Knut Hamsun Auf überwachsenen Pfaden

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Inhaltsangabe zu „Auf überwachsenen Pfaden“ von Knut Hamsun

Zum 50. Todestag des Nobelpreisträgers am 19. Februar 2002 sein wichtigstes Alterswerk in der Neuübersetzung von Alken Bruns: ein Schlüsselwerk gerade in Bezug auf Knut Hamsuns politische Ambivalenz.Zum 50. Todestag des Nobelpreisträgers am 19. Februar 2002 sein wichtigstes Alterswerk in der Neuübersetzung von Alken Bruns: ein Schlüsselwerk gerade in Bezug auf Knut Hamsuns politische Ambivalenz.

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  • Rezension zu "Auf überwachsenen Pfaden" von Knut Hamsun

    Auf überwachsenen Pfaden

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    13. April 2010 um 13:17

    Zwar hatte ich vor vielen Jahren „Viktoria“ gelesen, doch dachte ich nach dem Krieg - das heißt, nach dem 2. Weltkrieg - als Angehöriger eines „Weißen“ Jahrgangs (was das ist, sollten Jüngere, wenn es ihnen nichts sagt, recherchieren!) nicht mehr daran, mich mit Hamsun zu befassen. Seine Nähe zu Hitler und dem Nationalsozialismus lud mich damals nicht dazu ein. Der Satz “Es ist das Jahr 1945“ zu Beginn seines „Auf überwachsenen Pfaden“ betitelten Buches weckte aber nun, im Jahr 2010, meine Neugier. Heute interessierte mich, was Hamsun seinerzeit, am 16. Mai 1945 und danach, zu sagen hatte. Darüber nach mehr als 60 Jahren etwas zu erfahren, konnte reizvoll sein, zumal heute seine weltanschaulichen „Pfade“ gelegentlich wieder begangen werden. Es blieb nicht bei der Lektüre der ersten Zeilen und der ersten Seiten. Die Poesie des alten und nicht bloß alternden Mannes - Hamsun war damals schon 85 - hatte mit seinen Jahren nicht gelitten. Ich musste fast widerwillig zugestehen: Den Nobelpreis hatte er nicht umsonst erhalten. Diese Auszeichnung fiel ihm offensichtlich nicht etwa allein deswegen zu, weil er Skandinavier war und trotz Ausreißversuchen geblieben ist. Nein! Er ist auch mit seinem letzten Werk ein beachtlicher Dichter geblieben. Weder seiner dichterischen Gestaltungskraft, noch seiner eindringlichen und klar verständlichen Ausdrucksweise hatte sein Alter, das bereits zur Taubheit und zu ständig zunehmender Sehschwäche geführt hatte, etwas anhaben können. Selbst im 21. Jahrhundert kann man ihn noch lesen. Freilich fragte ich mich bei der Lektüre immer wieder und mit zunehmender Seitenzahl immer mehr, wann er sich in seinem „Tagebuch“ (die deutsche Ausgabe trägt den Untertitel „Ein Tagebuch“; im Buch selbst beteuert Hamsun allerdings ein paar Mal, dass er kein Tagebuch schreibe!) zu einer Art Mitverantwortung für die bösartigen Wucherungen des nazistischen Gedankenguts bekennen würde. Würde er immer der Dichtung verhaftet bleiben und die Realität meiden? Mit der Wahrheit tut er sich schwer. Er sucht bei seinem Leser sogar Verständnis nicht nur für seine deutschfreundliche Einstellung, sondern auch für seinen Nationalismus. Beinahe schafft er es, dass beim Leser Mitleid mit seiner Situation aufkommt. Dabei zeigt er eine einerseits zwar anerkennenswerte Konsequenz und erklärt er, weshalb er nicht über die Brücke gehen will, die ihm die norwegische Justiz mit einer geschwächten „Psyche“ baute. Der Leser seiner an den Herrn Riksadvokat in Oslo gerichteten Verteidigungsschrift, die er auch für den „einzelnen Menschen, der dies vielleicht nach unserer (Anmerkung des Verfassers: Hamsun meint damit sich und den Riksadvokat) Zeit lesen wird“ schreibt, findet aber an keiner Stelle ein „mea culpa“. Altersstarrsinn? Wohl nicht. Eher ein bewusstes „Nicht-wahr-haben-Wollen“ und die nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches häufig anzutreffende Flucht in die Behauptung, nichts gewusst zu haben, die ihm angesichts früherer, anders lautender schriftlicher und öffentlicher Äußerungen nicht abgenommen werden kann. Geht die Spekulation fehl, dass Hamsun mit den letzten Worten seines letzten Buches (Mittsommer 1948. – Heute hat das Oberste Gericht sein Urteil gesprochen, und ich beende meine Aufzeichnungen.) ein wenig Einsicht zeigte? Jedenfalls unterließ er eine Urteilsschelte.

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