Konrad Paul Liessmann

 4.2 Sterne bei 39 Bewertungen
Autor von Theorie der Unbildung, Bildung als Provokation und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Konrad Paul Liessmann

Konrad Paul Liessmann, geboren 1953 in Villach, ist Professor für Philosophie an der Universität Wien, Essayist, Literaturkritiker und Kulturpublizist. Er erhielt 2004 den Ehrenpreis des österreichischen Buchhandels für Toleranz im Denken und Handeln, 2010 den Donauland-Sachbuchpreis und 2016 den Paul Watzlawick-Ehrenring. Im Zsolnay Verlag gibt er die Reihe Philosophicum Lech heraus. Zuletzt erschienen bei Zsolnay Geisterstunde. Die Praxis der Unbildung. Eine Streitschrift (2014) und Bildung als Provokation (2017) sowie bei Hanser (gemeinsam mit Michael Köhlmeier) Der werfe den ersten Stein (2019).

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Konrad Paul Liessmann

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Buchformat:
Cover des Buches Theorie der Unbildung (ISBN: 9783492252201)

Theorie der Unbildung

 (13)
Erschienen am 01.12.2008
Cover des Buches Bildung als Provokation (ISBN: 9783552058248)

Bildung als Provokation

 (4)
Erschienen am 25.09.2017
Cover des Buches Schuld und Sühne (ISBN: 9783552057197)

Schuld und Sühne

 (4)
Erschienen am 16.03.2015
Cover des Buches Das Universum der Dinge (ISBN: 9783552055117)

Das Universum der Dinge

 (4)
Erschienen am 16.08.2010
Cover des Buches Geisterstunde: Die Praxis der Unbildung (ISBN: 9783492308502)

Geisterstunde: Die Praxis der Unbildung

 (2)
Erschienen am 01.03.2016
Cover des Buches Geisterstunde (ISBN: 9783552057005)

Geisterstunde

 (2)
Erschienen am 29.09.2014
Cover des Buches Philosophie der modernen Kunst (ISBN: 9783825220884)

Philosophie der modernen Kunst

 (2)
Erschienen am 16.11.2011
Cover des Buches Die Werte der Wenigen (ISBN: 9783552059849)

Die Werte der Wenigen

 (1)
Erschienen am 09.03.2020

Neue Rezensionen zu Konrad Paul Liessmann

Neu
M

Rezension zu "Die Werte der Wenigen" von Konrad Paul Liessmann

Wer das Sagen hat und wie
michael_lehmann-papevor 4 Monaten

Wer das Sagen hat und wie

 

Wie sich Eliten in der und zu der Demokratie verhalten, wie die Werte der Eliten die Werte der Gesellschaft mit beeinflussen oder gar stark prägen, das war das Thema des 23. Philosophicum Lech.

 

Dabei vereint der Sammelband in seiner Betrachtung ein interdisziplinäres Kaleidoskop zum Thema und wirft ein Schlaglicht auf die Haltung und Funktion der Eliten aus verschiedensten Perspektiven heraus.

 

In einer zweischneidigen Frage, die wohl zu allen Zeiten offen im Raum stand. Diese Reibung zwischen der Vorstellung, dass es gerade die Eliten in intellektueller, politischer und wirtschaftlicher Ausrichtung sind, welche die Gesellschaft immer wieder materiell, ideell und gar moralisch auch tatkräftig „nach vorne“ entwickelt haben gegenüber der Sicht der Dinge, dass genau diese „Klasse“ es ist, die sich arrogant abhebt, Regeln ignoriert oder zumindest stark zum eigenen Vorteil dehnt, die aus rein egozentrischen Motiven heraus durch Lobbys oder persönliches Verhalten Einfluss auf die politische Führung der Gesellschaft nimmt.

 

Nicht ohne Grund natürlich gibt es die Rede des „einen Prozent“, dem fast alles an materiellen Werten dieser Welt gehört und nicht ohne Grund zeigt sich in diesen Virus-Krisenzeiten das doppelte Gesicht der Eliten.

 

Jene, die Spenden und sich einbringen und jene, die in Luxus-Ressorts oder auf einsame Inseln mit privaten Jets angelangt sind, um mondän fast solche Krisen abgehoben von der „normalen“ Bevölkerung zu verbringen.

 

Kritik an den Eliten der Gesellschaft, Manger, Politiker, Meinungsführer, Intellektuelle kommt in scharfer Form dabei vom linken wie rechten politischen Spektrum. Kritik an der kapitalistischen Lebensweise, die Eliten deutlich bevorzugt und Kritik an überkommenen Strukturen, die für eine echte „Lenkung“ als zu schwach angesehen wird.

 

Mit einem Satz, wie es Konrad-Paul Liessmann in seinem Beitrag im Band formuliert:

 

„Sie leisten nicht das, was sie gerne als Grund für ihre Auserlesenheit angeben“. Umweltzerstörung, Krisen, Bürgerkriege, Finanz- und Wirtschaftsungerechtigkeit in guten wie in schwierigen Zeiten samt einer immer weniger im Raum zu stehen scheinenden „Durchlässigkeit des Systems“ für den großen Rest der Menschheit. Was alleine schon darin seine Wurzeln finden könnte, dass materieller Reichtum vor allem durch das Erben anheimfällt und sich fast von alleine zu Zeiten vermehrt.

 

„….neigen Eliten zur Abschottung und zu sozialen Reproduktion“.

 

Was nun genau die „neuen Eliten und deren Werte“ sind und wie sich „deren herrschende Ideen“ fast solitär immer als die „herrschenden Ideen der jeweiligen Zeit“ konstituiert haben. Ob Eliten sich selbst oder auch noch anderen tatsächlich dienen, ob eine Meritokratie ein Recht feinden würde oder an sich nicht, dass Eliten tatsächlich, zu Zeiten und natürlich nicht alle, die Demokratie gefährden oder ein klarer Blick auf die „Macht der Geldeliten“, das Philosphicum Lech wendet sich dem Thema fundiert, verständlich und in großer Breite zu.

 

Ein nicht nur aktuell wichtiges Werk, dass zu vielfältigen Diskussionen Anstoß gibt und in sich vielfache Gestaltungsvorschläge auch für die Zukunft einer gerechteren Gesellschaft ins ich trägt. Unter Einbeziehung der Eliten in manchen Bereichen.

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Rezension zu "Bildung als Provokation" von Konrad Paul Liessmann

Eine nötige Lektüre
Christian_Mayervor 2 Jahren

Und wieder stößt der österreichische Philosoph Konrad Paul Liessmann jenen vor den Kopf, die Bildung vorwiegend als Handlungskompetenz verstehen, als etwas, das dazu dient, direkt im täglichen Leben angewendet zu werden und - das wäre dann ihre Heiligsprechung - auch das Wachstum befördert.
Liessmann gehört zu jenen Apologeten, für die Bildung gerade nicht instrumentalisiert werden sollte und - sofern sie richtig verstanden wurde - auch nicht instrumentalisiert werden kann.
Doch Liessmann gehört zu einer kleinen Schar von Kritikern, die gerne als die ewig Gestrigen abgestempelt werden, als jene, die Bildung durch eine sozialromantische Brille betrachten. Heutige Bildungsdebatten haben nur wenig gemein mit einem humanistischen oder einem humboldtianischen Bildungsverständnis. Daher wirkt Liessmanns Versuch leider auch wie ein Kampf gegen Windmühlen. Auch hier und da mag man in seinem Ton eine gewisse Resignation heraushören. Und dennoch: Es handelt sich um einen Kampf, der geführt werden muss und es ist Liessmann hoch anzurechnen, dass er die Fahne hochhält für eine andere Art der Bildung.
Dies ist nicht Liessmanns erstes Buch zu diesem Thema. Nach der "Theorie der Unbildung" und "Geisterstunde. Die Praxis der Unbildung" folgt nur sein drittes Werk "Bildung als Provokation". Wer seine anderen Bücher kennt, der weiß bereits vor dem Lesen, in welche Richtung die gedankliche Reise gehen wird. Dies schmälert aber keineswegs den Genuss sowie die Notwendigkeit der Lektüre selbst. Liessmann sprachliche Ästhetik, die Art und Weise wie er formuliert, macht das Lesen selbst zu einem Vergnügen. Da muss man nicht einmal immer seiner Meinung sein. Zum Beispiel dort, wo es ihm um einen Bildungskanon geht und er die griechischen Altvorderen für seinen Literaturkanon vorschlägt und anderen Literaturen, die die Persönlichkeitsentwicklung nicht voranbringen, eine Abfuhr erteilt. Liessmann vergisst nämlich, dass Lesesozialisation nicht wirklich mit Homer und Co beginnen kann, sondern bereits viel früher anfangen muss. Und das Lesen entdeckt man nur für sich, wenn man mit Spaß und Interesse bei der Sache ist. Da darf es auch der Groschenroman sein, der eine Begeisterung für das geschriebene Wort weckt. 
Ebenso gilt für Liessmann nur jene Literatur als hochwertig, die im Menschen etwas zum Schwingen bringt, ihn also verändern kann und damit hat er wieder ganz besondere Werke der Literaturwelt im Blick. Während jedes Essen durch den Magen geht, vergisst er, dass jedes gelesen Werk "durch den Menschen geht". Genauer, durch seinen Kopf. Auch die schlechteste Schmonzette geht durch den Leser hindurch. Je intensiver dieses Lesen stattfindet, desto eher findet hier etwas statt. Und es sind Faktoren wie Alter, Lebenserfahrung und Interesse, die die Wirkungsmöglichkeit bestimmen. Da kann auch ein Harry Potter Reibungs- und Entwicklungsmöglichkeiten auslösen. Gerade das macht die Diskussion über einen Literaturkanon aber auch so schwierig. Aber vielleicht ist heute auch kaum noch jemand bereit - anders als Liessmann - sich konkret auf bestimmte Bücher einzuschwören. Womöglich ist die Beantwortung der Frage, welche Bücher hier eine Rolle spielen könnten, auch gar nicht mehr von so vielen zu beantworten.
Während der Beginn seines Buches sich ganz konkret der Bildung mit ihren Facetten annimmt, verlässt er diesen Bereich mehr und mehr. Dies geht soweit, dass wir in diesem Buch sogar Kapitel finden, denen allenfalls noch ein Hauch von Bildungsthematik anhängt. So lesen wir einen wunderbaren Text über die Handarbeit und ihre Fingerfertigkeit, über den Wert des Abfalls, was es mit Revolutionen auf sich hat und ob gerade die Digitale Revolution überhaupt eine Revolution ist.
Liessmann gehört mit zu den klarsten und spitzfindigsten Denker unserer Zeit. Die Lektüre lohnt sich, denn ihr gelingt es, verkrustete Denkstrukturen aufzubrechen und Platz zu machen für neue Idee. Deshalb fordert Liessmann auch abschließend, dass wir eine neue Aufklärung brauchen. Eine, die die Menschen endlich wachrüttelt und in die Lage versetzt, wieder eigenständig zu denken. Das mag auf den ersten Blick naiv klingen, wer sich aber auf den Gedankenspaziergang begibt, den dieses Buch bereithält, der erkennt schnell, dass dem nicht so ist. Der erkennt vielmehr, wie eingefahren sein eigenes Denken selbst ist. Und das ist erschreckend wie befreiend zugleich.

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Rezension zu "Mut zur Faulheit" von Konrad Paul Liessmann

Genau richtig für die Gegenwart
michael_lehmann-papevor 2 Jahren

Genau richtig für die Gegenwart

Effizienz, Einkommen, Arbeitszeitverdichtung, eine große Schar Langzeitarbeitsloser ohne allzu große Aussicht, noch mal auf dem ersten Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Diskussion um Sozialleistungen bis hin zum bedingungslosen Grundeinkommen und, zudem, die „Arbeitswelt 4.0“ vor der Tür, bei der große Unsicherheit herrscht, ob überhaupt noch ausreichend Arbeitskräfte benötigt werden, um das jetzige Lebensgefüge und die Struktur der Arbeitswelt als „Einkommensbeschaffung für das Leben“ aufrecht erhalten zu können.

Daneben die Statistiken der Gesundheitsforschung, in der immer deutlicher wird, dass moderne „psychische Zivilisationskrankheiten“ wir „Burn Out“ oder „Bore Out“ sich quantitativ massiv verbreiten.

In einer Welt, die seit ehedem um den Faktor Arbeit, Leistung, Gelderwerb als Grundvoraussetzungen für das reine Überleben und als Orientierung für die Eingliederung des „Standes in der Gesellschaft“ sich dreht.

Dieses Protokoll der Jahrestagung des Philosophicums Lech bietet einen breiten Reigen je interessanter und individueller Betrachtungen des Themas. Sei es die „Austreibung der Faulheit“, die in den letzten Jahrzehnten immens an Fahrt aufgenommen hat, bis hin in die Freizeit der Menschen, die kaum mehr zum „Dösen“, sondern weitgehend vor allem zur „Selbstoptimierung“ genutzt wird.

Dabei kommen im Buch aber auch die „Wonnen der Arbeit“ zu Wort, die (wunderbar zu lesen) Erfindung einer „Mußemaschine“ (wenn der Mensch schon dazu nicht mehr in der Lage sein will, warum nicht die Muße digital delegieren?).

Nicht fehlen darf eine kritische Bewertung des Kapitalismus in seinen Widersprüchen, die ständig mehr offenkundig zu Tage treten oder auch die These vom „Konsum als Arbeit“ (was noch ad hoc eher in den „Freizeitbereich“ verortet werden würde, bei genauerem Hinsehen aber auch ein Teil der „Arbeit“ ist, denn diese stellt vielfach Produkte her, die konsumiert werden müssen und damit den Konsum selbst als Teil des Produktionsprozesses originär mit einbindet).

Und doch schwebt über allem jenes Thema, dass dem Werk den Titel gab. Das es eines gewissen Mutes Bedarf, faul zu sein, dass aber Faulheit nicht weniger bedeutsam für den Menschen als „Gesamtpaket“ ist, als alle anderen Verrichtungen eines Lebens auch.

„Wer die Faulheit ernst nimmt und praktizieren will, verstrickt sich in einen performativen Selbstwiderspruch….(er) kann darüber nur wenig sagen, anderenfalls müsste er sein Anliegen verraten und fleißig werden“.

Faulheit hindert. An jeder Form von Tätigkeit. Das wäre das Negative, was man sagen könnte. Sich aber selbst auszuhalten und eben nichts zu tun und damit dem inneren System Gelegenheit geben, sich selbst in Muße „in Ordnung zu bringen“, das wäre ein unschätzbarer Vorteil. Und ein Gradmesser. Denn jeder Leser, jede Leserin kann umgehen selbst erproben und an sich messen, ob man denn mit sich allein auskommen könnte. Für einen Augenblick, eine Weile. Ohne Ablenkung. Ganz faul. Dass dies nicht die Regel ist, zeigt das inzwischen unendliche Angebot an Ablenkungen jeder Art, dass umfassend das allgemeine Leben mitbestimmt bis regiert.

Wobei es im Weiteren wichtig werden wird, genau zu schauen, was „Faulheit“ eigentlich begrifflich genau bedeutet und ob das Glück, dass man sich allgemein in der Gegenwart eher durch „Arbeit“ und „Erfolg“ verspricht, nicht eher, oder auch anders, in der „Faulheit“ zu finden sein könnte. Ebenso, wie geklärt werden wird, was das alles mit dem „Willen des Menschen“ zu tun hat. Wann dieser „schwach“ oder „stark“ sei könnte und was eben dann „nicht naheliegende Folgen“ sein könnten.

Eine sehr zu empfehlende Lektüre in einer umfassend „tätigkeitsorientierten Welt“. Infolge derer sich der Kernbegriff der „Unruhe“ herauskristallisiert und dem Leser zur Reflexion bestens nahegebracht wird.

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