Kristina Pfister Die Kunst, einen Dinosaurier zu falten: Roman

(3)

Lovelybooks Bewertung

  • 8 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 1 Leser
  • 2 Rezensionen
(1)
(1)
(1)
(0)
(0)

Inhaltsangabe zu „Die Kunst, einen Dinosaurier zu falten: Roman“ von Kristina Pfister

» ›Und wo zieht es dich danach hin? Hast du Pläne?‹, fragte sie, als wüsste sie nicht längst, dass ich hier gestrandet war wie einer dieser fetten Blauwale, die überall in Neuseeland an den Stränden lagen und langsam verreckten.« Jeden Abend betrachtet Annika durch das Fenster ihres Apartments die junge Frau gegenüber. Marie-Louise scheint all das zuzufliegen, wonach Annika sich sehnt: Freunde, Liebhaber, Geselligkeit. Sie lebt aus vollen Zügen, während Annika von Praktikum zu Praktikum driftet und nichts mit sich anzufangen weiß. Doch eines Nachts klingelt Marie-Louise an Annikas Tür. Aus einer Zufallsbekanntschaft wird enge Freundschaft, als Annika nach Hause zurückkehrt, um endlich herauszufinden, was sie eigentlich mit sich anfangen will. Und unversehens ihre alte Nachbarin wiedertrifft. Bald stellt sich jenes Gefühl von Schwerelosigkeit ein, das Phasen des Umbruchs begleitet, und für die beiden Frauen beginnt ein Sommer in der Provinz, wo Humor und Verzweiflung nah beieinander liegen.

Das Lebensgefühl einer Generation überzeugend auf den Punkt gebracht.

— miss_mesmerized
miss_mesmerized

Sehr schönes Buch, passend zu meiner Generation!

— Grossstadtkind
Grossstadtkind
  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Kristina Pfister - Die Kunst, einen Dinosaurier zu falten

    Die Kunst, einen Dinosaurier zu falten: Roman
    miss_mesmerized

    miss_mesmerized

    01. July 2017 um 05:57

    Endlich das Studium beginnen, dann kann das richtige Leben nun losgehen. Doch Das Leben lässt auf Annika noch warten. Sie hangelt sich von Praktikum zu Praktikum, sitzt in fremden Städten in kleinen Wohnungen und die prekäre finanzielle Lage erlaubt ihr auch nicht einmal kleine Sprünge. Wochenlang beobachtet sie in einem Appartement auf der anderen Straßenseite eine junge Frau, die offenbar viele Freunde hat und das Leben ausgelassen genießt. So lernt sie Marie-Louise kennen, ein Freigeist, der nicht danach strebt, irgendwelche Erwartungen oder Normen zu erfüllen. Wieder in der Heimat wird Annika in die Zeit ihrer Kindheit zurückversetzt, wie damals lebt sie bei ihrer Mutter während die ehemaligen Schulfreunde scheinbar Karriere machen. Doch auch bei diesen ist der äußere Schein eine wacklige Fassade. Kristina Pfister gelingt es überzeugend das Lebensgefühl der Generation Praktikum einzufangen. Einerseits die Erwartung, dass das Leben voller Abenteuer und Chancen ist, die man nur ergreifen muss; andererseits der Erfüllungs- und Leistungsdruck, die unsichere Zeit zwischen Studium und festem Arbeitsplatz und das Gefühl, noch gar nicht erwachsen genug für das Leben zu sein, das man führen soll. Sehr schön wird dies mit folgendem Satz von dem Freigeist Marie-Louise auf den Punkt gebracht: „man muss aufpassen, dass freihändig Fahrrad fahren nicht das einzige Abenteuer bleibt, das man je erlebt hat“ (Pos. 320)Dem entgegen stehen die weisen Sprüche des Therapeuten Öztürk, der Annika helfen soll, Struktur und Sinn in ihr Leben zu bringen: „kleine Schritte. Jemanden ansprechen zum Beispiel.“ (Pos. 1958) oder „manchmal müsse man sich überwinden, etwas zu tun, was man nicht tun wollte, damit die Dinge besser würden.“ (Pos. 2319)Sie wirken geradezu absurd für eine junge Frau, die offenbar verloren im eigenen Dasein ist und zwischen den Extremen der Erwartungserfüller und den scheinbar völlig Freien hin und her schwankt und doch ihren Platz nicht findet.Der Roman lebt nicht von der Handlung, diese ist passenderweise sehr überschaubar, denn Annikas Lebens ist zum Stillstand gekommen. Sie steckt fest und sieht keinen Weg heraus aus ihrem Dilemma. Es ist das Gefühl, das sie in dieser Situation begleitet und das den Roman trägt. Es passieren kleine, unwichtige Dinge. Ein Treffen mit Freunden, ein Konzertbesuch, aber die großen Ereignisse bleiben aus. Auch die Arbeit bietet kein mentales Futter, um den Gedankenkreislauf zu durchbrechen, stupide und uninspirierend werden dieselben Handgriffe Stunde um Stunde wiederholt. Das Buch bietet keine Lösung, wie man aus diesem Strudel ausbrechen könnte – aber dies wäre auch absurd, die Ratschläge Öztürks verdeutlichen dies, es kann nur aus dem einzelnen selbst kommen, sich sein Leben zu gestalten, der Rat von außen bleibt weitgehend hohl. 

    Mehr
  • Origami

    Die Kunst, einen Dinosaurier zu falten: Roman
    SABO

    SABO

    11. March 2017 um 16:00

    Kristina Pfister - Die Kunst, einen Dinosaurier zu falten - Klett-Cotta"Jeden Abend betrachtet Annika durch das Fenster ihres Apartments die junge Frau gegenüber. Marie-Louise scheint all das zuzufliegen, wonach Annika sich sehnt: Freunde, Liebhaber, Geselligkeit. Sie lebt aus vollen Zügen, während Annika von Praktikum zu Praktikum driftet und nichts mit sich anzufangen weiß. Doch eines Nachts klingelt Marie-Louise an Annikas Tür. Aus einer Zufallsbekanntschaft wird enge Freundschaft, als Annika nach Hause zurückkehrt, um endlich herauszufinden, was sie eigentlich mit sich anfangen will. Und unversehens ihre alte Nachbarin wiedertrifft. Bald stellt sich jenes Gefühl von Schwerelosigkeit ein, das Phasen des Umbruchs begleitet, und für die beiden Frauen beginnt ein Sommer in der Provinz, wo Humor und Verzweiflung nah beieinander liegen."Dieses Buch plätschert wie ein leises Bächlein der scheinbaren Ereignislosigkeiten dahin.Annika feiert ihre Lethargie bis zum Exzess. Darum geht es.Die Leere der Jugend wird hier perfekt an den Leser vermittelt. Eine Protagonistin, die kaum spricht, kaum schläft, stundenlang vor dem Laptop sitzt und sich auf illegalen Websites Sitcoms ansieht. Da Bild flimmert in schlechter Qualität, doch sogar dafür nimmt sie die aufdringliche Porno-Werbung in Kauf.Die zum Teil sehr bildhaften Beschreibungen der versprochenen Sex-Abenteuer, bergen zumindest einen "Höhepunkt" für Annika.Annika verliert sich in Motivationslosigkeit, Alkohol und Drogen - ihre Freunde "helfen" ihr dabei.Annika erzählt in der Ich-Form, bei Unterhaltungen muss man ihr förmlich alles aus der Nase ziehen:"Was hast du studiert?".."Kulturwissenschaften"..Oh, was macht man damit?".."Man kann alles und nichts damit machen, eigentlich.".."Und was machst du damit?".."Ich weiß nicht.".."Ach so."Ihre Freundin Marie-Louise bringt etwas Schwung in ihr pfadloses Leben. Hätte sich der chaotische Quirl Annika nicht aufgedrängt, säße sie heute noch im Grau ihrer diffusen Gedanken.Ihre To do-List: Baden, spazierengehen, das Meer sehen, am Strand liegen. Immerhin..Das Buch liest sich an einem Nachmittag, obwohl es ereignislos und ohne große Spannung ist, besitzt es einen Sog, der zum literarischen Chillen verleitet, die Sprache ist entspannend und flüssig.Es fängt mit der großen Leere an und am Ende schließt sich der Kreis.Den Nährwert dieses Buches möchte ich nicht bestreiten, jedoch hat es mehr eine melancholische Stimmung vermittelt, denn einen Inhalt. Mehr Kuriosum als Happening und deswegen auch lesenswert.

    Mehr