Kristina Pfister

 3.5 Sterne bei 21 Bewertungen

Lebenslauf von Kristina Pfister

Jahrgang 1955, Studium der Sozialökonomie in Stuttgart. Weiterbildung in den Bereichen Eltern- und Erwachsenenbildung, Psychologie, Körperarbeit und Sexualität. Nach Jahren in Marketing und Forschung in Deutschland und Griechenland wendete sie sich – inspiriert durch die Geburt ihrer beiden Söhne – den Themen Muttersein, Paarbeziehung und Sexualität zu. Es folgten die Gründung einer Wasserschule für Babys und einige Jahre als Elternbildnerin mit dem Schwerpunkt »Wie Kinder das Liebesleben verändern«. Heute führt sie in Winterthur bei Zürich eine eigene Praxis für Sexualberatung und leitet alleine und mit ihrem Partner Claude Jaermann Workshops und Seminare rund um die Themen Beziehung und Sexualität. Ihr innovativer Ansatz von »Eros & Agape« hilft Paaren, Unterschiede in der Sexualität leichter zu verstehen und zu überwinden.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Kristina Pfister

Cover des Buches Die Kunst, einen Dinosaurier zu falten (ISBN: 9783608501599)

Die Kunst, einen Dinosaurier zu falten

 (21)
Erschienen am 11.02.2017
Cover des Buches SexKiste der Liebe (ISBN: 9783952342701)

SexKiste der Liebe

 (0)
Erschienen am 30.09.2008

Neue Rezensionen zu Kristina Pfister

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Rezension zu "Die Kunst, einen Dinosaurier zu falten" von Kristina Pfister

Regt zum Nachdenken an
MartinMeyervor 8 Monaten

Annika zaudert oft, ist auch ein bisserl schüchtern und hangelt sich nach ihrem Studium von Praktikum zu Praktikum. Bis sie der burschikosen Marie-Louise begegnet, die alle kategorischen Imperative strebsamer Redlichkeit in den Wind schlägt. Annika lässt sich anstecken. Doch trägt das Fundament?
Es griffe zu kurz, diesen sprachgewaltigen und erfreulich knappen Roman als Buch über die "Generation Praktikum" zu bezeichnen. Mit messerscharfem Verstand analysiert die Autorin die Nöte der heute Zwanzig- bis Dreißigjährigen, für die das verheißene Alles ist möglich zum Whatever wird, weil ihnen die Möglichkeiten über den Kopf wachsen. Ein einfühlsames Buch, das mich sehr berührt hat.

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Rezension zu "Die Kunst, einen Dinosaurier zu falten" von Kristina Pfister

Bangemachen gilt nicht
Aspasiavor 3 Jahren

Annika, die Ich-Erzählerin in Kristina Pfisters Debut „Die Kunst, einen Dinosaurier zu falten„, Mitte 20, Kulturwissenschaftlerin, ist eine vor Erfurcht vor der richtigen Art zu leben, erstarrte Beobachterin des Lebens der Anderen.

Sie beobachtet täglich durch das Fenster ihres kleinen, genormten Apartments Marie- Louise. Das Mädchen von der anderen Seite, in dieser gesichtslosen Bungalowanlage, in einer unwichtigen, namenlosen Stadt, weil sie nur Heimat auf Zeit ist, für die nächsten drei Monate, für eine weitere Möglichkeit in unzähligen, unterbezahlte Stunden Arbeitspraxis für den Lebenslauf anzuhäufeln wie Kartoffeln.

Wie in einem dieser skandinavischen Avangardefilme mit nur einer Kameraeinstellung ist dieses rechteckige Fenster die Leinwand für den Film und im geöffneten Zustand ist der dann sogar mit einer Tonspur versehen. Annika lauscht so dem Lachen der zahlreichen Besucher, dem klirren der aneinander geschlagenen Bierflaschen, der bekannten, in die Nacht wabernde Musik, sie schnappt Abschiedsgrüße von der Straße nach oben ans andere Fenster auf, bestaunt in sternenloser Nacht glitzernde Ohrringe und bewundert perfekt oval geformte Rauchringe, die nur wenige Meter Luftlinie von ihr entfernt den fremden Frauenmund verlassen.

Während sie allein und einsam fühlt und ihr einziger Austausch die Telefonate mit ihrer Mutter sind, haben alle anderen ein Leben. Eins, das es wert ist, mit dem richtigen Filter versehen, in die Welt geschickt zu werden, um Belohnung in Herzchenform zu generieren, eines zu dem es sich lohnt Excerpte auf maximal 140 Zeichen eingestampft zu geben oder aber wenigstens die algorithmisch generierte Frage „Wo bist du?“ mit einer exotisch klingenden Ortsbezeichnung zu beantworten.

Da steht eines Abends Marie-Louise schon leicht betrunken vor ihrer Tür und nun kommt erstmals Bewegung in Annikas Leben. Marie-Louise ist die Antagonisten wie man sie nicht besser hätte erfinden können. Sie wartet nicht lange, sie klopft an Türen und wenn nicht gleich geöffnet wird, klopft sie auch mal heftiger. Sie folgt keinem Plan, weil man das so tut, sondern tut jetzt, was sie will und morgen will sie vielleicht schon wieder etwas Anderes.

Jetzt will sie erst einmal nach London sich einen Job suchen. Da Annika die Abschiedsparty verschläft, holt Marie-Louise sie höchst selbst zur Feier nach der Feier in ihr Apartment, der Sehnsuchtsort, wo das wahre Leben ist. Während dieser Nacht mit den kulinarischen Überbleibseln, viel Wodka, ein paar Salzstangen und löffelweise Schokopudding, in der Marie-Louise viel erzählt und Annika mehr schweigt, klettern die beiden einem spontanen Einfall folgend aufs Hausdach und ohne jede Vorwarnung übt Annika das Loslassen. Sie springt vom Dach in die nicht zu tiefe Tiefe. Was sie mit ein paar Abschürfungen und einem kaputten Knie erst einmal zurück auf Mamas Sofa bringt.

Dort leckt sie sich ihre Wunder, igelt sich ungeduscht, mit fettigem Haar und in olfaktorisch bedenklicher Jogginghose antriebslos auf dem Sofa, mit dessen Muster sie phantasiert zu verschmelzen, ein. In die Polster gedrückt von der Wackerstein schweren Last in ihrem Bauch. Der erste Elan dem ungeliebten Praktikum entkommen zu sein, reicht nur noch für den Griff zum Joystick, um den High-score der Ballerspiele ihres jüngeren Bruders zu knacken.

Eine der Stärken der Autorin ist, dass sie sich der bleiernden Lethargie wie auch dem Getriebensein der beiden Frauen mit der gleichen sprachlichen Hingabe widmet, und so die Emotionen spürbar zu machen.

Zwei Wochen später treffen Annika und Marie-Louise im kleinstädtischen Krankenhaus ihrer Heimatstadt erneut aufeinander. Die eine lässt dort ihr Knie behandeln, die andere sitzt am Sterbebett der Urgroßmutter und faltet den Titel gebenden Origami Dinosaurier, denn für so ‚was Komplizertes gibt’s Anleitungen. Angesicht der Endlichkeit erstellen die beide eine Art bucket-list und beschließen all die Dinge, die sie schon immer mal, oder schon lange ncht mehr in den nächsten Tagen abzuarbeiten. Kitschig, ja, aber auch ein erster Schritt, um eigene Wünsche wertfrei zu formulieren. Auch wenn es Anika jetzt von der Couch schafft. Bewegung im Wortsinne in sie kommt, sie zu Fuß auf Konzerte geht, sie im nahen Baggersee schwimmt, Stifter tut nicht so, als sei jetzt endlich alles wieder gut.

Annika erkennt, dass auch die bewunderte, umtriebige Freundin, die einer Schlange gleich, sich ein ums andere Mal häutet, eine Methapher, die Pfister wirklich etwas überstrapaziert, sich immer wieder neu erfindet, die selben Fragen ans Leben hat.

Wer bin ich? Wer will ich sein? Wo ist mein Platz im Leben?

Mir gefällt, dass die Autorin darauf keine Antworten gibt, sie keine Bauanleitung für das eine richtige Leben anreicht. Es gibt unendliche viele Möglichkeiten, das kann auch beängstigend sein, doch Bangemachen gilt nicht.

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K

Rezension zu "Die Kunst, einen Dinosaurier zu falten" von Kristina Pfister

Keine Chance zum Wachrütteln
Klabauterclarensvor 3 Jahren

In dem Buch "Die Kunst, einen Dinosaurier zu falten" sehe ich weniger einen Spiegel der Generation, sondern viel mehr den Versuch zu erklären, wie es sich anfühlt in eine Antriebsstörung zu rutschen und wieder herauszufinden. Die Protagonistin Annika ist in meinen Augen eine junge Frau, die sich mit dem Druck etwas zu erleben, ihre Jugend zu genießen und auszunutzen, überfordert fühlt. Durch ihre Umgebung wird sie immer wieder mit Leuten konfrontiert, die es "richtig machen", ins Ausland gehen, das Leben genießen. So anscheinend auch Marie Luise, ihre Nachbarin, die Annika durch ihr Fenster beim Party machen beobachtet. Doch beim Kennenlernen offenbart sich, das ihre neue Freundin keinesfalls so lebenslustig ist, wie sie aus der Ferne wirkt. Auch sie trägt eine Leere in sich, die teilweise durch eine dunklere Färbung ihrer Stimme zum Ausdruck kommt, dann jedoch schnell wieder durch idealisierte Vorstellungen des Lebens überdeckt wird, die Marie Luise aus Büchern und Filmen bezieht und immer wieder versucht zu erreichen. Annika hingegen versucht es nicht mal und als sie gegen Ende des Romans tatsächlich in "buchwürdige" Situationen gerät, wahrt sie stets eine ungläubige Distanz. Wie die Protagonistin aus Sylvia Plaths "Die Glasglocke" kann sie keine der unzähligen Möglichkeiten, die vor ihr liegen, ergreifen und versinkt in einem inneren Sumpf. Erst Marie Luise gelingt es, sie abzufangen und zu animieren, wieder am Leben teilzunehmen.
Die Leere, Langweile und Antriebslosigkeit, die in anderen Rezensionen kritisiert wurden, machen dieses Buch in meinen Augen zu einem wunderbaren Ausdruck für eine Depression ohne direkten Auslöser, ohne das die Erkrankung jemals explizit genannt wird. Besonders fasziniert hat mich, wie bereits erwähnt, gegen Ende des Romans die Beschreibung der bunteren Szenen, die an eine Sommeridylle erinnern, von Annika aber dennoch nicht als solche wahrgenommen werden können. Obwohl sie sich stabilisiert, bleibt die Leere in ihr bestehen.

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Gespräche aus der Community

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Cover des Buches Die Kunst, einen Dinosaurier zu falten
»Hi«, sagte sie, »ich bin Marie-Louise. Ich wohne gegenüber, Du siehst aus, als könntest du ein Geschirrset gebrauchen.«

Andere sammeln Briefmarken, Annika sammelt Praktikumsbescheinigungen. Dabei driftet sie von Stadt zu Stadt ohne zu wissen, was sie mit sich anfangen soll – »Die Kunst, einen Dinosaurier zu falten« von Kristina Pfister ist ein nahezu poetischer Roman über die Leere am Ende der Jugend.

>> Hier geht's zur Leseprobe

Inhalt:

»Und wo zieht es dich danach hin? Hast du Pläne?«, fragte sie, als wüsste sie nicht längst, dass ich hier gestrandet war wie einer dieser fetten Blauwale, die überall in Neuseeland an den Stränden lagen und langsam verreckten.

Jeden Abend betrachtet Annika durch das Fenster ihres Apartments die junge Frau gegenüber. Marie-Louise scheint all das zuzufliegen, wonach Annika sich sehnt: Freunde, Liebhaber, Geselligkeit. Sie lebt aus vollen Zügen, während Annika von Praktikum zu Praktikum driftet und nichts mit sich anzufangen weiß. Doch eines Nachts klingelt Marie-Louise an Annikas Tür. Aus einer Zufallsbekanntschaft wird enge Freundschaft, als Annika nach Hause zurückkehrt, um endlich herauszufinden, was sie eigentlich mit sich anfangen will. Und unversehens ihre alte Nachbarin wiedertrifft. Bald stellt sich jenes Gefühl von Schwerelosigkeit ein, das Phasen des Umbruchs begleitet, und für die beiden Frauen beginnt ein Sommer in der Provinz, wo Humor und Verzweiflung nah beieinander liegen.


Autorin:

Kristina Pfister, geboren 1987 in Bamberg, war Teilnehmerin der Bayrischen Akademie des Schreibens und der on3-Lesereihe. Sie lebt in München und Wiesbaden. »Die Kunst, einen Dinosaurier zu falten« ist ihr erster Roman.

Tropen | 253 Seiten | gebunden mit Schutzumschlag | ISBN: 978-3-608-50159-9
123 BeiträgeVerlosung beendet
Letzter Beitrag von  Thaliomeevor 4 Jahren
Ich habe ganz vergessen, meine Rezi zu verlinken. Hier also: https://www.lovelybooks.de/autor/Kristina-Pfister/Die-Kunst-einen-Dinosaurier-zu-falten-1358233126-w/rezension/1471273327/ Auch ich fand es extrem schwer zu bewerten, weil nicht viel passiert. Und weil ich nicht glauben möchte, dass die Generation Praktikum so tickt. Einfach einen (wenn auch blöden) Job hinschmeißen um danach nur noch in den Tag hinein zu leben... dafür ist man dann doch zu alt nach dem Studium. Irgendwann muss einfach die Einsicht kommen, dass Selbstständigkeit etwas tolles ist und man nicht ewig in einem Jugendzimmer bei Mama wohnen möchte.

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