Konstantin Sacher Und erlöse mich

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Inhaltsangabe zu „Und erlöse mich“ von Konstantin Sacher

Sex, Drogen, Dekadenz – und ein Gespräch mit Gott

Konstantin Sachers Ich-Erzähler, ein junger Mann, führt eine snobistische Oberflächenexistenz. Seine erste Liebe Sarah und deren Tod reißen ihn heraus. Wie lässt es sich weiterleben trotz Verlust und möglicher Schuld? Er träumt von einem Wiedersehen mit Sarah in der Auferstehung.
Er hadert, er spricht mit Gott, er sucht Erlösung. Und er sucht den nächsten Fick. Er hat Sex mit jeder Frau, die es will. Zärtlichkeit: Fehlanzeige. Obwohl ihn das immer weiter in die Abgründe des eigenen Gewissens treibt, hört er nicht damit auf. Mit einem roten Porsche fährt er durch Frankreich und Spanien und landet in einer Hippie-Kommune. Wieder zu Hause findet er zeitweise Ruhe in einem Kloster. Schließlich trifft er eine Frau, die ihm zeigt, dass das Leben mehr zu bieten hat als selbstzerstörerische Orgien. Doch die Liebe zerbricht an seiner Untreue. Wird der Leser ihm Absolution erteilen?
Sacher knüpft mit dem aufwühlenden Monolog seines Erzählers gekonnt an die Tradition der Bekenntnisliteratur an. Ein Roman über die Sehnsucht des Menschen, zu wissen, was Welt und Ich im Innersten zusammenhält.

Reizlose Prosa.

— jamal_tuschick

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    Und erlöse mich

    jamal_tuschick

    03. October 2017 um 05:09

    In Erwartung des Todes und belehrt von einer Sterbekunst steigt der Erzähler für ein letztes Bekenntnis in die Bütt. Er holt aus und schlägt einen Bogen. Er bemüht sich um ein persönliches Verhältnis zum Leser. Er debütiert als Erzähler seines Lebens. Wie alle Anfänger holzt er. Die Statik seiner Existenz hängt ab von Berechnungen auf der Grundlage einer ausgebauten, in seiner Ursprungsumgebung institutionalisierten Selbstsucht und der evangelischen Theologie. Gottes Liebe erschöpft sich in der Annahme seiner Person. Mit dieser Rechnung stimmt etwas nicht, der Erzähler hält sich in Schieflage und lässt nach im Kampf gegen die Schwerkraft. Seine Zeit läuft ab, eine Kurskorrektur ist ausgeschlossen. In diesem Konstruktionsrahmen entwickelt Konstantin Sacher die Geschichte eines Mannes ohne Eigenschaften, der immerhin ein starker Träumer ist. Er träumt Szenen aus Romanen von Cormac McCarthy und William Golding. Die Grenzen zwischen Träumen und anderen Zuständen sind unscharf. Dramatisierungen der Übergänge wirken sich verhängnisvoll aus. Der Erzähler bewegt sich auf das Land der Paranoia zu. Er erinnert sich an die Liebe, wie sie zu ihm kam in der Gestalt von Sarah. Er beschreibt Szenen häuslichen Unglücks und nennt Gründe früher Resignation: „Wenn sie nicht mitgeht, dann wird das Gleiche passieren, nur anders.“ „Das Gleiche, nur anders“ klingt wie serielle Monogamie. Davon ist im Roman nicht die Rede. Sarah stirbt im Feuer. Im Andenken des Erzählers verwandelt sie sich in eine Ikone. Sie wird zum Du eines Selbstgesprächs – zum blinden Spiegel eines tauben Ichs. Mich erinnert die Attitüde an Krachts Faserlandfahrer und entfernt sogar an Ellis‘ ersten Helden in „Unter Null“. Nach Jahren trennt sich der Erzähler von der Toten. Beziehungslos taumelt er Richtung Rinnstein und Katzenjammer. Er neigt zu starken Behauptungen, die von seiner Labilität ins Lächerliche gezogen werden. Er vermutet etwas Monströses in sich. Monströs ist allein seine Mickrigkeit. Sein Schöpfer hat sich vielleicht zuviel ausgedacht. Vielleicht wollte Sacher die unsympathischste Person in seiner Vorstellungswelt isolieren. Jedenfalls möchte ich dem Roman-Ich nicht begegnen. Es erscheint vollkommen reizlos in verhunzten Darstellungen. Dieser Schwanengesang ist ein Andrang des Nichts – die Fleißarbeit eines Untüchtigen. Warum macht sich einer die Mühe, einen Homunkulus mit Frankenstein’schen Fehler zu erschaffen? Der Erzähler ist ein Sinnsucher, der sich auf Sinn nicht konzentrieren kann, und ein vom Geschlechtlichen angewiderter Womanizer. Er stört die Kreise geerdeter Irrer in Südspanien. Als Aushilfe im Obdachlosencafé macht er schlapp. Nur einmal nähert er sich Vorstufen des Muts, bewaffnet mit einem Stein. Gleich darauf feiert er sich: Christina „war die Frau, die ich vor den Bösen und Fetten, den Stinkenden und Ungewaschenen, den Hirn- und Skrupellosen gerettet hatte.“ Natürlich versiebt er auch dieses Glück in absurden Aktionen.

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