Klaus Theweleit Männerphantasien, Band 1: Frauen, FLuten, Körper, Geschichte.

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Inhaltsangabe zu „Männerphantasien, Band 1: Frauen, FLuten, Körper, Geschichte.“ von Klaus Theweleit

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  • Unreflektierte Gewaltoper

    Vergeltung

    alasca

    Pathetische Gewaltoper Die Erwartungen sind hoch bei einem neuen Buch von Don Winslow: Immerhin hat er mit „Tage der Toten“ einen der besten Thriller der letzten Dekade vorgelegt. Die Geschichte von „Vergeltung“ ist schnell erzählt: Ex-Elitesoldat Dave Cooper verliert seine Familie durch einen terroristischen Anschlag. Aus Gründen der Staatsräson hält seine Regierung die wahren Umstände des Flugzeugcrashs geheim und stellt ihn als Unfall durch technisches Versagen dar. Cooper akzeptiert eine Entschädigungszahlung der Fluggesellschaft in Millionenhöhe und kauft damit die Unterstützung einer privaten Söldnergruppe. Sein Ziel ist, die Täter und Aziz, den Drahtzieher des Attentats, ausfindig zu machen und auszulöschen. Aziz ist ein „neuer Krieger“ des Islam: Ohne Gewissen, aber auch ohne religiöse Leidenschaft plant er seine Aktionen mit geschäftsmäßiger Effizienz. Im Lauf der Story stellt sich heraus, dass er einen Anschlag auf die großen Städte der westlichen Welt plant, der Tausende von Toten zur Folge haben würde. Der gesamte Westen wird somit von den islamistischen Bösewichten bedroht und muss gerettet werden, was Coopers Rachefeldzug in den Rang einer Heldentat erhebt – zu offensichtlich für meinen Geschmack. Ich habe selten eine derartig unreflektierte Gewaltoper gelesen wie „Vergeltung“. Das Zitat auf dem Vorsatzblatt soll dazu dienen, Vergeltung als Tat der Gerechtigkeit von Rache als Tat aus Leidenschaft abzugrenzen - leider überzeugt das nicht. Die Story, die Charaktere, der ganze philosophische Überbau, wenn man davon überhaupt reden will, ist Winslow viel zu Schwarzweiß geraten. Die Söldnergruppe ist eine internationale Mischung aus ehemaligen Elitesoldaten, die des Geldes wegen kämpfen, aber auch, weil sie nichts anderes gelernt oder keinen anderen Platz in der Welt gefunden haben. Hier wäre Potenzial gewesen, aber Winslow hat keinen Platz für Ambivalenzen. Was die Söldner in Coopers Truppe denken, ist selten politisch korrekt. Rassismus, Sexismus, Patriotismus, Zionismus – im Roman sind eine Menge –ismen vertreten, die leider durch keinerlei schriftstellerische Distanz gemildert werden. Frauen kommen in diesem testosterongetränkten Männerkosmos übrigens nur entweder als heilige Mütter und Ehefrauen, als selbstredend schöne, brillante Spionin oder in Formulierungen wie „Biertrinken und Vögeln“ vor. Die Sprache des Romans ist hart wie ein Marschrhythmus: Knapp, abgehackt, viele sehr kurze Sätze, immer wieder durchsetzt mit militärischen Akronymen wie MAM (Military Aged Male) oder CQC (Close Quarter Combat) oder grimmig humorig wie FUBAR (Fucked Up Beyond All Recognition). Winslow wirft mit Fachsprech nur so um sich; das liest sich teilweise wie ein Waffenkatalog. Zudem wird die Handlung immer wieder durch Faktentransfer unterbrochen. Wir lernen zum Beispiel, dass Explosion und Detonation keineswegs Synonyme sind. Interessante Info - aber nicht jede Leserin will das wissen. Tango, auch so ein Begriff, ist das Wort für Zielperson, und mit denen wird nicht zimperlich umgegangen - unser Held diskutiert über die „Mannstoppwirkung“ von Waffen und stellt fest: „Wenn wir einen Tango umlegen, will ich, dass er liegen bleibt.“ Dazu kommt krudester emotionaler Kitsch; immer wieder strapaziert Winslow das soldatische Pathos auf fast unerträgliche Weise. Diese Brüderschaft auf Leben und Tod ist offenbar das Nonplusultra für ihn: „Eine größere Liebe gibt es nicht.“ Zu erklären ist diese starke Bindung „Einzig und allein durch Menschlichkeit.“ Dies wohlgemerkt, nachdem die Feinde, pardon Tangos, in einem beispiellosen Blutbad zu Dutzenden abgeschlachtet worden sind. Tango ist eben nicht gleich Mensch. Andere Rezensenten haben in „Vergeltung“ Kritik an der zunehmenden Privatisierung des Kriegsgeschäftes wahrgenommen oder meinten gar, das Buch als Satire verstehen zu müssen. Mir wollte das beim besten Willen nicht gelingen. Fazit: Die Tiefe, Differenziertheit und Komplexität von „Tage der Toten“ hat Winslow seither nie wieder erreicht, aber immerhin noch einige respektable Werke abgeliefert. „Vergeltung“ ist jedoch ein ganz anderes Kaliber: Diesen Roman betrachte ich als seinen absoluten Tiefpunkt.

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