Konrad Paul Liessmann

 4.3 Sterne bei 36 Bewertungen
Autor von Theorie der Unbildung, Bildung als Provokation und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Konrad Paul Liessmann

Sortieren:
Buchformat:
Theorie der Unbildung

Theorie der Unbildung

 (13)
Erschienen am 01.12.2008
Bildung als Provokation

Bildung als Provokation

 (4)
Erschienen am 25.09.2017
Schuld und Sühne

Schuld und Sühne

 (4)
Erschienen am 16.03.2015
Das Universum der Dinge

Das Universum der Dinge

 (4)
Erschienen am 16.08.2010
Geisterstunde: Die Praxis der Unbildung

Geisterstunde: Die Praxis der Unbildung

 (2)
Erschienen am 01.03.2016
Lob der Grenze

Lob der Grenze

 (1)
Erschienen am 27.08.2012
Geisterstunde

Geisterstunde

 (1)
Erschienen am 29.09.2014
Mut zur Faulheit

Mut zur Faulheit

 (1)
Erschienen am 12.03.2018

Neue Rezensionen zu Konrad Paul Liessmann

Neu
Christian_Mayers avatar

Rezension zu "Bildung als Provokation" von Konrad Paul Liessmann

Eine nötige Lektüre
Christian_Mayervor 5 Monaten

Und wieder stößt der österreichische Philosoph Konrad Paul Liessmann jenen vor den Kopf, die Bildung vorwiegend als Handlungskompetenz verstehen, als etwas, das dazu dient, direkt im täglichen Leben angewendet zu werden und - das wäre dann ihre Heiligsprechung - auch das Wachstum befördert.
Liessmann gehört zu jenen Apologeten, für die Bildung gerade nicht instrumentalisiert werden sollte und - sofern sie richtig verstanden wurde - auch nicht instrumentalisiert werden kann.
Doch Liessmann gehört zu einer kleinen Schar von Kritikern, die gerne als die ewig Gestrigen abgestempelt werden, als jene, die Bildung durch eine sozialromantische Brille betrachten. Heutige Bildungsdebatten haben nur wenig gemein mit einem humanistischen oder einem humboldtianischen Bildungsverständnis. Daher wirkt Liessmanns Versuch leider auch wie ein Kampf gegen Windmühlen. Auch hier und da mag man in seinem Ton eine gewisse Resignation heraushören. Und dennoch: Es handelt sich um einen Kampf, der geführt werden muss und es ist Liessmann hoch anzurechnen, dass er die Fahne hochhält für eine andere Art der Bildung.
Dies ist nicht Liessmanns erstes Buch zu diesem Thema. Nach der "Theorie der Unbildung" und "Geisterstunde. Die Praxis der Unbildung" folgt nur sein drittes Werk "Bildung als Provokation". Wer seine anderen Bücher kennt, der weiß bereits vor dem Lesen, in welche Richtung die gedankliche Reise gehen wird. Dies schmälert aber keineswegs den Genuss sowie die Notwendigkeit der Lektüre selbst. Liessmann sprachliche Ästhetik, die Art und Weise wie er formuliert, macht das Lesen selbst zu einem Vergnügen. Da muss man nicht einmal immer seiner Meinung sein. Zum Beispiel dort, wo es ihm um einen Bildungskanon geht und er die griechischen Altvorderen für seinen Literaturkanon vorschlägt und anderen Literaturen, die die Persönlichkeitsentwicklung nicht voranbringen, eine Abfuhr erteilt. Liessmann vergisst nämlich, dass Lesesozialisation nicht wirklich mit Homer und Co beginnen kann, sondern bereits viel früher anfangen muss. Und das Lesen entdeckt man nur für sich, wenn man mit Spaß und Interesse bei der Sache ist. Da darf es auch der Groschenroman sein, der eine Begeisterung für das geschriebene Wort weckt. 
Ebenso gilt für Liessmann nur jene Literatur als hochwertig, die im Menschen etwas zum Schwingen bringt, ihn also verändern kann und damit hat er wieder ganz besondere Werke der Literaturwelt im Blick. Während jedes Essen durch den Magen geht, vergisst er, dass jedes gelesen Werk "durch den Menschen geht". Genauer, durch seinen Kopf. Auch die schlechteste Schmonzette geht durch den Leser hindurch. Je intensiver dieses Lesen stattfindet, desto eher findet hier etwas statt. Und es sind Faktoren wie Alter, Lebenserfahrung und Interesse, die die Wirkungsmöglichkeit bestimmen. Da kann auch ein Harry Potter Reibungs- und Entwicklungsmöglichkeiten auslösen. Gerade das macht die Diskussion über einen Literaturkanon aber auch so schwierig. Aber vielleicht ist heute auch kaum noch jemand bereit - anders als Liessmann - sich konkret auf bestimmte Bücher einzuschwören. Womöglich ist die Beantwortung der Frage, welche Bücher hier eine Rolle spielen könnten, auch gar nicht mehr von so vielen zu beantworten.
Während der Beginn seines Buches sich ganz konkret der Bildung mit ihren Facetten annimmt, verlässt er diesen Bereich mehr und mehr. Dies geht soweit, dass wir in diesem Buch sogar Kapitel finden, denen allenfalls noch ein Hauch von Bildungsthematik anhängt. So lesen wir einen wunderbaren Text über die Handarbeit und ihre Fingerfertigkeit, über den Wert des Abfalls, was es mit Revolutionen auf sich hat und ob gerade die Digitale Revolution überhaupt eine Revolution ist.
Liessmann gehört mit zu den klarsten und spitzfindigsten Denker unserer Zeit. Die Lektüre lohnt sich, denn ihr gelingt es, verkrustete Denkstrukturen aufzubrechen und Platz zu machen für neue Idee. Deshalb fordert Liessmann auch abschließend, dass wir eine neue Aufklärung brauchen. Eine, die die Menschen endlich wachrüttelt und in die Lage versetzt, wieder eigenständig zu denken. Das mag auf den ersten Blick naiv klingen, wer sich aber auf den Gedankenspaziergang begibt, den dieses Buch bereithält, der erkennt schnell, dass dem nicht so ist. Der erkennt vielmehr, wie eingefahren sein eigenes Denken selbst ist. Und das ist erschreckend wie befreiend zugleich.

Kommentieren0
0
Teilen
M

Rezension zu "Mut zur Faulheit" von Konrad Paul Liessmann

Genau richtig für die Gegenwart
michael_lehmann-papevor 8 Monaten

Genau richtig für die Gegenwart

Effizienz, Einkommen, Arbeitszeitverdichtung, eine große Schar Langzeitarbeitsloser ohne allzu große Aussicht, noch mal auf dem ersten Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Diskussion um Sozialleistungen bis hin zum bedingungslosen Grundeinkommen und, zudem, die „Arbeitswelt 4.0“ vor der Tür, bei der große Unsicherheit herrscht, ob überhaupt noch ausreichend Arbeitskräfte benötigt werden, um das jetzige Lebensgefüge und die Struktur der Arbeitswelt als „Einkommensbeschaffung für das Leben“ aufrecht erhalten zu können.

Daneben die Statistiken der Gesundheitsforschung, in der immer deutlicher wird, dass moderne „psychische Zivilisationskrankheiten“ wir „Burn Out“ oder „Bore Out“ sich quantitativ massiv verbreiten.

In einer Welt, die seit ehedem um den Faktor Arbeit, Leistung, Gelderwerb als Grundvoraussetzungen für das reine Überleben und als Orientierung für die Eingliederung des „Standes in der Gesellschaft“ sich dreht.

Dieses Protokoll der Jahrestagung des Philosophicums Lech bietet einen breiten Reigen je interessanter und individueller Betrachtungen des Themas. Sei es die „Austreibung der Faulheit“, die in den letzten Jahrzehnten immens an Fahrt aufgenommen hat, bis hin in die Freizeit der Menschen, die kaum mehr zum „Dösen“, sondern weitgehend vor allem zur „Selbstoptimierung“ genutzt wird.

Dabei kommen im Buch aber auch die „Wonnen der Arbeit“ zu Wort, die (wunderbar zu lesen) Erfindung einer „Mußemaschine“ (wenn der Mensch schon dazu nicht mehr in der Lage sein will, warum nicht die Muße digital delegieren?).

Nicht fehlen darf eine kritische Bewertung des Kapitalismus in seinen Widersprüchen, die ständig mehr offenkundig zu Tage treten oder auch die These vom „Konsum als Arbeit“ (was noch ad hoc eher in den „Freizeitbereich“ verortet werden würde, bei genauerem Hinsehen aber auch ein Teil der „Arbeit“ ist, denn diese stellt vielfach Produkte her, die konsumiert werden müssen und damit den Konsum selbst als Teil des Produktionsprozesses originär mit einbindet).

Und doch schwebt über allem jenes Thema, dass dem Werk den Titel gab. Das es eines gewissen Mutes Bedarf, faul zu sein, dass aber Faulheit nicht weniger bedeutsam für den Menschen als „Gesamtpaket“ ist, als alle anderen Verrichtungen eines Lebens auch.

„Wer die Faulheit ernst nimmt und praktizieren will, verstrickt sich in einen performativen Selbstwiderspruch….(er) kann darüber nur wenig sagen, anderenfalls müsste er sein Anliegen verraten und fleißig werden“.

Faulheit hindert. An jeder Form von Tätigkeit. Das wäre das Negative, was man sagen könnte. Sich aber selbst auszuhalten und eben nichts zu tun und damit dem inneren System Gelegenheit geben, sich selbst in Muße „in Ordnung zu bringen“, das wäre ein unschätzbarer Vorteil. Und ein Gradmesser. Denn jeder Leser, jede Leserin kann umgehen selbst erproben und an sich messen, ob man denn mit sich allein auskommen könnte. Für einen Augenblick, eine Weile. Ohne Ablenkung. Ganz faul. Dass dies nicht die Regel ist, zeigt das inzwischen unendliche Angebot an Ablenkungen jeder Art, dass umfassend das allgemeine Leben mitbestimmt bis regiert.

Wobei es im Weiteren wichtig werden wird, genau zu schauen, was „Faulheit“ eigentlich begrifflich genau bedeutet und ob das Glück, dass man sich allgemein in der Gegenwart eher durch „Arbeit“ und „Erfolg“ verspricht, nicht eher, oder auch anders, in der „Faulheit“ zu finden sein könnte. Ebenso, wie geklärt werden wird, was das alles mit dem „Willen des Menschen“ zu tun hat. Wann dieser „schwach“ oder „stark“ sei könnte und was eben dann „nicht naheliegende Folgen“ sein könnten.

Eine sehr zu empfehlende Lektüre in einer umfassend „tätigkeitsorientierten Welt“. Infolge derer sich der Kernbegriff der „Unruhe“ herauskristallisiert und dem Leser zur Reflexion bestens nahegebracht wird.

Kommentieren0
5
Teilen
buchwanderers avatar

Rezension zu "Bildung als Provokation" von Konrad Paul Liessmann

Herausfordernd
buchwanderervor 8 Monaten

„Wie immer man es aber dreht und wendet: Ob Bildung ein Selbstveränderungspotential in Hinblick auf Individuen oder Gesellschaften zugesprochen werden kann, hängt letztendlich vom Mut ab, Bildung inhaltlich und normativ zu bestimmen. Solange Bildung formal als Durchlaufen von Zertifizierungsstellen oder Sammeln von Leistungspunkten definiert und auf den Erwerb von Kompetenzen und zeitgemäßen Kulturtechniken reduziert wird, erwächst aus diesen Bestimmungen weder eine notwendige noch eine mögliche Kraft zur Veränderung.“ (S.79)

Zum Inhalt:


Provokation, ethymologisch ‘herausfordern, reizen, zu einer […] Handlung veranlassen’1), wohnt dem Text in allen Abschnitten, resp. Thematiken, mit denen sich Konrad Paul Liessmann auseinandersetzt inne. Ob es nun die wechselhafte Historie bzw. Begrifflichkeit und Deutung des Begriffes, oder der immer wieder neu gefassten Idee eines Ideals ist, der Versuch, wachzurütteln, spitz zu argumentieren, dort zu treffen, wo der Nerv einer humanistischen Lebensweise vom Einschlafen bedroht ist, gelingt mit jedem Argumentationsstrang in sich kohärent.

Aus verschiedensten Blickwinkeln wird Bildung in einem, zum einen beinahe in sich selbst verständlichen / geläufigen Sinne beleuchtet, wobei nicht in die zwar sich anbietende, aber nicht minder unnütze Kerbe des sermonartigen Bejammerns der mangelnden (Allgemein-)Bildung geschlagen wird. Eben diese Allgemeinposten findet man bei Liessmann nicht. Zu profund und von irisierender Vielfältigkeit sind die Herangehensweisen, nicht verleugnend, dass es sehr wohl einen roten Faden in der anzustrebenden holistischen Bildung des Individuums gibt.

Es sind dabei Themen wie Kunst, Religion und Literatur, als essentielle Bestandteile der Auseinandersetzung des Menschen mit seiner Geschichte, seiner Gegenwart und daraus extrapolierend seiner potentiellen Zukunft, ebenso wie Themen der Wirtschaft und Politik, die ein zoon politikon prägen, von Belang und Liessmann bringt diese in ein kontextuelles Geflecht rund um den schillernden Begriff »Bildung«.

Dass Bildung dabei ein sicherlich zum einen in höchstem Maße individueller Begriff, zum anderen aber auch eine gesamtgesellschaftliche Idee ist – reps. sein kann / sollte –, verdeutlicht der Autor an unterschiedlichsten Beispielen. Ebenso, dass es sich dabei um keinen dereinst erreichbaren, monolithisch festmachbaren Zustand handelt, denn „Bildung ist untrennbar mit der Einsicht in die eigene Unzulänglichkeit verbunden, mit dem Wissen des Nichtwissens.“ (S.9) Und stets geht es um eine wichtige Grenzziehung, sähe man sich versucht den Bildungsbegriff jenem der (wirtschaftlichen) Effizienz unterzuordnen. „Der Gebildete verkörpert all das, was der aktuelle Bildungsdiskurs gerade nicht mehr unter Bildung verstehen will. Dazu gehört ein fundiertes Wissen, das es erlaubt, auch ohne Zensurbehörde die Fakten von den Fiktionen zu trennen, ästhetische und literarische Kenntnisse und Erfahrungen, ein differenziertes historisches und sprachliches Bewusstsein, ein kritisches Verhältnis zu sich selbst, eine auf all dem gründende abwägende Urteilskraft und eine gesteigerte Sensibilität gegenüber Lügen, Übertreibungen, Hypes, Phrasen, Moralisierungen und Platitüden der Gegenwart. Allerdings ließe sich nichts von dem vorschnell der Forderung nach Nützlichkeit, Anwendbarkeit und schneller Verwertbarkeit unterordnen.“ (S.8)

Fazit:


Konrad Paul Liessmann liefert einen Text – oder vielmehr eine Auswahl an Texten / Gedanken –, der im wahrsten und besten Sinne philosophischen Diskurses herausfordert. Auf hohem gedanklichen und sprachlichem Niveau bringt er pointiert einen teils zerfransten und unscharfen Begriff, wie ihn der der Bildung teils im öffentlichen Sprachgebrauch darstellt, zu einem Schnittpunkt, einer konzisen inhaltlichen Schnittfläche, eine Auseinandersetzung auch mit dem eigenen Bildungs- und Werteziel im Leben anregend. Ein ausgesprochen lesens- / empfehlenswertes Buch.2)

Zum Buch:


Schlicht! Das wäre das erste Adjektiv, welches mir zur äußeren Gestaltung des Bandes einfiele. In dieser Schlichtheit liegt dabei eine beinahe ebensolche Eleganz, welche sich in Bindung, Typografie, sowie drucktechnischer Realisierung fortsetzt. Den vorbildlich übersichtlichen Satz des Textes gestaltete Eva Kaltenbrunner-Dorfinger. Der Text wird heruntergebrochen auf 4 große Themenkomplexe, die wiederum in angenehm überschaubare Unterkapitel, das Kernthema als inhaltliche Klammer umschließen. Dies ist v.a. hilfreich, da die Kapitel „auf Texte zurückgehen, die aus unterschiedlichen Motiven in den letzten Jahren entstanden“ (S.236) und so eine „Auswahl dieser Vorträge und Arbeiten“ (S.236) darstellen. Die typografische Wertlegung auf Klarheit in Struktur und Schriftbild macht die Lektüre des Textes, unterstützend zu dem inhaltlich gehobenen Anspruch an Konzentration und Reflexion, zu einem angenehmen, fluiden Leseerlebnis.


Kommentieren0
0
Teilen

Gespräche aus der Community

Neu

Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

Community-Statistik

in 45 Bibliotheken

auf 7 Wunschlisten

von 2 Lesern aktuell gelesen

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach

Hol dir mehr von LovelyBooks