sich selbst sieht.

    Der schon stark eingeschränkte Keyserling wird zurück in seine bewegte Vergangenheit geworfen, als er einer durchreisenden Sängerin begegnet.


    Klaus Modicks „Keyserlings Geheimnis“ wird gelesen von Detlef Bierstedt.


    Der Roman ist keine klassische Biographie. Vielmehr bekommt der Leser Ausschnitte aus Keyserling Leben präsentiert, die auch nicht immer einer Chronologie folgen. Zu Beginn war mir der Graf sehr unsympathisch. Seine Lebensweise und Haltung haben mich gar nicht angesprochen. Im Verlauf der Handlung konnte ich aber auch immer mehr positive Seiten an Keyserling entdecken. Allerdings habe ich den Roman als sehr „durcheinander“ empfunden. Ich habe wirklich nur Etappen seines Lebens wirklich kennenlernen dürfen und der größte Teil seines Lebens bleibt für mich eine Black Box.


    Erzählt wird die Geschichte sehr ausführlich und „blumig“ - ganz passend zur Zeit in der Keyserling lebte. Wer den Film „Was nützt die Liebe in Gedanken“ kennt, der hat ungefähr eine Vorstellung von den Bildern, die in meinem Kopf entstanden.


    Mir persönlich liegt Detlef Bierstedts Erzählstimme leider nicht besonders. Er erzählt sehr ruhig und mit einer sehr tiefen Stimme. Ich konnte ihm aber irgendwie nicht so gut folgen und musste mich des öfteren zwingen, weiter zuzuhören.

    Dazu kam, dass die CDs nach dem letzten Kapitel direkt wieder beim ersten starten, sodass ich wohl einiges doppelt gehört habe, bis ich es gemerkt habe. Das finde ich bei anderen Hörbüchern oft besser gelöst, da kommt zum Teil eine Ansage am Ende oder der letzte Track hat am Schluss noch so viel ruhige Zeit, dass man merkt wenn die CD zu Ende ist.


    Insgesamt hat mir Klaus Modicks „Keyserlings Geheimnis“ nach einem etwas holprigen Einstieg aber ganz gut gefallen und ich bin froh, dass ich das Buch hören durfte. Besonders für Fans der Atmosphäre um die Jahrhundertwende, dürfte dieser Roman eine Freude sein, denn atmosphärisch ist der Roman sehr dicht.

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    Bibliomanias avatar
    Bibliomaniavor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Ein interessantes Leben, aber ich hätte mir mehr tiefe in die biografie gewünscht.
    Keyerlings Geheimnis

    Ich habe von Klaus Modick bisher nur "Sunset" gelesen, was mir sehr gut gefallen hat, und sein viel gelobtes "Konzert ohne Dichter" auf meiner Wunschliste stehen. 

    Mit "Keyserlings Geheimnis" habe ich zum ersten Mal ein Buch des Autoren gehört, dessen Stimmen wirklich sehr gut ausgewählt und passend zu den unterschiedlichen Charakteren sind, die Eduard von Keyserlings Leben geprägt und begleitet haben. Klangvoll und unterschiedlich gefiel mir besonders die tiefe Stimme Detlef Bierstedts.
    Eduard von Keyserling ist kein schöner Mann - im Gegenteil, er sieht verlebt und alt aus, geprägt von der Krankheit Syphilis, an der er schon früh erkrankte. Keyserling machte von jeher ein großes Geheimnis um seine Vergangenheit.
    Als er 1901 bei Freunden am Starnberger See verweilt, porträtiert ihn Lovis Corinth, dessen Gemälde wunderbarerweise im inneren der CD-Hülle abgedruckt ist. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass Eduard von Keyserling genauso aussah, sich so kleidete und so wirkte.
    Als er eines Abends mit einem Freund zu einem Konzert geht und die Sängerin auf der Bühne erkennt, holt ihn seine Vergangenheit jäh wieder ein.
    Die Stimme Detlef Bierstedts lullt den Hörer sofort ein. Man ist gebannt von der Stimme, die so ruhig und bedächtig spricht und auch die ausgefeilte, feine Sprache Klaus Modicks wunderbar zur Geltung bringt. Aber was das Leben Keyserlings selbst angeht, fand ich es persönlich ein bisschen wenig. Es bleiben Fragen offen und es wird zwar alles ein wenig angerissen, aber so richtig ins Detail geht es eigentlich nicht. Dabei hätte ich so gern alles ganz genau gewusst. Vielleicht ist nicht soviel über das Leben des Dandys bekannt?
    Die Szene im Haus seiner Mutter und seines Vaters, mit dem Bruder und dem Hof hat mich etwas verwirrt und für mich nicht so richtig in die Geschichte gepasst.
    Fazit: Eduard von Keyserling hatte ein interessantes Leben, das ich gern genauer erfahren hätte. Detlef Bierstedt hat das Hörbuch aber zu einem tollen Erlebnis gemacht, wobei die Kombination seiner Stimme und Modicks Sprache besonders gut harmonierten.

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    BWV-57s avatar
    BWV-57vor 3 Monaten
    Interessantes Zeitportrait

    Der bekannte Autor Klaus Modick erzählt, teilweise in Rückblenden, die Lebensgeschichte des Schriftstellers Eduard von Keyserling (1855-1918). Ausgehend von einem Portrait Keyserlings von Lovis Corinth werden Szenen aus seinem Leben geschildert. Keyserlings Herkunft und Lebensumfeld werden ausführlich beleuchtet und eine Liebesgeschichte spielt ebenfalls eine wichtige Rolle.

    Das Buch ist sprachlich und erzählerisch sehr gelungen. Es gibt einige literarische Anspielungen, die mir gefallen haben (auch wenn mir vermutlich manche entgangen sind). Besonders viel Handlung findet eigentlich nicht statt, sodass man das Buch nicht als spannend im klassischen Sinne bezeichnen kann, dennoch fand ich es sehr interessant, da man sehr schnell in die damalige Zeit eintauchen kann. Die Atmosphäre des Künstlerkreises, in dem sich Keyserling bewegt, wird durch die gekonnten Beschreibungen direkt greifbar. Auch seine weitere Lebensgeschichte wird sehr anschaulich geschildert und man fühlt sich fast in die Zeit der Handlung hineinversetzt.

    Eduard von Keyserling begegnet seiner Umwelt mit einer gewissen ironischen Distanz, was zusammen mit den geistreichen Dialogen für gute Unterhaltung sorgt. Etwas schade fand ich nur, dass ich mit keiner der Figuren so richtig warm werden konnte, weil sie alle etwas weit weg vom Leser erschienen. Auch die Hauptfigur wurde mir nie so richtig sympathisch.

    Dennoch: Wer sich für Künstlerbiografien oder für die Zeit der Jahrhundertwende interessiert, sollte auf jeden Fall einen Blick in dieses Buch werfen. Wer einfach nur gute Beschreibungen lesen und eine kleine Zeitreise erleben will, wird ebenfalls bestens bedient. Wer „Konzert ohne Dichter“ bereits kennt und mag, wird sicherlich auch hieran Vergnügen finden.

    Das Hörbuch wird in einem für mich angenehmen Tempo sehr gut gelesen, die Stimme passt auch zum Buch. Man kann der Geschichte gut folgen und hört gerne zu.

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    wandablues avatar
    wandabluevor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Ein Muss für Modick-Freunde. Ein Gewinn für den, dem Keyserlings Namen geläufig ist.
    Ein Ausschnitt ergibt ein ganzes Bild.

    Ein Ausschnitt ergibt ein ganzes Bild.
    „Keyserlings Geheimnis“ wird erst zum Schluss enthüllt und ist nicht so tragisch wie gedacht. Einerlei. Darauf kommt es nicht an. Die Figur des Schriftstellers Eduard Graf von Keyserling, (1855 bis 1918), hat der Autor Klaus Modick meisterlich getroffen. Nicht weil Keyserling ganz genau so gewesen ist, wie er ihn beschrieben hat, sondern weil er so, wie geschildert, tatsächlich hätte sein können. Fiktion und Recherche fließen im Roman fast unmerklich ineinander.

    Anhand einer Sitzung zu einem Porträt, das Lovis Corinth von ihm in der Sommerfrische anfertigt, heute in der Münchner Neuen Pinakothek zu bewundern, erinnert sich Keyserling an seine späte Jugend auf Schloss Paddern im heutigen Lettland. An seine Jugendsünden. An die Eltern. An seine Liebeleien. An erste Versuche, etwas zu schreiben. An seine Schwestern.

    Keyserling war ein begüterter Hallodri. Der an der Liebeskrankheit litt, was schließlich zur Erblindung führte. Warum war er so bindungsunfähig? Man kann die Theorie nachvollziehen, die der Autor aufstellt. Man vermisst  schmerzlich ein Vorwort, das Quellen benennt und das Fiktionale bekennt. Und Daten. Daten. Daten.

    Klaus Modick formuliert mit Humor und aussergewöhnlich schönen Bildern: Man könnte ihm ewig lauschen! Man sieht jeden Schauplatz vor sich. Die blühenden üppigen Weiden Kurlands, die schönen Mädels, die stinkenden Zigarren der parlierenden Herren, es raschelt die Seide der Garderoben der Damen. Die Bohemiens der anderen schmarotzenden und leichtsinnigen Schreiberlinge und Künstler seiner Zeit treten auf und ab, werfen sich Grobheiten an den Kopf und zeichnen den zeitlichen Rahmen.

    Die Biografie ist ebenso gekennzeichnet, durch das, was sie erzählt wie auch durch das, was sie weglässt. Das Bild der Epoche des ausgehenden 19. Jahrhunderts mit seinen vertrauten Anklängen ersteht subtil und leicht melancholisch vor dem inneren Auge des Lesers. Beinahe sitzt er selber am Tisch der Literaten. Beinahe lässt er selber die Dukaten springen. Doch es fehlt der Schmerz über die Krankheit. Überhaupt der Schmerz eines Lebens. Er ist zart angedeutet. Aber vermutlich spielte er eine größere Rolle, als Modick ihm  zugesteht. Die letzten Jahre kommen überdies viel zu kurz. Und dennoch hat man nicht den Eindruck, man hätte Keyserlings Persönlichkeit verpasst. Manchmal bekommt man durch einen gut skizzierter Ausschnitt den Zugriff auch auf das gesamte Bildnis. Klaus Modick ist ein wunderbarer Autor. Ein Künstler.

    Der Sprecher Dieter Bierstedt ist natürlich hervorragend. Dass mir seine Interpretation als eine Spur zu pathetisch erscheint, ist Geschmacksache und rechne ich deshalb nicht an. In den Passagen, in denen Dialekt gesprochen wird oder wenn er Frauenstimmen imitiert, bin ich hin- und hergerissen. Beim Dialekt vor Begeisterung.

    Fazit: Fein unterhaltsames Bild von Eduard Keyserling. Biografie gar nicht langweilig. Witzig. Humorvoll. Liebevoll.

    Kategorie: Hörbuch. Biografie.
    Audiobuchverlag, 2018

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    Schmiesens avatar
    Schmiesenvor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Eine ruhige, szenische Biografie, die inhaltlich nicht großartig überrascht, aber durch Atmosphäre und Stimmung überzeugt.
    Modick - Meister des atmosphärischen Künstlerromans

    Sommer 1901 am Starnberger See: Lovis Corinth macht es sich zur Aufgabe,  Eduard von Keyserling zu porträtieren, seines Zeichens Dandy und Schriftsteller aus baltischem Adel. Dieses Porträt und seine Entstehung am und um den Starnberger See herum nimmt Modick als Aufhänger für eine Reise in Keyserlings geheimnisumwobene Vergangenheit, die uns ins Baltikum, nach Wien und nach München führt.


    Nach "Konzert ohne Dichter", das mich begeistern konnte, schenkt uns Modick mit "Keyserlings Geheimnis" einen zweiten Künstlerroman über einen Schriftsteller und Dichter, der zwar zu den Klassikern zählt, den mit Sicherheit aber nicht viele kennen. Auch für mich war Keyserling ein Fremder - bis mich Modick und der hervorragende Sprecher Detlef Bierstedt mit auf eine Reise genommen haben. 

    In "Keyserlings Geheimnis" geschehen keine großen inhaltlichen Überraschungen, auch das Geheimnis ist schnell gelüftet, doch darum geht es auch gar nicht bei Modicks Erzählung. Mit seinen Figuren und Schauplätzen erschafft er eine so fein ziselierte, komplexe, wunderschöne Atmosphäre, dass man einfach immer weiter lauschen will. Die Charaktere erhalten Tiefe, obwohl wir sie nur über einen kurzen Zeitraum hinweg begleiten. Gerade Keyserling wird als ironischer, selbstzweiflerischer und ganz und gar nicht fehlerfreier Mensch dargestellt. Spielschulden plagen ihn genauso wie die Syphilis, die er scheinbar ungeniert an seine zahlreichen Sexualpartnerinnen weitergibt. Und doch ist er ein Sympathieträger, ein ewiger Zweifler und Systemkritiker, der sich nichts mehr ersehnt, als aus dem Zwang des baltisch-russischen Adels auszubrechen.

    Das Porträt, das im Klappentext so hervorgehoben wird, nimmt wenig Platz ein in diesem Roman. Höchstens könnte man es als Aufhänger bezeichnen, vielleicht noch nicht einmal das. Modick springt durch Keyserlings Leben, erzählt Episoden und Anekdoten, und erst am Ende fügt sich alles. Hat man längere Zeit nicht gehört, so fällt es zunächst schwer, den Einstieg wieder zu finden, doch irgendwie folgt doch alles einer insgeheimen Stringenz, die sich mehr dem Herzen als dem Verstand erschließt. Und genau das macht Modicks leise, aber intensive Romane so eindrucksvoll.

    Dank Detlef Bierstedt durfte ich mit "Keyserlings Geheimnis" einige schöne Hörstunden verbringen, die auch gerne noch hätten weitergehen dürfen. Solchen Geschichten könnte man ewig folgen. Das Hören lohnt sich hier!

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    Audiobuch_Verlags avatar
    Jetzt auch als Hörbuch: Klaus Modicks „Keyserlings Geheimnis“

    Der Dichter-Dandy mit dem dunklen Geheimnis

    Klaus Modicks Künstlerroman über einen großen deutschen Literaten

    Keyserling liebt das Leben. Das Leben zeichnet Keyserling. Und Lovis Corinth malt ihn. Als von der Syphilis zerfurchter Mann bleibt er der Nachwelt erhalten. Doch wer war Keyserling wirklich? Den skandalumwitterten Literaten umgeben Mythen und Geheimnisse. Klaus Modick nähert sich voller Witz und Schwung der Vergangenheit des baltischen Grafen an.

    Im Jahr 1901 weilt der Graf wie Corinth und andere Künstler zur Sommerfrische am Starnberger See. Darunter sind auch ihr Gastgeber Max Halbe und Frank Wedekind. Keyserling beauftragt Corinth, ein Porträt von ihm anzufertigen. Während der Sitzungen versucht der Maler hinter die Fassade seines Kunden zu blicken. Warum flog dieser aus seiner Studentenverbindung? Was war der Anlass dafür, dass seine Familie ihn verstieß? Doch nichts. Keyserling bleibt stumm. Später aber kommt Licht ins Dunkel. Dann nämlich, als Keyserling mit Frank Wedekind ein Konzert besucht. Kommt ihm die Sängerin nicht merkwürdig bekannt vor? Sollte Sie diejenige sein, welche damals …? Nein, es kann nicht … Oder doch? Ist sie der Grund für den Skandal, der ihn einst zur Flucht nach Wien zwang?

    Modicks halbfiktive Künstlerbiografie ist eine lebendige Suche. Er ergründet die Spuren eines Dandys und Außenseiters, der zu einem brillanten Schriftsteller wurde. Das ungekürzte Hörbuch aus dem Audiobuch Verlag wird gelesen von Detlef Bierstedt. Bierstedt ist vielen als deutsche Synchronstimme von George Clooney bekannt. Sein angenehmes Timbre führt mit Charme durch den Roman.

    Zu diesem großartigen Titel möchten wir mit euch eine neue Hörrunde starten! Wir stellen euch 15 Hörbuchexemplare zur Verfügung, auf die ihr euch bewerben könnt, indem ihr uns die folgende Frage beantwortet:

    Mit welchem deutschen Schriftsteller (Keyserling ausgenommen) würdet ihr gerne mal ein Glas Wein trinken und warum?

    Wir freuen uns auf zahlreiche Bewerbungen und eine neue Hörrunde mit euch! Allen viel Erfolg, wir drücken fest die Daumen.
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