Konrad Jarausch

 4.5 Sterne bei 16 Bewertungen
Autor von Zerrissene Leben.

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Zerrissene Leben

Zerrissene Leben

 (16)
Erschienen am 01.09.2018

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Rezension zu "Zerrissene Leben" von Konrad Jarausch

Das außergewöhnlichste Buch des Jahres!
Write_In_Piecesvor 3 Tagen

Inhalt:
Konrad Jarausch hat mit seinem Buch 'Zerissene Leben' eine einzigartige Betrachtung und Darstellung des gesamten 20. Jahrhunderts geschaffen. Alle wichtigen Ereignisse werden chronologisch aufgerollt und aus vielen Blickwinkeln beleuchtet. Das Spannendste ist, dass Jarausch den 'einfachen' Bürgern dieses Jahrhunderts eine Stimme verleiht, die noch immer in mir nachhallt. Denn er schafft dadurch in diesem Buch die Basis für eine gemeinsame Beobachtung und Ergründung des 20. Jahrhunderts in all seinen Facetten. 
Von der Weimarer Republik über den Krieg, die Nachkriegszeit, die deutsche Teilung, dem Mauerbau bis hin zur Wiedervereinigung. All diese Themen begegnen uns in diesem Werk und mit ihnen viele Zeitzeugen und deren Berichte mitten aus einem Leben, welches viel ertragen musste, um wirklich gelebt zu werden. 

Zum Autor:
Konrad Jarausch ist Professor europäischer Zivilisation an der University of Carolina. Ein zentraler Forschungskern seinerseits ist das 20. Jahrhundert, was auch Anreiz für dieses Werk war. 
Doch er ist nicht nur Historiker, er ist auch Autor. Und mit diesem Buch beweist er, dass er ein wirklich guter Schriftsteller ist. 
Er schreibt eingänglich, sachlich und geschickt. Er webt eine angenehme Ruhe in die Sätze und Abschnitte ein, sodass er das Hauptaugenmerk wirklich auf die Inhalte legt. Und gleichzeitig schafft er es, dass es während des Lesens nicht langweilig oder trocken ist. 
Er strickt die Zeitzeugenberichte nahtlos in den Text ein und lässt so eine Erzählung entstehen, an deren Worten man regelrecht hängt. So ist 'Zerissene Leben' wohl ein Sachbuch, doch keines, durch welches man sich zwingen muss. 
Nachdem ich den Autor auf der Buchvorstellung zu 'Zerissene Leben' in Berlin treffen und erleben durfte, kann ich wirklich sagen, dass jedes Wort in diesem Werk gut durchdacht und wohl gewählt ist. Ihn selbst berühren die Schicksale dieser Menschen und er wollte ihnen eine gemeinsame Stimme verleihen. Das hat er in meinen Augen wirklich gut umgesetzt! 

Zum Werk:
Dieses Buch ist eines der außergewöhnlichsten Bücher des Jahres für mich. Nicht nur, weil es eine enorme Leistung ist, ein solches Zeichnis eines gesamten Jahrhunderts darzustellen, sondern vor allem weil ich eines in jedem Zeitzeugenbericht erkennen konnte: Menschlichkeit. 
Durch die Zeitzeugen begeben wir uns auf ganz andere Betrachtungsebenen und sehen das 20. Jahrhundert durch viele verschiedene Augen und Erinnerungen, die es für mich viel greifbarer machen. 
Es ist ein Buch, welches geschrieben wurde, um die Ereignisse und die Menschen einerseits nicht zu vergessen, und andererseits, um vielleicht zu verstehen, warum die Dinge so kamen, wie sie letztlich kamen. Diese gewaltige Geschichte aus der Sicht der 'normalen' Bürger zu erleben macht es lebendig. Und vor allem schafft es ein Verständnis! 
Jarausch wollte eine kollektive Biografie erschaffen und dies hat er tatsächlich geschafft! Ein kollektives Bewusstsein, das die Geschichte greifbar macht und uns verstehen lässt, dass in gewissen Momenten Entscheidungen getroffen werden, aus vielfältigsten Gründen heraus, die Folgen für so viele haben können. Das Besondere ist, dass ich nicht nur Rückschlüsse für das zwanzigste, sondern auch für das einundzwanzigste Jahrhundert ziehen konnte. 

Empfehlung:
Ich kann dieses Buch jedem empfehlen, der einen außergewöhnlichen Gesamtblick auf das 20. Jahrhundert werfen möchte. Man muss kein Historiker sein, um Jarauschs Worten folgen zu können. Eine riesige Leseempfehlung von mir! 

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Sikals avatar

Rezension zu "Zerrissene Leben" von Konrad Jarausch

Ein Geschichtsbuch der besonderen Art
Sikalvor 3 Tagen

Der Autor Konrad H. Jarausch, Professor für European Civilization an der University of North Carolina hat mit diesem Geschichtsbuch ein turbulentes Jahrhundert zusammengefasst. Ein Jahrhundert, in dem sich vor allem die in den 1920er Jahren Geborenen immer wieder umstellen mussten, die Veränderung des Lebens allgegenwärtig war.

 

Konrad Jarausch hat mit „Zerrissene Leben“ eine Sammelbiographie der Weimarer Generation herausgebracht und lässt diese „normalen Menschen“ zu Wort kommen. Ungefähr 80 Zeitzeugen geben ihre Lebenserinnerungen preis, ihre Schwierigkeiten, Hoffnungen, ihren Alltag in Krisenzeiten. Was mir besonders gefällt, ist, dass Befürworter des Naziregimes ebenso zu Wort kommen, wie Gegner, quer durch die Gesellschaftsschichten und Religionszugehörigkeiten wird ein Bild der vielen Querelen und Konflikte gezeichnet. Der Zeitrahmen kann in etwa von den 1920er Jahren bis in die 1990er Jahre angenommen werden, da aus dieser Zeit die meisten Autobiographien der Protagonisten stammen.

 

Das Buch ist in drei große Teile gegliedert:

Kindheit vor dem Krieg
Jugend in Kriegszeiten
Erwachsen in der Nachkriegszeit

 

Besonders hervorgehoben wird die Begeisterungsfähigkeit von einem Teil der Jugend, die mit Hoffnung und Freude sich von der Propagandamaschinerie einlullen lassen. Sie müssen letztendlich auf die harte Tour erfahren, dass nicht alles stimmt, was einem vorgegaukelt wird.

 

Natürlich werden hauptsächlich subjektive Eindrücke dargestellt, vieles vermutlich etwas verzerrt – kein Einziger war selbst Ausführer von Gräueldaten, obwohl diese vor allem als Erinnerung an die russische Front ausführlich geschildert werden. Nicht nur der Krieg in seiner schrecklichen Form wird thematisiert, sondern auch der Zusammenhalt, die Gemeinschaft unter den Kameraden und die Hilfestellung für Verwundete. Auch die Leere nach Kriegsende wird geschildert – wofür das alles?
Der Wiederaufbau, die Teilung Deutschlands, ein Leben in einer Demokratie oder Diktatur – je nachdem, wo man landete… Auch hier werden interessante Zusammenhänge dargestellt und Sichtweisen ausgeführt.

 

„Auch wenn nicht alle zur Einsicht gelangt sind, haben viele Deutsche sich doch so stark verändert, dass ihre kaiserlichen Vorfahren sie kaum mehr erkennen würden.“

 

Diese kollektive Biographie unserer Mütter und Väter finde ich sehr ansprechend und sehr intensiv zu lesen. Nicht nebenbei, sondern mit Muße - und ausreichend Zeit wird dafür benötigt, um die Gesamtheit der einzelnen Lebensentwürfe zu erfassen. Gerne vergebe ich 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

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annlus avatar

Rezension zu "Zerrissene Leben" von Konrad Jarausch

deutsches Leben im 20. Jhd.
annluvor einem Monat

*Gespräche mit älteren Deutschen über ihre Vergangenheit fördern erstaunliche Geschichte zutage, die oft unfassbarer anmuten als jede fiktive Erzählung.*


Das Buch fasst Lebensgeschichten von über achtzig Zeitzeugen zusammen, bringt ihre Erinnerungen, Erzählungen und Erlebnisse in einen geschichtlichen Zusammenhang. Dabei konzentriert es sich auf die Generation, die in den Zwanzigerjahren des vorangegangenen Jahrhunderts geboren wurden, die den Einfluss des ersten Weltkrieges auf ihre Familien noch deutlich spürten, eine Kindheit in der Weimarer Republik erlebten um dann selbst die Schrecknisse eines neuen Krieges zu erleben. Den Abschluss bildet die Nachkriegszeit als Neubeginn mit zukunftsträchtigem bzw. wiederum enttäuschendem System.



Bereits das Vorwort zeigt, dass es dem Autor wichtig war, ein breites Spektrum an Menschen in die vorliegende Sammelbiografie zu übernehmen. Dazu wurden von ihm Berichte und Interviews von Frauen wie Männern genutzt, von solchen, die aus unterschiedlichen sozialen Schichten stammten und die verschiedenen Religionen angehören. Dadurch erhoffte er sich ein breites Bild der Geschehnisse, die sich hier nicht auf bekannte Persönlichkeiten beziehen, sondern auf „normale“ Deutsche. Immer wieder wird aber auch darauf hingewiesen, dass es sich bei den biografischen Details um Erinnerungen handelt, die im Nachhinein anders gesehen und interpretiert werden können (auch von den Autobiografen selbst).


Das Kapitel um die Kindheit in der Vorkriegszeit hat mir schon den ersten Eindruck des Buches verschafft. Entgegen meinen Erwartungen waren die biografischen Details bzw. die Zitate und Auszüge aus den Zeitzeugenberichten nie wirklich lange. Es wurden hingegen die gewonnenen Informationen dazu genutzt ein so breites Spektrum wie möglich aufzunehmen. Gerade was die Kindheitserinnerungen anging erschienen mir die Informationen dabei sehr allgemein, sodass ich mich erst einmal an die Art des Sachbuchs gewöhnen musste.


Der zweite Teil – Jugend in Kriegszeiten – befasst sich mit einem Thema, das nicht nur die betroffene Generation sehr geprägt hat, sodass es einen angemessen großen Raum im Buch einnahm. Aufgeteilt in die Erfahrungen der Jungen – die von der HJ bis zu eigenen Kriegserlebnissen reichten -, die Heimatfront der Frauen und die Sicht der Opfer (bei denen das Schicksal der Juden besonders betont wurde) konnte ich mir ein gutes Bild der Zeit machen. Hier ging der Autor auch mehr auf einzelne exemplarische Erlebnisse ein, sodass ich die Biografien besser nachvollziehen konnte. Da mein Interesse besonders dieser Zeit galt und auch der Stil des Autors sich hier öffnete um die Zeitzeugen mehr zu Wort kommen konnten, fand ich diesen Teil besonders informativ. Er hat auch bewirkt, dass ich mir viele Gedanken um die Geschichten meiner eigenen Verwandten, heutige Ansichten aber auch die Aufarbeitung und die lang anhaltenden Folgen der nationalsozialistischen Zeit gemacht habe.


Die Folgen wurden auch im Kapitel über die Nachkriegszeit verdeutlicht. Der Wiederaufbau und das Zurechtfinden in einem neuen Leben fand ich sehr interessant, da ich selten darüber nachgedacht habe. Dafür waren die nächsten beiden Kapitel (ein Vergleich zwischen dem neuen West- und dem kommunistischen Ostdeutschland) nicht ganz so spannend, da ich darüber schon so einiges wusste.


Fazit: Die Zusammenfassung der Biografien war in vielen Bereichen sehr gelungen, auch wenn sie manchmal nicht umhinkam, sich vom einfachen Leben abzuwenden und sich der Politik zuzuwenden. Schade fand ich, dass nur wenige Fotografien und Bilder Einzug ins Buch bekommen haben. Insgesamt hinterließ das Buch einen guten Eindruck bei mir.

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Gespräche aus der Community

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TheissVerlags avatar

Hallo liebe Bücherfreunde,

ihr lest gerne und interessiert euch für Geschichte? Dann haben wir genau das Richtige für euch: Konrad Jarauschs Buch „Zerrissene Leben“.

Konrad Jarausch beschreibt in „Zerrissene Leben“ Geschichten, wie wir sie alle aus unserer Familie kennen, entweder durch unsere Eltern oder durch unsere Großeltern. Er schreibt aus über 80 Zeitzeugenbiographien eine neue deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts, die man so noch nie gelesen hat! Geboren während der Weimarer Republik, haben die Zeitzeugen den Nationalsozialismus und den Zweiten Weltkrieg erlebt, aber auch die Nachkriegszeit – in BRD oder DDR – und die Wiedervereinigung. Man verfolgt den Lebenslauf ganz unterschiedlicher Menschen: von glühenden Nazis bis zu jüdischen Holocaust-Opfern, von politischen Wendehälsen bis zu unpolitischen Zeitgenossen. Darunter sind bekannte Namen wie Joachim Fest, Fritz Stern, Dorothee Sölle oder Ruth Klüger ebenso wie gänzlich unbekannte, deren Geschichten noch nie zuvor gehört wurden. Konrad Jarausch gibt ihnen in „Zerrissene Leben“ allen eine Stimme. Jarauschs Buch ist eine intensive Lektüre, die einen während des Lesens immer wieder innehalten und nachdenken lässt.

 

Ihr habt ein großes Interesse an der jüngeren deutschen Geschichte und würdet gerne mehr über diese »Generation Weimar« erfahren? Dann bewerbt euch bis zum 13.09.2018 für unsere Leserunde, indem ihr folgende Frage beantwortet: Welche Periode des 20. Jahrhunderts interessiert euch besonders und warum würdet ihr gerne mehr darüber erfahren. Verratet uns doch auch noch auf welchen Plattformen ihr eure Rezensionen veröffentlichen wollt. Zu gewinnen gibt es 15 nagelneue Leseexemplare – wir freuen uns auf eure Antworten!

Die glücklichen Gewinner werde nach Ablauf der Leserunde zeitnah informiert. Bei Fragen stehen wir euch gerne zur Verfügung – schreibt uns einfach eine Nachricht und wir versuchen so schnell wie möglich zu antworten.

Wir freuen uns auf eine spannende und angeregte Leserunde mit euch! Natürlich sind auch alle Leser und Leserinnen mit einem eigenen Exemplar herzlich willkommen!

Liebe Grüße

Euer wbg Theiss-Team

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Letzter Beitrag von  Write_In_Piecesvor 3 Tagen
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