Zeitungen würden dann und wann mit ihren Meldungen gerne Geschichte schreiben (und manchmal tun sie das auch; wobei sie dann eher zum Objekt der Geschichte werden und nicht zu ihren Machern). In der Regel sind Zeitungen zwar wichtige Zeitzeugen, die Geschichte aber wird erst im Nachhinein geschrieben, wenn Entwicklungen sich überblicken und kontextualisieren lassen; mit dem Vorteil, dass man nun bereits weiß, wie es aus- und weiterging. Der Pressespiegel kann nicht in die Zukunft sehen und nur selten hinter sich selbst. Dennoch spiegelt er, verzerrt durch die Interessen der Herausgeber*innen, die Zeiten wider, ihre Ängste und Zerstreuungen, Agitation, Rhetorik und Propaganda.
Was sich historisch im Nachhinein als bedeutsam herausgestellt hat, sucht man in der damaligen Presse manchmal vergeblich oder ihm wird wenig Platz eingeräumt. Lange Zeit hatte das auch mit den Entfernungen zu tun, die Neuigkeiten zurücklegen mussten und mit der Klientel, den Zeitungsleser*innen, sowie der Nähe der Publikationen zu Orten der Macht wie Konigshöfen, wohlhabendem Bürgertum und mächtigen Industriellen.
Zeyringer und Prutsch greifen Ereignisse aus über drei Jahrhunderten heraus und zeigen, welche Art von Präsenz sie in der damaligen Berichterstattung hatten. Auch die Entwicklung des Pressewesens in diesem Zeitraum, seine Evolution quasi, wird geschildert.
Manches, wie etwa die Reaktionen der ausländischen Presse zum Aufstieg der NSDAP oder zur amerikanischen Unabhängigkeit, war für mich interessanter als bspw. die Berichterstattung zur Glorious Revolution. Überhaupt hätte ich mir ein bisschen mehr Abseits von Kriegen/Krisen gewünscht (wobei es klarerweise einfacher ist, weil man da ein fixes Datum hat und viel Berichterstattung aus allen möglichen (politischen) Winkeln).
So oder so ein spannendes Buch, wenn man sich für Zeitgeschichte interessiert.
Zeitgeschehen, rückblickend












