Kristin Marja Baldursdottir Sterneneis

(39)

Lovelybooks Bewertung

  • 47 Bibliotheken
  • 2 Follower
  • 0 Leser
  • 22 Rezensionen
(5)
(10)
(13)
(10)
(1)

Inhaltsangabe zu „Sterneneis“ von Kristin Marja Baldursdottir

Reisen Sie mit: In das Land der Erinnerung oder in das Reich der Phantasie In der Nacht waren Einbrecher gekommen und hatten sie beraubt. Hatten in ihren Sachen gewühlt, ihren Schmuck entwendet. Hatten sie wahrscheinlich im Schlaf beobachtet. Die Vorstellung, eine weitere Nacht in diesem Haus zu verbringen, war ihr unerträglich. Deshalb wollte sie fort, in ihr Sommerhaus. Mit der 14jährigen Tochter einer Bekannten fährt sie aufs Land. Doch wie verbringen eine Frau in den Fünfzigern und ein Mädchen im Teenageralter, das an Handy, PC und Fernsehen gewöhnt ist, drei Tage in völliger Abgeschiedenheit miteinander? Kristín Marja Baldursdóttir hat einen wunderbaren atmosphärischen Roman geschrieben, der vor großem landschaftlichem Panorama seine Leser mit auf eine Reise nimmt: eine Reise in die Erinnerung und in das Land der Phantasie. »…die Reise, die die beiden unternehmen, ist einfach wunderbar.« Kiljan, National TV

Hier treffen Vergangenheitsbewältigung und Pubertätsgebaren vor isländischer Kulisse aufeinander! Literarisch brillant erzählt!

— sommerlese
sommerlese

Ein bisschen schräg, wie immer bei dieser Autorin, das Ende kommt ein wenig abrupt. Tolle Sprache.

— Susanne_Mischke
Susanne_Mischke

Man spürt die isländische Kälte.

— katkatbanana
katkatbanana

Stöbern in Romane

Ein Gentleman in Moskau

Ein grandioses Meisterwerk, einer vergangenen Epoche,Lebendig und Kraftvoll erzählt

Arietta

Die goldene Stadt

Es benötigt viel Aufmerksamkeit,die Infos aus dem Buch aufzunehmen und in die Handlung einzutauchen,eher an freien Tagen lesen und ausgeruht

Kallisto92

Der Sommer der Inselschwestern

Ein leichter Roman, der einen verzaubert.

Sarah_Knorr

Die Tänzerin von Paris

Streckenweise langatmige Analyse der Lucia Joyce zwischen Fiktion und Wahrheit.

SinjeB

Töte mich

Der einfache und schlichte Schreibstil steht im Kontrast zum ausgefallen Handlungsgeschehen bzw. zu den Gedankengängen der Figuren.

ameliesophie

Vom Ende an

Wow. Dieses Buch ist ungewöhnlich aber wirklich ein unglaublich gutes Buch. So wenig Worte vermögen eine solche Atmosphäre zu schaffen.Mega!

LadyIceTea

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Literarisch brillant erzählte Sozialkritik!

    Sterneneis
    sommerlese

    sommerlese

    19. January 2016 um 17:28

    Der Roman "*Sterneneis*" schrieb die isländische Autorin "*Kristin Marja Baldursdottir*" 2011. Er erscheint im "*Fischer Verlag*". Gunnur ist um die 50 und Psychiaterin. Bei einem nächtlichen Einbruch werden Schmuck und technische Geräte gestohlen. Betroffen beschließt sie über das Wochenende in ihr Sommerhaus zu fahren. Doch statt sich von der bösen Überraschung zu erholen, wird ihr eine echte Herausforderung aufs Auge gedrückt: Ihre Innerarchitektin überlässt ihr unangemeldet die 14-jährige pubertäre Tochter Hugrún zur Betreuung. Als der DVD-Spieler nicht funktioniert, langweilt sich das Mädchen schnell. Gunnur beschliesst sie zu unterhalten, kocht mit ihr, geht Schlittschuhlaufen und macht Ausflüge zu einem bekannten Geysir im winterlichen Island. Dieser Roman zeigt zwei sich fremde Frauen, die auf engstem Raum miteinander auskommen müssen. Gunnur erkennt, dass Hugrún von ihrer Mutter vernachlässigt wird, weil sie durch lange Arbeitstage kaum Zeit miteinander verbringen können. Gunnur beginnt aus ihrer eigenen Kindheit zu erzählen und Hugrún fordert es schliesslich regelrecht ein. Gunnur sieht in Hugrún ein Reh. Meiner Meinung nach ist sie eher wie ein Elefant, denn sie ist taktlos und frech und benutzt Kraftausdrücke ohne mit der Wimper zu zucken. Man hat nicht den Eindruck, dass sie einen guten Eindruck hinterlassen will oder sich irgendwie erkenntlich zeigt, dass sich jemand ihrer annimmt. So machen wir mit der Ich-Erzählerin Gunnur eine Zeitreise in die Vergangenheit. Auch Gunnur hatte keine leichte Kindheit, sie musste als Kind arbeiten, wurde die vier langen Sommermonate jedes Jahr zu einer Bauernfamilie zum Arbeiten geschickt und ihr wurde stets von ihrer Mutter nur Missachtung und keine echte Nähe geboten. Eine Ausbildung war für sie nicht vorgesehen. Der spätere Werdegang bringt ebenfalls schwierige Lebensbedingungen mit sich und man leidet mit ihr. Mit Disziplin und innerer Stärke erreicht sie jedoch ihre gesteckten Ziele. Richtig sympathisch wird sie mir jedoch nicht. Zu distanziert und teilweise hilflos steht sie der pubertären Hugrún gegenüber und lässt sich von ihr einwickeln. Dabei ist sie psychologisch ausgebildet, vermag aber nicht, ihr Grenzen zu setzen. Baldursdóttir geht es aber gar nicht um Sympathie für ihre Figuren, sondern sie möchte ein Gesellschaftsbild Islands aufzeigen. Sie lässt hier ein Stimmungsbild entstehen und zeigt die sich verändernden Generationen, den Wandel in der weiblichen Sozialisation in Island. Diese unterschwellig eingebrachte Sozialkritik ist ihr gut gelungen. Aber auch die landschaftlichen Schönheiten Islands werden im Roman deutlich. Dieses Aufeinandertreffen und die erzwungene Annäherung zweier Charaktere hat mich gut unterhalten und bot einige Denkanstösse. Der Autorin ist es literarisch wunderbar gelungen, isländisches Leben früher und heute anschaulich zu machen.

    Mehr
  • Magma unterm Eis

    Sterneneis
    nr-verlag

    nr-verlag

    02. April 2013 um 03:19

    Bei einem nächtlichen Einbruch werden aus der Wohnung der Icherzählerin Gunnur alle Wertsachen, vor allem aber technische Geräte gestohlen. Währen sie noch mit der Situation zurechtzukommen versucht, wird ihr – gegen ihren Willen – für einige Tage die Betreuung von Hugrún, der 14-jährigen Tochter ihrer Innenarchitektin übertragen. Kurzentschlossen fährt sie mit dem „Reh“, wie sie diese nennt, in das Sommerhaus der Familie. Da es dort keinen Computer gibt und der DVD-Player nicht funktioniert, Gunnur aber den Eindruck hat, das Mädchen unterhalten zu müssen, geht sie mit ihm Schlittschuhlaufen, unternimmt Ausflüge zu Sehenswürdigkeiten im winterlichen Island und beginnt von ihrer eigenen Kindheit zu erzählen. Durch diese gemeinsamen Zeitreisen, die Hugrún vehement fordert, wird Gunnur genötigt, sich mit ihrer eigenen Kindheit, der Beziehung zur Mutter und zum späteren Vater ihrer Kinder auseinanderzusetzen. Der Autorin gelingt es meisterlich, die unterschiedliche Realitätsebenen durch Gunnurs Erzählweise bloßzulegen. Lebendig erzählt sind ihre Kindheitserfahrungen, während ihr Wissen über Jugendliche oder den Wandel im Geschlechterverhältnis in ihrer eigenen Jugendzeit unbeteiligt und nacherzählt wirkt. Folgerichtig bringt Hugrún dafür auch kein Interesse auf und schläft ein. Hatte Gunnurs Mutter ihr nicht immer wieder geraten, in der Schule möglichst viel auswendig zu lernen, statt zu begreifen, wenn sie erfolgreich sein wollte? Gunnur hat fleißig auswendig gelernt, sich aber bisher kaum mit ihrer Vergangenheit beschäftigt. Zwar sagt sie zu Hugrún: „Du musst deine Geschichte kennen, um zu wissen, wer du bist“, stellt dann aber beinahe erschrocken fest, dass das Mädchen sie falsch verstanden hat und mit „du“ natürlich die Nation gemeint war. Das „Reh“ lenkt Gunnur, drängt sie geradezu, ihre Vergangenheit zu sehen, bis sie in einer surrealen Szene auf Schlittschuhen ungebremst auf eine Stelle mit dünnem Eis zurast und einbricht. Kristín Marja Baldursdóttir macht es den Lesern nicht leicht. Sie liefert keine offensichtlichen Erklärungen zum Verhalten ihrer Figuren, und die Erklärungen der Icherzählerin sind mit Vorsicht zu genießen. Stattdessen gibt es viele, teilweise gut verborgene Hinweise, die sich erst beim wiederholten Lesen erschließen. Kein einfaches, aber ein gutes Buch.

    Mehr
  • Rezension zu "Sterneneis" von Kristín Marja Baldursdóttir

    Sterneneis
    tedesca

    tedesca

    05. March 2012 um 12:51

    Die Ich-Erzählerin Gunnur ist Psychiaterin und Mutter von 2 erwachsenen Kindern. Somit steht sie dem Teenager Hugrún Lind zwar nicht hilflos gegenüber, ist aber trotzdem immer wieder Opfer der pubertären Ausbrüche eines jungen Mädchens, das hin-und hergerissen wird zwischen Kindsein und das Gesicht zu wahren. Nur durch Gunnurs Jugenderinnerungen kommt das junge Mädchen zur Ruhe, zeigt Interesse, fragt nach, und so erfahren wir die Geschichte einer Frau, die in einem Island großgeworden ist, wo Kinder über die Ferien noch aufs Land geschickt wurden. Nicht aber etwa in die Ferien, nein, Gunnur musste sich schon mit acht Jahren ihren Unterhalt am Bauernhof durch Kinderhüten und andere Arbeiten verdienen. Eine gute Ausbildung war nicht geplant, aber die starke junge Frau hat ihren Weg gefunden, und vielleicht ist es gerade das, was sie mit dem jungen Mädchen verbindet, das ihr übers Wochenende anvertraut wurde. Eine Lebensgeschichte, nicht allzu spektakulär, mit Höhen und Tiefen, gut zu lesen, immerwieder auch zum Schmunzeln, wenn man selbst den Umgang mit Teenagern immer wieder erleben durfte. Oder (zum Glück) schon hinter sich hat ;-)

    Mehr
  • Rezension zu "Sterneneis" von Kristin Marja Baldursdottir

    Sterneneis
    MeraDiaries

    MeraDiaries

    10. December 2011 um 13:08

    Gunnur, Psychiaterin, wird eines Abends ausgeraubt. Alles das, was ihr lieb war, ist nicht mehr vorhanden. Da sie weiß, dass sie nicht mehr sicher ist, beschließt sie, aufs Land zu ziehen, um in Sicherheit zu sein. Dann bringt ihr auch noch ihre Innenarchitektin ihre 14 Jährige Tochter vorbei. Ohne das Gunnur auch nur einwenden kann, ist diese nicht mehr da. So hat Gunnur keine andere Wahl als das Mädchen mit in ihr Sommerhaus mitzunehmen. Leider weiß Gunnur nicht, was sie mit dem Mädchen anfangen soll, denn das Mädchen ist mit der neusten Technik aufgewachsen und sie ist eine sehr "altmodische" Frau. Kritik: Die Leseprobe und die Inhaltsangabe waren sehr ansprechend. Doch leider enttäuschte mich ein wenig dieses Buch. Die ersten paar Seiten konnte ich flüssig lesen, doch dann wurde es ein wenig langatmig. Die Idee für dieses Buch ist sehr interessant, aber es wurde zu weit in die Länge gezogen. Vielleicht ging es nur mir so. Die ist mein erste Island Roman gewesen, von daher wurde Island sehr schön beschrieben. Gunnur, eine Frau aus den Fünfzigern ist eine interessante Persönlichkeit. Nach einem Diebstahl verkriecht sie sich gleich. Aber besonders toll war es, dass zwei unterschiedliche Persönlichkeiten drei Tage in ein und dem selben Haus verbringen. Mir gefiel es sehr, dass es aus der Perspektive von Gunnur erzählt wurde. Jedoch fand ich sie nicht besonders sympathisch, aber dies liegt im Auge des Betrachters. Der Schreibstil war nicht sonderlich flüssig, aber trotzdem von großer Bedeutung. Das Buch brachte mich öfters zum Nachdenken. Fazit: Sehr gutes Buch, für geduldige Leser.

    Mehr
  • Leserunde zu "Sterneneis" von Kristín Marja Baldursdóttir

    Sterneneis
    Daniliesing

    Daniliesing

    Weiter geht es in unserem Island-Spezial passend zum Ehrengast - Island - bei der diejährigen Frankfurter Buchmesse. Diesen Monat ist im Krüger Verlag der wunderbare Roman "Sterneneis" erschienen, der den Leser in die Atmosphäre Islands und eine ganz besondere Geschichte entführt: "Reisen Sie mit: In das Land der Erinnerung oder in das Reich der Phantasie In der Nacht waren Einbrecher gekommen und hatten sie beraubt. Hatten in ihren Sachen gewühlt, ihren Schmuck entwendet. Hatten sie wahrscheinlich im Schlaf beobachtet. Die Vorstellung, eine weitere Nacht in diesem Haus zu verbringen, war ihr unerträglich. Deshalb wollte sie fort, in ihr Sommerhaus. Mit der 14-jährigen Tochter einer Bekannten fährt sie aufs Land. Doch wie verbringen eine Frau in den Fünfzigern und ein Mädchen im Teenageralter, das an Handy, PC und Fernsehen gewöhnt ist, drei Tage in völliger Abgeschiedenheit miteinander?" "Sterneneis" von Kristín Marja Baldursdóttir ist ein bewegender und mitreißender Roman, der zudem durch tolle Landschaftsbeschreibungen und interessante Protagonisten überzeugt. Und für dieses Buch suchen wir 25 Testleser, die es gern gemeinsam lesen, sich hier darüber austauschen und später eine Rezension schreiben möchten. Einen ersten Blick ins Buch bietet euch die Leseprobe: http://www.fischerverlage.de/sixcms/media.php/308/LP_978-3-8105-0266-7.pdf Der Roman überzeugt euch auf den ersten Blick? Dann bewerbt euch unter "Bewerbung & Bekanntgabe der Gewinner" für die Leserunde. Verratet uns, was ihr am meisten vermissen würdet, wenn ihr 3 Tage lang in völliger Abgeschiedenheit verbringen müsstet! Dazu habt ihr bis einschließlich 21.09. Zeit. Am Tag darauf werden die 25 Gewinner bekannt gegeben. *********************************************************** Die 25 offiziellen Testleser sind: sabatayn76, schneespur, ForeverAngel, Rekymanto, Tukka, simone_richter, claudiaausgrone, Kaddi, Maggi90, rumble-bee, VivichanS, AnnaChi, Navarronn, Winterzauber, Mirka, BookishBallerina, MeraDiaries, steffchen3010, Queenelyza, Irea, a.schmalzbauer, Rabenfrau, x-vampirella-x, AennA, literat

    Mehr
    • 354
  • Rezension zu "Sterneneis" von Kristin Marja Baldursdottir

    Sterneneis
    Rabenfrau

    Rabenfrau

    06. December 2011 um 10:45

    Nie hätte sie sich vorstellen können, dass ihr einmal so etwas passiert. Doch nun ist Gunnur einem Raub zum Opfer gefallen. Mitten in der Nacht waren sie gekommen, die Einbrecher, wühlten in ihren Sachen, entwendeten Laptop, Handy, Schmuck und waren sogar in ihrem Schlafzimmer! Eines ist klar: Sie kann nicht hierbleiben, nicht jetzt. Gunnur beschließt aufs Land zu fahren. Kurz vor ihrer Abreise steht plötzlich eine Bekannte vor ihrer Tür, mit einer Bitte an Gunnur, die eigentlich keine Bitte ist. Und ehe Gunnur einen klaren Gedanken fassen kann, steht sie da, zusammen mit Hugrun, der vierzehnjährigen Tochter ihrer Bekannten, auf die sie die nächsten Tage ein Auge haben soll. Notgedrungen nimmt Gunnur das Mädchen mit in ihr Sommerhaus. Doch wie verbringen eine Frau in den Fünfzigern und ein Teenager drei Tage in völliger Abgeschiedenheit, wenn Handy, PC und Fernsehen ihren Dienst versagen? „Sterneneis“ ist das neuste Werk der bekannten isländischen Autorin Kristín Marja Baldursdóttir auf dem deutschen Buchmarkt, und bereits im Jahre 2009 in Island erschienen. Das Buch präsentiert sich mit einem wirklich wunderschönen Cover, das in einem ähnlichen Stil gestaltet ist wie auch die bisherigen deutschen Ausgaben von Kristín Marja Baldursdóttir’s Büchern. Die Aufmachung und der gewählte Titel waren es übrigens auch, die mich auf das Buch aufmerksam gemacht haben. Ich bin relativ unbefangen an das Buch herangegangen, habe mir aber schon ein leicht philosophisch angehauchtes Werk gewünscht, den dazu bietet der gewählte Handlungsrahmen genügend Möglichkeiten. „Wie sehr wünsche ich mir, draußen in der Natur zu sterben, in den grünen und violetten Farben, mit der Zeit langsam in den Boden hinein zu verschwinden, wie die Blätter eines knorrigen Birkenwäldchens.“ (Sterneneis, S. 38) Hauptperson ist Gunnur. Mitten in den Fünfzigern, Psychotherapeutin und kürzlich Opfer eines Einbruchs. Aus ihrer Perspektive wird die Geschichte erzählt, was wohl vor allem dazu dienen soll, dem Leser tiefere Einblicke in Gunnur’s Gefühlswelt zu ermöglichen. So arbeitet sie im Laufe der Zeit im Sommerhaus ihre Kindheitserinnerungen auf, in der sie sich mehr als nur einmal als Ballast, als nur im Weg gefühlt, sie erzählt von ihrer ersten Liebe, ihrem Leben. Gunnur ist ganz klar erwachsen und wirkt doch oft in ihren Gedanken und Handlung sehr kindlich und naiv. Ich kann sie mir schwer als Psychotherapeutin oder starke Frau vorstellen, gerade auch wenn man bedenkt, wie leicht sie sich das Mädchen Hugrun hat aufschwatzen lassen. Hugrun, oder auch „das Reh„, ist eine doch etwas sehr verwöhnte Vierzehnjährige, stammt aus einem wohlhabenden Hause, in dem aber ganz deutlich die familiäre Wärme und Zuneigung zu fehlen scheint. Ihre Mutter hat nur die Arbeit und ihre Liebhaber im Kopf, und so verbringt Hugrun die meiste Zeit alleine, isst vor dem Fernseher, um zumindest das Gefühl von Gesellschaft zu haben. So ist es verständlich, dass sie sich krampfhaft an die gemeinsamen Unternehmungen mit Gunnur klammert. Beide Charaktere haben ihre Schwierigkeiten – mit sich selbst und miteinander -, ihre Eigenarten, und vor allem Hugrun legte Verhaltensweisen an den Tag, die ich durchaus nachvollziehen konnte. Und es ist schließlich nicht einfach, plötzlich mit einer fremden Frau allein zu sein. Mit Gunnur stattdessen konnte ich so gar nicht warm werden, hat sie doch Anwandlungen und Züge, die mehr an einen Teenager erinnern als an eine Erwachsene, und schon gar nicht an eine Psychologin. Gunnur ist in meinen Augen sehr naiv, störrisch und ungemein kindisch. Zusätzlich geschürt wurde meine Abneigung gegen Gunnur wohl auch dadurch, dass sie als Ich-Erzählerin fungiert. Baldursdóttir scheint mit „Sterneneis“ in meinen Augen recht deutlich die Geschichte ihrer Gunnur, die, anhand der Rückblicke, gleichzeitig eine Geschichte über die Frau in Island an sich ist, erzählen zu wollen. Doch was bringt ein Buch, das sich mit der Entwicklung eines Charakters auseinandersetzt, man aber nicht mit der Person warm wird, sich nicht mit ihr identifizieren kann? Nichtsdestotrotz, das Buch hebt sich stilistisch gesehen von anderen Werken ab, vor allem wohl auch, weil die Autorin keine wörtliche Rede verwendet, und stattdessen die Dialoge fließend im Text verarbeitet. So verwischen die Grenzen zwischen Gesprochenem und Gedachtem, was deutlich zur Atmosphäre des Buches beiträgt. Zusätzlich werden dem Leser Einblicke ins Land und ins Leben der Isländer gewährt, und einige Szenen im Buch sind so wundervoll formuliert, dass sie einem auch nach dem Lesen noch in Erinnerung bleiben. „Es kommt mit der Dunkelheit. Die Sterne und der Mond, das Verlangen und die Sehnsucht. Verborgene Wesen treten aus den Felsen hervor, tauchen aus der Lava auf, eilen zum Weiher hinunter, wo der Reigen getanzt wird. Das Gedächtnis verliert jegliches Zeitgefühl, glaubt, um Jahrzehnte jünger zu sein, fleigt in die Phantasie hinein.“ (Sterneneis, S. 152) Bei „Sterneneis“ handelt es sich um eine im Ansatz gute Idee, die aber unter einer Hauptperson zu leiden hat, die es einem schwer macht sie als sympathisch oder glaubwürdig zu empfinden. Wunderschöne Formulierungen und Landschaftsbeschreibungen brachten aber zumindest mich dazu, dem Buch bis zum Ende treu zu bleiben. Eine ungeschränkte Empfehlung kann und will ich nicht geben. „Sterneneis“ und seine Charaktere wirken wahrscheinlich auf jeden Leser anders, jeder bringt eigene Empfindungen mit hinein in diese Geschichte – die eigentliche Gesamtwirkung von Baldursdóttir’s Konstrukt wird also bei jedem eine andere sein.

    Mehr
  • Rezension zu "Sterneneis" von Kristin Marja Baldursdottir

    Sterneneis
    a.schmalzbauer

    a.schmalzbauer

    09. November 2011 um 19:53

    Kühle Umarmung Gunnur erwacht aus einem Traum und...jemand ist in ihr Haus eingestiegen und hat, während sie schlief, die Wohnung ausgeräumt. Für Gunnur ist der Gedanke, dass jemand sie im Schlaf beobachtet hat und ein Fremder in ihrem Haus war, unerträglich. Sie beschließt daher in ihr Sommerhaus zu fahren. Doch sie kann nicht alleine fahren, denn ihre Innenarchitektin Sunna lädt ihre Tochter, Hugrún, übers Wochenende bei ihr ab. Es gäbe sonst niemanden der die Tochter aufnehmen könnte. Also fahren die beiden gemeinsam ins Sommerhaus, doch Konflikte bleiben nicht aus. Zwei Menschen, die sich nicht kennen - zwei Generationen treffen sich - und eigentlich will keiner mit dem anderen das Wochenende verbringen. Hugrún, das Reh, macht Gunnur das Leben nicht leicht, doch auch Gunnur hat ihre Ecken und Kanten. Ein typischer Generationskonflikt kommt auch durch die verschiedenen Erwartungshaltungen der beiden zustande. Hugrún soll sich für das interessieren, was Gunnur ihr erzählt oder welche Meinung Gunnur hat und das Reh „schlägt“ mit Respektlosigkeit zurück. Hugrún will sich mit ihrem Computer usw. beschäftigen und in Ruhe gelassen werden. Die Protagonisten begegnen mir von Anfang an alle als Egoisten. Gunnur, die nur mit sich und dem Einbruch beschäftigt und ein gewöhnungsbedürftiger Charakter ist. Hugrún, bei der von Reh nun wirklich keine Rede sein kann. Kraftausdrücke, null Umgangsformen und keinen Bock auf irgendwas. Schon gar nicht auf Gunnur, aber das kann ich auch verstehen. Und Sunna, die glaubt als alleinerziehende Mutter alle Rechte zu haben. Am fesselndsten sind die Ausflüge von Gunnur in ihre Vergangenheit. Sie nimmt uns mit auf eine Reise in eine alles andere als leichte Kindheit, geprägt von Einsamkeit. Die Anwesenheit von Hugrún scheint ein Ventil bei Gunnur zu öffnen, sich mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen. Durch die sie geworden ist, was sie heute ist. Über die sie noch mit niemandem gesprochen hat. Bei diesen „Rückblicken“ erkennt man das Können der Autorin. Da erscheint einem die Geschichte, welche in der Gegenwart spielt, wie ein Konstrukt. Eine nur rudimentär vorhandene Rahmengeschichte. Kind therapiert erwachsene Therapeutin, so kommt es mir vor und vieles bleibt ungeklärt in der wenig vorhandenen Handlung. Da vergisst die Autorin den Leser mitzunehmen, er bleibt ratlos zurück. Von Anfang an war das Buch nicht leicht zu lesen. Man muss sich wirklich damit auseinander setzen und manche Passagen auch zweimal lesen. Ich musste mich wirklich sehr konzentrieren, darum habe ich auch ziemlich lange gebraucht, um es zu Ende zu bringen. Wobei der Schreibstil der Autorin bildhaft und mit viel Gefühl ist, an dem lag es nicht. Sie verherrlicht ihr Land auch nicht, es gibt durchaus gesellschaftskritische Passagen. Das die Satzzeichen bei der direkten Rede fehlen ist mir gleich gar nicht aufgefallen, hatte jetzt aber auch keine Auswirkungen. Ich bin bei diesem Buch zwiegespalten. Fasziniert von den Erzählungen aus der Vergangenheit, genervt von der Handlung in der Gegenwart. Auch der Schluss bringt nichts zum Abschluss und klärt nichts. Es wird einem nicht leicht gemacht als Leser dieses Buches. Und doch gehe ich mit einem positiven Gefühl aus dieser Geschichte, denn sie hat mich dazu angeregt über meine Vergangenheit nachzudenken und Situationen zu finden, die mich zu dem gemacht haben, was ich heute bin. Und das tut man vielleicht zu selten.

    Mehr
  • Rezension zu "Sterneneis" von Kristin Marja Baldursdottir

    Sterneneis
    rumble-bee

    rumble-bee

    Achtung, Frauenbuch! Am liebsten würde ich sämtlichen Exemplaren dieses Buches einen solchen Aufkleber verpassen. Und dafür den eigentlichen Klappentext streichen. Der sagt nämlich ungefähr so viel über das Buch aus, wie ein Kochrezept über den Geschmack eines Gerichts. Eigentlich geht es hier schlicht und einfach um die Vergangenheitsbewältigung einer etwas verkorksten Frau Mitte 50, und nicht etwa um einen Wochenendausflug einer Erwachsenen und eines Teenagers. Ich muss mich wirklich ein wenig über den deutschen Verlag ärgern. Den der hat in meinen Augen dem Leser gegenüber Etikettenschwindel betrieben. Das, was der Klappentext hier anpreist, ist wenig mehr als Auslöser für die Handlung - insofern man das als Handlung bezeichnen kann, was man hier serviert bekommt. Es fängt schon damit an, dass einem vorgegaukelt wird, eine erwachsene Frau fahre mit "der Tochter einer Bekannten" in ihr Ferienhaus, um die Folgen eines Einbruchs zu verdauen. Schon zweimal falsch. Erstens, das Mädchen ist eine völlig Fremde für die Frau; sie ist die Tochter der Innenarchitektin, welche diese bei der Protagonistin ganz einfach für ein paar Tage "abgeladen" hat. Von wegen Bekannte. Zweitens, die Heldin wollte sowieso in das Ferienhaus fahren, um an einem Vortrag zu arbeiten. Der Einbruch wird nie wieder erwähnt, und war für die Handlung mehr als überflüssig. Was dann folgt, las sich zwar oft poetisch und schön, kann aber meiner Meinung nach nur sehr ansatzweise als "Handlung" bezeichnet werden. Der Ausflug in das Ferienhaus ist wenig mehr als ein loses Gerüst, an dem die Kindheitserinnerungen von Gunnur, der Protagonistin, aufgehangen werden. Denn Geschichten aus der Vergangenheit zu erzählen, erweist sich kurioserweise als einziges Mittel, um den renitenten Teenager einigermaßen bei Laune zu halten - wo es doch in dieser Einöde schon keine funktonierenden Medien gibt. Schon diese Tatsache allein fand ich, man entschuldige mich bitte, schlicht unglaubwürdig. Mir ist die Absicht der Autorin zwar durchaus klar: eigentlich wollte sie von Anfang an die Vergangenheit Gunnurs in den Mittelpunkt stellen. Aber warum das ausgerechnet anhand einer Rahmenhandlung funktionieren soll, in der ein pubertierendes Gör bei einer Mittfünfzigerin festsitzt - das ist mir ein Rätsel. Dann hätte man sich die Rahmenhandlung gleich ganz sparen können, zumal alles völlig in der Schwebe bleibt, und das schwierige Verhältnis Gunnur / Gast weder in den Alltag zurückgeführt, noch wirklich "gelöst" wird. Das Buch endet einfach mit einer mehr als schwer zu dechiffrierenden Andeutung, Gunnur habe nun ihren Frieden mit ihrer Vergangenheit und vor allem mit ihrer Mutter geschlossen. Ich möchte meine vorangegangenen Bemerkungen insofern "entschärfen", als ich nicht grundsätzlich von der Lektüre abraten würde. Die Widmung im Vorsatzblatt hätte eigentlich für mich auf den Umschlag gehört; dort sagt die Autorin nämlich, Männer läsen dieses Buch "auf eigene Gefahr", weil es hier um sehr weibliche Themen gehe. Stimmt zu 100 %! Es geht um eine schwieriges Verhältnis einer vaterlosen Tochter zu ihrer Mutter, um die Versuche dieser Tochter, sich selbst zu behaupten, eine eigene Identität zu finden. Es geht um schöne Naturschilderungen, um die Rolle der Frau in Island, und um poetische Sprache. Nur geht es eben fast gar nicht um die Rahmenhandlung. Und das sollte man eben berücksichtigen, wenn man denn doch zu diesem Buch greift. Ich bescheinige der Autorin durchaus schriftstellerisches Talent. Nur eben kein glückliches Händchen darin, auf den Punkt zu kommen, dem Leser wirklich das zu reichen, worum es ihr eigentlich geht.

    Mehr
    • 5
  • Rezension zu "Sterneneis" von Kristin Marja Baldursdottir

    Sterneneis
    steffchen3010

    steffchen3010

    07. November 2011 um 01:32

    ~°..Die Story..°~ - Alt trifft Jung – das Aufeinandertreffen zweier Generationen. Als bei Gunnur eingebrochen wird, beschließt sie übers Wochenende aufs Land zu fahren. Doch was als Flucht aus dem Alltag angedacht war, entwickelt sich zu einer echten Herausforderung. Denn die Innenarchitektin Sunna Lind drückt ihr die pupertäre Tochter Hugrún aufs Auge. Ein Mädchen, das Gunnur aufgrund ihrer zarten Erschienung auch das Reh nennt und sie aufs Land begleiten wird. Doch das Reh ist kein Reh und Gunnurs Versuch, sich an das junge Mädchen heranzutasten wird mit Ablehnung und Desinteresse quittiert. Erst als Gunnur beginnt, Hugrún aus ihrer Vergangenheit zu erzählen, schenkt die Heranwachsende ihr langsam aber sicher Gehör. Aus Gunnurs Erzählungen entwickelt sich eine Reise in die Vergangenheit. Eine Reise, die bei Gunnur alte Wunden aufreisst und von Leid aber auch Glück gefüllt ist. ~°..Meine Meinung..°~ - Dieses Buch hat mich wirklich enttäuscht. Es ist das erste Buch seit langem, dass meine Erwartungen leider nicht erfüllen konnte. Während ich nach dem ersten Betrachten noch von dem bezaubernden Cover und dem niedlichen Titel angetan war, verflog meine anfängliche Euphorie schon nach wenigen Seiten. Denn anstatt Begeisterung machte sich Verwirrung breit. Die Geschichte, die an sich eine Menge Potential besitzt, wurde von Baldursdóttir derart merkwürdig und verworren erzählt, dass ich mich zwingen musste, sie bis zum Ende zu lesen. Meine Begeisterung hielt sich daher in Grenzen. Ja, es war wirklich ein Kampf. Was man Baldursdóttir zugutehalten muss, ist ihr teilweise sehr gefühl- und fantasievoller Schreibstil. Doch während es ihr gelingt, die Vergangenheit der Protagonistin Gunnur auf sehr gefühlvolle und lebendige Weise darzustellen, erschien es mir, als verliere sie manchmal die Orientierung. Es wirkte, als drifte sie in ihrer eigenen Gedankenwelt ab, ohne zu bemerken, dass der Leser ihr einfach nicht folgen kann. Sie gibt ihm unendlich viele Denkanstöße, die unweigerlich zu noch mehr Fragen führen. Fragen, die es dem Leser relativ schwer machen, der Geschichte zu folgen. Zudem wirkte Gunnurs Reise in ihre Vergangenheit, die in erster Linie Hugrúns Unterhaltung dienen soll, letzten Endes wie eine Art Selbsttherapie. Denn obwohl es Gunnur ist, die den Beruf der Psychiaterin ausübt, erschien es mir vielmehr, als therapiere Hugrún Gunnur und nicht umgekehrt. Eine Tatsache, die dem Roman nicht unbedingt Authentizität schenkt und ihn fiktiv erscheinen lässt. Mal ganz im Ernst: seit wann therapieren Jugendliche Erwachsene?Die Geschichte beginnt mit einem Einbruch. Einem scheinbar nächtlichen Einbruch, den Gunnur erst beim Aufwachen bemerkt. Denn sämtliche teure Gegenstände sind aus der Wohnung verschwunden. Kurz nachdem die Polizei die Lage erfasst, findet sich plötzlich ihre Innenarchitektin Sunna Lind bei ihr ein. Im Schlepptau hat sie ihre 14-jährige Tochter Hugrún, die Gunnur nur vom Sehen kennt. Und obwohl Gunnur mit dem Einbruch schon überfordert genug ist, drängt Sunna ihr die Tochter auf. Sagt, sie müsse einen wichtigen geschäftlichen Termin wahrnehmen, sie hätte ja eh noch was gut bei ihr. Also reisen Gunnur und Hugrún ins Sommer- bzw. Winterhaus der Familie. Ein Ort, der Gunnur stets Zuflucht geschenkt hat und an dem sie klare Gedanken fassen will. Ich habe mich während der Geschichte immer wieder gefragt, was Baldursdóttir dazu bewegt hat, einem 14-jährigen verzogenen und rotznäsigem Gör den Spitznamen „Reh“ zu schenken? Hugrún ist kein Reh! Sie ist taktlos und ungezogen und wirft die meiste Zeit derart mit Kraftausdrücken um sich, dass man meinen könnte, sie hätte nie gelernt, sich anständig zu artikulieren. Sie war mir bereits nach wenigen Zeilen unsympathisch. Auch Gunnur, die, wie sich schnell herausstellte, eine sehr schwierige Kindheit durchlebte, wurde und wurde mir nicht sympathisch. Vielmehr verspürte ich Mitleid. Mitleid für eine Frau, die sich während der meisten Zeit ihres Lebens einreden lies, dass sie nichts tauge. Vorallem durch ihre Mutter. Wirklich erschreckend! Doch was ist ein Roman mit Protagonisten, mit denen man sich weder identifizieren noch anfreunden kann? Was hilft einem die Botschaft der Autorin, wenn man sie nicht versteht? Es liegt klar auf der Hand, dass Hugrún von ihrer Mutter vernachlässigt wird und Gunnur eine schwierige Kindheit hatte. Aber schafft eine fantasievolle Reise durch die Vergangenheit den beiden Klarheit? Ändert das etwas an den Tatsachen? Was will Baldursdóttir uns damit sagen? Erzieht eure Kinder ordentlich, seid uneingeschränkt für sie da?Der Einbruch am Beginn der Geschichte, von dem man erwartet, dass er zumindest teilweise Einfluss auf den Verlauf der Geschichte hat, ist völlig unerheblich. Er ist ebenso bedeutungslos wie die Tatsache, dass in China eben ein Sack Reis geplatzt sein könnte. Denn die Fahrt aufs Land scheint Gunnur ohnehin geplant zu haben. Man hätte ihn ebenso weglassen können. Auch hier erschloss sich mir Baldursdóttirs Gedankenwelt nicht. Warum etwas erwähnen, das ohnehin keinen Einfluss auf die Geschichte hat? Muss das sein? Fiel der Autorin sonst nichts ein? Ich bin mir sicher, dass keines der Bücher, die ich in diesem Jahr noch lesen werde, „Sterneneis“ toppen kann. Und damit meine ich nicht, eine Steigerung ins Postive sondern vielmehr den bedauernswert langweiligen und verwirrenden Zustand, in dem mir Baldursdóttirs Roman begegnet ist. So leid es mir tut, aber ich kann mich nicht entsinnen, jemals ein so nerviges Buch gelesen zu haben, das mir derart meine Kraft geraubt hat. Man kann seine Zeit sicherlich auch sinnvoller nutzen, als diesen Roman zu lesen. Auch Baldursdóttirs liebevolle Landschaftsbeschreibungen von Island können das Ruder nicht herumreißen. „Sterneneis“ bekommt daher nur zwei von fünf möglichen verirrten Sternchen, die auf dem See Pirouetten drehen.

    Mehr
  • Rezension zu "Sterneneis" von Kristin Marja Baldursdottir

    Sterneneis
    claudiaausgrone

    claudiaausgrone

    04. November 2011 um 15:38

    Zunächst einmal bedanke ich mich beim Krüger Verlag und bei LOVELYBOOKS für das Buch und die Testleserunde. Was mich zuallererst für dieses Buch eingenommen hat war die Warnung oberhalb des Impressums: „Dies ist ein Roman. Darin werden Ausschnitte aus der Erfahrungs- und Reifungsgeschichte von Frauen erzählt. Männer lesen diese Zeilen auf eigene Verantwortung.“ Schön! In Gunnurs Haus wurde eingebrochen während sie schlief, in diesem Sinne beginnt der Klappentext. Und auch das erste Kapitel. Aber für die eigentliche Geschichte ist dies nicht wichtig. Da ist schon der Text auf der Rückseite des Einbands hilfreicher: „Wie verbringen eine Frau mittleren Alters und ein Mädchen im Teenageralter, das an Handy, PC und Fernsehen gewöhnt ist, drei Tage in völliger Abgeschiedenheit miteinander?“ Wie kommt es zu dieser Situation? Eine Frau in den Fünfzigern, Gunnur, die zwar alles gerne unter Kontolle haben möchte, aber doch nicht immer eindeutig handelt, wird gewissermaßen überrumpelt, die 14-jährige Hugrún über ein Wochenende zu betreuen. Hugrún erinnert Gunnur an ein Reh, deshalb wird sie zukünftig auch nur so genannt. Sie benimmt sich alledings nicht scheu wie ein Reh, sondern eher wie das durch Verbiss ganze Wälder zerstörende Rotwild. Es passiert wenig Handlung. Das überrascht mich nicht wirklich, denn was soll schon groß geschehen ohne moderne Medien in der Einsamkeit, wenn zwei Fremde sich erobern müssen? Hier geht es um Grenzen: Austestung und Verletzung – übrigens auf beiden Seiten. Erstaunliche Nähe versus Destruktion. Gegensätze und Parallelen. Hier geht es um Aufarbeitung auf vielfältigen Ebenen und in verteilten bzw. verdrehten Rollen. Stilistisch eingeläutet durch die Traumsequenzen an den Kapitelanfängen. Es ist ein Frauenbuch. Obwohl Gunnur glücklich verheiratet zu sein scheint, bekommt ihr Mann keinen Raum. Raum bekommen die Mütter und Schwestern, die Bäuerinnen und Gunnur und das Reh. Ihre Stärken werden uns aufgezeigt, Stärken, die natürlich nicht ohne Schwächen daherkommen können. Die Autorin solidarisiert sich mit den Frauen, die stark sein müssen, um ihr Leben selbstbestimmt leben zu können. Es ist ein anspruchsvolles Buch, da vieles zwischen den Zeilen steht. Auch im konzentriert-lesen-müssen ist es anspruchsvoll. Es ist ein schönes Buch, in der Sprache, da besticht es. Und in vielen Schilderungen. Die Islandliebe der Autorin gefällt mir, die sich nicht nur dadurch zeigt, dass sie Landschaft, Natur und Geschichte so leuchtend zeigt, sondern auch durch ihre kritischen Äußerungen. Der Bruch liegt für mich im Spannungsbogen (einerseits), der schon im 3.Kapitel schwächelt und danach jäh nach unten geht. Andererseits im letzten Kapitel, das für mich nicht mehr schlüssig ist. Ich habe die Autorin bisher gerne gelesen und werde auch wieder Bücher von ihr lesen, dieses hier hat mir zum Ende hin nicht so gefallen, aber ich bewerte es trotzdem eher positiv als negativ.

    Mehr
  • Rezension zu "Sterneneis" von Kristin Marja Baldursdottir

    Sterneneis
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    27. October 2011 um 15:46

    Gunnur erlebt einen tiefen Schock am Morgen: Während sie nichtsahnend schlief, räumten Diebe ihre Wohnung aus. Alles, was digital funktioniert und tragbar ist, verschwand unbemerkt in der Nacht, Laptop, Kameras, Computer, Mobiltelefone. Noch völlig "neben der Kappe" bekommt sie Besuch: Eine Architektin überlässt ihr für das Wochenende ohne viel Federlesens ihre Tochter Hugrùn zur Aufsicht, sie müsse einen wichtigen Auftrag erledigen. Gunnur flüchtet vor dem Geschehen in ihr Sommerhaus, notgedrungen mit einem Klotz am Bein, einem 14-jährigen Mädchen, das sie noch nie zuvor getroffen hatte. An dieser Stelle setzt eine Geschichte ein, die der Klappentext nicht berücksichtigt: Eigentlich geht es im Buch überhaupt nicht darum, wie Gunnur und Hugrúr, "das Reh", ein Wochenende ohne TV und Handy überstehen. Vielmehr wird der Teenager zu einer Reflektionsfläche, mit der Gunnur ihre eigene Geschichte rekapituliert. Wie ist es ihr mit neun Jahren, mit elf oder vierzehn ergangen? Die beiden gehen Schlittschuhlaufen, besuchen den Geysir Strokkur und reisen mit dem Linienbus über die Insel, während "das Reh" nachfragt und Gunnur erzählt. Dabei wird nicht immer klar, wann Gunnur tatsächlich etwas laut sagt und wann sie mit sich selbst spricht. Der Text verzichtet komplett auf Dialogstrukturen und entsprechende Zeichensetzung. Im Lauf der Geschichte wird klar, dass es zwischen Gunnur und Hugrún viele Parallelen gibt. Dennoch: Es bleibt die Lebensgeschichte der Gunnur und damit diese erzählt werden kann, drückt Baldursdottir ihrer Heldin aus taktischen Gründen ziemlich rüde das Kind als Stichwortgeber aufs Auge und das Mädchen selbst bleibt während der Geschichte stark im Hintergrund. Ich schätzte es sehr, dass Baldursdottir nicht viel Aufhebens macht und sehr direkt erzählt. Einige Gepflogenheiten der isländischen Gesellschaft erzählt "Sterneneis" sehr eindrücklich. Dennoch habe ich ein wenig mehr Persönlichkeit von Hugrúr vermisst; ich empfand sie als absolute Nebenfigur - und das zu Unrecht. Angesichts der bewussten Setzung einer Parallele wäre es schön gewesen, wenn sich nicht bis zum Ende alles um Gunnur gedreht hätte. Ein bisschen zu offen endet das Buch zudem für meinen Geschmack.

    Mehr
  • Rezension zu "Sterneneis" von Kristin Marja Baldursdottir

    Sterneneis
    Kaddi

    Kaddi

    27. October 2011 um 11:16

    Als die Psychaterin Gunnur aus einem Alptraum erwacht, muss sie feststellen, das bei ihr eingebrochen wurde. Doch weniger der Verlust der Wertgegenstände, als die Tatsache, das die Täter sie beim Schlafen beobachtet haben könnten, ist für sie beängstigend und schmerzend. Sie muss jetzt nicht nur mit dieser Situation klarkommen, denn unverhofft steht ihre Innenarchitektin vor der Tür und schatzt Gunnur ihre 14 jährige Tochter für ein paar Tage auf, da sie keine Betreuung für diese Zeit finden kann. Ehe Gunnur auch nur Gegenargumente aufbringen kann, ist sie auch schon weg. Nun steht sie mit dem Teenager alleine da. Da jedoch alle Elektronischen Geräte geklaut wurden, gibt es keine Unterhaltung für Hurgrun. (Die bald nur noch "das Reh" genannt wird. Also beschließt Gunnur mit ihr in das Familieneigene Sommerhaus zu fahren. Dort erhofft sie sich ein wenig Ruhe um mit ihrer Arbeit ein wenig fortzufahren. Doch daraus wird nichts. Denn "dem Reh" wird langsam langweilig und weiß nichts mit sich anzufangen. Gunnur ist genervt, von diesem pupertierenden Teenager, der sich meist nur einsilbig gibt. Die beiden kommen erst auf einen Nenner, als Gunnur anfängt von ihrer Vergangenheit zu erzählen. Denn da wird das "Reh" hellhörig. So erzählt Gunnur nun immer wieder Episoden aus ihrer Kindheit. Sie erzählt die Geschichten aus sich eines Beobachters/ einer fremden Person. Zusammen besichtigen sie nun die Schauplätze aus Gunnurs Leben. Einer Zeit voller Verlust, harter Arbeit, Entbehrungen, die aus heutiger Sicht mehr als hart wirken. Hurgrun und Gunnur könnten unterschiedlicher nicht sein. Die Rollen der beiden Protagonistinen scheinen sich zu verändern. Die sonst mitten im Leben stehende Psychaterin, die nun selbst zur Patientin wird und ihre Lebensgeschichte auspackt, stellt sich ihren Ängsten und Problemen der Vergangenheit. Währendessen wird das "Reh" eine aufmerksame Zuhörerin, die aber immer noch ein rebellierender Teenager bleibt. Es ist eine wirklich Interessante Geschichte, die zwar recht flüssig zu lesen ist. Jedoch durch den Schreibstil ausergewöhnlich ist. Da die Grenzen zwischen Gegenwart und Vergangenheit fließend ineinander übergehen und man nicht immer sofort weiß, in welcher Zeit man sich gerade befindet.

    Mehr
  • Rezension zu "Sterneneis" von Kristin Marja Baldursdottir

    Sterneneis
    sunlight

    sunlight

    Sterneneis von Kristin M. Baldursdottir Island im Winter und ein Wochenende im abgelegenen Sommerhaus, das ist der Rahmen zur Geschichte von Gunnur, um die Fünfzig, Psychologin und Hugrún, einer 14 jährigen. Bei Gunnur wird zu Hause eingebrochen und es wird nicht nur ihre Privatsphäre verletzt, sondern auch ihre Fassade bekommt einen Riss. Hugrún wird bei Gunnur von ihrer Mutter unangekündigt abgesetzt und nun müssen die Frauen die Zeit miteinander verbringen. In der Einsamkeit des Hochlandes, ohne die gewohnten Zerstreuungen des modernen Alltags, treten Gespräche in den Mittelpunkt. Der Teenager fordert immer wieder vehement Geschichten aus der Vergangenheit von Gunnur ein. Die Kindheit in einer Familie, mit einer starken Mutter, Geschwistern, der Oma und den Nachbarn fasziniert sie, da Hugrún dies nie bei ihrer alleinerziehenden Mutter erfahren durfte. Sie ist auf der Suche nach Vorbildern, Orientierung und Halt. Gunnur taucht anscheinend zum ersten Mal intensiv und offen in ihre eigene Biografie ein und nimmt Hugrún zu Wanderungen in ihrem Kopfkino mit. Sie betreten die Orte der Vergangenheit und belauschen die historischen Personen. Hugrún wird so zur Therapeutin von Gunnur. In diesem Roman wird thematisiert, was uns formt, uns zu der Persönlichkeit werden lässt, die wir heute sind. Blitzlichter aus der Kindheit werden zu Schlüsselerlebnissen, die weitreichende Entscheidungen maßgeblich beeinflussen. Das Wort „Warum“ nimmt immer mehr Raum ein. Gunnur steht für uns Leserinnen und ist eine Einladung, die eigene Vergangenheit genau anzuschauen. In Kristin M. Baldursdottirs Romanen sind immer starke Frauen die Hauptpersonen, die sich emanzipieren und ihren Weg gehen; mit allen Schwierigkeiten, die die Gesellschaft und der Zeitgeist vorgeben. Stilistisch hat sich die Autorin weiterentwickelt. Sie vermischt Erinnerungsfetzen und die Gegenwart, verzichtet auf Anführungszeichen bei der wörtlichen Rede und fordert so ein sehr konzentriertes, überlegtes Lesen ein. Ja, an manchen Stellen ist sogar ein wiederholtes Lesen angebracht. Durch ihre präzise, bilderreiche Sprache malt sie Landschaften, Wohnungen und lässt den Schnee knirschen. Kristin M. Baldursdottir fesselt mit ihrer Sprache und es ist ein literarischer Genuss, die Zeit mit ihr zu verbringen. Sterneneis ist ein Roman, der uns auf die Reise zu uns selbst schickt. Wer zu dieser bereit ist, wird dieses Werk mit Gewinn lesen. Meine warme Empfehlung hat Sterneneis auf jeden Fall.

    Mehr
    • 3
  • Rezension zu "Sterneneis" von Kristin Marja Baldursdottir

    Sterneneis
    literat

    literat

    25. October 2011 um 10:38

    Ich habe so ein rabenschwarzes Gewissen. Ich habe nämlich das Buch für eine Leserunde geschenkt bekommen und habe mich aber dann an der Leserunde nur am Anfang beteiligt. Aber das ist einfach nicht mein Buch. Bevor ich nur Negatives zur Diskussion beitrage, lasse ich es lieber ganz. Am Anfang fand ich es noch sehr interessant und der Klappentext und das Cover haben mich auch sehr angesprochen. Aber dann ist die Geschichte so dahin geplätschert, es gab durchaus Ansätze für interessante, spannende Entwicklungen, die wurden aber meiner Meinung nach schlecht gelöst. Und auch unglaubwürdig. Ist aber nur meine Meinung, das Buch hat mich am Anfang schon berührt aber dann wieder losgelassen.

    Mehr
  • Rezension zu "Sterneneis" von Kristin Marja Baldursdottir

    Sterneneis
    Maggi90

    Maggi90

    20. October 2011 um 16:29

    Bei Gunnur wurde eingebrochen und ihr Leben steht plötzlich Kopf. Was für ein furchtbarer Gedanke, dass Fremde sich in ihrer Wohnung aufgehalten und ihre Schränke durchwühlt haben, während sie schlief. Sie beschließt übers Wochenende in ihr Sommerhaus zu fahren um von der Situation ein wenig Abstand zu gewinnen. Völlig unerwartet bekommt sie die Tochter ihrer Innenarchitektin aufgeschwatzt und darf nun das Wochenende mit einem, eher orientierungslosen Mädchen verbringen. Dann ist auch noch der DVD-Player im Sommerhaus defekt und Gunnur muss das Mädchen anders unterhalten. Zum Glück zeigt diese ein reges Interesse an Gunnurs Vergangenheit und drängt sie mehr zu erzählen. Zu Beginn fand ich das Buch noch recht nett geschrieben. Die Sätze waren klar und die Handlungen und der Gedankengänge der Personen sinnvoll und nachvollziehbar. Doch spätestens, nachdem Gunnur sich ohne jegliche Gegenwehr ein völlig fremdes 14-jähriges Mädchen aufschwatzen lässt, wurde es unrealitisch. Auch wurde es immer anstrengender zu lesen. Die Sätze wurden länger und länger und aufgrund von fehlenden Abführungszeichen bei der wörtlichen Rede musste man sich schon stark konzentrieren. Die langweilige Handlung trägt nicht wirklich dazu bei, dass man weiter lesen möchte. Die Personen verhalten sich absolute unrealistisch und besonders die Protagonistin, Gunnur, wird von Satz zu Satz unsympatsicher. Ihre Vergangenheit ist irgendwie klischeehaft und wenig spannend erzählt. Große Überraschungen gibt es auch keine. Das Einzige, was ich wirklich positiv ist, ist die blumige, verspielte Sprache, die Gunnur in den Mund gelegt wird, wenn sie ihre Liebe zur Flora und Fauna Islands beschreibt. Das war es dann leider auch schon. Für mich war dieses Buch ein totaler Flopp und ich werde sicher nicht noch einmal zu einem Buch dieser Autorin greifen. Dennoch Danke ich dem Krüger-Verlag und Lovelybooks, dass ich dieses Buch erhalten habe und an der Testleserunde teilnehmen durfte.

    Mehr
  • weitere