Zerrissene Leben

von Konrad Jarausch 
4,5 Sterne bei13 Bewertungen
Zerrissene Leben
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Dieses Buch hilft sehr dabei, darüber nachzudenken und die Menschen dieser Generation in ihrem Handeln besser zu verstehen.

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Gelungener Zugang zur wichtigen Geschichte des 20.Jh.s mittels Zeitzeugenerfahrungen -mit kleinen Mängeln, aber gut lesbar.

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Inhaltsangabe zu "Zerrissene Leben"

Konrad Jarausch schreibt eine neue deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts: im Spiegel der Lebensgeschichten von über 80 Zeitzeugen. Geboren während der Weimarer Republik, hat diese Generation den Nationalsozialismus und den Zweiten Weltkrieg erlebt, aber auch die Nachkriegszeit – in BRD oder DDR – und die Wiedervereinigung. Es sind sehr verschiedene Lebensläufe, gebrochene Biografien: von glühenden Nazis bis zu jüdischen Holocaust-Opfern, von politischen Wendehälsen bis zu unpolitischen Zeitgenossen. Darunter sind bekannte Namen wie Joachim Fest, Fritz Stern, Dorothee Sölle oder Ruth Klüger ebenso wie gänzlich unbekannte. Wie haben diese »ganz normalen Deutschen« das 20. Jahrhundert erlebt, erlitten und verarbeitet?
Jarausch erzählt die Geschichte einer Generation. Und er tut dies auf eine besondere Art und Weise, indem er aus ihren Geschichten in vielen Mosaiksteinchen eine kollektive Biografie des 20. Jahrhunderts entstehen lässt.

Wie oft kann man neu anfangen? Konrad Jarausch schreibt eine neue deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts: im Spiegel der Lebensgeschichten von über 80 Zeitzeugen. Geboren während der Weimarer Republik, hat diese Generation den Nationalsozialismus und den Zweiten Weltkrieg erlebt, aber auch die Nachkriegszeit - in BRD oder DDR

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783806237870
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:456 Seiten
Verlag:wbg Theiss in Wissenschaftliche Buchgesellschaft (WBG)
Erscheinungsdatum:01.09.2018

Rezensionen und Bewertungen

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    Suszivor 5 Tagen
    Kurzmeinung: Dieses Buch hilft sehr dabei, darüber nachzudenken und die Menschen dieser Generation in ihrem Handeln besser zu verstehen.
    Sehr gut recherchierte Abhandlung zur Lebensgeschichte einfacher Menschen im Kontext der Geschichte

    Dieses Buch spricht mich sowohl mit Cover als auch Titel sehr an. Ich muss gestehen, dass ich aufgrund der kurzen Inhaltsangabe ein anderes Buch erwartet hatte, das ähnlich wie die Ausgaben der Kriegsgräberfürsorge längere Erinnerungsberichte zusammenfasst. Doch ich war umso angenehmer überrascht, dass hier ein sehr gut recherchiertes und mit passenden Zeitzeugenzitaten ergänztes Werk vorliegt, das zusätzlich darauf basierend interessante Hintergrundinformationen bietet! Es regt damit sehr zum Nachdenken an und ergänzte mein bisheriges Wissen zum Thema.

    Der Aufbau in die einzelnen thematisch benannten Kapitel ist sehr gelungen. Beginnend über die Kaiserzeit wird bis zur Wende mit dem Schicksal einzelner Zeitzeugen eine Entwicklung aufgezeigt, die jetzt älteren Menschen vollzogen haben, welche – glücklicherweise für die Nachwelt – noch darüber berichten konnten. Durch Erläuterung und geschickt eingeflochtene Zitate kann der Leser sehr gut nachvollziehen und somit auch verstehen, warum so gehandelt wurde.

    Es ist sehr leicht im Rückblick Unverständnis für die Entscheidungen zu zeigen, jedoch denke ich auch, dass wir es uns mit dem Wissen was wir aus jetziger Sicht haben, oft zu einfach machen, die Handlungen von damals zu verurteilen. Man trifft seine Entscheidung ohne Kenntnis von der Zukunft und nach der Überlegung, die man für richtig hält. Und so werden es wohl viele getan haben.

    Dieses Buch hilft sehr dabei, darüber nachzudenken und die Menschen dieser Generation in ihrem Handeln besser zu verstehen.

    Von mir gibt es dafür eine klare Leseempfehlung!


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    ElkeMZs avatar
    ElkeMZvor 9 Tagen
    Kurzmeinung: Gelungener Zugang zur wichtigen Geschichte des 20.Jh.s mittels Zeitzeugenerfahrungen -mit kleinen Mängeln, aber gut lesbar.
    Alltagsgeschichte des 20.Jh.s im Spiegel von Zeitzeugen

    Konrad Jarausch, seines Zeichens Professor für European Civilisation an der Universität North Carolina, und Deutsch-Amerikaner, hat mit "Zerrissene Leben. Das Jahrhundert unserer Mütter und Väter" ein eher ungewöhnliches Geschichtsbuch gegen das Vergessen vorgelegt, das die Schnittstellen "normaler" Menschen mit der "großen Geschichte" beschreibt, und so etwas wie eine "kollektive Biografie" der in der Weimarer Zeit Geborenen darstellt. Beschreibung: das Buch ist 455 Seiten dick und enthält, neben 9 Kapiteln plus Fazit des Autors, noch einen umfangreichen Anhang, in dem die 17 Hauptprotagonisten und weitere 65 Neben- und Randfiguren, aus deren Lebenserinnerungen zitiert wurde, vorgestellt sind. Dazu gibt es in jedem Kapitel Fotografien, die das Erzählte gut illustrieren. Der Aufbau des Buches ist chronologisch, wobei der Autor eine Erklärung über seine Herangehensweise und Intention voranstellt. Die Erzählung wird fortlaufend von den Originalzitaten aus den Zeitzeugenberichten untermauert, was ein häufiges Blättern zum Personenverzeichnis sinnvoll macht. Die Sprache von Jarausch ist dabei an die Zielgruppe all derer angepasst, die sich für Geschichte interessieren und, vielleicht mangels Biografien in der eigenen Familie, Lust auf Zeitzeugenberichte haben. Er kann sehr verständlich und gut lesbar formulieren, durch die ständig eingestreuten Zitate ist das Buch lebendig, und das "trockene", oft ernste Thema dennoch locker zu lesen. Mein Eindruck: der Autor beschreibt im Nachwort, dass ihnen eine Leser-Kritik (zu seinem Werk über die europäische Geschichte des 20. Jahrhunderts "Out of ashes") dazu gebracht hat, eine Geschichte aus dem, "was man wirklich auf den Straßen dieser deutschen Städte erleben würde" zu schreiben. Seine Kernfrage dabei ist: "Wie haben die ganz normalen Deutschen das 20.Jh. "erlebt", "erlitten" und vor allem auch "verarbeitet"? Entspricht die offizielle deutsche Erinnerungskultur der der Zeitzeugen, sind Alle Opfer, oder gibt es doch Unterschiede, die in der Erinnerung nicht verwischt werden dürfen? Die Herangehensweise und die Absichten des Autos gefallen mir gut, er wird nicht müde zu betonen, dass so eine "kollektive Biografie" auf immer subjektiv-selektiven, tendenziösen, rechtfertigenden und möglicherweise durch die Erinnerung verzerrten Berichten beruht, die aber durch die Vielfalt der ausgewählten Zeitzeugen und die hohe Menge an Berichten auf ihren Wahrheitsgehalt abgeglichen und in spürbar kritischer Distanz wiedergegeben wurden. Deutlicher Schwerpunkt des Jahrhunderts ist dabei die Nazizeit, weil sie bis heute Auswirkung auf unsere Gesellschaft hat und die befragten Zeitzeugen in besonderer Weise geprägt hat. Jarausch berücksichtigt dabei auch den Unterschied in der Entwicklung der beiden deutschen Staaten, und beschreibt streckenweise, angesichts der Zeiten meines Erachtens sehr zurecht, die gesellschaftsspezifisch unterschiedlichen Erfahrungen von Frauen und Männern, vor allem im Krieg. Es gelingt ihm dabei gut, einen stimmigen Gesamtbericht über den Verlauf des Jahrhunderts zu geben, und die "große Geschichte" auf das herunterzubrechen, was normale Menschen darin erleben. Und das auch einem Laien gut vorstellbar zu machen. Kritik: Ein bisschen war ich insgesamt enttäuscht, dass ich nicht wirklich das Gefühl hatte, viele neue Aspekte kennengelernt zu haben. Das mag aber der Tatsache geschuldet sein, dass ich mich schon mehrfach mit dem Jahrhundert beschäftigt habe, und auch noch Gelegenheit hatte, selbst mit Zeitzeugen zu kommunizieren. Auch ist das Buch so bemüht, eine breite Palette an Zeitzeugen zu befragen (Opfer, Täter, Mitläufer, Prominente wie einfache Arbeiter etc.), dass es mir schwer fiel, mich mit einzelnen Personen so zu identifizieren, dass ich emotional besonders berührt wurde. Das liegt wiederum wahrscheinlich an der schieren Vielzahl der Protagonisten, die in ständigem Wechsel zitiert werden, so dass man kaum eine Gesamtsicht über einzelne Lebensverläufe bekommt. Zumindest musste ich bis fast zum Schluss immer wieder zum Personenregister blättern, um keine Lebensberichte durcheinander zu werfen. Vielleicht wäre über das Herausheben von typischen Verläufen (1Täter, 1Opfer, 1Mitläufer genauer) hier nicht nur der leichtere Zugang für die Leser, sondern auch eine vertiefte Sicht der jeweiligen Biografien möglich gewesen. Für mich blieb es ein wenig zu sehr bei der "Übersicht", ich hätte mir eine genauere Darstellung ganz persönlicher Einzelheiten und Gedankengänge gewünscht, gerade auch bei der nachträglichen Auseinandersetzung mit der Frage der Schuld. So erfährt man zum Beispiel, dass Einzelprotagonisten sich therapeutisch behandeln ließen, aber leider nicht, was genau diesen Wunsch ausgelöst hatte oder wie sie ihre Therapieerlebnisse in Hinblick auf das weitere Leben beurteilten, solche Sachen. Der besondere Blick der Generation auf die Geschichte und auf die Rolle des Menschen darin wird vom Autor zwar mehrfach erwähnt, aber m.E. nicht vertieft erörtert. Damit wurde leider die Chance vertan, wirklich ungewöhnlich, aus dem subjektiven Alltagsleben heraus, die Relevanz von Geschichte für den Leser "erfahrbar" zu machen. Fazit: Es bleibt eine gute, für Laien und nachfahrende Generationen glänzend verständliche und "unterhaltsame" Zusammenfassung der Geschichte eines besonderen Jahrhunderts. M.E. wichtig und gut ist Jarauschs Unterscheidung der Geschichten der BRD und der DDR, die wichtige Grundlage zum Verständnis der unterschiedlichen Sozialisationen, und damit auch aktueller Entwicklungen im Osten sowie möglicher Versäumnisse Westdeutschlands im Rahmen der Wiedervereinigung ist. Ein wenig leidet das Buch am Zuviel an Protagonisten, die kurzen Zitate aus den Lebensberichten verhindern leider eine vertiefte Auseinandersetzung mit einzelnen Biografien, und der Autor kommt auch nicht ohne Wiederholungen aus. Bezugnehmend auf die eingangs erwähnte Kernfrage des Buches ist die Darstellung des Punktes "Verarbeitung" etwas kurz und oberflächlich geraten, manchmal hätte ich mir gewünscht, dass der Autor noch mehr kommentiert. Die wiederholte Aussage, dass sich "zuviel ausgeschwiegen" und teilweise "als Opfer inszeniert" wird, ist zwar wichtig, aber alleine unbefriedigend. Dennoch kann das Buch vielleicht Menschen erreichen, die sich sonst mit historischen Büchern schwertun. Langweilig fand ich das Geschriebene in keiner Sekunde. Und zu einer guten, kritischen Erinnerungskultur für die Gegenwart trägt es in jedem Fall positiv bei. Deshalb gute 3,5 Sterne von mir.

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    solveigs avatar
    solveigvor 10 Tagen
    Kurzmeinung: kompetent, ausführlich, umfangreich: Einzelschicksale eingebunden in ein Jahrhundert deutscher Geschichte
    Eingebunden in Zeitgeschichte

    Wie stark jedes einzelne menschliche Schicksal von Historie beeinflusst wird, führt uns Konrad Jarausch mit seinem Buch „Zerrissene Leben“ deutlich vor Augen.

    Vor dem dramatischen Hintergrund eines Jahrhunderts deutscher Geschichte lässt der Autor achtzig (ganz normale) Menschen unterschiedlicher kultureller Herkunft und Bildung oder religiöser Ausrichtung zu Wort kommen. Ihre Lebensläufe und Erfahrungen bindet er in seine Schilderungen der dramatischen Ereignisse des 20. Jahrhunderts ein, so dass ihm ein Blickwinkel „von unten“ auf Geschichte gelingt, „ein eindrucksvolles Dokument gewöhnlichen Lebens in außergewöhnlichen Zeiten“. Diktatur, Krieg und Neuanfang in DDR oder BRD und schließlich die erneute Einheit Deutschlands prägten die Lebenswege der Weimarer Geburtsjahrgänge und verhinderten einen „geradlinigen Lebensweg“.

    Natürlich  ist dem Autor sehr wohl bewusst, dass Erinnerungen von Zeitzeugen und ihre Berichte selektiv und „gefärbt“ sein können. Dennoch spiegeln gerade die Schilderungen von Einzelschicksalen sehr eindrücklich die Lebensbedingungen der einfachen Bevölkerung.

    Jarausch schreibt kompetent, dabei gut verständlich, fügt zahlreiche Zitate von deutschen Autobiografen an, unter denen auch einige bekannte Namen sind. Er versteht es, auf spannende Art die  geschichtlichen Ereignisse mit den  -  meist von Historikern ignorierten   -  Einzelschicksalen zu verbinden und die Rollen, die unsere Vorfahren darin einnahmen, zu schildern. Ein umfangreiches, sehr ausführliches Buch, das den Leser gerade durch die ganz privaten Schicksale „kleiner“ Leute besonders berührt!

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    Elisabeth_Sophies avatar
    Elisabeth_Sophievor 10 Tagen
    Kurzmeinung: Empfehlenswert für jene, die sich für die Geschichte einer gesamten Generation interessiert!
    Ein sehr gelungenes Buch!

    In seinem Buch „Zerrissene Leben – Das Jahrhundert unserer Mütter und Väter“ behandelt Konrad Jarausch die Verläufe verschiedener Leben jener, welche zur Zeit der Weimarer Republik geboren wurden und die vermutlich wichtigsten Ereignisse innerhalb der deutschen Geschichte miterlebten. Das Recht, ihre Leben als zerrissen zu bezeichnen haben sie allemal. Ein Querschnitt durch die gesellschaftlichen Schichten gibt einen vielfältigen Einblick in das Denken und Handeln verschiedenster Menschen.

    Mein Interesse an der Geschichte Deutschlands war irgendwie schon immer da, doch fand ich Sachbücher immer extrem langweilig und schaute mir lieber Dokumentationen an. Dieses Sachbuch allerdings war einfach anderes. Der Schreibstil des Autors war sehr flüssig und angenehm zu lesen. Jedoch ist es so, dass sich das Buch nicht einfach so nebenher als Abendlektüre lesen lässt, man muss sie auf ein Erlebnis mit ihm einlassen, um die Berichte der Zeitzeugen tatsächlich nachvollziehen zu können.

    Der Aufbau des Buches gefällt mir ebenfalls sehr gut; nach einer Einleitung mitsamt einer Einführung zur Idee des Buches und der Auswahlkriterien der Zeitzeugen, steigt man in Kindheit vor dem Krieg ein.  Anschließend tritt man in die Jugend in Kriegszeiten ein, bevor die Zeitzeugen von ihrem Leben als Erwachsene in der Nachkriegszeit zu erzählen beginnen. Der sehr ausführliche Anhang belegt alle genutzten Quellen und enthält ein Register, welches bei genauerem Nachschlagen helfen kann.

    Letztlich gibt es nur zu sagen, dass der Autor es schafft, die Geschichte einer ganzen Generation zu erzählen und dies mit spürbarer Leidenschaft tut. Ich kann dieses Buch wirklich allen Geschichtsinteressierten empfehlen.


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    Anteks avatar
    Antekvor 10 Tagen
    Wie lebte man als Weimarer Kind?

    Mein Interesse für Geschichte ist in den letzten Jahren enorm gestiegen und historische Romane, Biografien und auch Sachbüchern aus dem Zwanzigsten Jahrhundert stehen deshalb auf meiner Leseliste im Moment ganz weit oben. Deshalb hat mich auch die Buchbeschreibung hier sofort angesprochen.


    „Zerrissene Leben“ widmet sich wirklich bedeutenden Abschnitten des Zwanzigsten Jahrhunderts, die gerade in unserer heutigen Zeit nicht vergessen werden dürfen. Menschen, die in den 20er Jahren geboren wurden, können sehr wohl behaupten, dass ihr Lebenslauf als zerrissen zu bezeichnen ist. Wohlbehütet glückliche Kindheit ist den meisten eigen, aber dann haben drastische Veränderungen und schwere Zeiten immer wieder ein Umdenken, Hinfallen und wieder Aufstehen erfordert. Leider werden diese Zeitzeugen, von denen ein jeder ganz sicher von einem bewegenden Leben zu berichten hat, immer weniger und hier bekommen ihre Erinnerungen einen Platz und bleiben so für die Nachwelt erhalten, was mir sehr gut gefällt.


    Nach einem Vorwort, dass sowohl über Kriterien zur Auswahl der Zeitzeugen als auch die Intention des Autors aufklärt, geht es los mit der „Kindheit vor dem Krieg“, die von der behütet und größtenteils glücklichen Kindheit, vom Patriotismus der Bevölkerung, vor allem auch der Männer, die sich im Ersten Weltkrieg den Gegnern stellen mussten, und Zukunftsoptimismus, aber auch von den ersten nationalsozialistischen Tendenzen berichtet. Der zweite Teil „Jugend in Kriegszeiten“ widmet sich auf je knapp 50 Seiten der „Gewalt der Männer“, den „Mühen der Frauen“ und auch dem „Leid der Opfer“. Der abschließende dritte Teil „Erwachsen in der Nachkriegszeit“ erzählt dann noch vom „Neubeginn“ nach der Niederlage. , der „demokratischen Reife“, die sich im Westen einstellte, und der „kommunistischen Enttäuschung“ im Osten. Ein Rückblick auf die betroffenen zerrissenen Leben aus dem Ruhestand und ein Anhang, in dem sich noch einmal eine Rückschau auf die Intention des Buches, die wichtigsten Eckdaten der Protagonisten, die zahlreichen Quellenangaben und ein Register finden, runden das Buch ab.


    Jedem Themenabschnitt werden knapp 50 Seiten gewidmet. Das kann einfach nur einen Abriss des Geschehen geben, die der Autor durch Zitate von Betroffenen mit einer persönlichen Note versehen hat. Ich denke er hat hier unheimlich viel Recherchearbeit geleistet. Achtzig Zeitzeugen, die alle verglichen werden müssen, um eine ausgewogene Darstellung zu erreichen, ist ein enormes Unterfangen, Hut ab. Lebensläufe aus allen Bevölkerungsgruppen, beim einfachen, armen Arbeiter angefangen, bis hin zum wohlhabenden Gelehrten, Katholiken, Protestanten, Juden, Täter, Opfer, Mitläufer, alle sind vertreten und sorgen hier wirklich für ein rundes Bild, das keine Einzelbiografie, die ja immer selektiv und subjektiv erzählt, leisten kann. Für diejenigen, die sich bisher kaum mit unserer Vergangenheit beschäftigt haben, sicher auch das ideale Einsteigerbuch, um einen Zugang zur Geschichte zu finden. Der Alltag der Menschen ist doch meist das bewegende und spannende, und dieser liegt hier toll im Fokus, natürlich alles vor dem Hintergrund des politischen Geschehens.


    Der Sprachstil des Autors ist, trotzdem es sich um ein Sachbuch handelt, flüssig und leicht zu lesen. Allerdings muss man sich schon auf das Buch einlassen, einfach nebenbei zur Unterhaltung herunter lesen, geht nicht. Das würde aber der betroffenen Schicksale und auch der Zeit, von der berichtet wird, auch gar nicht gerecht. Zudem sollte das vorab bei einem Sachbuch klar sein. Konrad H. Jarausch berichtet sachlich, ohne jeglichen erhobenen Zeigefinger. Als Leser kann man sich daher sein eigenes Bild machen, was ich immer sehr schätze. Einige Bilder sind ebenfalls enthalten, die die Erzählungen auflockern und gekonnt untermauern.


    Ich denke ich habe durch zahlreiche Sachbücher, Biografien und auch historische Romane bereits eine relativ ausgewogene Vorstellung vom Zwanzigsten Jahrhundert. Ich hätte mir durch längere Zitate der Zeitzeugen noch mehr kleine Details erhofft, die ich bisher noch nicht wusste, die habe ich leider nur vereinzelt gefunden. „Agnes Moosmann macht für die Katastrophe verantwortlich“, „Um ein brauchbarer Soldat zu sein, muß der Mann seine natürliche Tötungshemmung gegenüber Artgenossen überwinden“, erinnert sich Hans Queiser.“ oder „Ein Angestellter der Fluglinie verhalf Werner Warmbrunn zu einem Platz in einer der letzten Maschinen aus Berlin, ein >guter Deutscher, der ein (wahrscheinlich geringes ) Risiko auf sich nahm (es war das Jahr 1941), um einen jungen Juden in Sicherheit zu bringen!>“ Hier werden im Großen und Ganzen Fragmente und kurze Sätze in die Schilderungen eingebunden, längere Abschnitte, die aus dem Nähkästchen plaudern, findet man nicht. Ich habe interessiert gelesen und ganz klar, dass z.B. die Verbrechen der NS Zeit immer wieder erneut erschrecken und schockieren, aber richtig emotional gefesselt war ich nicht. Vielleicht auch, weil ich ein extrem schlechtes Namensgedächtnis habe und mich so damit schwer tat, die einzelnen Lebensläufe für mich im Kopf aus den Nennungen in den verschiedenen Abschnitten zusammenzubasteln.


    Gesamtfazit: In meinen Augen ist „Zerrissene Leben“ ein super Sachbuch, das mit einer für Laien verständlichen, flüssig zu lesenden Sprache durch den Fokus auf das Alltagsleben einen leichten, attraktiven Zugang zur Geschichte Deutschlands von der Weimarer Republik bis hin zur Wiedervereinigung eröffnet. Gerade in unsere heutigen Zeit, in der rechte Kräfte auf erschreckende Art und Weise erstarken, denke ich, dass der Autor hier einen ganz wesentlichen und auch enorm wertvollen Beitrag gegen das Vergessen geleistet hat. Ich war vielleicht nicht ganz die richtige Zielgruppe, weshalb es für mich auch, trotz der unbestritten großen Leistung des Autors, nicht für fünf Sterne reicht. Aber eine Leseempfehlung und sehr gute vier Sterne sind es auch für mich.


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    Luciennes avatar
    Luciennevor 20 Tagen
    Kurzmeinung: Ein sehr umfangreiches Sachbuch, das die vergangene Zeit gut und übersichtlich veranschaulicht.
    umfangreiches Sachbuch

    Inhalt:
    Konrad Jarausch schreibt eine neue deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts: im Spiegel der Lebensgeschichten von über 80 Zeitzeugen. Geboren während der Weimarer Republik, hat diese Generation den Nationalsozialismus und den Zweiten Weltkrieg erlebt, aber auch die Nachkriegszeit – in BRD oder DDR – und die Wiedervereinigung. Es sind sehr verschiedene Lebensläufe, gebrochene Biografien: von glühenden Nazis bis zu jüdischen Holocaust-Opfern, von politischen Wendehälsen bis zu unpolitischen Zeitgenossen. Darunter sind bekannte Namen wie Joachim Fest, Fritz Stern, Dorothee Sölle oder Ruth Klüger ebenso wie gänzlich unbekannte. Wie haben diese »ganz normalen Deutschen« das 20. Jahrhundert erlebt, erlitten und verarbeitet?
    Jarausch erzählt die Geschichte einer Generation. Und er tut dies auf eine besondere Art und Weise, indem er aus ihren Geschichten in vielen Mosaiksteinchen eine kollektive Biografie des 20. Jahrhunderts entstehen lässt.

    Meine Meinung:
    Das Buch hat meine Erwartungen in jedem Fall übertroffen.  Es lässt sich gut lesen aber man muss sich dafür Zeit nehmen und die Informationen wirklich aufnehmen und darüber nachdenken. Für einen gemütlichen Abend auf der Couch also nicht so gut geeignet, aber für jeden denen die Themen wirklich interessieren ein absolutes Muss.
    Manche haben die Zeit selbst erlebt, manche von ihren Angehörigen viele Geschichten darüber erzählt bekommen. Und die Meisten hatten das Thema ja auch in der Schule mal behandelt.
    Das Buch hat mir aber eine komplett neue Sichtweise auf die damalige Zeit vermittelt. Konrad Jarausch beschreibt die Zeit mit positiven und negativen Emotionen der Zeitzeugen so lebendig das man beim Lesen auch mal innehalten muss um die Ereignisse zu verarbeiten.
    Mir hat besonders gut gefallen, dass einige Bilder aus den jeweiligen Zeiten im Buch groß abgedruckt wurden. Ich konnte mir die Umgebung und Personen dann noch besser vorstellen.

    Ein tolles Buch, das mir auch in Zukunft helfen wird die Biographien der vorherigen Generationen besser zu verstehen.

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    ElisabethBulittas avatar
    ElisabethBulittavor 21 Tagen
    Kurzmeinung: Eine kollektive Biographie, die individuelle Schicksale mit der deutschen Geschichte des 20. Jahrhundert in Einklang bringt. Sehr lesenswert
    Ein eindrucksvolles Dokument gewöhnlichen Lebens in ungewöhnlichen Zeiten

    Konrad H. Jarauschs kollektive Biographie „Zerrissene Leben. Das Jahrhundert unserer Mütter und Väter“ ist im September 2018 bei wbg Theiss erschienen und umfasst 455 Seiten.

    In seinem Sachbuch beschreibt Konrad Jarausch die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts anhand von 80 Biographien von Männern und Frauen, die in der Weimarer Republik geboren wurden, Nationalsozialismus, den Zweiten Weltkrieg und den Wiederaufbau in Ost und West miterlebt haben, um dann ihren Ruhestand in einem wiedervereinigten Deutschland zu verbringen. Dabei stehen weniger die großen geschichtlichen Ereignisse im Mittelpunkt, sondern viel mehr individuelle Erlebnisse, die allerdings einander bedingen. So vereinigt er die Einzelschicksale zu einer großen kollektiven Biographie, die ein vielfältiges, aber dennoch in vielen Bereichen einheitliches Bild  dieser Zeit ergeben.

    Gerahmt werden die Biographien von einer Einführung, in der der Autor seine Arbeitsweise und Intention darstellt, und einem umfassenden Anhang mit Kurzbiographien der Protagonisten, Fußnoten, Quellenangaben und einem Register.

    Bei der Darstellung der der Biographien geht der Verfasser chronologisch vor: Vom Kaiserreich über die Weimarer Republik schlägt er einen Bogen zu Kriegs- und Nachkriegszeit über die Entwicklung im getrennten Deutschland bis hin zur wiedervereinigten Bundesrepublik, wobei er in der Nachkriegszeit Ost und West getrennt betrachtet. Die einzelnen Biographien werden so nicht zusammenhängend dargestellt, sondern im jeweiligen geschichtlichen Kontext.

    Zwar kommen in diesem Werk auch bekannte Persönlichkeiten wie Joachim Fest, Dorothee Sölle, Fritz Stern oder Carola Stern oder Opfer der beiden großen deutschen Diktaturen zu Wort, größtenteils handelt es sich jedoch um ganz normale deutsche Durchschnittsbürger. Wie sie mit und in der Geschichte gelebt haben, wie sie ihre Mitschuld an der großen Katastrophe erlebt und reflektiert haben, steht im Zentrum dieses Buches. Dabei stößt der Leser auf alle möglichen Facetten des Lebens und Wege, sich seiner Vergangenheit zu stellen. Somit präsentiert sich dem Leser ein eindrückliches Bild der deutschen Geschichte anhand von Individuen. Lobend sei erwähnt, dass auch die Frage nach Schuld und Wiedergutmachung (soweit sie denn möglich ist) nicht zu kurz kommt. Am Ende ergibt sich das Bild eines Deutschlands, das durchaus fähig war und ist, Konsequenzen aus seiner Geschichte zu ziehen.

    Die Sprache ist eingängig, sachlich und gut zu lesen. Selbst bei Darstellungen wie den nationalsozialistischen KZs verzichtet der Herausgeber auf reißerische oder grausame Formulierungen. Bilddokumente illustrieren und verdeutlichen das Geschriebene.

    Insgesamt präsentiert sich hier ein sehr lesenswerten Buch: Die letzten der in der Weimarer Republik Geborenen, die unser Land so sehr geprägt haben,  sterben nach und nach. Mündliche Berichte und Erzählungen werden seltener. Erinnerungen gehen verloren, lediglich nackte geschichtliche Daten überdauern. Daher bedarf es eines solchen Buches, Erinnerungen präsent zu halten – erstrecht vor dem Hintergrund deutscher Geschichte, von der sich immer mehr Menschen zu distanzieren versuchen. Mich selber hat das Buch sehr zum Nachdenken angeregt, obwohl ich selber noch viele Zeitzeugen kennenlernen durfte und vieles von dem, was ich von ihnen gehört habe, wiedererkannte. Allen, denen dieses nicht widerfahren ist, kann ich dieses Buch nur wärmstens empfehlen.

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    Viv29s avatar
    Viv29vor 22 Tagen
    Ein unruhiges Jahrhundert durch Zeitzeugenaugen betrachtet

    In "Zerrissene Leben" begleiten wir zahlreiche Zeitzeugen durch das so unruhige 20. Jahrhundert. Es sind dies die in den 20er Jahren Geborenen, im Buch "Weimarer Kinder" genannt. Auf gelungene Weise werden hier historische Fakten und Hintergrundinformationen mit den Stimmen der Zeitzeugen verbunden. Zahlreiche Zitate aus persönlichen Erinnerungen zeigen eindrucksvoll und auch unterhaltsam, wie die Menschen jener Zeit die Weltgeschichte erfuhren und wie sie ihr Leben beeinflußte. Der Titel "Zerrissene Leben" ist hier sehr gut gewählt.

    Die neun Kapitel führen uns von der Kaiserzeit bis zur Wende. Die Zeitzeugen umfassen ein weitgefächertes Spektrum aus verschiedenen Gegenden Deutschlands und verschiedenen sozialen Hintergründen. So gelingt es sehr gut, verschiedene Sichtweisen und Erlebnisse darzustellen. Die Zeit der Nazidiktatur wird ebenfalls auf diese vielfältige Weise beschrieben, es kommen die Verfolgten des Regimes zu Wort, ebenso wie innerlich distanzierte Mitläufer, Verführte, oder auch überzeugte Nazis. Das Buch bemüht sich erfolgreich, zahlreiche Aspekte dieser Zeit einzufangen. Die Schuld der Diktatur und jene, die sie möglich machten (ob nun durch aktives Mitmachen oder passives Zuschauen) wird ebenso beleuchtet wie die Leiden auch der deutschen Bevölkerung durch Bombenkrieg, Vergeltungsmaßnahmen und Vertreibung.

    Dadurch, daß viele der Zeitzeugen in mehreren oder allen Kapiteln zu Wort bekommen, sind ihre Namen bald bekannt und man hat das Gefühl, diese Menschen lesend durch ihr Leben zu begleiten. Dies führt zu einer erfreulichen persönlichen Komponente und stärkerer innerer Beteiligung beim Lesen.

    Während manche Kapitel, gerade jene die die Untaten der Diktatur und die Leiden des Krieges beschreiben, sehr intensiv wirken und teilweise schwer zu verkraften waren, weil einfach zu viel Schlimmes geschieht, wirken andere Kapitel ruhiger. So ist die Beschreibung der Kindheit in der Weimarer Republik fast beschaulich und man sieht, wie wenig die Unruhen jener Zeit sich in den Kindheitserinnerungen niedergeschlagen haben. In den Nachkriegskapitel nimmt der Anteil der Zeitzeugenzitate spürbar ab, es wird erklärt, daß viele dieser Zeitzeugen ihre Erinnerungen mit Ende des Krieges beendet oder die folgenden Jahrzehnte nur noch kurz zusammengefaßt haben. Dies nimmt den Kapiteln ein wenig die Lebendigkeit, sie sind eher historische Überblicke und waren für mich weniger packend.

    Der Schreibstil des Buches ist angenehm zu lesen und die Vermischung persönlicher Erinnerungen und historischer Information bietet einen sehr guten anderen Zugang zu der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts und der Menschen, die sie erlebten. An manchen Stellen gibt es Wiederholungen, aber im Ganzen liest sich das Buch flüssig und ist für jeden Geschichtsinteressierten eine Bereicherung.

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    Gartenfee007s avatar
    Gartenfee007vor 25 Tagen
    Kurzmeinung: Ein Buch für das man Zeit braucht, um es wertschätzen zu können!!
    Zerrissene Leben

    Darum geht es (Klappentext):

    Konrad Jarausch schreibt eine neue deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts: im Spiegel der Lebensgeschichten von über 80 Zeitzeugen. Geboren während der Weimarer Republik, hat diese Generation den Nationalsozialismus und den Zweiten Weltkrieg erlebt, aber auch die Nachkriegszeit – in BRD oder DDR – und die Wiedervereinigung. Es sind sehr verschiedene Lebensläufe, gebrochene Biografien: von glühenden Nazis bis zu jüdischen Holocaust-Opfern, von politischen Wendehälsen bis zu unpolitischen Zeitgenossen. Darunter sind bekannte Namen wie Joachim Fest, Fritz Stern, Dorothee Sölle oder Ruth Klüger ebenso wie gänzlich unbekannte. Wie haben diese »ganz normalen Deutschen« das 20. Jahrhundert erlebt, erlitten und verarbeitet? 
    Jarausch erzählt die Geschichte einer Generation. Und er tut dies auf eine besondere Art und Weise, indem er aus ihren Geschichten in vielen Mosaiksteinchen eine kollektive Biografie des 20. Jahrhunderts entstehen lässt.

    Meine Meinung:
    Dieses Buch ist wie ein Geschichtsbuch. Man kann es nicht einfach überfliegen. Das würde dem Buch nicht gerecht werden. Es war sehr ausführlich und manchmal verlor es sich in Wiederholungen. Man muss schon konzentriert bei der Sache bleiben. Das Leben der Zeitzeugen wurden in dem Buch eingeflochten. Mir hätte es besser gefallen, wenn die Zeitzeugen vom Anfang ihre Kindheit bis zum evtl. Schluss ihres Lebens erzählt hätten. Der Schreibstil ist verständlich und klar geschrieben.Die Bilder machen das Buch komplett. Am Ende gibt es noch einen ausführlichen Anhang. 

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    Buchraettins avatar
    Buchraettinvor einem Monat
    Ein Sachbuch der deutschen Geschichte in Verbindung mit autobiographischen Erinnerungen

    Das Sachbuch ist so aufgebaut, das anhand von verschiedenen Personen deren Lebenslauf ab dem Geburtsjahr in den 1920er Jahren berichtet wird, immer im Zusammenhang mit der deutschen Geschichte, bis ca. der Wiedervereingung.
    Das Inhaltsverzeichnis vorn im Buch bietet dem Leser einen ersten Überblick über den Aufbau des Sachbuches. Es unterteilt das Buch in Abschnitte wie Kindheit vor dem Krieg, Jugend in Kriegszeiten, Erwachsen in der Nachkriegszeit
    Der Autor beschreibt die politischen Details und historische Fakten, aber er nimmt immer wieder Bezug auch auf die individuellen Erlebnisse die Personen hier äußern. Hinten im Buch findet man ein Verzeichnis der Personen. Auch hier eingeteilt in Abschnitte, je nachdem wie häufig sie zu Wort kommen. Sehr gelungen fand ich hier auch, dass es einen kurzen Lebenslauf zu jeder Person gibt.
    Der Text des Sachbuches ist sehr gut zu lesen. Es ist informativ und auch sachlich, aber auch individuell durch die Seitweisen, Erinnerungen der Personen, die dann hier beschrieben werden. Welche Einflüsse gab es von außen? Wie lief das alltägliche Leben ab? Wie verlief die Kindheit in der Weimarer Republik? Die Jugendlichen zu Zeiten der NS- Bewegung. Wie verhielten sie sich? Dann die Kriegerlebnisse.
    Durch das Einbinden dieser persönlichen Erlebnisse bekommt man als Leser auch eine ganz besondere Darstellung dieses historischen Ablaufes. Mir hat es gut gefallen, da gerade im Schulunterricht doch eher die Fakten im Mittelpunkt stehen und hier auch das alltägliche Leben, das Empfinden und eigene Erleben dieser Zeit durch die Protagonisten erzählt wird.
    Die Historischen Fakten werden sehr gut dargestellt und dennoch ist auch informativ zu lesen und es regt auch an, sich vielleicht genauer mit einigen Zeiten der deutschen Geschichte zu beschäftigen.
    Sehr gelungen fand ich auch die Einbindung der vielen Fotos. Das lockert ein Sachbuch auf und es ermöglicht dem Leser auch einen visuellen Einblick zu erlangen.
    Im Anhang geht der Autor noch einmal auf die biographischen Quellen ein. Auch auf ihre Subjektivität.
    Im Text finden sich immer wieder kleine Zahlen, diese werden in den Anmerkungen hinten im Buch auch erläutert. Ebenso findet sich hier ein Bildnachweis und ein Verzeichnis der Quellen (auch ein Verzeichnis der Autobiographien), sowie ein Register.
    Ich hätte mir noch eine Art Zeitleiste im Buch gewünscht.
    Der Autor Konrad H. Jarausch, das erfährt man im Einband des Buches ist Professor of European Civilization an der University of North Carolina in Chapel Hill.

    Es ist ein interessantes Sachbuch über das 20. Jahrhundert ab ca. der Weimarer Republik bis zur Wiedervereinigung, das durch die Verwendung von autobiographischen Erinnerungen auch sehr intensiv wirkt beim Lesen.
    Die vielen Fotos veranschaulichen den Text und es ist eine lebendige Erzählweise, die mir gut gefallen hat. Ich denke, solche Bücher sind wichtig, damit diese Zeit nie vergessen wird.

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    TheissVerlags avatar

    Hallo liebe Bücherfreunde,

    ihr lest gerne und interessiert euch für Geschichte? Dann haben wir genau das Richtige für euch: Konrad Jarauschs Buch „Zerrissene Leben“.

    Konrad Jarausch beschreibt in „Zerrissene Leben“ Geschichten, wie wir sie alle aus unserer Familie kennen, entweder durch unsere Eltern oder durch unsere Großeltern. Er schreibt aus über 80 Zeitzeugenbiographien eine neue deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts, die man so noch nie gelesen hat! Geboren während der Weimarer Republik, haben die Zeitzeugen den Nationalsozialismus und den Zweiten Weltkrieg erlebt, aber auch die Nachkriegszeit – in BRD oder DDR – und die Wiedervereinigung. Man verfolgt den Lebenslauf ganz unterschiedlicher Menschen: von glühenden Nazis bis zu jüdischen Holocaust-Opfern, von politischen Wendehälsen bis zu unpolitischen Zeitgenossen. Darunter sind bekannte Namen wie Joachim Fest, Fritz Stern, Dorothee Sölle oder Ruth Klüger ebenso wie gänzlich unbekannte, deren Geschichten noch nie zuvor gehört wurden. Konrad Jarausch gibt ihnen in „Zerrissene Leben“ allen eine Stimme. Jarauschs Buch ist eine intensive Lektüre, die einen während des Lesens immer wieder innehalten und nachdenken lässt.

     

    Ihr habt ein großes Interesse an der jüngeren deutschen Geschichte und würdet gerne mehr über diese »Generation Weimar« erfahren? Dann bewerbt euch bis zum 13.09.2018 für unsere Leserunde, indem ihr folgende Frage beantwortet: Welche Periode des 20. Jahrhunderts interessiert euch besonders und warum würdet ihr gerne mehr darüber erfahren. Verratet uns doch auch noch auf welchen Plattformen ihr eure Rezensionen veröffentlichen wollt. Zu gewinnen gibt es 15 nagelneue Leseexemplare – wir freuen uns auf eure Antworten!

    Die glücklichen Gewinner werde nach Ablauf der Leserunde zeitnah informiert. Bei Fragen stehen wir euch gerne zur Verfügung – schreibt uns einfach eine Nachricht und wir versuchen so schnell wie möglich zu antworten.

    Wir freuen uns auf eine spannende und angeregte Leserunde mit euch! Natürlich sind auch alle Leser und Leserinnen mit einem eigenen Exemplar herzlich willkommen!

    Liebe Grüße

    Euer wbg Theiss-Team

    ElkeMZs avatar
    Letzter Beitrag von  ElkeMZvor 17 Stunden
    Genau!👍🏽😉
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