Kristen R. Ghodsee

 4,6 Sterne bei 7 Bewertungen

Lebenslauf

Kristen R. Ghodsee, geboren 1970, ist Professorin für Russische und Osteuropäische Studien an der University of Pennsylvania. Sie schreibt unter anderem für The New York Times, Washington Post und The New Republic. 2019 erschien Warum Frauen im Sozialismus besseren Sex haben. Das Buch wurde in vierzehn Sprachen übersetzt. Zuletzt wurde im Suhrkamp Verlag Utopien für den Alltag. Eine kurze Geschichte radikaler Alternativen zum Patriarchat (2023) veröffentlicht.

Quelle: Verlag / vlb

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Neue Rezensionen zu Kristen R. Ghodsee

Solides Buch über sozialistische Ideen zur Verbesserung des Lebens von Frauen und Familie

Aber der Titel?! Als Frau ganz klar – Sex nur mit Wohlfühlfaktor! Wir brauchen eine Wohlfühlgesellschaft

Sozialismus hören viele nicht gerne, aber der Sozialismus ist eine politische Ideologie, die sich aus dem Kapitalismus befreit, sich für die unterdrückte Arbeiterklasse einsetzt und Gleichheit, Solidarität und Emanzipation als Grundordnung propagiert. Daran ist nichts verwerflich – und wenn wir ehrlich sind, sind das Werte, die so viel wichtiger sind als die, die der Kapitalismus hervorbringt *hust* Privateigentum, Konsum, Marktwirtschaft. Der demokratische Sozialismus, hat die SPD hervorgerufen – über die aktuellen Ansichten kann man sich aktuell streiten, wir denken aber an die Zeit von August Bebel - und wollte die Lebensbedingungen der Menschen verbessern.

Ghodsee zeigt in ihrem Buch, dass sozialistische Strukturen mehr Freiheiten für Frauen und weniger Abhängigkeit von Männern bedeuten. Sozialistische Ideologien stellten die Unterdrückung von Frauen in Frage – überlegt mal selbst, warum viele den Sozialismus verteufeln Part I – Schulbildung für Mädchen war vorgeschrieben und Frauen verpflichtet in die Arbeitswelt einzutreten. Frauen arbeiteten gern, die kommunistischen Parteien hatten Angst vor dem Geburtenrückgang – Frauen arbeiteten sehr gern und nahmen die Doppelbelastung von Arbeit und Hausarbeit auf sich – oh Männer … no words, Frauen so krasse Maschinen einfach.

Natürlich weist Ghodsee in ihrem Buch auch auf Länder hin, die tolle Bedingungen für Frauen schaffen oder geschafft hatten. Wie zum Beispiel die skandinavischen Länder mit der fairen Entlohnung und den Hilfen für Familien. Oder Bulgarien, die eine 100% Lohnfortzahlung in der Schwangerschaft garantierten, einen sicheren Arbeitsplatz und eine studentische Schwangerschaftsvertretung – die sogar Berufserfahrungen sammeln konnte. Ob die Praxis so toll war, wie die Theorie ist natürlich eine andere Frage, aber es existieren passende Modelle.

Im Kapitalismus macht sich die Frau zur Ware – unabsichtlich und meist unbewusst. Sex gilt als Gut für Sicherheit, eine Ware – eine Hochzeit bietet Schutz, gibt aber alle Rechte ab. Frauen müssen anders für sich sorgen, da sie eben nicht gleichberechtigt sind und nicht die gleichen finanziellen Mittel wie Männer haben. Als Mutter schon gar nicht.

Kristen Ghodsee (Professorin in Pennsylvania) forschte unteranderem in Princeton, Rostock und Freiburg und beschäftigt sich seit 20 Jahren mit den gesellschaftlichen Auswirkungen des politischen und wirtschaftlichen Übergangs vom Staatssozialismus zum Kapitalismus in Osteuropa. Ihr Buch geht auf die richtige Umsetzung von sozialistischen Ideen ein, um Frauen ein besseres Leben zu schaffen. Denn richtig umgesetzt führt Sozialismus zu wirtschaftlicher Unabhängigkeit, besseren Arbeitsbedingungen und einer Balance zwischen Arbeit und Familie.

Richtig gutes Buch mit persönlichen Erfahrungen als Einleitung in die Kapitel. Ghodsee kommt es zugute, dass sie viel persönlich erlebt hat und in der Zeit vor Ort war. Dadurch bekommt das Buch einen anderen Charme. Besonders hervorzuheben bei den Büchern von Kristen Ghodsee ist, dass sie viel weiterführende Literatur im Anhang angibt. Es liegt an den Lesenden selbst, sich tiefer und weiter einzulesen.

Cover des Buches Utopien für den Alltag (ISBN: 9783518431368)
Kiritanis avatar

Rezension zu "Utopien für den Alltag" von Kristen R. Ghodsee

Kiritani
Impulse für die bessere Vereinbarkeit von Frau, Familie und erfülltem Leben

Öffnung für Konzepte, die Frauen und Familien unterstützen

Ich mag Utopien. Nach Rutger Bregmans Utopien für Realisten übrigens ein sehr gutes Buch – bin ich immer offen für utopische Bücher. Bei Utopien handelt es sich um den Entwurf einer zukünftigen Lebensform oder Gesellschaftsordnung, die noch nicht existiert. Kristen Ghodsee stellt in ihrem Buch Utopien für den Alltag – Eine kurze Geschichte radikaler Alternativen zum Patriachart einige Alternativen und Konzepte vor, die insbesondere Frauen und Familien besser unterstützen können.

In dem Buch geht es um Konzepte, die es – in ähnlicher Form - schon gegeben hat, die man für Frauen und Familien nach brauchbaren Ideen und Umsetzungen durchforstet. Es geht um Konzepte wie Cohousing und dem Teilen von Privatbesitz, Kommunen mit Selbstversorgung, Bildung und Erziehung der Kinder im ganzen Dorf und einigen anderen Konzepten. Ghodsee stellt besondere Personen heraus, die merkten, dass andere Konzepte für ein angemessenes und gleichberechtigtes Leben (auch Chancengleichheit) hermussten – Kollontai, Makarenko, Bebel, Bregman.

Sie weist darauf hin, dass Kinder von den Ressourcen der Eltern abhängig sind und diese nicht fair verteilt sind, somit ist das Aufwachsen in der Familie – der Start – nie gerecht für alle. Besonders spannend fand ich den Begriff des Alloparenting. Dabei handelt es sich im die (elterliche) Fürsorge von Kindern gegenüber nicht eigenen Nachkommen. Sprich erwachsene kümmern sich um die Pflege und Erziehung der Kinder, die nicht die eigenen sind. Gerade in einem Cohousing oder Kommunensetting kann ich mir sowas als Netzwerk und zur Entlastung untereinander super vorstellen. Dies räumt Kindern mehr Ressourcen und mehr Unterstützung ein.

Das Buch ist, gerade durch seine historischen Beispiele, super interessant. Immer wieder merkt man, dass die Konzepte gute Ansätze haben, die man sich nur leider in der heutigen Gesellschaft schwer vorstellen kann. Nicht, weil sie keinen Nutzen hätten – den haben sie definitiv – sondern, weil unsere Gesellschaft so stark in patriarchalen Strukturen verwoben ist, dass das Aufbrechen und Integrieren fast unmöglich scheinen.

Man hofft nur, dass sich viele kleine Teile seiner utopischen Alternative Stück für Stück in die Gesellschaft integrieren lassen, um endlich ein Leben führen zu können, welches Frauen und Familie unterstützt und nicht abstraft. Eine Alternative, die Kindern Chancengleichheit einräumt und diese nicht von Anfang an als Verlierer im System hängen lässt. Eine Alternative, in der Kinder sich unabhängig von den Ressourcen der Eltern zu Erwachsenen entwickeln können, die sie sein wollen und nicht – aufgrund ihrer Herkunft und den Ressourcen ihrer Eltern – sein müssen.

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