Klaus Siewert Links der Weser

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Inhaltsangabe zu „Links der Weser“ von Klaus Siewert

Einleitung ___________________________________________________________ Seit jeher steht die Stadt Minden stellvertretend für einen urbanen Raum, in dem das Nebeneinander verschiedener Ethnien wie selbstverständlich funktioniert und Integration nicht als regulatives Prinzip politischen Wün-schen und Wollens daherkommt, sondern tatsächlich gelebt wird. Das ist dort selbstverständlich, weshalb insbesondere die Oberstadt als ein Vor-bild und damit zugleich ein politisches Symbol der Stadt Minden gesehen werden kann, unabhängig davon, ob das von den Einwohnern der Stadt wahrgenommen oder von Außenstehenden überhaupt gewusst wird. Ge-legentlich hält die Mindener Altstadt sogar als Argument in der über-regionalen politischen Diskussion her, wenn es um Fragen und Probleme der Integration von Ausländern in Deutschland geht. Ludwig Köllmann schreibt dazu in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: „Die hiesige Be-völkerung kennt unsere Sinti als lokale Bürger … Nach dem Ersten Welt-krieg wurden sie hier sesshaft … Ich saß in meiner Klasse zwischen zwei Sinti-Kindern. Wir teilten unsere Interessen“ (Leserbrief in der FAZ zum Artikel „Arme Roma, böse Zigeuner“, FAZ 19.9.2012). Zu einer toleranten urbanen Kultur gehört insbesondere auch die Straßen-kunst in allen ihren Formen. Graffiti können dabei - vergleichbar den mittelalterlichen Wege- und Warnzinken - die Funktion von medial unter-schiedlich organisierten Botschaften übernehmen, abseits der direkten kommunikativen Begegnung der Bewohner übermitteln sie persönliche oder auch politische Botschaften, werden toleriert oder übermalt. Jeden-falls sind sie Zeugen eines lebendigen sozialen Gefüges, ob sie nun als klassische Graffiti, Tags, Adbuster, Plakate oder Wandmalereien daher-kommen. Neben den Graffiti, die in allen Fällen unabhängig der je-weiligen Kunstform gewollte Botschaften sind, kommt es im städtischen Raum zu einer ungelenkten Kunst, die aus Überlagerung und Verwit-terung entsteht. Das ist insbesondere an Plakatwänden zu beobachten, wenn die Zeit über die einst aktuellen Ankündigungen hinweggeht und äußere Einflüsse neue Formen und Inhalte gebären. Gelegentlich werden die Bilder von Sprache begleitet, die in Sprechblasen erscheint oder den Graffiti einfach beigeschrieben wird. Oft ist die Bot- schaft politisch: Sei deutsch und hör auf zu denken! (Pöttcherstraße); Die Zukunft ist bunt! (Bäckerstraße); Gegen Zensur! (Königswall); Freiheit für Jonas G! (Poststraße), manchmal sprachspielerisch-banal: Dick ist schick! (Scharn), oder sie entspringt einfach dem individuellen Bedürfnis nach Zweisamkeit und ist dann dialogisch gemeint, also keine Botschaft an die Allgemeinheit: Phil, ich liebe Dich, Deine Nadine! (Leiterstraße). Die Bildmotive sind dabei vielfältig, realitätsnah oder abstrakt. Bemer-kenswert ist die an verschiedenen Stellen der Stadt immer wiederkeh-rende Kuh (Klausenwall, Scharn, Stiftsstraße, Greisenbruchstraße). Nicht überall in der Stadt trifft man auf Graffiti. Das Zentrum der Min-dener Straßenkunst ist die Oberstadt, in der unteren Altstadt kommen Graffiti gelegentlich vor. Restaurierung und Renovierung haben andern-orts, zum Beispiel in der Fischerstadt, unten am linken Weserufer, so gut wie nichts mehr hinterlassen. Das gilt auch für einzelne Straßenzüge der oberen und unteren Altstadt, etwa die Alte Kirchstraße, das Rampenloch, den Weingarten oder auch den Bartlingshof. Die Lage auf der rechten Weserseite läßt sich noch nicht genau beurteilen, hier sind Recherchen im Gange, deren Ergebnisse dann in einen Folgeband münden könnten. Diese Dokumentation ist eine Momentaufnahme der stets im Wandel befindlichen Graffiti-Kunst in Mindens Altstadt aus der zweiten Hälfte des Jahres 2012. Schon in absehbarer Zeit werden manche der hier ge-zeigten Graffiti so nicht mehr zu sehen sein, Neues wird hinzukommen. In dieser dauernden Dynamik gibt es allein eine Konstante, den Raum. Für alle hier dokumentierten Stücke gilt, dass die Schöpfer der Wand-malereien, Graffiti und Plakatierungen, Sprayer, Maler, Kritzler und Pa-perworker, in der Regel hinter ihren Werken zurücktreten und über diese Anonymität zusätzlich Spannung schaffen. Die Kunst ist nach Straßen geordnet. Wie ihr Erscheinen im Raum ein tolerantes Nebeneinander ist, bleibt sie thematisch ungeordnet. Alle hier dokumentierten Stücke sind betitelt, bekommen Namen, die neue, manch-mal geheimnisvolle Bezüge schaffen. Dieser Band fügt sich in eine Reihe vergleichbarer Dokumentationen, die eine Art Würdigung und Anerkennung dieser gelegentlich gescholtenen Kunst versuchen. Bereits erschienen sind Dokumentationen von Straßen-kunst auf St. Pauli, im Hamburger Karolinenviertel und in der Schanze (2010-2012), weitere Projekte dieser Art laufen zur Zeit in Dresden, Leipzig, Heidelberg, Frankfurt und anderswo. Dabei scheint sich das Un-ternehmen, das auf eine Idee des Herausgebers zurückgeht, durchaus im Einklang mit zeitgenössischer Kunstphilosophie zu befinden. „Ich bin für eine Kunst, die etwas anderes tut, als auf ihrem Arsch im Museum zu sitzen. Ich bin für eine Kunst, die entsteht, ohne zu wissen, dass sie überhaupt Kunst ist (…), die ihre Form direkt aus dem Leben bezieht.“ Ellen H. Johnson / Claes Oldenburg „Mit dem Graffiti bricht in einer Art von Aufstand der Zeichen das linguistische Ghetto in die Stadt ein (…). Es genügen tausende mit Markers und Sprühdosen bewaffnete Jugendliche, um die urbane Signalethik durcheinanderzubringen, um die Ordnung der Zeichen zu zerstören.“ Jean Baudrillard „Weder durch legales noch durch illegales Hervorbringen von Kunstwerken entsteht der Gesellschaft oder dem Einzelnen Schädigung. Hingegen bedeutet deren willentliche Vernichtung Unterdrückung von Möglichkeiten zur Bewusstseinsbildung.“ Joseph Beuys

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