Rezension zu "Krieg oder Frieden - Deutschland vor der Entscheidung" von Klaus von Dohnanyi
Hubertus_FeldmannSie sind sich einig – meistens jedenfalls. Und immer wenn man sich schon im Vorfeld einig ist, da man zum Beispiel ein gemeinsames Ziel verfolgt (hier: möglichst schneller Friedensschluss unter Berücksichtigung der Interessen der einen wie der anderen Seite), droht eine gewisse Verflachung des Dialogs. So auch hier. Dem hätte man zumindest etwas entgegenstellen können, wenn man den Test sauber redigiert hätte, um zumindest die gröbsten sprachlichen Schnitzer zu beheben. Sei’s drum. Auch so ist dieses Büchlein auf jeden Fall lesenswert, kommen doch hier die Dinge zur Sprache, die im derzeitigen allgemeinen Rüstungswahn drohen, unter die Räder zu kommen. So bleiben denn auch entsprechende Hinweise auf die aktuellen politischen Akteure nicht frei von einer gewissen Inkompetenzzuweisung: „Aber da frage ich Sie [Erich Vad], wie machen wir es denn mit einer Regierung, bei der ein Verteidigungsminister gegenwärtig am Werke ist, dessen Stolz darin besteht, das Wort ‚kriegstüchtig‘ erfunden zu haben?“
Die beiden Gesprächspartner werden von der „Moderatorin Westend“ (Westend Verlag) an der langen Leine laufengelassen, nur gelegentlich erfolgt eine Nachfrage oder steuernde Anmerkung. Und vieles von dem hier Niedergeschriebenen ist bereits aus den bislang erschienen Büchern der Beiden zu diesem Thema bekannt und so wird werbewirksam immer mal wieder auf das eine oder andere Buch verwiesen: „Das Problem ist – das habe ich ja auch in meinem Buch Nationale Interessen eingehend beschrieben …“ (Klaus von Dohnanyi) Ein übrigens äußerste lesenswertes Buch nicht nur zum Thema Ukraine-Krieg.
Um auch den zweiten Diskutanten berücksichtigen zu können, hier eine etwas ausführlichere Wiedergabe: „Unsere Stärke war, dass wir mit Russland in Kooperation waren: Wie bekamen die Rohstoffe von dort, die bekamen von und Technologie und so weiter. Horst Teltschik hat das ja wundervoll beschrieben, was für die Russen wichtig ist: Das Wichtigste ist, dass sie ihre Würde haben, dass sie respektiert werden auf einer Ebene wie die andere Seite auch. Das hat Teltschik ja wirklich sehr deutlich herausgearbeitet, steht übrigens auch in meinem schönen Buch.“
Dass beide sich stark in die „russische Seele“ (Denken, Wünsche, Handlungsoptionen) hineingearbeitet haben wird immer wieder deutlich. Die historischen Fakten sprechen eine recht eindeutige Sprache, die hier im Kontext der russischen Befindlichkeiten thematisiert werden. Ohne ein Verständnis der gegenseitigen Sicherheitsbedürfnisse (hier wird die Nato-Beitrittsfrage der Ukraine sachlich diskutiert) und einem gewissen Vertrauensvorschuss wird es mit einem Wiederaufleben der russisch-deutschen Freundschaft schwierig werden – und dabei hatte alles so gut angefangen: Gorbatschow, Putins Rede im Bundestag 2001, wirtschaftliche Verflechtungen etc. Es ist an der Zeit, dass dem Kriegsgeheul etwas mehr Diplomatie gegenübergestellt wird. Ohne miteinander zu sprechen, wird es nicht gehen … Hier bekommen wir plausible Erläuterungen wie es gehen könnte.















