Kriemhild Frieda Marie Mader Vom Leben am Rand der roten Scheibe

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Inhaltsangabe zu „Vom Leben am Rand der roten Scheibe“ von Kriemhild Frieda Marie Mader

Sie lebte unfrei und eingeschlossen im Sperrgebiet, einem Käfig innerhalb des Gefängnisses, der “DDR“. Auf der einen Seite Stacheldraht, auf der anderen der Schlagbaum. Vom Leben am Rand der roten Scheibe ist ein frischer authentischer Blick auf weithin unbekannte Grenzerfahrungen in der “DDR“: das Leben im Sperrgebiet und auf die in mehreren „Säuberungsaktionen“ vom Unrechtsstaat verordneten Zwangsumsiedlungen. Kriemhild Frieda Marie Mader schildert den privaten, schwierigen wie gleichzeitig glücklich-behüteten Alltag in Kontrast zu den banal-bürokratischen Vergewaltigungen der eigenen Bürger im Sperrgebiet. Wir erfahren Erstaunliches über die Wirkung staatlicher Willkür auf die innere Befindlichkeit der „ganz normalen“ Menschen im Osten Deutschlands, ihre persönliche Zerrissenheit und die spannenden wie verunsichernden Herausforderungen für den Einzelnen in der Nachwendezeit. Die Autorin gibt uns einen tiefen Einblick in das Innere der Protagonistin, auf die Träume, Sehnsüchte und Wünsche, ihre Hoffnungen und Enttäuschungen, auf ihre Kraft und ihre Schwäche und ihre ganz eigenen Begrenzungen. Trotz aller bisherigen literarischen, publizistischen und filmischen Aufarbeitungen erhalten wir einen ganz anderen, neuen Blick: Die Menschen im Sperrgebiet waren nicht nur vom Westen ausgegrenzt – wie alle anderen in der “DDR“ – sondern vom eigenen Land, vom Rest der ‚roten Scheibe‘.

Ein gut verpackter Zeitzeugen- Roman über das Leben in der DDR

— Diana182
Diana182

Eine Zeitzeugin beschreibt das Leben im Sperrgebiet der DDR - Zeitzeugenroman und Belletristik zugleich

— editionfredebold_Verlag
editionfredebold_Verlag

Vom Leben am Rand der roten Scheibe ist ein historisches Dokument, das deutsche Geschichte zu lesen leicht fallen lässt.

— FräuleinBriest
FräuleinBriest

gibt einen tiefen Einblick zu DDR-Zeiten

— Binchen84
Binchen84

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  • Leserunde zu "Vom Leben am Rand der roten Scheibe" von Kriemhild Frieda Marie Mader

    Vom Leben am Rand der roten Scheibe
    editionfredebold_Verlag

    editionfredebold_Verlag

    Annlässlich der Leipziger Buchmesse 2016 und der Lesung unserer Autorin K.F.M. Mader im Rahmen von "Leipzig liest", möchten wir eine Leserunde eröffnen. Bis zum 29.02. könnt Ihr Euch für ein gedrucktes Exemplar oder ein eBook des Zeitzeugenromans bewerben (insgesamt 5 Bücher). Erzählt uns, warum Ihr Romane, die die Zeitgeschichte betreffen lesen möchtet und welche Themen am interessantesten für Euch sind!

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  • Ein Zeitzeugen-Roman über die DDR in einem gut verpackten Roman

    Vom Leben am Rand der roten Scheibe
    Diana182

    Diana182

    23. March 2016 um 20:20

    Das Cover zeigt einen Grenzturm aus blankem Beton. Das Bild ist in einem angenehmen Farbton gehalten, im Vordergrund fliegt ein Schmetterling. Die Buchbeschreibung macht neugierig, da es sich um einen interessanten Zeitzeugenroman handelt. Nun erst einmal zum Inhalt per Klappentext:Sie lebte unfrei und eingeschlossen im Sperrgebiet, einem Käfig innerhalb des Gefängnisses, der “DDR“. Auf der einen Seite Stacheldraht, auf der anderen der Schlagbaum. Vom Leben am Rand der roten Scheibe ist ein frischer authentischer Blick auf weithin unbekannte Grenzerfahrungen in der “DDR“: das Leben im Sperrgebiet und auf die in mehreren „Säuberungsaktionen“ vom Unrechtsstaat verordneten Zwangsumsiedlungen. Kriemhild Frieda Marie Mader schildert den privaten, schwierigen wie gleichzeitig glücklich-behüteten Alltag in Kontrast zu den banal-bürokratischen Vergewaltigungen der eigenen Bürger im Sperrgebiet. Wir erfahren Erstaunliches über die Wirkung staatlicher Willkür auf die innere Befindlichkeit der „ganz normalen“ Menschen im Osten Deutschlands, ihre persönliche Zerrissenheit und die spannenden wie verunsichernden Herausforderungen für den Einzelnen in der Nachwendezeit. Die Autorin gibt uns einen tiefen Einblick in das Innere der Protagonistin, auf die Träume, Sehnsüchte und Wünsche, ihre Hoffnungen und Enttäuschungen, auf ihre Kraft und ihre Schwäche und ihre ganz eigenen Begrenzungen. Trotz aller bisherigen literarischen, publizistischen und filmischen Aufarbeitungen erhalten wir einen ganz anderen, neuen Blick: Die Menschen im Sperrgebiet waren nicht nur vom Westen ausgegrenzt – wie alle anderen in der “DDR“ – sondern vom eigenen Land, vom Rest der ‚roten Scheibe‘. Meine Meinung:Dieses Buch hat mich wirklich sehr neugierig gemacht. Als 1986 Geborene, habe ich meine frühste Kindheit zwar in der DDR verbracht, aber leider keine Erinnerungen mehr daran. Daher bin ich an Zeitzeugenberichten stets sehr interessiert! Die Autorin schildert hier eine angenehme Geschichten, welche in zwei Zeitsträngen beschrieben wird. Wir lernen Ute kennen, welche auf Anhieb sympathisch wirkt. Durch ihre Augen betrachten wir nun die Umgebung und das Leben in der damaligen DDR. Gekonnt erfahren wir die einzelnen Vorkommnisse im Rahmen von Familienfesten oder "Erwachsenengesprächen". So wie es auch bei uns oft besprochen wird. Hier lauschen wir gespannt den Schilderungen und erfahren nach und nach die unverständlichsten Ereignisse. Da verschwinden von Heute auf Morgen ganze Familien und werden einfach mal so umgesiedelt. Warum weiß keiner so genau. Aber auch die Geschichte über die beiden Zwillinge, die mal eben in den Westen fliehen, war sehr lustig zu lesen- auch wenn es eher traurig für die entsprechende Familie endete. Was mir hier wirklich besonders sehr gut gefallen hat, was die eingefangene Stimmung. Da wird von heute auf morgen die Grenze geöffnet und nichts ist mehr so, wie es einmal war. Was gestern noch strengstens verboten war, interessiert heute plötzliche niemanden mehr. Das Gefühl der plötzlichen "Heimatlosigkeit" wird für mich hier sehr gut vermittelt. Mein Fazit:Eine wirklich gelungene Zeitzeugen- Geschichte, welche sich flüssig lesen lässt. Zwar hätte es hier und da etwas ausführlicher sein können, aber dennoch wurde das Leben in der DDR für mich gut beschrieben. So, wie ich es auch schon aus diversen anderen Erzählungen erfahren habe. Hier und da liest man jedoch noch Dinge, die mir bisher nicht bewusst gewesen sind.

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  • Der Leser taucht in die Welt der Grenzbewohner ein, und erlebt die ständige Angst vor dem DDR-Regime

    Vom Leben am Rand der roten Scheibe
    editionfredebold_Verlag

    editionfredebold_Verlag

    14. January 2016 um 10:58

    Diese Rezension stammt von LJs-lovely-books und hat uns freundlicherweise die Veröffentlichung genehmigt! "Dieses Buch zu lesen und zu rezensieren kostete mich etwas Überwindung. Denn der Leser im Allgemeinen, neigt doch eher dazu, die rare Lesezeit, die ihm zur Verfügung steht, mit gemütlichen, lustigen, romantischen oder spannenden Augenblicken zu versehen. Dennoch reizte mich dieses Buch – Roman - Zeitzeugenroman - Teilautobiographie - Sachbuch – wie auch immer, denn ich selber bin auch in diesem Randgebiet, um das es hier geht, groß geworden – nur auf der westlichen Seite des Zauns zur DDR, an dem wir als Kinder mit dem Rad langfahren und herüber winken durften. Kriemhild Frieda Marie Mader, Autorin des Zeitzeugenromans „Vom Leben am Rand der roten Scheibe“, erschienen bei editionfredebold, weiß, wovon sie schreibt. Sie selber wuchs in eben dieser Sperrzone der ehemaligen DDR auf, also direkt neben dem Grenzzaun und unterhalb der Wachtürme, hinter einer Schranke zur übrigen DDR. Der Ort, an dem das Buch in erster Linie spielt. Es handelt von einem weitestgehend unbekannten Gebiet Ostdeutschlands, das es – zum Glück- seit 1989 nicht mehr gibt. Die Protagonistin Ute und ihre Familie leben in dieser Sperrzone der DDR. Auf der einen Seite Stacheldrahtzaun zur Bundesrepublik, auf der anderen Seite ein Schlag¬baum, der die Bewohner des Grenzdorfs Schlags¬dorf noch ein Mal zu dem „Gefängnis DDR“ ab¬sondert. Innerhalb der großen Erzählung wird in kleinen Geschichten und Anekdoten vermittelt, was es heißt, unter größter Bewachung zu leben. Freunde und Familie dürfen nicht auf Besuch kommen – selbst zu Geburtstagen nicht, es sei denn, man hat Monate im Voraus einen Passierschein beantragt und auch genehmigt bekommen. Der Weg in die Schule, der jedes Mal durch Kontrollen führt, ist ein Spießrutenlauf. Hat man den Passierschein nicht dabei, darf man nirgendwohin. Den Sonnennuntergang fotografieren? Niemals – denn der findet im Westen statt. Auch Geschichten, die zu DDR-Zeiten tatsächlich passierten und in der Presse veröffentlicht wurden, hat die Autorin geschickt in das Buch eingebunden. Zum Beispiel die von zwei kleinen Jungs, die „aus Versehen“ in den Westen gelangten und sich freuten, dass es dort Eis zu kaufen gab. Fast wäre es an dem fehlenden Westgeld gescheitert. Doch der Eisverkäufer hat ein Herz für die Ost-Jungs und zeigt sich spendabel. Auch die Herausforderungen der Nachwendezeit vernachlässigt die Autorin nicht und begleitet die Protagonistin und Familie auf ihren Wegen in ein neues, freies Leben, das doch so verwirrend und mangels Wegweiser sehr schwierig ist. Der Leser taucht in die Welt der Grenzbewohner ein, und erlebt die ständige Angst vor dem DDR-Regime mit. Zu viele Nachbarn, Freunde, Familienangehörige verschwanden plötzlich oder ganze Familien und auch Dörfer wurden umgesiedelt – je nach Belieben der Regierung. Kriemhild Frieda Marie Mader erzählt das teils Erlebte so, als säße man ihr gegenüber. Dem Leser muss klar sein, dass es sich nicht um einfache Belletristik handelt, denn dann wird er enttäuscht. Geht er jedoch davon aus, dass es sich um einen Zeitzeugenroman handelt, also ein historisches Dokument in Romanform, so kann er viel Unglaubliches lesen und lernen und immer wieder erstaunt über das Tun und Handeln eines ehemaligen deutschen Staats sein. Er wird eben auch darum Unrechtsstaat genannt. Vom Leben am Rand der roten Scheibe ist ein historisches Dokument, das Geschichte zu lesen leicht macht. Denn es werden keine trockenen historischen Fakten aneinandergereiht sondern zu einer schönen Geschichte verpackt. An den trockenen Ton der Autorin muss man sich gewöhnen – er lässt das schwere Thema nicht leichter werden. Aber gerade dadurch fühlt man sich unmittelbar in eine andere Welt und Zeit versetzt, die es so zum Glück nicht mehr gibt."

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  • gibt einen tiefen und guten Einblick

    Vom Leben am Rand der roten Scheibe
    Binchen84

    Binchen84

    09. November 2015 um 10:14

    Inhalt: „…Aus dem Osten kam sie, und der war für Ute eine rote Scheibe. Überstülpt von einem Himmelszelt voller revolutionär-sozialistischen Gedöns. Miefig war er, der Osten. Hätte sie irgendjemand wegen ihrer Herkunft bedauert, dann hätte der schon was zu hören gekriegt. Aber was sie wirklich schlimm fand, war die Tatsache, dass sie vom Rande dieser Scheibe stammte. Der verhinderte ja nicht nur den Absturz von ihr. Der grenzte Ute auch vom Rest der Scheibe aus…“Ein frischer authentischer Blick auf weithin unbekannte Grenzerfahrungen in der DDR: das Leben im Sperrgebiet – ein Gefängnis innerhalb des Gefängnisses – und auf die in mehreren „Säuberungsaktionen“ vom Unrechtsstaat verordneten Zwangsumsiedlungen. Kriemhild Frieda Marie Mader schildert den privaten, schwierigen wie gleichzeitig glücklich-behüteten Alltag in Kontrast zu den banal-bürokratischen Vergewaltigungen der eigenen Bürger im Sperrgebiet durch den „friedliebenden Arbeiter- und Bauernstaat“. „Vom Leben am Rand der roten Scheibe“ bietet Geschichte(n) zum Anfassen. Wir erfahren Erstaunliches über die Wirkung staatlicher Willkür auf die innere Befindlichkeit der „ganz normalen“ Menschen im Osten Deutschlands, ihre persönliche Zerrissenheit und die spannenden wie verunsichernden Herausforderungen für den Einzelnen in der Nachwendezeit. Dabei gibt die Autorin dem Leser einen tiefen Einblick in das Innere der Protagonistin, auf die Träume, Sehnsüchte und Wünsche, ihre Hoffnungen und Enttäuschungen, auf ihre Kraft und ihre Schwäche und schließlich auf ihre ganz eigenen Begrenzungen und weitere Schicksale ihrer Weggefährten. Ein Zeitzeugenroman, der ohne vordergründige Sensationsgier unterhält, der durch den eigenen Sprachstil der Autorin fesselt und der aufklärt, ohne zu belehren.(Quelle: Edition Fredebold) Über die Autorin: Kriemhild Frieda Marie Mader, Jahrgang 1959, wuchs in dem kleinen Ort Schlagsdorf in Mecklenburg-Vorpommern, im Grenzstreifen zur BRD, auf. Eine Kindheit und Jugend hinter den Mauern des Sperrgebiets, eine Heimat, die sie selbst mit Freunden und Schulkameraden nicht teilen konnte. Ein fremdbestimmtes Leben kennzeichnete ihren Weg. Dem Traum von einer Musikerkarriere ging sie aufgrund ihres damaligen angepassten und fügsamen Charakters nicht nach und studierte stattdessen Germanistik und Slawistik in Güstrow und Minsk. Sie unterrichtete an einer Schule in Berlin, doch nach der Wende orientierte sie sich neu. Nach der Trennung von ihrem Mann arbeitete sie kurzzeitig wieder als Lehrerin, entschied sich jedoch aufgrund der dauernden Befristungen und der erheblichen Herabstufung des Gehaltes endgültig gegen diesen Beruf. (Quelle: Edition Fredebold) Meine Meinung: Das Buch hat mich sehr gereizt, da mein Mann auch aus der ehemaligen DDR kommt und ich es immer interessant finde, wie die damaligen Umstände waren. Die Autorin hat einen wunderbaren Erzählstil bei dem man meint, sie säße einem gegenüber und erzählt nun ihre Erlebnisse. Dadurch gelang der Einstieg auch sehr gut. Tolle detailierte und genaue Schilderungen der damaligen Begebenheiten vertiefen die Handlung und lassen einem noch näher an den Geschehnissen teilnehmen. Auch die bürokratischen Abläufe und der Alltag zu jener Zeit geben einen tollen Einblick. Man spürt richtig, dass damals keiner vor nichts und niemandem sicher war. Die Kapitel sind stets mit Datum, Ort und der Begebenheit betitelt, so dass man weiß wo und was gerade stattfindet.  Unterstrichen wird die Handlung mit damaligen tatsächlichen "Aktionen" die vom Staat durchgeführt wurden und dazugehörigen Daten liefern noch mehr Fakten.  Zum Schluss findet man noch ein Glossar um die verwendeten Abkürzungen und Schlägwörter nachzulesen. Da muss man schon ab und an während des Lesens hinblättern, um das Verständnis zu erhalten. Allerdings musste ich das Buch mit mehreren Pausen lesen, da es nicht in einem Rutsch möglich war. Fazit: Sehr gut geschilderte Verhältnisse und Erlebnisse zur damaligen Zeit die einem alles nochmal näher bringen und für diejenigen, die es selber nicht so mitbekommen haben, ist dies eine gute Möglichkeit einen tiefen Einblick zu erlangen.

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  • Ein historisches Dokument, das deutsche Geschichte zu lesen leicht fallen lässt

    Vom Leben am Rand der roten Scheibe
    FräuleinBriest

    FräuleinBriest

    05. November 2015 um 11:02

    Dieses Buch zu lesen und zu rezensieren kostete mich etwas Überwindung. Denn der Leser im Allgemeinen, neigt doch eher dazu, die rare Lesezeit, die ihm zur Verfügung steht, mit gemütlichen, lustigen, romantischen oder spannenden Augenblicken zu versehen. Dennoch reizte mich dieses Buch – Roman - Zeitzeugenroman - Teilautobiographie - Sachbuch – wie auch immer, denn ich selber bin auch in diesem Randgebiet, um das es hier geht, groß geworden – nur auf der westlichen Seite des Zauns zur DDR, an dem wir als Kinder mit dem Rad langfahren und herüber winken durften. Kriemhild Frieda Marie Mader, Autorin des Zeitzeugenromans „Vom Leben am Rand der roten Scheibe“, erschienen bei editionfredebold, weiß, wovon sie schreibt. Sie selber wuchs in eben dieser Sperrzone der ehemaligen DDR auf, also direkt neben dem Grenzzaun und unterhalb der Wachtürme, hinter einer Schranke zur übrigen DDR. Der Ort, an dem das Buch in erster Linie spielt. Es handelt von einem weitestgehend unbekannten Gebiet Ostdeutschlands, das es – zum Glück- seit 1989 nicht mehr gibt. Die Protagonistin Ute und ihre Familie leben in dieser Sperrzone der DDR. Auf der einen Seite Stacheldrahtzaun zur Bundesrepublik, auf der anderen Seite ein Schlag¬baum, der die Bewohner des Grenzdorfs Schlags¬dorf noch ein Mal zu dem „Gefängnis DDR“ ab¬sondert. Innerhalb der großen Erzählung wird in kleinen Geschichten und Anekdoten vermittelt, was es heißt, unter größter Bewachung zu leben. Freunde und Familie dürfen nicht auf Besuch kommen – selbst zu Geburtstagen nicht, es sei denn, man hat Monate im Voraus einen Passierschein beantragt und auch genehmigt bekommen. Der Weg in die Schule, der jedes Mal durch Kontrollen führt, ist ein Spießrutenlauf. Hat man den Passierschein nicht dabei, darf man nirgendwohin. Den Sonnennuntergang fotografieren? Niemals – denn der findet im Westen statt. Auch Geschichten, die zu DDR-Zeiten tatsächlich passierten und in der Presse veröffentlicht wurden, hat die Autorin geschickt in das Buch eingebunden. Zum Beispiel die von zwei kleinen Jungs, die „aus Versehen“ in den Westen gelangten und sich freuten, dass es dort Eis zu kaufen gab. Fast wäre es an dem fehlenden Westgeld gescheitert. Doch der Eisverkäufer hat ein Herz für die Ost-Jungs und zeigt sich spendabel. Auch die Herausforderungen der Nachwendezeit vernachlässigt die Autorin nicht und begleitet die Protagonistin und Familie auf ihren Wegen in ein neues, freies Leben, das doch so verwirrend und mangels Wegweiser sehr schwierig ist. Der Leser taucht in die Welt der Grenzbewohner ein, und erlebt die ständige Angst vor dem DDR-Regime mit. Zu viele Nachbarn, Freunde, Familienangehörige verschwanden plötzlich oder ganze Familien und auch Dörfer wurden umgesiedelt – je nach Belieben der Regierung. Kriemhild Frieda Marie Mader erzählt das teils Erlebte so, als säße man ihr gegenüber. Dem Leser muss klar sein, dass es sich nicht um einfache Belletristik handelt, denn dann wird er enttäuscht. Geht er jedoch davon aus, dass es sich um einen Zeitzeugenroman handelt, also ein historisches Dokument in Romanform, so kann er viel Unglaubliches lesen und lernen und immer wieder erstaunt über das Tun und Handeln eines ehemaligen deutschen Staats sein. Er wird eben auch darum Unrechtsstaat genannt. Vom Leben am Rand der roten Scheibe ist ein historisches Dokument, das Geschichte zu lesen leicht macht. Denn es werden keine trockenen historischen Fakten aneinandergereiht sondern zu einer schönen Geschichte verpackt. An den trockenen Ton der Autorin muss man sich gewöhnen – er lässt das schwere Thema nicht leichter werden. Aber gerade dadurch fühlt man sich unmittelbar in eine andere Welt und Zeit versetzt, die es so zum Glück nicht mehr gibt.

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  • gibt einen tiefen Einblick in die DDR-Zeit

    Vom Leben am Rand der roten Scheibe
    Binchen84

    Binchen84

    12. October 2015 um 16:07

    Inhalt: „…Aus dem Osten kam sie, und der war für Ute eine rote Scheibe. Überstülpt von einem Himmelszelt voller revolutionär-sozialistischen Gedöns. Miefig war er, der Osten. Hätte sie irgendjemand wegen ihrer Herkunft bedauert, dann hätte der schon was zu hören gekriegt. Aber was sie wirklich schlimm fand, war die Tatsache, dass sie vom Rande dieser Scheibe stammte. Der verhinderte ja nicht nur den Absturz von ihr. Der grenzte Ute auch vom Rest der Scheibe aus…“Ein frischer authentischer Blick auf weithin unbekannte Grenzerfahrungen in der DDR: das Leben im Sperrgebiet – ein Gefängnis innerhalb des Gefängnisses – und auf die in mehreren „Säuberungsaktionen“ vom Unrechtsstaat verordneten Zwangsumsiedlungen. Kriemhild Frieda Marie Mader schildert den privaten, schwierigen wie gleichzeitig glücklich-behüteten Alltag in Kontrast zu den banal-bürokratischen Vergewaltigungen der eigenen Bürger im Sperrgebiet durch den „friedliebenden Arbeiter- und Bauernstaat“. „Vom Leben am Rand der roten Scheibe“ bietet Geschichte(n) zum Anfassen. Wir erfahren Erstaunliches über die Wirkung staatlicher Willkür auf die innere Befindlichkeit der „ganz normalen“ Menschen im Osten Deutschlands, ihre persönliche Zerrissenheit und die spannenden wie verunsichernden Herausforderungen für den Einzelnen in der Nachwendezeit. Dabei gibt die Autorin dem Leser einen tiefen Einblick in das Innere der Protagonistin, auf die Träume, Sehnsüchte und Wünsche, ihre Hoffnungen und Enttäuschungen, auf ihre Kraft und ihre Schwäche und schließlich auf ihre ganz eigenen Begrenzungen und weitere Schicksale ihrer Weggefährten. Ein Zeitzeugenroman, der ohne vordergründige Sensationsgier unterhält, der durch den eigenen Sprachstil der Autorin fesselt und der aufklärt, ohne zu belehren. (Quelle: Edition Fredebold) Über die Autorin: Kriemhild Frieda Marie Mader, Jahrgang 1959, wuchs in dem kleinen Ort Schlagsdorf in Mecklenburg-Vorpommern, im Grenzstreifen zur BRD, auf. Eine Kindheit und Jugend hinter den Mauern des Sperrgebiets, eine Heimat, die sie selbst mit Freunden und Schulkameraden nicht teilen konnte. Ein fremdbestimmtes Leben kennzeichnete ihren Weg. Dem Traum von einer Musikerkarriere ging sie aufgrund ihres damaligen angepassten und fügsamen Charakters nicht nach und studierte stattdessen Germanistik und Slawistik in Güstrow und Minsk. Sie unterrichtete an einer Schule in Berlin, doch nach der Wende orientierte sie sich neu. Nach der Trennung von ihrem Mann arbeitete sie kurzzeitig wieder als Lehrerin, entschied sich jedoch aufgrund der dauernden Befristungen und der erheblichen Herabstufung des Gehaltes endgültig gegen diesen Beruf.  (Quelle: Edition Fredebold) Meine Meinung: Das Buch hat mich sehr gereizt, da mein Mann auch aus der ehemaligen DDR kommt und ich es immer interessant finde, wie die damaligen Umstände waren. Die Autorin hat einen wunderbaren Erzählstil bei dem man meint, sie säße einem gegenüber und erzählt nun ihre Erlebnisse. Dadurch gelang der Einstieg auch sehr gut. Tolle detailierte und genaue Schilderungen der damaligen Begebenheiten vertiefen die Handlung und lassen einem noch näher an den Geschehnissen teilnehmen. Auch die bürokratischen Abläufe und der Alltag zu jener Zeit geben einen tollen Einblick. Man spürt richtig, dass damals keiner vor nichts und niemandem sicher war. Die Kapitel sind stets mit Datum, Ort und der Begebenheit betitelt, so dass man weiß wo und was gerade stattfindet.  Unterstrichen wird die Handlung mit damaligen tatsächlichen "Aktionen" die vom Staat durchgeführt wurden und dazugehörigen Daten liefern noch mehr Fakten.  Zum Schluss findet man noch ein Glossar um die verwendeten Abkürzungen und Schlägwörter nachzulesen. Da muss man schon ab und an während des Lesens hinblättern, um das Verständnis zu erhalten. Allerdings musste ich das Buch mit mehreren Pausen lesen, da es nicht in einem Rutsch möglich war. Fazit: Sehr gut geschilderte Verhältnisse und Erlebnisse zur damaligen Zeit die einem alles nochmal näher bringen und für diejenigen, die es selber nicht so mitbekommen haben, ist dies eine gute Möglichkeit einen tiefen Einblick zu erlangen.

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