Adressat unbekannt

von Kressmann Taylor 
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Adressat unbekannt
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S

Sehr kurz, aber mit einer sehr klaren Nachricht. Traurig. Ernst. Und vielleicht eine Warnung an die Gegenwart. Lesen!

artphilias avatar

Wie zerbrechlich Freundschaft sein kann, beweist dieses Buch, das durch seine subtile Tragik durchaus überzeugt!

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Inhaltsangabe zu "Adressat unbekannt"

Der Longseller in einer exklusiven Sammlerausgabe mit Zusatzmaterial: Ein Gespräch mit der Autorin, Fotos und Dokumente - die Geschichte eines Welterfolgs.
Adressat unbekannt, der große literarische Erfolg von Kathrine Kressmann Taylor, die als Schriftstellerin nur mit ihren beiden Nachnamen an die Öffentlichkeit trat, ist ein Kurzroman von beklemmender Aktualität. Gestaltet als Briefwechsel zwischen einem Deutschen und einem amerikanischen Juden in den Monaten um Hitlers Machtübernahme, schildert er die tragische Entwicklung einer Freundschaft und die Geschichte einer bitterbösen Rache.
'Ich habe nie auf weniger Seiten ein größeres Drama gelesen ', schreibt Elke Heidenreich in ihrem Nachwort. 'Diese Geschichte ist meisterhaft, sie ist mit unübertrefflicher Spannung gebaut, in irritierender Kürze, kein Wort zu viel, keines fehlt … Nie wurde das zersetzende Gift des Nationalsozialismus eindringlicher beschrieben.'

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783455405866
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:96 Seiten
Verlag:Hoffmann und Campe
Erscheinungsdatum:17.09.2016

Rezensionen und Bewertungen

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    Orishas avatar
    Orishavor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein Buch, das zur Pflichtlektüre gehören sollte. Intensiv, kurzweilig, lehrreich.
    Wer ist dieser Adolf Hitler? ...

    Es ist 1932. Martin, ein Deutscher, und Max, ein Jude, sind Freunde. Sie führen eine Galerie in San Francisco, ihnen geht es gut. Doch Martin zieht es zurück in die Heimat. Mit Frau und Kindern geht es nach München, er wird Angestellter der Stadt, hat eine Villa. Ihm geht es gut. Und auch Max betreibt ihre Galerie munter weiter. Sie schreiben sich, versichern sich gegenseitig ihrer Freundschaft. Doch mit der Machtergreifung der NSDAP beginnt ihre Beziehung zu bröckeln. Noch fragt Max: "Wer ist dieser Adolf Hitler, der in Deutschland augenscheinlich an die Macht strebt?" Bald wird er es wissen.

    Kathrine Kressmann Taylor verfasste diesen fiktiven Briefwechsel 1938, ein Jahr bevor die Schreckenstaten einen offiziellen Charakter bekamen. Als Abhandlung in der New Yorker Zeitschrift "Story" schlägt die Geschichte ein, erweckt Aufmerksamkeit, wird gelesen. Heute scheint sie aktueller denn je, dass dachten sich wohl auch die Verleger und legten das Buch neu auf. Und sie lagen richtig mit ihrer Meinung. 

    So kurz dieses Buch auch erscheinen mag, selten war eine Geschichte so intensiv, auf dem Punkt. Man kann zwischen den Zeilen lesen, es gibt sanfte Töne, verzweifelte Töne, gewaltsame Töne, die alle zusammengenommen auf das unvermeidliche Ende hinarbeiten. Kurzum es ist ein Buch, das zur Pflichtlektüre gehören sollte.

    Fazit: Unbedingte Leseempfehlung!

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    andheus avatar
    andheuvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: https://andheu.com/2016/01/10/adressat-unbekannt-kressmann-taylor/
    Adressat unbekannt

    https://andheu.com/2016/01/10/adressat-unbekannt-kressmann-taylor/

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    W
    Waschbaerinvor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Der eigentliche Briefwechsel, nimmt etwa genau so viele Seiten ein wie die Anmerkungen.
    Es gibt viele Arten von Rache

    Der Inhalt ist ein fiktiver Briefwechsel zwischen den Freunden und Geschäftspartnern Martin Schulse und Max Eisenstein. Gemeinsam betrieben sie in San Francisco einen Antiquitätenhandel. Max Eisenstein ist Jude und er bleibt in den USA, betreibt das Geschäft weiter. 

    Sein Partner Martin Schulse kehrt 1932 nach Deutschland zurück, versucht hier geschäftlich Fuß zu fassen.

    Der Briefwechsel zwischen den beiden Freunden beginnt völlig harmonisch. Doch im Laufe der Zeit sind in den Briefen aus Deutschland kommend immer mehr judenfeindliche Tendenzen zu spüren.

    Das Verhaeltnis zwischen den beiden Geschäftspartnern kippt, als die Schwester von Max, ebenfalls Jüdin und in Europa lebend, bei dem Freund und ihrem früheren Liebhaber Martin, Schutz vor den SS Verfolgern sucht und abgewiesen wird. Das bedeutet ihren Tod. Die Briefe von Max an seine Schwester kommen mit dem Vermerk "Adressat unbekannt" zurück.

    Der Bruder in den USA wehrt sich auf diesen Verrat auf seine Weise. Er schreibt weiterhin freundschaftliche Geschäftsbriefe an seinen Partner in Deutschland und unterschreibt mit seinem vollen Namen, der eindeutig jüdisch klingt. Die Antworten seines Freundes fallen immer dringlicher aus, den Briefwechsel einzustellen, da er und seine Familie unter Repressalien zu leiden hätten. Die Briefe würden in Deutschland  geöffnet und zensiert. Jedes Schreiben muss von ihm persönlich auf dem Amt abgeholt werden, was demütigend sei. Martin beschwoert Max, der alten Freundschaft wegen, nicht mehr zu schreiben. Doch die netten, persönlich klingenden Briefe aus den USA treffen weiterhin ein, bis das letzte Schreiben mit dem Vermerk "Adressat unbekannt" zurückkommt.

    Damit ist es vollbracht. Danach wird der Briefwechsel aus den USA eingestellt.

    Der Kommentar von Elke Heidenreich am Ende des Buches spricht wohl vielen Lesern aus dem Herzen.

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    fraencisdaenciss avatar
    fraencisdaencisvor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Eindringlich, erschütternd, beeindruckend. Hat auch nach 80 Jahren nichts an seiner Aktualität verloren.
    Ein erschütternder Briefroman


    Das Buch ist ein Briefwechsel zwischen zwei Männern, Martin Schulse und Max Eisenstein, und ich mag diese Art des Romans sehr gerne. Der erste Brief ist von November 1932, also kurz vor der Machtergreifung Hitlers. Martin Schulse ist zu dem Zeitpunkt wieder nach Deutschland zurückgekehrt, sein Freund Max Eisenstein ist jedoch in Amerika geblieben. Der historische Hintergrund macht dieses Buch ein wenig beklemmend, aber es ist auch sehr interessant zu sehen, wie die Autorin das Ganze aufgegriffen und verarbeitet hat.




    "Um die Wahrheit zu sagen, Max, ich glaube, daß Hitler in einiger Hinsicht gut für Deutschland ist, aber sicher bin ich mir nicht. [...] Der Mann ist wie ein elektrischer Schock, so stark, wie nur ein begnadeter Redner oder ein Fanatiker sein kann." - Seite 25f



    Schon nach den ersten beiden Briefen, die zwischen den beiden Männern gewechselt wurden, habe ich ein Gespür für ihre Freundschaft bekommen und auch für ihre Charakterzüge. Dafür ist die Form der Briefromans natürlich sehr gut geeignet, da sie etwas sehr Persönliches an sich hat. Dieser Kontrast - Max als Jude in Amerika, Martin in Deutschland - zwischen den Protagonisten ist die Grundlage für das Buch und es war erschütternd zu sehen, wie sich die Beziehung zwischen Max und Martin entwickelt hat.




    "Ach Martin, ich schäme mich oft für die Freude, die ich empfinde, wenn ich solch bedeutungslose, kleine Triumphe erlebe.
    Du in Deutschland, mit Deinem Landsitz und Deinem Wohlstand, den Du Elsas Verwandten vorführst, und ich in Amerika, beglückt frohlockend, weil ich eine leichtgläubige alte Dame zum Kauf einer Monstrosität überredet habe Was für schöne Höhepunkte für zwei vierzigjährige Männer!" - Seite 22



    Der letzte Brief ist von Anfang 34, knappe anderthalb Jahre dauert der Briefwechsel nur an, doch er zeigt vieles, was in der damaligen Zeit passiert ist. Diese kurze Geschichte ist so eindringlich, so erschütternd, dass ich sie jedem ans Herz lege. Auch in der heutigen Zeit ist diese Geschichte noch so aktuell wie vor 80 Jahren.

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Die Autorin schafft es, auf wenigen Seiten alles zu sagen, was gesagt werden muss!
    Gegen das Vergessen: Adressat unbekannt

    „Adressat unbekannt“ ist erstmals 1938 im New Yorker Story Magazine erschienen. Damals waren die Leser so begeistert, dass die gesamte Auflage innerhalb von zehn Tagen ausverkauft war. Ein Jahr später wurden die fiktiven Briefe eines Deutschen und eines amerikanischen Juden als Buch veröffentlicht – ein voller Erfolg.

    2012 ist das Buch schließlich auch in Deutschland erschienen. Auch heute noch beweist es die Wichtigkeit und Aktualität dieses Themas. Man braucht sich nur die aktuellen Presseberichte anzusehen, um zu verstehen, dass Themen wie Ausländer- oder Religionsfeindlichkeit kein Schnee von gestern sind, dass Fehler sich wiederholen können, wenn wir das, was geschehen ist, verdrängen.

    „Ich würde wieder mehr Vertrauen in dieses Land haben, wenn ich dieses Buch in den nächsten Monaten und Jahren aus vielen Jackentaschen ragen sähe. Ich träume von einer morgendlichen vollen U-Bahn in Berlin, in der Hunderte von Menschen Kressmann Taylor lesen, aufsehen und sich mit Blicken gegenseitig versichern: nie wieder!“, schreibt Elke Heidenreich in einem sehr emotionalen Nachwort, das die Wichtigkeit der Thematik dieses Buches nur noch verstärkt.
    Die Botschaft, die aus den Briefen herauszulesen ist, ist an jeden von uns gerichtet: Es sieht aus wie eine ewige Freundschaft, man liest ehrliche Gefühle aus den Briefen der Freunde heraus. Nur ganz langsam verändert sich der Schreibstil des Deutschen und schafft eine bedrückende Stimmung. Man liest die geschriebenen Zeilen und ist fassungslos. Die Worte sind so klar und präzise gewählt, dass sie einen treffen. Konnte das ein Freund geschrieben haben? Ist man so schnell und so einfach zu beeinflussen? Hat der Freund denn alles vergessen?
    Die Autorin schafft es, auf nur wenigen Seiten alles zu sagen, was gesagt werden muss, und dabei auch noch Emotionen zu wecken. „Adressat unbekannt“ ist große Literatur, die es wert ist gelesen und besprochen zu werden. Ein Meisterwerk!

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    Misteringreens avatar
    Misteringreenvor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Es gibt Bücher, die einen einfach nicht mehr loslassen. Auch nicht nach 3 weiteren gelesenen Lektüren. das ist so eines! Pflichtlektüre!
    Es gibt Bücher, die einen einfach nicht mehr loslassen...

    Es gibt Bücher, die werden gelesen und an die Seite gelegt.

    Dann gibt es Bücher, die einen auch nach dem lesen noch ein paar Tage gedanklich festhalten und über deren Inhalt man gerne spricht, bis einen die nächste Lektüre beschäftigt.

    Und schließlich gibt es Bücher, die einen einfach nicht mehr loslassen. Auch nicht nach 3 weiteren gelesenen Lektüren. Das sind meine persönlichen Literaturschätze!

    Damit dürfte auch schon ziemlich schnell deutlich werden, dass es solche Bücher für mich nicht sehr oft gibt. Rückblickend gehörten da zum Beispiel “Knapp am Herz vorbei” von Moehringer (ich glaube 2013 von mir gelesen) und “Drüberleben” von Kathrin Weßling (2012 gelesen) dazu.

    Nun also mal wieder geschehen mit “Adressat unbekannt”. 

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    LadySamira091062s avatar
    LadySamira091062vor 4 Jahren
    Wenn aus Freunden Feinde werden

    Bei  diesem Buch geht es um einen Briefwechsel zwischen  einem Deutschen und einem amerikanischen Juden in der zeit um Hitlers Machtübernahme.
    Beide führten eine Kunsthandlung in Amerika .1932 ging dann  Martin Schulse. mit seiner Familie wieder nach Deutschland zurück,Max Eisenstein führte die Kunsthandlung derweil weiter und  hielt per Brief mit Schulse,mit dem er auch privat befreundet war Kontakt
    .Langsam aber sicher geriet Schulse  in den sog der  Hitlerströmung und  begann sich  in den Briefen   unmerklich immer mehr von Eisenstein zu  distanzieren .Der wollte das erst nicht wahr haben ,das sein Freund immer mehr zu Hitlers Gefolgsmann wurde.Erst als Eisensteins Schwester in Gefahr geriet und sich an Schulse wandte,wurde Max  klar ,das seien Freundschaft mit Schulse auf der Kippe stand .Der lies sie jedoch schmählich  im Stich und forderte Eisenstein auf ihn nicht mehr  privat zu belästigen.
    Eisensteins Rache ist einerseits  richtig perfide ,aber für mich  nachvollziehbar.Es macht einen betroffen ,wie schnell aus Freunden feinde werden  und die Folgen ,die aus dem verletzten und enttäuschten Stolz entstehen   sind  furchtbar.,aber nachvollziehbar.


    Möge dieses Buch dazu beitragen das sich solche Dinge nicht mehr  wiederholen.Damals blieb die Menschlichkeit  auf der Strecke,möge die Menschheit daraus gelernt haben

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    Irves avatar
    Irvevor 4 Jahren
    *+* Pflichtlektüre!!! *+*

    *+* Zur Originalrezension auf meinem Blog geht es hier entlang:  https://irveliest.wordpress.com/2014/12/16/4025/ *+*


    Liebe Lesefreunde,
    .
    ich muss euch vorab sagen, dass ich für dieses Buch keine annähernd angemessenen Worte finden werde, so sehr ich mich auch bemühe….
    .
    Über noch nicht einmal 60 Seiten erstreckt sich der Briefwechsel zwischen den ursprünglichen Freunden Max Eisenstein und Martin Schulse. Zunächst betreiben die beiden gemeinsam eine Galerie in Amerika. 1932 geht Martin mit seiner Familie zurück in seine alte Heimat, nach Deutschland, um von dort aus das Unternehmen zu unterstützen.
    .
    Dort hatte Hitler nun das Amt des Reichskanzlers inne. Martin wirft seinen anfänglichen Argwohn gegen die neue Führung schnell über Bord, und nicht nur das. Seine anfänglichen leisen Zweifel verwandeln sich schnell in feurige Begeisterung.
    Das Unglück nimmt seinen Lauf. Auf den schnell erreichten ersten Höhepunkt folgen leider weitere.
    .
    Beim Lesen hatte ich ganz schnell einen sehr dicken Kloß im Hals.
    Dass es in der Natur des Menschen liegt, seinen Vorteil wahrzunehmen, wissen wir alle. Das ist kein Verbrechen, solange man das Wohl der Mitmenschen dabei nicht aus den Augen verliert. Aber wie Martin sich seinem lieben alten Freund Max gegenüber verhält, werde ich nie begreifen.
    Funktioniert Gehirnwäsche wirklich so wirkungsvoll? Und so schnell? Wirft man Verstand, Moral und Verantwortungsbewusstsein wirklich einfach so über Bord, wenn ein persönlicher Nachteil droht?
    Wo bleibt die Menschlichkeit? Ich bin wirklich erschüttert, vor allem weil ich ahne, dass die Menschheit in gewisser Weise dumm und unbelehrbar ist.
    .
    Schon nach einigen Seiten der Novelle kam mir das Buch „Die Welle“ in den Sinn – das „moderne“ Experiment, bei dem versucht wurde, nachzuvollziehen, wie es Hitler gelang, das Volk derart in der Hand zu halten.
    Schon bei diesem Werk platzte ich fast vor Wut…..und was soll ich sagen? Im Vergleich zur Realität war das offenbar nur der kleine Bruder des wahren Schreckens.
    .
    „Adressat unbekannt“ besteht zum Teil aus fiktiven Briefen. Diese hat die Autorin aber nur komponiert, um den realen Schriftstücken, die ihr vorlagen, einen geeigneten literarischen Rahmen zu geben.
    .
    So ist das Verhalten von Martin Schulse nicht erdacht sondern real. Wenn man sich vorstellt, wie er gegen seinen alten Freund gehandelt hat, bekommt man eine Ahnung, dass diese Szene nur die Spitze des Eisbergs sein könnte.
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    Max legt nun endgültig – wer kann es ihm verdenken – seine Loyalität gegenüber Martin ab. Mit einem perfiden Plan setzt er sich zu Wehr. Mir fehlten die Worte. Bei aller Schadenfreude war ich entsetzt, was nun geschah.
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    Ich habe in noch keiner Erzählung, keinem Buch mehr vor Augen geführt bekommen, welche Macht und Sprengkraft Worte haben können. Es ist die pure Sprache, die hier einen riesigen Stein ins Rollen bringt!
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    Die Geschichte des 2. Weltkrieges wird mich immer traurig stimmen. Was mich aber auch sehr betrübt ist, dass dieses Büchlein trotz des konkreten Themas zeitlos ist und weitestgehend allgemeingültig erscheint.
    .
     Jeder sollte es lesen!
    Es ist zudem die ideale Schullektüre. Die Kinder würden nicht Jahr für Jahr mit hunderten von Seiten Buch gequält, die meist ohnehin nicht wirklich den Kern des Ganzen treffen. Die geringe Seitenzahl dieses Buches ist auch für den größten Lesemuffel machbar, und worum es geht, für jeden zu verstehen.
    .
    Das sehr starke Nachwort von Elke Heidenreich spricht mir aus der Seele.
    .

    Zum Buch:

    „Adressat unbekannt“ von Katherine Kressmann Tayler ist im August 2012 unter der ISBN-Nr 978-3-455-81061-5 im Verlag Hoffmann und Campe erschienen.
    .
    Das “Meisterwerk einer aufs Äußerste verknappten Erzählkunst” (FAZ) erscheint als Neuausgabe zum 75. Jubiläum seiner Erstveröffentlichung. Adressat unbekannt, der große literarische Erfolg von Kathrine Kressmann Taylor, die als Schriftstellerin nur mit ihren beiden Nachnamen an die Öffentlichkeit trat, ist ein Roman von beklemmender Aktualität. Gestaltet als Briefwechsel zwischen einem Deutschen und einem amerikanischen Juden in den Monaten um Hitlers Machtübernahme, schildert er die tragische Entwicklung einer Freundschaft und die Geschichte einer bitterbösen Rache. “Ich habe nie auf weniger Seiten ein größeres Drama gelesen”, schreibt Elke Heidenreich in ihrem Nachwort. “Diese Geschichte ist meisterhaft, sie ist mit unübertrefflicher Spannung gebaut, in irritierender Kürze, kein Wort zu viel, keines fehlt … Nie wurde das zersetzende Gift des Nationalsozialismus eindringlicher beschrieben. Adressat unbekannt sollte Schullektüre werden.”

    “Man darf über diese eindrucksvolle Geschichte nicht sprechen – zumindest nicht mit jenen, die sie noch nicht gelesen haben. Dieses kleine Buch ist ein großes Erlebnis.” – Deutsche Welle

    “Eine Sensation, perfekt und unvergesslich.” Elke Heidenreich


    *+* Zur Originalrezension auf meinem Blog geht es hier entlang:  https://irveliest.wordpress.com/2014/12/16/4025/ *+*

    Kommentare: 1
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    FabAustens avatar
    FabAustenvor 4 Jahren
    Adressat unbekannt

    Beeindruckend. 

    Die engen Freunde Max Eisenstein und Martin Schulse besitzen in San Francisco gemeinsam eine Kunstgalerie. Max ist amerikanischer Jude, Martin ein deutscher Emigrant. Ende 1932 entschließt sich dieser, nach München zurückzukehren. Nichtsdestotrotz versprechen sie sich, Freunde und Geschäftspartner zu bleiben und stehen künftig über Geschäftliches und Privates in brieflichem Kontakt. Während Max an der Freundschaft festhält, muss er beobachten, wie der Freund sich verändert. Martin beginnt eine politische Karriere im Dritten Reich. Seine sich wandelnde Gesinnung schlägt sich auch in seinen Briefen zunehmend Bahn. Dabei wird die Gedanken manipulierende Kraft der braunen Ideologie ebenso offensichtlich wie ihre Idiotie. Nach einer Weile erklärt Martin seinem Freund: „Dem einzelnen Juden bin ich nie mit Hass begegnet.“ Hier unterscheidet er noch zwischen „dem Judentum“, das er als Bedrohung sieht und seinem Freund Max. Doch später schließt er Max in diese Gruppe ein, sieht deren Verfolgung als notwendiges Übel an, um Deutschland „neu“ zu erschaffen. Schließlich fordert er seinen langjährigen Gefährten auf, mit dem Schreiben aufzuhören und jeglichen Kontakt abzubrechen. (Ironischerweise mahnt er aber an, die Zahlungen an ihn als Teilhaber der Kunstgalerie fortzusetzen. Wer also ist hier geldgierig?) Doch Max muss sich noch einmal an ihn wenden, denn er wähnt seine Schwester, die als Schauspielerin nach Berlin gegangen ist, in Gefahr. Er appelliert an ihre Freundschaft, hofft, dass der ehemalige Freund mit politischem Amt, seine Schwester retten kann. Als sich diese Hoffnung als trügerisch erweist, übt Max Rache.

    Was für ein Buch. Ein Briefwechsel, schlicht in Sprache und Ausführung, aber von solcher Tiefe, wie man sie gar nicht erfassen kann. Genauso wie Max möchte der Leser an die Freundschaft glauben und erlebt dann ungläubig Martins Wandlung. Wie kann man sich einer Ideologie verschreiben, obwohl man andere Erfahrungen gemacht hat? Wie kann er die Judenverfolgung befürworten, obwohl er jahrelang eine tiefe Freundschaft zu einem von ihnen hegte? Das Schicksal der Schwester und die Kälte, die daraufhin aus Martins Worten spricht, machen traurig. Trotz allem erschreckt am Ende auch Max’ Rache. Obwohl sein Handeln sehr verständlich ist, ist es gleichzeitig grausam. 
    Eindrucksvoll und bedrückend wird gezeigt, wie die nationalsozialistische Ideologie auf unterschiedlichen Ebenen wirkte, das Denken beeinflusste ,in persönliche Beziehungen eingriff und den Menschen veränderte. 

    Unglaublich, dass der Briefroman bereits 1938 in der New Yorker Zeitschrift „Story“ veröffentlicht wurde. Das heißt, dass schon zu dieser Zeit auch den Menschen im Ausland klar war, welche Situation damals in Deutschland herrschte. Die New York Times Book Review erklärte Adressat unbekannt, zur „…stärkste[n] Anklage gegen den Nationalsozialismus, die man sich in der Literatur vorstellen kann.“ Obwohl die Novelle also schon recht viele Jahre zählt, ist sie „modern“, nicht angestaubt. Tatsächlich wurde sie Anfang der 90er Jahre noch einmal veröffentlicht und avancierte zum Bestseller. Aber auch heute verdient Taylor Kressmanns Werk so viele Leser, wie es kriegen kann.


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    dicketillas avatar
    dicketillavor 5 Jahren
    Briefe

    Der Text wurde 1938 im “Story Magazin”, New York, veröffentlicht.
    Eine bis dahin unbekannte Autorin ,
    war durch tatsächlich geschriebene Briefe, und nach Gesprächen mit ihrem Mann, auf die Idee zu dieser Geschichte gekommen.
    Innerhalb weniger Wochen war diese Ausgabe vergriffen, und mit viel Aufmerksam bedacht. 1992 sah man sich bei “ Story” veranlasst , durch zunehmende Fremdenfeindlichkeit auf der Welt, diese Geschichte erneut zu veröffentlichen.

    Es ist die Geschichte zweier Freunde, Martin und Max,
    die gemeinsam in San Francisco eine Galerie betrieben.
    Martin geht mit seiner Frau und den Kindern 1932 zurück nach Deutschland, nach München, und eröffnet dort eine eigene Galerie.
    Er schildert in Briefen die politischen Veränderungen in Deutschland.
    Max, Jude, antwortet mit Besorgnis, und sorgt sich um seine kleine Schwester, die in Wien am Theater ein Gastspiel gibt, und bittet Martin ihr zur Seite zu stehen, falls sie in Bedrängnis gerät. Martin der doch einst in Liebe zu ihr entbrannte. Doch die Briefe von Martin zeigen immer mehr seine volksdeutsche Gesinnung und seine Zustimmung zum Umgang mit den Juden. Bis er Max bittet ihm nicht mehr zu schreiben und energisch seine Freundschaft kündigt.

    Doch Max findet einen Weg, und schlägt zurück, kein ein in sein Leid fügender Jude zu sein. Er bestraft Martin, der die Mitschuld am Tod seiner Schwester trägt. Und die Worte, in seinen unerwünschten Briefen ,die eine solche Macht in sich tragen, eine Waffe , die auch ohne Munition sein Ziel nicht verfehlt.

    “Adressat unbekannt” ist eine fiktive Geschichte, die in Briefen geschrieben ist. Briefe anfänglich voller Achtung, Freundschaft, ja auch Liebe geschrieben. Und wie ein Geschwür, verändern sich diese von Martin, ein Geschwür, vom Freund erst als Schutz,
    dann aber dennoch als unmissverständliche Bedrohung erkannt.
    Wie kann sich eine Gesinnung so schnell ändern, eine jahrelange Freundschaft durch einen Emporkömmling , nicht nur zwei Freunde, sondern ein ganzes Volk entzweien.

    Das Buch beginnt mit einem Vorwort von Elke Heidenreich, die den Sinn und die Abscheulichkeit nicht treffender analysieren könnte.
    Zum Ende schreibt sie :
    “ Ich träume von einer morgendlichen vollen U-Bahn in Berlin,
    in der Hunderte von Menschen Kressmann Taylor lesen,
    aufstehen und sich mit Blicken gegenseitig versichern : nie wieder.
    Ja das ist sentimental. Aber ich vertraue auf die Kraft von Büchern. “

    Ein Taschenbuch, gerade mal 62 Seiten , aber mit einer Aussagekraft, dem manch anderem Buch fehlt.
    Unbedingt lesen !

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